Habemus Offensive Line! Mit dem letzten der mageren drei Picks im NFL Draft 2021 wählten die Seattle Seahawks (nach WR D’Wayne Eskridge und CB Tre Brown) einen Offensive Tackle und stellten damit einen Großteil der Anhängerschaft zufrieden. Auch der Franchise-Quarterback Seattle Seahawks, Russell Wilson, sollte von diesem Pick durchaus angetan sein. Mit Stone Forsythe findet ein Spieler den Weg nach Seattle, der in Zukunft für den Schutz des Passverteilers zuständig sein soll. Der Konsens hatte Forsythe deutlich früher gesehen – das Spektrum ging von Runde 2 bis etwa Runde 4 und so landete das Front Office rund um John Schneider laut diversen Experten einen echten Steal. Ob das, was wert ist, kann zu diesem Zeitpunkt natürlich seriös eingeschätzt werden. Lasst uns deshalb lieber einen Blick auf das im wahrsten Sinne große Gesamtpaket in Form von Stone Forsythe werfen.
OT Stone Forsythe
Kurzinfos:
College: Florida (2017-2020)
Alter: 23 (29. Dezember 1997)
Größe: 206 cm
Gewicht: 141 kg
Armlänge: 87 cm
Handgröße: 25 cm
Draft: 6. Runde, Pick #208
College-Statistiken (2020):
Spiele: 12
Werdegang
Stone Forsythe wurde in Winter Garden, Florida geboren. Er ist der Sohn von Ray Forsythe, der auch professionell Football und Offensive Tackle spielte. In der NFL spielte er für die Cincinnati Bengals. Forsythe Senior lief aber auch in der NFL Europe für die Amsterdam Admirals auf.
Stone Forsythe setzte in seiner Freshman-Saison (erstes Jahr am College) mit einem Redshirt aus. In seiner zweiten Saison bei den Florida Gators startete er die letzten beide Spiele. In den Spielzeiten 2019 und 2020 startete Forsythe schließlich alle Spiele als Left Tackle.
Videoanalyse
Wenn man die ersten Ausschnitte von Stone Forsythe betrachtet, dann ist es kaum zu übersehen. Dieser Mann ist ein Berg von einem Mensch. Mit einer Körpergröße von 2,0 Meter und einem Gewicht von 141 Kilogramm ist er selbst für einen Offensive Linemen enorm groß. Das kann ihm in gewissen Situationen helfen, birgt aber auch Potenzial für Schwächen.
Beginnen wir mit dem Positiven: Stone Forsythe ist ein sehr ruhiger und umsichtiger Pass-Protector. Im Spiel wird Forsythe selten hektisch, hat immer wieder eine gute Übersicht und ein gut ausgeprägtes Spielverständnis. Durch seine Maße hat er einen riesigen Umfang und kann damit viel Raum verteidigen. Die langen Arme helfen ihm den Gegenspieler fernzuhalten, dies hilft ihm die oft zu langsame Fußarbeit auszugleichen. Er hat gute Fähigkeiten im Spiegeln des Gegenspielers – auf Richtungswechsel wird schnell reagiert. Bekommt Forsythe die Hände an den Gegenspieler, und das fällt vor allem in der Pass-Protection auf, hält er diese Blocks auch über den gesamten Spielzug.
Durch die hünenhafte Größe ergeben sich aber auch natürliche Nachteile. Forsythes Fußarbeit ist, wie bereits angesprochen, ausbaufähig. Er ist noch nicht in der Lage konstant mit schnellen Schritten Raum zu überwinden. Dadurch ist auch seine Mobilität eingeschränkt, was ihn vor allem bei Rollouts oder Outside-Zone-Laufspielzügen limitiert. Auch bei Blocks auf Linebacker-Level ist er nicht zuverlässig. Außerdem ist Forsythe nicht besonders kräftig in der Mitte des Körpers, was auch durch den hohen Körperschwerpunkt zu erklären ist.
