See A Hawk: Damien Lewis

Ein Stichwort, mit dem die meisten Fans der Seattle Seahawks keine positiven Gefühle verbinden: Offensive Line. Seit Jahren hat das Team aus dem Pacific Northwest Probleme, seinen Quarterback adäquat zu beschützen. Die Schwächen im Lauf-Blocking sind seit der Verpflichtung von Offensive Line Coach Mike Solari Geschichte, doch das Blocken bei Passspielzügen stellt weiterhin ein Problem dar. Nun soll sich das abermals ändern – auch durch Rookie Damien Lewis.

Vielfach wurde in den vergangenen Jahren behauptet, dass die Seahawks nicht genug in die Offensive Line investiert haben. Die Picks der zurückliegenden Spielzeiten – unter anderem Ethan Pocic, Jamarco Jones, Phil Haynes – oder die Verpflichtungen in der aktuellen Free Agency – Brandon Shell und B.J. Finney seien hier an erster Stelle genannt – sprechen jedoch eine andere Sprache. Investiert wurde durchaus. Nur: Zuletzt wurden Cap Space und Draft-Kapital oft falsch investiert. Zudem hatten ausgewählte Spieler wie etwa Haynes oder Jones bislang nur wenige Chancen, sich zu beweisen.

Die Hoffnungen für die kommenden Jahre ruhen auf Finney, Shell – und dem diesjährigen Drittrundenpick Damien Lewis. In der Rubrik “See A Hawk” stellen wir in unregelmäßigen Abständen Spieler der Seattle Seahawks – oftmals Draft-Neuzugänge – etwas genauer vor. Werfen wir einen Blick auf einen der neuesten Beschützer Russell Wilsons im Kader.

OG Damien Lewis

Kurzinfos:

  • College: LSU (2018-2019)
  • Alter: 23 Jahre (21. März 1997)
  • Größe: 188 cm
  • Gewicht: 148 kg
  • Armlänge: 84 cm
  • Handgröße: 26 cm
  • Draft: 3. Runde, Pick #69

College-Statistiken (2019):

  • Spiele: 15

Werdegang

Damien Lewis’ Weg in die NFL war nicht der übliche lineare Weg von drei bis vier Jahren am College, ehe es in Richtung NFL Draft geht. Bevor er an der Louisiana State University (LSU) landete und dort in seinem zweiten und letzten Jahr die nationale Meisterschaft gewann, war Lewis auf dem Northwest Mississippi Community College. Hier brillierte er mit außergewöhnlichen Leistungen, sowohl auf dem Feld als auch abseits des Platzes wurde Lewis ausgezeichnet. Immer mehr wird klar: Die Seahawks haben bei der Talentauswahl nicht nur auf die sportlichen Fähigkeiten geachtet, sondern auch auf Intelligenz und Reife der einzelnen Athleten. Jordyn Brooks beispielsweise hat akademisch ein ähnliches Profil wie Lewis. Das Front Office könnte sich davon in den ungewissen Zeiten von Covid-19 – niemand weiß, ob, wann und wo das Training Camp stattfinden kann – eine schnelle und vergleichsweise reibungslose Umstellung vom College in die NFL erhoffen.

Wie bereits vorweg genommen: Lewis landete nach zwei Jahren auf dem Northwest Mississippi Communiy College an der LSU und war auch dort zwei Jahre lang Starter. In der Offensive Line war es seine Aufgabe, den diesjährigen First-Overall Pick, Quarterback Joe Burrow, zu beschützen. Dabei zeigte Lewis durchweg solide Leistungen, die am Ende zur nationalen Meisterschaft führten. Die LSU-Offensive legt eine rekordverdächtige Saison hin, produzierte reihenweise Talent, das dieses Jahr auch im NFL Draft gezogen wurde (beispielsweise Joe Burrow, Justin Jefferson, Clyde Edwards-Helaire auf den Skill-Positionen). Aus der mit dem Joe Moore Award prämierten Offensive Line (beste O-Line im College Football) wurden neben Lewis noch Llyod Cushenberry und Saahdiq Charles von NFL-Teams ausgewählt.

