Recap: Regular Season 2021 (Week 17) – Lions @ Seahawks

Seahawks Recap Week 17, 2021 Detroit Lions

Seahawks gegen Lions: Willkommen im Niemandsland der NFL. In Seattles letztes Heimspiel in dieser Saison gingen beide Teams am Sonntag mit einer kombinierten Bilanz von sieben Siegen, 22 Niederlagen und einem Unentschieden im Jahr 2021. Ob es der letzte Auftritt von Russell Wilson, Pete Carroll oder sogar von beiden im Lumen Field war, bleibt abzuwarten. Doch bevor auf die hochinteressanten Entwicklungen der Offseason geblickt wird, mussten die Seahawks nach der peinlichen und schneereichen Niederlage gegen die Chicago Bears am zweiten Weihnachtsfeiertag zunächst Wiedergutmachung bei den 12s betreiben.

Dabei waren die Seahawks klarer Favorit, auch weil unter anderem CB D.J. Reed und TE Will Dissly von der Covid-Liste aktiviert werden konnten. Verzichten mussten sie wegen Corona dagegen allerdings auf G Damien Lewis und verletzungsbedingt auf OT Brandon Shell und RB Alex Collins. Ergebnis dessen war die Tatsache, dass es wieder RB Rashaad Penny war, der zum Nr. 1-Running Back der Seahawks wurde (mehr dazu später). Aufseiten der Gäste fehlten wiederum wichtige Spieler in QB Jared Goff, der von Tim Boyle ersetzt wurde, oder TE TJ Hockenson. Auf eine Defense-Schlacht mussten sich die Zuschauer hier trotzdem nicht einstellen.

Der Spielverlauf:

  • 1. Quarter: Der Kickoff ging an die Seahawks, bevor sie den Ball nach einem 3&out aber ihrerseits zu den Gästen kickten. Der erste Snap der Lions brachte nicht viel für Detroit, auf der anderen Seite musste LB Bobby Wagner humpelnd vom Feld. Unter anderem nach zwei Fängen vom deutschen Rookie-WR Amon-Ra St. Brown endete der Drive schließlich mit einem Turnover on downs in Seattles Hälfte. Die folgende Spiezug-Serie schien dabei frustrierender Weise schon früh wieder beendet, doch nach einem Catch von TE Gerald Everett, einer Flagge gegen die Lions und einem 15-Yard-Touchdown-Run von RB Rashaad Penny gingen die Gastgeber doch in Führung – 7:0 Seahawks. Die Antwort der Lions darauf fiel nach einem First Down und einem Punt kurz aus. Die nächsten größeren Runs von Penny wurden dann nicht gekrönt, nachdem den Seahawks nach einem schlechten Screen Pass von QB Russell Wilson nur ein 51-Yard-Field Goal von K Jason Myers blieb – 10:0 Seahawks.
  • 2. Quarter: Die zweite Woche in Folge wurde den Seahawks ein Sack-Fumble, dieses Mal von S Ryan Neal, nach einem offiziellen Videobeweis verwehrt. Lange brauchte die Offense der Gastgeber nach dem Punt der Lions aber nicht, um die nächsten Punkte aufs Board zu bringen. Nach einem langen Pass gegen eine vollkommen falsch eingestellte Coverage auf WR Freddie Swain, war es wieder Rashaad Penny, dem die O-Line innerhalb der 10-Yard-Linie eine offene Gasse in die Endzone freiblockte – 17:0 Seahawks. Eigentlich hatte Seattles Defense gegen die Offense aus Detroit alles in Griff, bis St. Brown bei 3rd&10 den Ball an der 26-Yard-Linie als Running Beack bekam und OLB Darrell Taylor sowie LB Cody Barton hinter sich ließ und die Endzone fand – 17:7 Seahawks. Erfreulicherweise zeigten sich Wilson und Co. davon vollkommen unbeeindruckt. Mit schnellen Snaps und einem QB-Sneak bei einem vierten Versucht ging es in die Redzone, wo die Lions einen All Out Blitz bei 3rd Down brachten und RW3 in der Endzone einen komplett ungedeckten WR DK Metcalf fand – 24:7 Seahawks. Davon angespornt sorgte die Verteidigungs-Unit von Defensive Coordinator Ken Norton Jr. dann für ein 3&out. In der Folge setzte Penny seinen Höhenflug mit einem weiteren langen Run fort und durchbrach die 500-Yard-Marke für diese Saison. Das dominante Laufspiel hätte RB Travis Homer in der Redzone fast zum nächsten Rushing-Touchdown genutzt, bevor es schließlich WR Tyler Lockett war, der einen Flip Pass aus einem Yard in die Endzone lief – 31:7 Seahawks. Kurz vor der Halbzeit schaffte es Detroit nochmal in Field Goal-Reichweite, doch für K Riley Patterson waren 55 Yards zu weit. Halbzeitstand: 31:7 Seahawks.
  • 3. Quarter: Die Lions bekamen nach dem Pausentee den Ball. Weit kam Ersatz-QB Tim Boyle aber nicht, nachdem einer seiner Pässe von CB D.J. Reed zunächst getippt und dann sofort in der Redzone zur Interception gefangen wurde. Die folgenden zwei Plays der Seahawks-Offense waren ein 8-Yard-Lauf von Rashaad Penny und dann ein spektakulärer Touchdown-Catch von DK Metcalf – 38:7 Seahawks. Es entwickelte sich ein Shootout, an dem auch die Lions offensiv teilnehmen wollten. Nachdem WR KhaDarel Hodge einen langen Pass an der 1-Yard-Linie fing und die Seahawks eigentlich einen guten Goal-Line-Stand hingelegt hatten, fand Boyle trotzdem Amon-Ra St. Brown durch die Luft in der Endzone, bevor der auch noch die Two Point-Conversion schaffte – 38:15 Seahawks. Und weil Seattle eben Seattle ist, ließen sie den folgenden Onside Kick und damit den Ballbesitz an die Lions gehen. Die wollten sich nämlich noch lange nicht geschlagen geben und ließen die Defense der Seahwks in diesem Drive so schlecht aussehen, dass es am Ende OT Taylor Decker war, der den nächsten Touchdown fing – 38:22 Seahawks.
  • 4. Quarter: 12s, die jetzt dachte, dass die Seahawks wieder eine komfortable Führung aus der Hand geben würden, wollte die Offense mit Attributen das Gegenteil beweisen, von denen man dachte, dass Seattle diese komplett verlernt hätte. In diesem Drive konvertierten nämlich sowohl TE Colby Parkinson und DK Metcalf jeweils ein langes 3rd Down zum 1st Down! Und letzterer war es schließlich, der aus drei Yards seinen dritten Touchdown an diesem Tag fing, nachdem Russell Wilson den Ball nur ein Play zuvor fast selbst in die Endzone getragen hätte – 45:22 Seahawks. Wie ersatzgeschwächt oder qualitativ einfach nicht gut genug, die Secondary der Seahawks ist, zeigte sich im nächsten Drive der Lions. Hier marschierte Boyle mit einfachen Anspielen auf seine Receiver locker und leicht das Feld herunter. Die nächsten Punkte besorgte dann RB Jamaal Williams mit einem kurzen Rushing-Touchdown – 45:29 Seahawks. Die Lions versuchten sich dann mit einem erneut gut ausgeführten Onside Kick, der diesmal aber von Homer gesichert wurde. Bis in die Endzone ging es hier aber nicht, stattdessen verwandelte Myers sein zweites Field Goal im Jahr 2022 sicher – 48:29 Seahawks. Und der Kicker war es, der wenig später erneut gefragt war, nachdem CB Ugo Amadi eine Interception fumblete, Seattle aber trotzdem im Ballbesitz blieb, es aber eben nicht für einen Touchdown reichte – 51:29 Seahawks. Und kaum den Ball wieder in der Hand, leistete sich Tim Boyle direkt den nächsten Pick. Für Seattle aber kein Grund schlechte Gastgeber zu sein, denn trotz eines schönen 30-Yard-Reverse-Plays von Rookie-WR Dee Eskridge, der nur wenige Zentimeter vor der Goalline gestoppt wurde, kniete Wilson genau dort zweimal ab und ließ die Uhr auslaufen. Endstand: 51:29 Seahawks.

