Preview: Regular Season 2019 (Week 2) – Seahawks @ Steelers

Für die Seattle Seahawks geht es in Week 2 nach Pittsburgh zu den Steelers ins Heinz Field. Es ist ein Ort, an den es aus Sicht der Blau-Grünen seit Jahren keine guten Erinnerungen gibt. Unglaublich, aber wahr: In diesem Jahrtausend haben die Seahawks im Stadion mit den gelben Sitzschalen noch keinen einzigen Punkt erzielt. Die letzten Punkte im Heinz Field erzielte ein Kicker namens Todd Peterson per Field Goal aus 38 Yards im Jahre 1999, als das Team aus dem Pacific Northwest in Pittsburgh einen deutlichen 29:10-Auswärtssieg feierte.

In den beiden Spielen, in denen Seattle in Pittsburgh mit null Punkten vom Feld ging, hatten die Seahawks jedoch auch noch nicht einen Quarterback namens Russell Wilson. Mit ihm als Spielmacher hat das Team nun natürlich ordentliche Chancen, den ersten Auswärtssieg seit 20 Jahren gegen die Steelers einzufahren. Die Partie stellt jedoch ein schwieriges Matchup gegen einen heimstarken Gegner (29-11 in den vergangenen fünf Spielzeiten) dar, der nach einer enttäuschenden Auftaktniederlage gegen die New England Patriots Wiedergutmachung betreiben will.

Das Spiel:

  • Kickoff ist am Sonntagabend bereits um 19 Uhr deutscher Zeit.
  • Austragungsort ist das Heinz Field in Pittsburgh, Pennsylvania (68.400 Plätze).
  • Übertragen wird die Partie über den NFL GamePass (hier 7 Tage kostenlos testen) sowie im Free-TV auf ProSieben MAXX und im Livestream bei ran.
  • Schnellcheck: Pittsburgh Steelers

Injury Report:

Center Joey Hunt (Sprunggelenk) und Cornerback Neiko Thorpe (Oberschenkel) sind in Week 2 raus. Bei Defensive Tackle Poona Ford (Wade) und Safety Tedric Thompson ist der Einsatz noch fraglich, beide verpassten die bisherigen Trainingseinheiten der Woche. Wide Receiver Tyler Lockett (Rücken) und Defensive End Quinton Jefferson (Hüfte) kehrten am Donnerstag ins Training zurück. Erstmals zu einem Einsatz im Seahawks-Trikot kommen dürften am Wochenende Defensive End L.J. Collier und Guard Mike Iupati.

Die Matchups:

Seahawks-O-Line vs. Steelers-Pass-Rush: Viele waren überrascht von der schwachen Performance der Offensive Line in Week 1. Gerade in der Pass Protection sahen die Starter der Seahawks ziemlich überfordert aus. Insgesamt verlieh Pro Football Focus den Seahawks eine Pass-Blocking-Bewertung von 46,6/100. Damit gehörte Seattle am Auftaktwochenende zu den schwächsten Teams der NFL. Vor allem Tackle Germain Ifedi und Center Justin Britt hatten einen schlechten Saisoneinstand. Letzterer bekam in puncto Pass-Blockig gar eine Bewertung von null (0/100) Punkten, was ziemlich selten vorkommt. Doch auch im Run-Blocking schnitt die O-Line unterdurchschnittlich ab.
Pittsburghs Positionsgruppe gehörte in der vergangenen Saison zu den besten Defensive Lines, wenn es darum ging, den gegnerischen Quarterback zu Boden zu bringen. Die gefährlichsten Pass Rusher der Steelers sind Cameron Hayward, Stephon Tuitt, Bud Dupree sowie T.J. Watt. Der jüngere Bruder von J.J. Watt ist der gefährlichste Quarterback-Jäger (13 Sacks in 2018) des Quartetts und wird wohl die meiste Zeit gegen Ifedi spielen – ein Schlüssel-Matchup. Fest steht, dass sich die Offensive Line der Seahawks dringend steigern muss, wovon jedoch auch auszugehen ist. Viel schlechter kann die Pass Protection kaum werden. In den vergangenen Jahren steigerte sich Seattles O-Line stets im Laufe der Saison. Doch nicht nur die fünf Beschützer von Russell Wilson müssen sich verbessern. Auch die Tight Ends müssen sich in der Pass Protection steigern. Hier sei vor allem Nick Vannett genannt, der gegen die Bengals für einen Sack verantwortlich war. Spielt die O-Line ähnlich wie gegen die Bengals, ist der Sieg nicht drin.

Seahawks-Quarterback Russell Wilson vs. Steelers-Secondary: Wie bei Seattles Verteidigung liegt die Schwäche der Steelers-Defensive ganz klar in der Secondary. Das wurde gegen New England deutlich. Sollte Pittsburghs bester Cornerback, Joe Haden, nicht spielen, sind die Steelers in der Secondary ziemlich mau besetzt. Sein Einsatz ist aufgrund einer Verletzung in Gefahr. Wenn Seattles Angriffslinie Russell Wilson genug Zeit gibt, haben die Seahawks eine gute Chance, die Passverteidigung von Pittsburgh auseinanderzunehmen. Seattle braucht für einen Sieg unbedingt ein funktionierendes Passspiel.

