Super Bowl 60 – Seahawks Defense vs. Patriots Offense

Seahawks Defense vs Patriots Offense Super Bowl 60 Derick Hall Loenard Williams

NFL, American Football Herren, USA NFC Divisional Round-San Francisco 49ers at Seattle Seahawks Jan 17, 2026 Seattle, WA, USA Seattle Seahawks defensive end Leonard Williams 99 and linebacker Derick Hall 58 reacts after the sack of San Francisco 49ers quarterback Brock Purdy 13 during the second half in an NFC Divisional Round game at Lumen Field. Seattle Lumen Field WA USA, EDITORIAL USE ONLY PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xStevenxBisigx 20260117_rtc_ab9_0157

Seahawks Defense ist am Start und es scheint, als wäre dieses Jahr kaum ein Gegner zu groß für sie gewesen. Zu konstant und zu gut war die Unit unter der Führung von Seattles Head Coach Mike Macdonald über die ganze Saison. Der Verbund, der sich selbst „The Dark Side“ nennt, weckt Erinnerungen an eine Zeit der defensiven Dominanz der „Legion of Boom“. Doch diese Unit spielt ihren eigenen Football und wird zu Recht von vielen Fans und Experten zu den besten Defensiven (wenn nicht sogar als die beste) der NFL gezählt.

Allerdings schreiben große Finals bekanntlich ihre ganz eigenen Geschichten, und mit den New England Patriots wartet im Super Bowl LX das Team mit den zweitmeisten erzielten Punkten der gesamten Regular Season. Angeführt wird die Offense vom Fast-MVP Drake Maye. Ein würdiger Gegner also?

In der Vorbereitung auf das Spiel aller Spiele in wenigen Tagen, wagen wir bei den German Sea Hawkers einen Blick auf die Matchups, um Euch auch gerade auf den Gegner aus New England vorzubereiten. Und das gleich auf mehreren Kanälen: zum einen im Ballhawks-Podcast und auch hier auf der GSH-Website:

Patriots Offense: Überblick und Zahlen

Den Patriots wird nachgesagt, in der Regular Season einen der einfachsten Schedules der NFL gehabt zu haben. Und auch wenn das stimmen mag, hat es das Team aus Foxborough dennoch als AFC East-Champion bis in den Super Bowl geschafft. Einen riesigen Anteil hat daran zweifelsohne die wiedererstarkte Offensive.

Nicht unbedeutend dabei: ein alter Bekannter für die Patriots. Josh McDaniels kehrte zum Beginn der Saison, nach einem misslungenen Ausflug als Cheftrainer der Raiders, als Offensive Coordinator der Patriots zurück. Unter ihm konnte das Team in 8 von 17 Regular Season-Spielen über 30 Punkte erzielen, in 13 mindestens 25. 28,8 Punkte pro Spiel sind der zweithöchste Wert der Liga (hinter den Bills und knapp vor den Seahawks mit 28,4). Ganz ähnlich verhält es sich bei den Total Yards (Platz 3) und bei Yards pro Play liegen die Patriots sogar ex aequo an der Spitze mit den LA Rams (6,2 Yards). 

Die Patriots haben außerdem bewiesen, auf vielfache Art und Weise scoren zu können. Sowohl bei der Anzahl der Rushing-Touchdowns (22) als auch der Passing-Touchdowns (31) sind sie ligaweit jeweils in den Top 5. Das Team aus New England erzielte zudem in 46 Prozent der offensiven Drives Punkte (Platz 5).

Ein bedeutender Faktor für diese guten Zahlen: Die Patriots können den Ball konstant bewegen und die eigene Offensive dadurch lange auf dem Feld halten. 42,9 Prozent der dritten Versuche endeten in einem neuen ersten Versuch (umgerechnet Platz 6 ligaweit) und mit 72 Prozent der geglückten 4th Downs sind die Patriots in dieser Kategorie sogar das zweitbeste Team. Das Ergebnis? Im Schnitt nehmen eigene Drives 3:03 Minuten von der Uhr (Platz 6).