Die Hauptdarsteller:

Seahawks-RB Rashaad Penny: Was auch immer sie ihm ins Wasser getan haben oder ob es wirklich nur die bloße Anwesenheit des umstrittenen, zukünftigen Hall of Famers Adrian Peterson im Running Back-Room ist, aber Penny sieht in den letzten Spielen von seinem Potenzial und seinen Leistungen genau wie der Spieler aus, den die Seahawks in der ersten Runde des 2018er NFL Drafts auswählten. Alleine zur Halbzeit hatte der Running Back gegen Detroit 144 Yards und zwei Touchdowns erlaufen. Am Ende des besten Spiels seiner NFL-Karriere standen dann 170 Rushing Yards, 6,8 Yards pro Lauf, das Touchdown-Paar und der längste Run des Tages über 37 Yards.

Seahawks-WR DK Metcalf: In den letzte Wochen ließ Metcalf auch auf dem Feld öfters die Diva raushängen. Nach schlechten Würfen von Russell Wilson wirkte er genervt und schmollte im Anschluss auf der Bank. Gegen die Lions stand aber ohne Frage wieder der alte DK auf dem Feld. Mit starken Moves gegen die Verteidiger aus Detroit verschaffte er sich Raum und fing dazu selbst noch die ganz schweren Bälle. Am Ende standen drei Touchdown-Catches bei sechs gefangenen Pässen für 63 Yards und dazu ein großes Lob von Pete Carroll über die Art und Weise, wie der Wide Receiver sich unter der Woche trotz einer leichten Verletzung im Training präsentierte. Da durfte DK an der Seitenlinie zurecht lächeln.

Lions-WR Amon-Ra St. Brown: Ja, in der deutschen Football-Landschaft wird schnell dazu tendiert NFL-Spieler aus der Bundesrepublik zu sehr zu hypen. Doch was St. Brown im Lumen Field ablieferte, war auch auf dem höchsten aller Football-Level einfach lobenswert. So fing er nicht nur acht Pässe für 111 Yards und erlief 23 Yards. Am Ende verbuchte er neben einem Touchdown-Catch auch einen Rushing-Touchdown und eine gefangene Two-Point-Conversion. Fakten die zeigen, warum der Deutsche zum Offensive Rookie des Monats Dezember 2021 in der NFL gewählt wurde.

Die Nebendarsteller:

Ehrenvolle Erwähnung: QB Russell Wilson brachte 20 Pässe für 236 Yards und vier Touchdowns an den Mann. Dazu hatte er ein Passer Rating von 133,1, leistete sich keine Interception und wurde auch nur einmal gesackt – Punkt. WR Tyler Lockett zeigte einmal mehr, dass schwierige Überkopf-Catches einfach sein Brot und seine Butter sind, und das er auch Touchdowns aus nur einem statt aus 50 Yards fangen kann. TE Gerald Everett entwickelt sich in den letzte Wochen immer mehr zu der Anspielstation die Wilson anwirft, wenn er einmal unter Druck steht. Und dabei liefert der Tight End, so wie gegen die Lions mit 12,0 Yards pro Catch, einfach ab.

Stets bemüht: CB D.J. Reed fing gegen Detroit zwei Interceptions. Die erste tippte er zu sich selbst, die zweite antizipierte er wunderbar, verletzte sich aber beim Return. K Jason Myers wurde in den letzten Wochen wegen verpasster Kicks oft gescholten. An diesem Sonntag blieb er dagegen mit drei von drei verwandelten Field Goals und sechs von sechs Extrapunkten absolut fehlerlos. OT Jake Curhan vertrat erneut Brandon Shell als Starter auf der rechten Ecke der Offensive Line. Ein Job, den der ungedraftete Rookie trotz einigen jugendlichen Fehlern abgeklärt macht und Rashaad Penny gerade bei dessen erstem Touchdown-Lauf des Tages ein riesiges Loch in der D-Line freiblockte.

Meh: CB Ugo Amadi war erneut für mindestens eine vollkommen unnötige Holding-Strafe verantwortlich, die einen Sack der Seahawks-Defense vom Board nahm. Dazu fing er eine schöne Interception, die er sicher zu einem Pick-Six in die Endzone getragen hätte, wenn ihm auf dem Weg dorthin nicht irgendwie der Ball aus der Hand geflutscht wäre. Das Wetter war Seattle-typisch bedeckt und gen Spielende regnete es kräftig, suboptimal für den Heimabschluss der Saison und die anwesenden 12s im Lumen Field.

Die Highlights:

Find a Penny, pick him up. So, oder so ähnlich lautet ein englisches Sprichwort. Im Fall von Rashaad Penny werden in letzter Zeit Touchdowns gesammelt.

