© IMAGO/Brent Soule


© IMAGO/Brent Soule
Offensiv in die Mission Titelverteidigung? Zwar stellte der amtierende Super Bowl-Sieger aus Seattle im letzten Jahr eine gefürchtete Defensive, die es sicherlich durch diverse Abgänge auch noch zu verstärken gilt. Doch mit dem Wechsel an der Seitenlinie von Offensive Coordinator Klint Kubiak zu Brian Fleury und dem zu ersetzenden RB Kenneth Walker III haben die Seahawks auch in diesem Jahr zudem angriffsseitig die ein oder andere Lücke zu füllen.
Der Weg dorthin führt nach der Free Agency, traditionell über den NFL-Draft. Zweieinhalb Woche nach Ostern dürfen sich alle 32 Teams hier die besten Nachwuchsspieler vom College aussuchen, und die Seattle Seahawks besitzen in diesem Jahr (Stand jetzt) nur vier Picks und dürfen, der Lombardi Trophy sei Dank, eben jeweils erst an letzter Stelle draften. Doch welche Spieler können für das Team um GM John Schneider und HC Mike Macdonald von Interesse sein? Wir haben uns die aktuellen „Needs“ der Hawks und die (potenziell) passenden Prospects einmal genauer angesehen.
Wo die Seahawks in Sachen Offense genau nachlegen müssen, und welche Prospects in den einzelnen Positionsgruppen realistisch in Seattle landen könnten, zeigen wir Euch heute in Teil 1 unseres „Seahawks Draft-Checks 2026“.
Washington RB Jonah Coleman has been a My Guy for two years
♦️Last 3 years at Arizona/Washington🐺
476 rushes, 2682 yards (5.6 YPC), 30 TD– 5-9, 228 Coleman slimmed up for 2025, but is still a bowling ball
– ZERO career fumbles, 1 drop
– Vision, light feet, falls forward https://t.co/pD9lhVyGUe pic.twitter.com/ADLu64aU8t— Clint Goss (@NFLDraftDome) December 16, 2025
Spielerprofil: Es wäre für Jonah Coleman fast schon zu einfach, das gewohnte Huskies-Jersey mit dem Trikot der 12s zu tauschen. Nach mehr als 1.000 Rushing Yards im Jahre 2024 unter HC Jedd Fisch, startete er auch 2025 furios, ehe ihn eine Knieverletzung außer Gefecht setzte. Bis dahin erzielte er 758 Rushing Yards und 15 Touchdowns, bei 31 Catches und 354 Receiving Yards. Coleman ist fast schon der klassische Typ „Workhorse“: kompakt, bricht Tackles und läuft wie aus einem Guss. Und das hinter einer eher zusammengewürfelten Offensive Line im letzten Jahr bei den Huskies. Erwähnenswert: nur ein einziger Fumble in 396 Carries. Bei JC ist der Ball also in sicheren Händen.
Fit bei den Seahawks: Mit dem Blick auf die vorhandenen Running Backs der Seahawks, insbesondere mit Zach Charbonnet, fällt auf, dass sich beide hervorragend ergänzen könnten. Trotzdem, sticht bei Coleman heraus, dass er eben nicht nur die Yards „frisst“, sondern aufgrund der letzten beiden Jahre am College das Laufspiel seines Teams getragen hat und für das Scoring verantwortlich war. (34 Rushing Touchdowns in 2024 und 2025 zusammen). Da auch nicht davon auszugehen ist, dass Seattle ausschließlich „Run Heavy“ spielen wird, ist Colemans etwas limitierte Geschwindigkeit nicht der entscheidende Nachteil.
