See A Hawk 2026: Beau Stephens

See a Hawk 2026 NFL Draft Beau Stephens

Der 2026er Seahawks-Rookie Guard Beau Stephens (rechts) trägt eine Trophäe mit einem Iowa-Teamkollegen. © IMAGO/Darren Lee

Es läuft die fünfte Runde des Drafts und die Seahawks sehen Beau Stephens noch immer auf dem Board fallen. Wie General Manager John Schneider selbst sagte, „war die Gap aber noch viel zu groß“ bis zur nächsten eigenen Auswahlmöglichkeit in Runde 6. Da alle Beteiligten das Talent von Stephens an dieser Stelle aber als viel zu groß ansahen und sich fragten, ob aus dem 2027er Draft bei 12 eigenen Picks tatsächlich alle Spieler im Kader hängen bleiben würden, ergriffen sie die Initiative. Und so folgte ein Trade eines 2027er-Vierttrundenpicks zu den Cleveland Browns, wofür Seattle im Umkehrschluss den 148. Pick in 2026 erhielt, welcher letzten Endes für den Guard aus Iowa investiert wurde. Die Folge: John Benton durfte von da an einen weiteren, talentierten Lineman in seiner Gruppe begrüßen.

Was genau macht Beau Stephens aber aus und warum hat der amtierende Super Bowl-Champion ihn im NFL-Draft 2026 ausgewählt? Das und noch mehr beantworten wir euch in diesem Artikel. In der Rubrik „See A Hawk“ stellen wir in den kommenden Tagen die Draft-Neuzugänge der Seattle Seahawks etwas genauer vor.

Beau Stephens, Offensive Guard

Kurzinfos:

  • Alter: 23 Jahre (1. November 2002)
  • College: Iowa (2021 bis 2025)
  • Größe: 196 cm
  • Gewicht: 143 kg
  • Draft: 5. Runde, Pick #148

 

College-Statistiken (2024):

  • Spiele: 13 Spiele und 1 Playoff-Game
  • Sacks Allowed: 0
  • Pressures Allowed: 4
  • Hurries Allowed: 4
  • Penalties: 1
  • Blocking Efficiency: 99,3 Prozent

Werdegang von Beau Stephens

Beau Stephens, der eine jüngere Schwester hat, erblickte als Sohn von Mutter Valerie und Vater Justin am 1. November 2002 das Licht der Welt und wuchs in Blue Springs, Missouri, auf. Dort machte er auch seine ersten Schritte als Footballspieler bei den Blue Spring Gators, jedoch noch ohne feste Position, weder in der Offensive, noch in der Defensive. Stattdessen spielte er sowohl Offensive Tackle, als auch Guard und bekam ebenso Snaps in der D-Line. Dies blieb auch nach seinem Wechsel zu den Blue Springs Wildcats erst einmal so, bis nach einem erneuten Wechsel zur Paul Kinder-Middle School und einem Wachstumsschub der Wandel zum Vollzeit-O-Liner erfolgte.

Sein erstes Stipendium wurde Beau Stephens schließlich von den Missouri Tigers angeboten. Allerdings nahm er im Jahr 2019 zunächst an mehreren Recruiting-Camps teil, in denen er zu imponieren wusste und weitere Angebote von seiner späteren Alma Mater Iowa, Iowa State, Kansas und Kansas State einsacken konnte. Obwohl der heute 23-Jährige anschließend sogar noch so illustre Optionen wie LSU, Michigan und Texas A&M hatte, entschied er sich aufgrund der persönlichen Verbindung zum Coaching Staff für Iowa und „unterschrieb“ im April 2020 bei den Hawkeyes.

Dort entschied er sich dazu, sein erstes Jahr zu „redshirten“. Somit war es ihm also nicht erlaubt, in den Wettbewerb einzugreifen. Jedoch gewöhnte er sich im Trainingsbetrieb so gut ein, dass er in seiner ersten wirklichen Saison direkt bei 12 Spielen als Right Guard zum Einsatz kam und 10 davon sogar als Starter. Dann verlor er aber seine Starterrolle, weil sich sein Verhalten veränderte. Da keiner wusste, was plötzlich mit Stephens los war, wurde er untersucht und bekam die Diagnose ADHS. Dadurch ließ sich sein überdrehtes und „schlechtes“ Benehmen schnell erklären.

In seinem zweiten aktiven College-Jahr warf ihn aber nicht nur diese Diagnose aus der Bahn, sondern es folgte nach 5 Spielen als Ersatz auch eine weitere Knieverletzung, die Beau Stephens den Rest der Saison kostete. Und so bezeichnete er dies auch wenig überraschend als dunkle Zeit in seinem Leben, die ihm so zu schaffen machte, dass er anfing, mit der Hawkeyes-Sport-Psychologin Carmen Tebbe Priebe an seiner Mentalität zu arbeiten. Diese Arbeit an der mentalen Gesundheit führte auch direkt wieder zu Verbesserungen auf dem Spielfeld, denn er ergatterte sich umgehend den Starter-Job zurück. Allerdings als Left Guard.