Größte Stärke
In der folgenden Szene sehen wir Stone Forsythe in einer langen Wiederholung in Pass-Protection. Er bekommt nach dem Snap direkt die Hände an den Gegenspieler. Ab dem Zeitpunkt ist der Spielzug für ihn gewonnen. Mit Ruhe und Geduld hält er den Block lange aufrecht, der Defensive End hat keine Chance nur in die Nähe des Quarterbacks zu kommen. Forsythe spielt hier seine Größe und Gewicht brillant aus und an ihm liegt es nicht, dass der Quarterback am Ende der Szene im Gras liegt.
— Tobi | Inside Zone (@InsideSeahawks) June 4, 2021
Größte Schwäche
Forsythe gelingt es im nächsten Spielzug nicht die Hände an den Gegenspieler zu bekommen. Im Gegenteil: Der Defensive End schlägt die Hände von Forsythe weg und kann ihn damit aus der Balance bringen. Im weiteren Verlauf des Spielzuges gelingt es dem jungen Offensive Tackle nicht sich davon zu erholen. Zu langsam ist hier die Fußarbeit, um den nötigen Raum auf den Verteidiger wieder zu verringern und ihn aus der Pocket fernzuhalten. Die Pocket kollabiert. Der Verteidiger kann den Wurf des Quarterbacks noch beeinflussen. Was folgt, ist eine Interception.
— Tobi | Inside Zone (@InsideSeahawks) June 4, 2021
Fazit
Stone Forsythe ist ein sehr interessantes, aber auch noch sehr rohes Projekt. Um in der NFL bestehen zu können muss er die Makel, die er mitbringt (Fußarbeit und Ankerstärke), dringend aufarbeiten. Grundsätzlich muss Forsythe lernen etwas kompakter zu spielen. Das bedeutet: Körperschwerpunkt niedriger halten, mehr in die Knie gehen, schnellere Fußarbeit trainieren.
In seiner Rookie-Saison ist Stand jetzt nicht allzu viel zu erwarten. Left Tackle Duane Brown, im Spätherbst seiner Karriere, spielte eine gute Saison 2020 und ist gesetzt. Mit Right Tackle Brandon Shell, der seinen Job über weite Strecken ordentlich machte, könnte Forsythe um den Startplatz streiten. Wahrscheinlicher ist aber das Stone Forsythe erst in seinem zweiten Jahr in die Nähe eines Stammplatzes kommt. Duane Brown ist dann noch ein Jahr älter und der Vertrag von Brandon Shell läuft nur noch für die kommende Saison. Dann dürfte zumindest eine Planstelle für Stone Forsythe frei werden, die er bei entsprechender Entwicklung bekleiden könnte.
Tre Brown war ein sehr untypischer Pick im NFL Draft 2021 für die Seattle Seahawks, denn er verfügt nicht über die für die typischen Maße eines Outside Cornerbacks des Teams aus der Emerald City. Pete Carroll und John Schneider verkündeten der Öffentlichkeit jedoch, dass Sie mit Brown als Outside Cornerback planen. Die vergangene und gute Saison von D.J. Reed scheint den Verantwortlichen im Gedächtnis geblieben zu sein und weicht damit die sonst so strikten Anforderungen für einen Cornerback etwas auf.
Hey Rookies, wie war es denn so? Achtmal durften die Seattle Seahawks sich im NFL Draft 2020 in der Talentauswahl der besten College-Spieler bedienen und ihre Rookies picken. Bis kurz nach dem NFL Scouting Combine war das Leben für die Frischlings-Klasse noch ganz normal, doch dann stellte die Corona-Pandemie ihren Alltag und den der Menschen weltweit auf den Kopf. Es gab nur wenige Pro Days und keine persönlichen Workouts vor Ort in den Traingszentren. Stattdessen hieß es antreten zu virtuellen Zoom-Interviews. Dadurch ergab sich für das Front Office der Seahawks rund um General Manager John Schneider eine außergewöhnliche Situation. Konfrontiert mit einem verschärften Glücksspiel in Sachen Draftpicks, war von den Verantwortlichen des Teams nämlich ein extrem gutes Näschen für Talent gefragt.