Voraussichtliche Draft-Position: Mitte der 3. Runde
You’re too low on Jadarian Price & Mike Washington based off @chad_reuter RB Landing Spots
1 Jeremiyah Love – NYG
2 Jadarian Price – SF🚀
3 Mike Washington Jr – SEA🚀4 Jonah Coleman – NO
5 Kaytron Allen – ATL
6 Emmett Johnson – HOU
7 Nick Singlegon – NEWho do you like here? https://t.co/7lb0j3sxu4 pic.twitter.com/y1z3SmzCSc
— Dynasty Dad (@DynastyDadFF) March 24, 2026
Spielerprofil: Hier ist Running Back Nummer zwei der „Fighting Irish“, der in diesem Draft eine größere Rolle einnehmen wird. Nachdem Jeremiah Love als RB wohl in Runde eins sehr früh gepickt werden wird, dürfte für die Hawks eher sein Nebenmann und Mitspieler Price interessant sein. Am College war die Arbeitsteilung noch klassischer: Love war für die Punkte verantwortlich, Jadarian Price für das Tagesgeschäft. Extrem stark im Brechen von Tackles, wird er von ESPN sogar als Pick für die späte, zweite Runde gesehen. Sein Start ins College wurde begleitet von einer schweren Verletzung (Riss der Achillessehne), doch JP kämpfte sich zurück. Im Jahr 2024 standen daher 746 Yards und 7 Touchdowns zu Buche, ehe er im letzten Jahr medial und statistisch im Schatten seines Mitspielers Love stand. Physisch stark, ist er immer für die „Extra-Meile“ zu haben. Dazu liefert Price auch im Bereich „Special Teams“ mit seiner Geschwindigkeit und seiner Spielintelligenz.
Fit bei den Seahawks: Beim Combine konnte Jadarian Price nur bedingt Werbung für sich machen, allerdings bringt er Stärken mit, die den Seahawks gut zu Gesicht stünden. Mit viel Geduld findet Price Löcher in der Verteidigungslinie des Gegners als „Arbeitstier“ und ist eine Rollenaufteilung bereits gewohnt. Eine natürliche Ergänzung zu Charbonnet und Co. wäre also möglich. Außerdem ist er im Gegensatz zu Jeremiah Love einfacher zu bekommen, ohne dass sich John Schneider waghalsig strecken müsste.
Voraussichtliche Draft-Position: Ende der 2. Runde
Mike Washington Jr. film showed more tempo and patience than I expected for an RB who ran a 4.33
Vision is not perfect, but plenty of examples of reading defenses well.
Offensive line was an issue. This team lost 10 straight games. https://t.co/r7s5zmoup9 pic.twitter.com/giX9vNvmWl
— Jacob Gibbs (@jagibbs_23) March 24, 2026
Spielerprofil: Need for Speed? Mike Washington Jr. hatte bereits bei seiner ersten College-Station in Buffalo eine immense Geschwindigkeit, auch wenn sich weitere Fähigkeiten erst über die Jahre dazu gesellten. Die Saison 2024 verbrachte Washington in New Mexiko, ehe er sein letztes Uni-Jahr in Arkansas verbrachte. Dabei auffällig: Das Thema Fumbles muss Washington in den Griff bekommen, da er bereits zehnmal in seiner College-Karriere den Ball fallen ließ. Dennoch macht MWJ seinen Weg durch seine Stärken. Neben der Schnelligkeit kann sich Washington auf seine Instinkte und seine Augen verlassen und lässt dabei Verteidiger stets alt aussehen, wenn sie versuchen, „Big Plays“ zu kreieren. Kurz gesagt: Mike Washington Jr. zuzusehen ist immer eine Show, allerdings gilt er Vielen noch als rohes Prospekt, welches es zu entwickeln gilt.
Fit bei den Seahawks: Da die Seahawks durch den Weggang von Kenneth Walker allerdings direkt eine Verstärkung benötigen, ist es fragwürdig, ob sich der neue OC Brian Fleury auf Washington einlassen will. Will Fleury allerdings „Gap- und Power-based“-Konzepte nutzen und Washington die benötigte Zeit geben, ist er einen Pick wert. P.S.: Dabei ist viel Geduld notwendig für alle Beteiligten.
Voraussichtliche Draft-Position: Ende 3. Runde
🚨 NFL Watch 🚨
Washington Huskies WR Denzel Boston is a 🐶 .