Ballhawks gibt es nicht nur im Podcast der German Sea Hawkers, sondern auch auf dem Kunstrasen des Lumen Field. Beispiel A: D.J. Reed.

Wenn Rookie-WR JaMarr Chase von den Cincinatti Bengals spektakuläre Catches kann, dann will ihm DK Metcalf da in nichts nachstehen.

Die Randnotizen:

  • White Head (Hauptschiedsrichter) Tony Corrente musste im dritten Viertel von den Physiotherapeuten der Seahawks in die Kabine geführt werden, nachdem sich dieser beim Ablegen des Balles offenbar am Rücken verletzt hatte. Im letzten Quarter kehrte er aber auf das Feld zurück.
  • Wer sich über das gelbe „O“ auf den Helmen der Lions-Spieler gewundert hat: Damit erinnerte Detroit in den letzten Spielen an die High School aus Oxford, Michigan, an der ein Amokläufer Anfang Dezember 2021 vier Schüler erschossen hatte.
  • Zuschauer, die die Freude hatten das Spiel auf dem NFL Game Pass zu sehen, wurde die zweite Woche in Folge mit der Stimme des ehemaligen Broncos-CB Aqib Talib als Experten verwöhnt. Mit seinen Analysen beim US-Sender Fox ist er ein sehr erfrischendes Element.
  • Vor dem Kickoff gab es auch im Lumen Field eine Schweigeminute für den vor wenigen Tagen verstorbenen Hall of Fame-Head Coach und Videospiel-Namensgeber John Madden.

Die Verletzten:

LB Bobby Wagner humpelte nach dem ersten Spielzug der Lions direkt vom Feld und später in die Kabine. Grund dafür war ein verstauchtes Knie, das eine weitere Teilnahme am Spiel unmöglich machte. Wie schwer die Verletzung ist, ist nach Angaben von Head Coach Pete Carroll noch unklar. Klären soll das jetzt unter anderem eine MRT-Untersuchung.

CB John Reid erlitt in der zweiten Halbzeit eine Gehirnerschütterung und konnte nicht weiterspielen. Er wurde von CB Mike Jackson ersetzt.

CB D.J. Reed wurde nach seiner zweiten Interception des Tages unsanft von den Lions zu Boden gebracht und musste im vierten Viertel mit schmerzverrtem Gesicht selbstständig runter vom Platz laufen.

TE Will Dissly hatte Fersenprobleme und musste ebenfalls während des Spiels aussetzen.

DE Carlos Dunlap zog sich eine Knöchelverletzung. Wie schwer diese ist, ist noch nicht klar.

Das Zitat:

„I heard we were going with helmets on thursday. And we haven’t been wearing helmets in five weeks, so I figured they were cutting players. So I didn’t want to be the one they were going to cut.“ – WR DK Metcalf in der Pressekonferenz nach dem Lions-Spiel über seine Herangehensweise an den Trainingstag am Donnerstag.

Der Tweet:

GSH-Präsident Lukas Spieß, Football-Orakel.

Das Fazit:

Es war ein Pflichtsieg, den das Team von Head Coach Pete Carroll an diesem Sonntag gegen das statistisch gesehen zweitschlechteste Team der NFL vor heimischem Publikum einfuhr. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dabei zeigten die Seahawks offensiv über weite Strecken genau das, was die Truppe aus Seattle eigentlich stark machen sollte. Viel Play Action, Bootlegs von Russell Wilson, Bewegung vor dem Snap, schnelle Spielzugabfolgen und und und… Warum das gegen die Kellerkinder der Liga mal blendend funktioniert und ab und zu gegen selbige sowie gegen die Top-Teams gar nicht, kann sich einfach niemand erklären.

Vor dem Hintergrund, dass es in der Tat das letzte Mal gewesen sein könnte, das der Franchise-QB und Super Bowl XLVIII-Champion Wilson als Seahawk auf dem Kunstrasen des Lumen Field stand (bitte an dieser Stelle unbedingt auf den Konjunktiv achten), sollten wir uns als 12s diese Performance gut in unserem Fan-Gedächtnis abspeichern. Denn ob diese Art Auftritt noch einmal wiederkommt, ist nach dieser bescheidenen Saison und der Vorgeschichte der letzten Offseason ziemlich fraglich.

Ausblick: In Week 18 gastieren die Seahawks am 9. Januar 2022 um 22.25 Uhr in Glendale bei den Arizona Cardinals.

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