Was finden die Seattle Seahawks an Stephen Sullivan, könnte man sich beim Blick auf dessen Stats aus der College-Saison 2019 fragen. Was bewegte sie dazu, ihn in der 7. Runde zu picken, obwohl sie ihn wohl auch als Undrafted Free Agent bekommen hätten. In sechs Spielen hatte der ehemalige Wide Receiver und jetzt Tight End doppelt so viele Fänge für 130 Yards und null Touchdowns – und das in der dynamischen Offensive des nationalen Meisters LSU. Für Head Coach Pete Carroll und General Manager John Schneider dürfte Sullivan eine Art Projekt sein. Deshalb gibt’s hier nun die Projektbeschreibung.
In der mutmaßlich historisch tief besetzten Passempfänger-Klasse des NFL Draft 2020 ließen sich die Seattle Seahawks bis zur 6. Runde Zeit, um einen Wide Receiver zu wählen. Das Vertrauen ins vorhandene Personal, allen voran Tyler Lockett, DK Metcalf und Veteran-Neuzugang Phillip Dorsett, scheint groß zu sei. Zusätzlich sind Spieler wie etwa die beiden Tight Ends Will Dissly und Greg Olsen valide Optionen im Passspiel. Running Back Chris Carson konnte die Anzahl empfangener Pässe zuletzt fast verdoppeln (20 Receptions in 2018 zu 37 Receptions in 2019). So ist die Vorgehensweise der Verantwortlichen im Front Office nicht all zu verwunderlich. Kann der ehemalige Florida Gator Freddie Swain den Seahawks dennoch helfen?
Jedes Jahr gibt es rund um den NFL Draft immer wieder aufkommende Diskussionen rund um die Philosphie, wie man denn nun richtig Spieler auswählt. Nimmt man den besten verfügbaren Spieler, der noch auf dem Big Board des Teams zu finden ist? Oder bedient man den dringendsten Bedarf, zieht dafür unter Umständen einen Spieler, der zwar niedriger eingestuft war, aber eine vermeintliche Baustelle im Team beseitigt? Ich bin klar der Meinung, dass man den besten verfügbaren Spieler wählen sollte. Lässt man die Talentauswahl 2020 nochmals Revue passieren, so gehen die Seahawks ähnlich vor. Mit Jordyn Brooks beispielsweise wurde ein Spieler auf einer Position gewählt, die eigentlich (noch) als Prunkstück des Kaders gilt.
Die Seattle Seahawks führten auch in diesem Jahr eine kleine Tradition fort und pickten erneut einen Running Back: In Runde 4 mit dem 144. Pick wählten sie DeeJay Dallas von den Miami Hurricanes aus. Diese Vorgehensweise auf der Läufer-Position ist in Ordnung und gleicht der der vergangenen Jahre. Jede Saison wählen die Seahawks mit Mid- bis Late-Round Picks ein Spieler auf dieser Position aus, die nicht gerade für Langlebigkeit bekannt ist. Seattle stattet den Kader über den Draft mit jungen und frischen Beinen aus und hat nur die Kosten eines günstigen Rookie-Vertrages. Aus der Reihe fiel 2018 Rashaad Penny, der als Erstrundenpick den Weg in den Pacific Northwest fand und diesen Draft-Status – falls das auf der Running Back-Position überhaupt möglich ist – nicht gerechtfertigt hat.
Die bereits überbelegte Tight-End-Gruppe der Seattle Seahawks ist um einen Spieler reicher. Nachdem die Position mit Spielern wie Will Dissly, Greg Olsen, Jacob Hollister und Luke Willson schon ordentlich besetzt war, zogen die Seattle Seahawks mit ihrem vierten Pick im NFL Draft 2020 in Person von Colby Parkinson einen weiteren Tight End. Auf den ersten Blick war der Pick durchaus verwunderlich, bei genauerer Betrachtung wird er aber nachvollziehbarer. Will Dissly beendete seine zwei bisherigen Spielzeiten als Profi jeweils mit einer schweren Verletzung frühzeitig. Greg Olsen und Luke Willson sind, bei allem Respekt, im Herbst ihrer Karriere angekommen und stehen beide für nur ein weiteres Jahr unter Vertrag. Jacob Hollister ist ein guter Receiver, aber kein guter Blocker – und auch er steht nur für ein weiteres Jahr im Kader der Seahawks. Zeit, den Blick auf die Saison 2021 zu richten. Hier kommt der Neuzugang von der Stanford University ins Spiel.