Impressive catch radius and body control. Do you have him ahead of Carnell Tate or Jordyn Tyson as your WR1 in 2026?pic.twitter.com/09NJn0xbBJ
— PlayerProfiler NOW+ (@Profiler_Now) October 14, 2025
Spielerprofil: Der Wide Receiver der Huskies ist sowohl auf kurzen als auch auf langen Routen einsetzbar und ist laut ESPN auf Rang 30 getippt. Im Jahr 2025 erzielte er am College 881 Yards und 11 Touchdowns. Zweimal in Folge wurde Boston Washingtons „Skill Player of the Year“ und lieferte zuverlässig ab als wahrer „X-Receiver“. Seine langen Arme wusste er gekonnt einzusetzen und konnte dabei auf ausreichend Geschwindigkeit setzen. Sichere Hände runden sein Profil vollends ab, und dabei bricht er gerade bei tiefen Bällen auch immer wieder gegnerische Tackles. Boston würde mit noch mehr Speed sicher höher bewertet werden, doch sind es seine Zahlen und seine offensive Produktion, die letztlich überzeugen.
Fit bei den Seahawks: Denzel Boston von den Washington Huskies wäre ein Luxus-Pick für Seattle. Er wird von vielen Analysten auf Ende der ersten Runde getippt. Durch den teuren Vertrag für WR Jaxson Smith-Njigba sowie die Tiefe des WR-Rooms, wäre seine Auswahl fast schon verschenkt und eher eine Investition für die Zeit nach Cooper Kupp. Gehen wir davon aus, dass JSN weiterhin die klare Nummer eins in der Offensive der Seahawks sein wird, so wäre Denzel Boston eher die Rolle des zweiten Receivers zuzuschreiben.
Voraussichtliche Draft-Position: Top 15
Omar Cooper Jr. is going to be a day 1 contributor for an NFL team pic.twitter.com/YxAJI2lxky
— NFL Draft Files (@NFL_DF) January 10, 2026
Spielerprofil: Cooper Jr. spielte in dem Überflieger-Team der letzten College-Saison, den Indiana Hooziers unter QB Fernando Mendoza, und profitierte von dessen starken Leistungen. 2024 war für ihn ein Breakout-Jahr: 594 Yards und 7 Touchdowns. Allerdings limitierten ihn hier leistungstechnische Schwankungen und er wurde teilweise auf die Bank gesetzt. In der Spielzeit 2025 überzeugte Cooper dann als Slot-Receiver, als der 22-Jährige in acht Spielen 581 Yards fing und nur ein einziges Mal den Ball fallen ließ (82 Prozent Catch-Rate). Dazu wusste OCJ mit einem gekonnten „Yards-after-Catch“-Spiel zu überzeugen. Wie erwähnt, überzeugt Cooper mit seinen Händen, denn bei ihm ist die „Pille“ wortwörtlich in sicheren Händen. Sollte OC Brian Fleury also einen Receiver suchen, welcher den Ball früh bekommt und die Yards im Anschluss sucht, dann ist Cooper Jr. ein logischer Fit. Mit Schnelligkeit, gepaart mit einer gesunden Portion „Toughness“, kann er sich vielen offensiven Konzepten anpassen.
Fit bei den Seahawks: Entwicklungsfähig und ein Spieler für die zweite Reihe, der sich auch geräuschlos unterordnen kann und eine passende Ergänzung zu den vorhandenen Receivern wäre, um auch mittelfristig WR Cooper Kupp zu ersetzen.
Voraussichtliche Draft-Position: späte 1. Runde oder Anfang der 2. Runde
Still have no idea what to make of Kadyn Proctor but this was a funny rep pic.twitter.com/c8T18OpqHm
— Ted Nguyen (@FB_FilmAnalysis) March 8, 2026
Spielerprofil: Der junge Mann aus Alabama wird von den meisten Analysten des Drafts als Nummer-3-Prospect unter den O-Linern gehandelt und ist im wahrsten Sinne des Wortes unübersehbar. Über Iowa zur Crimson Tide gekommen, spielte Proctor Left Tackle und ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Anker für sein Team. Geht er einmal zu Boden, ist für Bull-Rusher kein Vorbeikommen mehr. Seine Präsenz spricht Bände und seine Stärken, auch im Run-Blocking, sind traumhaft. Bei so viel Lob dürften sich aber nicht nur die 12s fragen, warum der 20-Jährige nur an Nummer drei im Ranking steht. Grund dafür ist seine Technik im Passblocking, die für Proctors noch junge Karriere weiter ausbaufähig ist. Dazu sahen Analysten auch schon Fragezeichen, wie seine Coaches ihn motivieren und sein Gewicht managen. Schließlich hatte Proctor zu Beginn der letzten Saison 370 Pfund „drauf“!