Und zuletzt noch ein Ausflug zu den Advanced Stats: Mit 0,155 sind die New England Patriots sogar an der Spitze bei EPA/Play. Also definitiv aus dieser Perspektive ein würdiger Gegner für das Team aus dem Pacific Northwest.

Seahawks Defense: D-Line vs. Patriots O-Line

Die stark aufspielende D-Line der Seahawks Defense wird in Santa Clara auf eine sehr solide O-Line aus New England treffen. Ein großer Faktor ist dabei hauptsächlich der 1st-Round-Tackle Will Campbell, der wie erwartet bereits als Rookie ausgezeichnete Leistungen zeigt. Left Guard Jared Wilson daneben ist ebenfalls Rookie, aber gleichzeitig vermutlich die größte Schwachstelle an der Line of Scrimmage. Auf Center und Right Tackle warten mit Garrett Bradbury und Morgan Moses zwei echte Veteranen. Auf Right Guard steht Seattle in der Person von Mike Onwenu sogar einer der besten auf dieser Position gegenüber.

Eine bunte Mischung, die in Pass Block Win Rate auf Platz 13 und in Run Block Win Rate auf Platz 12 landet. PFF bewertete die Unit zuletzt als die elftbeste der NFL. Gleichzeitig ließen die Patriots aber in jedem ihrer drei Playoffspiele jeweils 5 Sacks zu, fast mehr als doppelt so viele wie sonst im Schnitt über die Regular Season hinweg. Auch wenn einige größtenteils auf die Kappe von Drake Maye gehen, ist dennoch ein Negativtrend erkennbar.

Auf der anderen Seite war auch der Seahawks-Pass Rush zuletzt weniger erfolgreich als gewohnt in dieser Saison. Die insgesamt 3 erzielten Sacks in den Playoffs unterstreichen teilweise den Eindruck auf dem Feld. Für die Seahawks kann die schwächelnde Patriots O-Line jetzt aber gefundenes Fressen sein. Insbesondere für die dominanten DTs Leonard Williams und Byron Murphy II dürfte die linke Seite der Interior O-Line ein gutes Matchup darstellen, das es zu gewinnen gilt.

Fazit: In den Trenches sind die Patriots insgesamt nicht schlecht, aber schlagbar.

Seahawks Defense: Front Seven vs. Patriots Run Game

Im Run-Game setzen die Patriots mit ihrem 1‑2‑Punch auf ein gewissermaßen ungleiches Tandem. RB Rhamondre Stevenson punktet auf der einen Seite mit Erfahrung und einem allgemein sehr runden Skillset ohne besondere Schwächen und Stärken. Sein Positionskollege, Rookie-RB TreVeyon Henderson, glänzt primär mit seinem Antritt und speziell seiner Schnelligkeit. Mit 22,01 mph (ca. 35 km/h) erzielte er die sechsthöchste Geschwindigkeit eines Ballträgers in dieser Saison:

Allerdings benötigte Henderson bislang das richtige Blocking, um diesen Geschwindigkeitsvorteil auch einsetzen zu können. In Short Yardage-Situationen tat sich der Second-Round-Pick bisher noch schwer. In dieser Kategorie ist Stevenson mit seiner Physis als weitaus stärker einzuschätzen und wird wohl öfter in diesen Situationen zum Einsatz kommen. Während der Playoffs war Henderson mit gerade einmal 57 Yards und 0 Touchdowns noch kein großer Faktor, Stevenson war hingegen mit fast 200 Yards deutlich produktiver und erhielt hauptsächlich im AFC Championship-Game deutlich den Vorzug. Ein Touchdown über den Boden gelang den Patriots allerdings in keinem ihrer diesjährigen Playoff-Spiele.

Die Seahawks Defense gehört gegen den Lauf definitiv zu den besten der Liga (etwa als Nr. 1 gegen den Lauf nach EPA/Play) und ist in diesem Matchup zu favorisieren. Es wird vor allem wichtig sein, Big Plays von Henderson zu verhindern und die Running Backs früh unter Druck zu setzen. Wie mit den starken Defensive Tackles, Nickel Nick Emmanwori und den Linebackern Ernest Jones IV und Drake Thomas kann Macdonald hier aber auf starke Ressourcen in seinem Gameplan und Playcalling zurückgreifen.