Videoanalyse

Lewis ist ein sehr massiver und aggressiver Spieler. Bei einer Körpergröße von 188 Zentimetern bringt er 148 Kilogramm auf die Waage. Mit Hilfe dieser Masse und Kraft ist Lewis ein im Laufspiel dominanter Blocker, setzt sich in großer Regelmäßigkeit durch und kann Gegenspieler am Angriffspunkt bewegen und so die nötigen Lücken für den Runningback frei blocken. Dabei sticht vor allem sein fester Stand heraus: Einmal positioniert, ist es eine schier unlösbare Aufgabe, Lewis zu bewegen.

Sollte er doch mal die Balance verlieren, kann er sich davon schnell erholen und seinen Balance wiederfinden. Einmal den Block gesetzt, hält Lewis diesen sehr lange aufrecht, der Gegenspieler hat kaum eine Chance sich aus den Fängen des O-Liners zu befreien und zum Quarterback zu kommen. Den ersten Schlag des Gegenspielers absorbiert Lewis meist ohne große Auswirkungen. Damit ist er auch in der Pass Protection ein sicherer Spieler. Trotz seiner geringen Geschwindigkeit kann Lewis auch auf zweiter Ebene für das Laufspiel vorblocken.

Lewis ist jedoch bedingt durch die enorme Masse nicht der beweglichste Spieler. Das macht ihn nicht sonderlich geeignet für Spielzüge wie Läufe über die Außenbahnen oder Screen-Pässe, bei denen die Offensive Line die Mitte des Spielfeldes verlassen muss und den Weg an anderer Stelle frei blocken muss. Hier hat Lewis Probleme, rechtzeitig zum Angriffspunkt vorzustoßen und seine Mitspieler zu unterstützen. Lewis ist nicht der beweglichste Spieler, das macht ihn auch anfällig für Pass Rusher, die vornehmlich über die Geschwindigkeit zum Spielmacher vorstoßen wollen und dabei schnell ihre Richtung wechseln können. Es wird Lewis wohl auch in der NFL schwer fallen, Gegenspieler vom Quarterback fern zu halten.

Größte Stärke: Damien Lewis (Trikotnummer 68) wird vom Defensive Tackle attackiert. Er absorbiert den ersten Schlag des Verteidigers, verliert dabei kurzzeitig die Balance, kann sich aber schnell wieder stabilisieren und den Gegenspieler vom Quarterback fern halten. Die Pocket für Quarterback Joe Burrow bricht in dieser Szene zusammen, Lewis ist aber kein Grund dafür. Er erledigt seine Aufgabe mit Bravour.

Größte Schwäche: Die mangelnde Beschleunigung und Schnelligkeit von Lewis macht sich bei allen Spielzügen bemerkbar, die außerhalb der Hashmarks stattfinden. Zu sehen ist ein Screen-Pass auf den Runningback von LSU zur rechten Seite. Für den Erfolg des Spielzuges müssen zum Zeitpunkt des Passempfanges die Vorblocker vor dem Ballträger sein, um die gegnerischen Verteidiger zu blocken und dem eigenen Spieler den Laufweg frei zu machen. Lewis gelingt es nicht, schnell zum Angriffspunkt zu kommen, der Spielzug endet mit einem nur minimalen Raumgewinn.

Seahawks-Vergleich: Eine jüngere Version von D.J. Fluker mit besseren Fähigkeiten in der Pass Protection, aber der gleichen Aggressivität im Lauf-Blocking.

Fazit

Lewis ist ein dominanter Laufspiel-Blocker und ein fast ebenso gut in der Pass Protection. Seine Kraft und Masse erlauben es ihm, Gegenspieler zu dominieren. Problematisch wird es, wenn er auf schnelle und agile Gegenspieler trifft. Da er in der inneren Offensive Line spielt, lässt sich das aber durch gute Kommunikation und eine gewisse Routine minimieren. In einem Laufspiel-System wie dem der Seahawks, das unter Offensive-Line-Trainer Mike Solari immer mehr Power-Elemente beinhaltet, ist Lewis gut aufgehoben. Als Pass-Blocker sollte Lewis ein Upgrade darstellen. Nach der Entlassung von D.J. Fluker und aufgrund des hohen investierten Draft-Kapitals (Drittrundenpick) besteht für mich kein Zweifel daran, dass Damien Lewis in Woche 1 der Starter auf Right Guard sein wird. Im gesichteten Videomaterial wirkte er reif für die Profis und das nächste Level.

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