„Chris Carson wohl spät im Frühling wieder einsatzbereit“, hieß es noch Ende November auf vielen Nachrichtenkanälen. Da war das letzte Spiel des Running Backs bereits sechs Wochen her. Von einer Nackenverletzung war damals die Rede – und davon, dass Carson wohl eine Operation zur Fusion der Wirbelsäule benötige. In Seattle ist der Frühling längst angebrochen, die Spieler haben die verpflichtenden Offseason-Einheiten hinter sich und kehren erst im Juli zum Training Camp ins VMAC zurück. Chris Carson war bislang nicht auf dem Feld zu sehen. Ist seine Karriere ernsthaft in Gefahr, Herr Dr. Grünwald?
Es war der wichtigste Moment des Spiels – und Tyler Lockett saß einfach nur da und schaute zu. Nicht weil er nicht wollte, auf keinen Fall. Der Wide Receiver der Seattle Seahawks konnte nicht zurück aufs Spielfeld, um seinem Team in der Overtime gegen die San Francisco 49ers zu helfen. Es muss gegen Ende der regulären Spielzeit gewesen sein, dass sich Lockett bei einem Zusammenstoß am Schienbein verletzte und nicht mehr zurück aufs den Rasen kam, weil sein Bein anschwoll. Nach der Partie gab Head Coach Pete Carroll bekannt, Lockett werde wegen einer schweren Prellung nicht mit dem Team zurück nach Seattle fliegen. Wenige Minuten später vermutete David J. Chao (@ProFootballDoc) bei Twitter, dass Lockett wegen eines potenziellen Kompartmentsyndroms unter Beobachtung stehe. Was ist das Kompartmentsyndrom, Herr Dr. Grünwald?
Es war genau die Szene, auf die man sich irgendwie schon eingestellt hatte: Doug Baldwin am Boden. Der Wide Receiver ging angeschlagen in die Regular Season 2018, hatte seit der Vorbereitung Probleme mit dem rechten Knie. Nun lag er auf dem Spielfeld im Broncos Stadium at Mile High und konnte nicht weitermachen. Entgegen der ersten Vermutung war es jedoch nicht Baldwins rechtes Knie, das ihn außer Gefecht setzte, sondern das linke. Denvers Nose Tackle Domata Peko Sr. war dem Passempfänger ins Kniegelenk gefallen, als dieser im ersten Quarter gerade einen Gegenspieler blocken wollte. Baldwin konnte nach ärztlicher Untersuchung nicht aufs Feld zurückkehren. Die Diagnose am Abend der Niederlage: Innenbandverletzung. Konkreter wurde es am darauffolgenden Tag, als Insider von einem Teilanriss des Innenbandes zweiten Grades berichteten. An wie vielen Knien kann ein Spieler gleichzeitig verletzt sein, Herr Dr. Grünwald?
Das Verletzungspech, es klebt weiter an den Running Backs der Seattle Seahawks. In der vergangenen Saison Chris Carson, Eddie Lacy, C.J. Prosise, in dieser Vorbereitung Rookie Rashaad Penny – und seit Dienstag nun auch: J.D. McKissic. Der 25-Jährige zog sich im Training einen Bruch im Mittelfuß zu, der ihn voraussichtlich für mehrere Monate außer Gefecht setzt. Während sich dadurch geklärt haben dürfte, ob C.J. Prosise den Cut übersteht, bleiben andere Fragen allgegenwärtig: Können die Ballträger der Seahawks gesund bleiben? Und was ist eigentlich eine Jones-Fraktur, Herr Dr. Grünwald?
Erst dachten alle, Doug Baldwin habe einen freien Tag bekommen, so wie das bei Veterans öfter der Fall ist. Merkwürdig wurde es erst, als der Wide Receiver noch ein zweites Training aussetze – und dann auch in der dritten Einheit in Serie nur am Spielfeldrand stand. Spätestens durch ein Reporter-Video, das Baldwin zeigt, wie er beim lockeren Fangen eines Balles sein linkes Bein nicht belastet, wurde klar, dass da etwas nicht stimmt. Head Coach Pete Carroll sprach später von einem entzündeten Knie. Wie steht es um Doug Baldwin, Herr Dr. Grünwald?
Und dann knallte es. Für Richard Sherman war die Saison 2017 noch früher beendet als für die anderen Spieler der Seattle Seahawks. Der Cornerback riss sich in Week 10 im Thursday Night Football-Spiel gegen die Arizona Cardinals bei einer Verteidigungsaktion die Achillessehne im rechten Fuß. Wie schnell verheilt ein Achillessehnenriss, Herr Dr. Grünwald?
Für die Seattle Seahawks ist die Saison 2017 beendet. Strong Safety Kam Chancellor und Defensive End Cliff Avril werden sie als die Spielzeit in Erinnerung behalten, in der sie sich so schwer verletzten, dass ihre Karrieren nun in Gefahr sind. Die Diagnose lautete: „Stinger“. Was ist ein Stinger, Herr Dr. Grünwald?