Ein Stichwort, mit dem die meisten Fans der Seattle Seahawks keine positiven Gefühle verbinden: Offensive Line. Seit Jahren hat das Team aus dem Pacific Northwest Probleme, seinen Quarterback adäquat zu beschützen. Die Schwächen im Lauf-Blocking sind seit der Verpflichtung von Offensive Line Coach Mike Solari Geschichte, doch das Blocken bei Passspielzügen stellt weiterhin ein Problem dar. Nun soll sich das abermals ändern – auch durch Rookie Damien Lewis.
Nachdem die Seattle Seahawks dieses Jahr nicht in der 1. Runde des NFL Draft per Trade nach unten wanderten, ging es am zweiten Tag der Talentauswahl sogar in die umgekehrte Richtung. Für Defensive End Darrell Taylor von den Tennessee Volunteers haben die Seahawks einen Uptrade gewagt. Ein Blick auf die letzten Uptrades von John Schneider – namentlich Tyler Lockett, Jarran Reed und DK Metcalf – macht Hoffnung. Sollte sich Taylor in diese Riege einreihen, ist er gewiss nicht in schlechtester Gesellschaft. Werfen wir einen genaueren Blick auf den Frischling im Seahawks-Kader.
Sichtlich geschockt waren alle Anhänger der Seattle Seahawks. Die erste Überraschung: „Pick is in“ – erstmals seit 2011 nutzte das Front Office den originalen Erstrundenpick im NFL Draft. Aber auch beim Verlesen des Picks folgte direkt die zweite Überraschung: Mit Jordyn Brooks haben die Seahawks hier einen, zumindest laut der öffentlichen Meinung und Experten, verwunderlichen Pick getätigt. Überrascht war auch Brooks selbst: Nach dem NFL Scouting Combine fand von Head Coach Pete Carroll und General Manager John Schneider keine Interaktion mit dem Spieler mehr statt. Alles Taktik, behauptete später Schneider. Er habe keine Aufmerksamkeit auf Brooks lenken wollen. Was macht Jordyn Brooks so besonders, dass die Seahawks ein Geheimnis aus ihm machten?
Der NFL Draft 2020 – der erste digitale in der Geschichte der Liga – ist vorbei. Ohne größere Zwischenfälle ging die vielleicht größte Videokonferenz der Welt in den vergangenen drei Tagen über die virtuelle Bühne. Jetzt beginnt die Zeit, in der Experten die Talentauswahl aller Teams bewerten. Von überschwänglichen Lobeshymnen bis zum totalen Verriss ist alles dabei. Value und Reach sind die bestimmenden Maße. Mal liegen die Analysten absolut richtig, mal vollkommen falsch. Weil die Wahrheit oft irgendwo zwischendrin liegt, gibt’s an dieser Stelle nun wie jedes Jahr eine wertungsfreie Übersicht und Einordnung zu den acht Picks der Seattle Seahawks.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 2 Uhr deutscher Zeit ist es endlich soweit: Im Internet – und nicht wie eigentlich geplant in Las Vegas, Nevada – steigt der NFL Draft 2020. In diesem Liveticker halten wir für Euch die wichtigsten Geschehnisse fest und beobachten gebannt, was General Manager John Schneider und Head Coach Pete Carroll mit ihren Picks anstellen werden.
Nach dem Ausscheiden der Seattle Seahawks und noch vor Super Bowl LIV wollen wir in die Offseason starten und voraus schauen. Das Front Office muss in den kommenden Wochen und Monaten wichtige Entscheidungen treffen, um in der Saison 2020 ein konkurrenzfähiges Team aufs Spielfeld stellen zu können. Der Überblick inklusive Ausblick.