Fit bei den Seahawks: Die Tackle-Positionen in Seattle sind eigentlich besetzt, doch es ergibt in der NFL immer Sinn, sich in der 1. Runde mit O-Linern einzudecken. Die Draft-Position der Seahawks lässt einen Proctor-Pick möglich erscheinen, dieser wäre allerdings eine Investition in die Zukunft, da das Prospect aus Alabama noch zum Profi „geschliffen“ werden müsste.
Voraussichtliche Draft-Position: späte 1. Runde
Spielerprofil: An Position Nummer sieben unter den O-Line-Prospects sehen die Scouts und Experten den Guard der Oregon Ducks, der aus Denver im US-Bundesstaat Colorado stammt. Seine College-Karriere startete Pregnon bei den USC Trojans, ehe er in den US-Nordwesten wechselte und maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Ducks in der vergangenen Saison mit elf Siegen und nur einer Niederlage starteten. Pregnon hatte dabei die bis dato beste Saison seiner Karriere, welche mit der Nominierung mit der 1st Team-„All Big 10“-Ehrung endete. Seine flexiblen Fähigkeiten im Blocking und seine Entwicklung, gerade in physischer Hinsicht, lassen ihn in fast jedes offensive System passen. Dazu lässt der Einfluss des 20-Jährigen auf das Team und den Quarterback, den er souverän beschützt, ihn zu einer sicheren Bank für jeden NFL-General Manager erscheinen. Ein höheres Ranking blieb ihm verwehrt, da er vielen Experten als etwas „hüftsteif“ galt und den 40-Yard-Dash mit einer Zeit von 5,21 Sekunden eher im Mittelfeld abschloss.
Fit bei den Seahawks: Wer Emmanuel Pregnon holt, der weiß, was er bekommt. Es gibt O-Liner, welche sich von Tackle auf Guard schieben lassen, aber das ist Pregnon nicht. Er ist ein reiner Guard, der aber schon über 3.000-Karriere-Snaps am College vorzuweisen hat und seine Position sicher hält. Es gab schon schlechtere Picks für die Seahawks auf der Position des Guards. Vielleicht ist er ja in Runde zwei (spät) noch verfügbar? Brian Fleury könnte ihn gut gebrauchen.
Voraussichtliche Draft-Position: frühe 2. Runde
Spielerprofil: Auf Left Tackle zu Hause ist der an Nummer vier gehandelte Tackle des Jahrgangs 2026: Monroe Freeling von den Georgia Bulldogs. Klar, die 12s könnten an dieser Stelle auch über Spieler wie Spencer Fano und Co. sprechen, doch realistisch zu haben sind jene Prospects für die Seahawks ohne Trade eben nicht. Freeling sehen viele Experten aber in Seattles Reichweite, wenn John Schneider und sein Team ihn denn haben wollen. Freeling entwickelte sich in einer starken O-Line über die Jahre bei den Bulldogs immer weiter, und so wurden seine Starts von Jahr zu Jahr mehr, bis ihn eine Knöchelverletzung stoppte. Trotzdem ließ der 21-Jährige kaum Druck auf seinen Quarterback zu und seine Pass-Protection ist sehr stark. Erwähnenswert auch seine Explosivität, gerade auf den ersten Schritten. Dagegen offenbarte er allerdings Schwächen im Run-Blocking.
Fit bei den Seahawks: Die Frage wird sein, welches Team die Geduld hat, Freeling als Langzeitlösung für Left Tackle zu entwickeln. Passend für die Seahawks, wenn sie ihm einen Veteranen zur Seite stellen, mit dessen Hilfe er sich entwickeln kann. Angesichts der Needs der Hawks ist ein Pick unwahrscheinlich, es sei denn, er fällt aus der ersten Runde heraus.
Voraussichtliche Draft-Position: Ende 1. Runde, Anfang 2. Runde