Seahawks-Passverteidigung vs. Steelers-Receiver: Nachdem Seattle in der Passverteidigung bereits gegen die Bengals Probleme hatte, werden die traditionell passlastigen Steelers versuchen, die Seahawks eben genau auf diese Weise anzugreifen. Spannendste Frage für Seattle: Wer wird neben Bradley McDougald auf der Safety-Position auflaufen. Aufgrund seines fatalen Fehlers, der in Week 1 zu einem Touchdown führte, und wegen einer Oberschenkelverletzung könnte Delano Hill Tedric Thompson ersetzen. Dies würde viele Seahawks-Fans freuen, da Thompson bisher nie wirklich überzeugen konnte. Glaubt man jedoch Head Coach Pete Carroll, wird es in der Secondary keine gravierenden Umstellungen im Vergleich zur Vorwoche geben.
JuJu Smith-Schuster, Top-Receiver der Steelers, wird eine große Aufgabe für die Verteidiger der Seahawks darstellen, zumal er oft im Slot auftaucht. Den Slot verteidigte Seattle im Auftaktspiel per Base-Defense oft mit einem Linebacker. Mychal Kendricks musste dann dem wieselflinken John Ross hinterherlaufen – das ging nicht gut. Ganz aus dem Spiel werden die Seahawks Smith-Schuster nicht nehmen können. Vielleicht aber tun sie sich einfacher, wenn sie öfter die Nickel-Formation spielen und einen wendigeren Cornerback anstelle eines Linebackers den Slot decken lassen.
Mut macht, dass die weiteren Receiver der Steelers bislang überhaupt nicht beeindrucken konnten. Donte Moncrief, zweiter Passempfänger in Pittsburgh, fing bei zehn Targets nur drei Pässe für gerade einmal sieben Yards. Die Tiefe in der Positionsgruppe ist hinter Smith-Schuster nicht wirklich beängstigend, was bei diesem Matchup noch das Positivste für Seattle ist. Es ist gut möglich, dass Pittsburgh mit drei oder gar vier Receivern aufs Feld kommen wird. Darauf kann Seattle eigentlich kaum mit der Base-Formation mit drei Linebackern antworten, die Carroll gegen die Bengals in über 90 Prozent der Snaps spielen ließ. Nach der Rückkehr von Slot-Cornerback Jamar Taylor ist es gut möglich, dass die Nickel-Defense zwangsläufig öfter auf dem Spielfeld zu sehen sein wird.

X-Faktor Offensive Coordinator Brian Schottenheimer und das Play Calling: Vorweggenommen: Genau wie der Autor dieses Texts sind die meisten Fans keine Football-Experten. Pete Carroll und Brian Schottenheimer sind uns allen in Sachen Football-Expertise um Welten voraus. Auf Grundlage dessen, was wir als Fans auf dem Spielfeld sehen, ist es aber natürlich trotzdem angebracht zu kritisieren. Dass Seattle vielleicht zu wenig auf den Pass setzt, ist schon lange ein heiß diskutiertes Thema unter Seahawks-Fans. Viele Anhänger der Mannschaft vertreten basierend auf fortgeschrittener Analytik die Meinung, dass Seattles Offensivkonzept passlastiger werden muss. Man sollte jedoch nicht blind kritisieren, also alles schwarz und weiß sehen, sondern auch differenzieren. Bereits in den ersten beiden Wochen der vergangenen Saison setzten die Seahawks stark auf den Pass, was sich rächte. Die Offensive Line war zu 2018 zunächst ähnlich schwach wie in Week 1 dieser Runde gegen Cincinnati. Es hagelte zwei Niederlagen. Gut möglich, dass sich Pete Carroll nach den ersten Drives gegen die Bengals, als man sogar noch etwas stärker auf den Pass als auf den Lauf setzte und Wilson zweimal zu Boden gebracht wurde, an 2018 erinnert fühlte und von da an stärker auf das Laufspiel setzte.
Ein Kompromiss bestünde darin, dass Seattle bei ähnlichem Spielverlauf gegen Pittsburgh anstelle des Laufspiels das Kurzpassspiel stärker fokussiert, was auch die Offensive Line der Seahawks im Pass-Blocking entlasten würde, weil sie Russell Wilson nicht ganz so viel Zeit geben muss wie bei tiefen Pässen. Wer mehr zum Thema Play Calling in Week 1 lesen möchte, dem sei ein Artikel unseres Fanklub-Mitglieds und ehemaligen Redakteurs Mario Kluckow auf seinem Seattle Sports Blog empfohlen. Mario gibt in seinem Beitrag einen sachlichen und differenzierten Einblick in das Play Calling der Seahawks gegen die Bengals.

Fazit:

Gegen die heimstarken Pittsburgh Steelers wird ein Auswärtssieg schwierig zu erringen sein. In vielen Bereichen müssen die Seattle Seahawks sich verbessern. Der wichtigste davon ist die Offensive Line. Ein Seahawks-Sieg ist zwar möglich, aber der Heimsieg der Steelers etwas wahrscheinlicher.

Prognose: Seattle muss sich in Pittsburgh mit 20:27 geschlagen geben.

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