Nach seiner Verletzung startete der 23-Jährige alle 11 Spiele und gewann den internen Comeback-Player of the Year-Award der Iowa Hawkeyes. Am Ende beendete er seine College-Karriere dann als Vollzeitstarter, indem er alle 13 Regular Season-Spiele plus ein Playoff-Game bestritt. Zudem brachten Stephens‘ Leistungen ihm auch die Nominierung für as All Big10-First-Team ein und er gewann zusammen mit der O-Line der Hawkeyes den Joe-Award für die beste Unit auf dieser Position im College.

Bevor er ans College wechselte, war Beau Stephens übrigens auch noch als Wrestler und Basketballer aktiv, was sich beim Football in seiner Balance und Beweglichkeit widerspiegelt.

Videoanalyse zu Beau Stephens

Das College-Tape von Beau Stephens zeigt, dass der neue Seahawks-Guard sich hauptsächlich im Rungame als williger „Mauler“ im präferierten Zone-Scheme von Head Coach Mike Macdonald präsentiert. Dabei greift Stephens seine Widersacher an und lässt diese meistens erst wieder los, wenn die Pfeife ertönt ist oder wenn er diese zu Boden gebracht hat. Im Pulling-Game oder beim Blocking im nächsten Level zeigt sich Stephens aber eher als mittelmäßiger Athlet. Doch diese Schwäche macht er durch gutes Timing und vor allem durch Antizipation von Blockwinkeln wett, was sich auch in seinem Outside Zone-Spiel bemerkbar macht.

Dazu kann Stephens auch im Passing-Game dank seiner Wrestler-Vergangenheit mit guter Technik sowie Beweglichkeit punkten, und hält so die Pocket für seinen Quarterback sauber. Diese Fähigkeiten werden durch die Tatsache unterstrichen, dass Seattles Rookie in seinen beiden letzten Jahren am College als Starter genau null Sacks zuließ! Allerdings kommt es auch immer wieder vor, dass Beau Stephens‘ größte Schwäche in Form der kürzesten kurzen Arme und kleinsten Hände aller O-Liner im Draft zutage tritt. So gelingt es Gegenspielern schnell, mit ihren langen Pranken an seine Pads zu kommen. Dadurch kann es sein, dass der 23-Jährige ohne Chance auf Erholung durch Bull-Rushes in den QB zurückgedrängt wird oder sie ihn mit Swat- sowie Swim-Moves auch gerne mal ins Leere laufen lassen. Mit gutem Coaching in den Bereichen Kraft, Technik und Timing, sollte O-Line-Coach Benton diese Schwächen aber gut kaschieren können.

Größte Stärke von Beau Stephens

Trotz keiner zugelassenen Sacks ist es wie oben erwähnt definitiv die physische Finisher-Mentalität im Run Game, die Beau Stephens aus seiner Vergangenheit als Wrestler mitbringt. Bevor sein Gegner nicht auf dem Boden liegt, gibt sich die neue #60 der Seahawls nicht zufrieden, hält seine Beine stets in Bewegung und drängt seinen Widersacher so lange nach hinten, bis der Pfiff des Schiedsrichters ertönt. Sein Motor läuft also fast immer auf Hochtouren, was ihn auch gerade bei Doppelblocks mit anderen Mitspielern besonders effektiv macht.

Größte Schwäche von Beau Stephens

Die größte Schwäche von Stephens kann getrost in wenigen Worten zusammengefasst werden: fehlende Reichweite durch seine physische Limitierung in Form der kurzen Arme und der kleinen Hände. Diese könnten dafür sorgen, dass seine Gegner ihn bei fehlendem Timing regelmäßig überrumpeln oder überstrecken und so schlagen könnten.

Fazit zu Beau Stephens

Beau Stephens bringt ohne Frage das Potenzial mit, ein Starter in der NFL zu werden und mit dem richtigen Coaching Anthony Bradford dessen Platz in der O-Line der Seahawks streitig zu machen. Seattles Rookie verfügt zudem mental, technisch und Football-IQ-mäßig schon über extrem viele Eigenschaften, die ihn direkt von Tag 1 als Starter legitimieren würden. Und so wird hier John Benton der entscheidende Faktor sein, der als Coach durch seine Erfahrung in der NFL die große, naturgemachte Schwäche von Beau Stephens zu minimieren. Wenn die 12s nun die Entwicklung der O-Line innerhalb der letzten Saison berücksichtigen, dann sollte die Trickkiste des O-Line-Coaches groß genug sein, um aus dem 23-Jährigen über die nächsten Jahre einen Starter zu machen. Dadurch könnte sich Seattles O-Line in den nächsten Spielzeiten immer weiter festigen und so eine grundsolide Basis für noch mehr Erfolg schaffen.