Fazit: Das Laufspiel (nur Nr. 25 nach EPA/Play) ist definitiv schwächer einzuschätzen als die Passing-Offense der Patriots. Umso wichtiger, dass die Seahawks Defense hier New England wenig Möglichkeiten für Yards und Scores bietet.

Seahawks Defense: Secondary vs. Patriots Passing Offense

Einer der Grundpfeiler des überraschenden Erfolgs der Patriots ist mit Sicherheit QB Drake Maye. Bereits in seinem zweiten Jahr hat sich der ehemalige First Round-Pick zu einem der besten Quarterbacks der NFL entwickelt. Nicht umsonst verpasste er den 2025er MVP-Titel gegen Rams-QB Matt Stafford nur um eine Stimme. Mit 72 Prozent Completion Percentage ist er ganz klar an der Spitze der NFL in dieser Kategorie. Zudem spielt er besonders für sein Alter sehr sicher und überlegt. Mit 8 Interceptions liegt er im Mittelfeld dieser Statistik. Dabei verlässt er sich nicht nur auf einfache, kurze Pässe, sondern erzielte sogar die meisten Yards pro Wurf.

Zu Beginn der Saison wurde der Receiving-Room in New England noch unterschätzt. Gerade WR Stefon Diggs erlebte in der vergangenen Saison einen zweiten Frühling. 83,3 Prozent Catches ist nicht nur sein Karriere-Bestwert, sondern auch Nr. 1 in der NFL für Spieler mit mindestens 100 Targets. Er ist also eine besonders zuverlässige und auch die Lieblings-Anspielstation für Maye.

Die meisten Touchdowns konnte wiederum TE Hunter Henry verbuchen (7), wobei insgesamt 10 verschiedene Spieler einen Receiving Touchdown über die Saison hinweg fangen konnten. Zum Vergleich: Bei den Seahawks waren es 6. Dahinter ist insbesondere noch WR Kayshon Boutte zu nennen, der mit einem spektakulären Touchdown im Playoff-Spiel gegen die Texans gehörig zum Sieg beitrug. Rookie-WR Kyle Williams ist primär der Mann für die tiefen Bälle mit einem Schnitt von über 20 Yards pro Catch, und auch WR Mack Hollins wird von Maye gerne angespielt (über 500 Yards).

Die Secondary der Seahawks Defense erwartet also eine Passing-Offense, die hauptsächlich von der herausragenden Leistung von Drake Maye getragen und beflügelt wird. Daher wird es besonders nötig sein, den jungen Quarterback unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen. Die Broncos konnten das bereits gut vorzeigen. In jeder Unit haben die Seahawks die Personalien und das Potenzial, die Patriots im Passspiel in Zaum zu halten. Wiederum darf Seattle selbst keine Fehler (während und nach dem Play) machen, denn Aussetzer kann Maye genauso bestrafen wie andere große Namen in der Liga.

Fazit: Eine Unit, die dieses Jahr über sich hinausgewachsen ist und die primär von der Leistung von Drake Maye abhängt.

Seahawks Defense: Gesamtfazit

Im Matchup Seahawks Defense gegen Patriots Offense ist, trotz der MVP-würdigen Saison von Drake Maye, Seattle der klare Favorit. Zu stark waren die Leistungen über die ganze Saison hinweg und zu gut konnte Macdonald seine Spieler immer wieder auf verschiedene Gegner einstellen. Aber dennoch: Die Patriots stehen nicht zuletzt wegen ihrer stark verbesserten Offense im Super Bowl, die in der Underdog-Rolle mehr zu gewinnen als zu beweisen hat.

Jetzt gilt es ein letztes Mal: Fokussieren, dem Gegner das eigene Spiel aufzwingen und Seahawks- bzw. Macdonald-Football spielen. Die 12s dürfen optimistisch sein und sich auf ein spannendes Showdown gefasst machen!