Fischadleraugen: George Fant-astisch

Die Seattle Seahawks haben in der Nacht von Montag auf Dienstag gegen die Minnesota Vikings ein im Hinblick auf die Playoffs enorm wichtiges Spiel gewonnen. Seattles Runningbacks erwischten einen herausragenden Tag. Sie liefen für insgesamt 176 Yards bei 38 Versuchen (4,6 Yards pro Lauf) und erzielten gemeinsam drei Touchdowns. Das war auch durch einen taktischen Kniff möglich: Die Angriffslinie der Seahawks wurde oft durch einen zusätzlichen Lineman, George Fant, verstärkt.

George Fant nimmt in der O-Line der Seahawks seit der vergangenen Saison eine Sonderrolle ein: Betritt er als zusätzlicher Lineman das Spielfeld, muss er sich vor jedem Snap als “Eligible”, also passempfangsberechtigt, beim Schiedsrichter anmelden. Dadurch gilt er für einen Spielzug als Tight End und wird als solcher auch eingesetzt. Die Seahawks platzieren Fant links oder rechts neben den Tackles, damit er entweder in der Pass Protection oder beim Lauf-Blocking unterstützen kann.

Während in der Pass Protection die gesamte Offensive Line der Seahawks gegen Minnesota einen guten Tag erwischte (Pro Football Focus bewertet keinen Spieler unter 70/100), war George Fant der beste Blocker des Teams (75,8/100) im Laufspiel und hatte damit großen Anteil am Erfolg am Boden. Als Beschützer Russell Wilsons wurde Fant mit 78,7/100 bewertet, war in dieser Disziplin sogar einen Tick besser als beim Lauf, aber in diesem Fall nicht bester Spieler seines Teams (überraschend hatte hier Mike Iupati, sonst eher als starker Lauf-Blocker bekannt, die Bestnote).

Schon beim Aufeinandertreffen in der vergangenen Saison griff die Seahawks-Offense zu diesem Stilmittel. Auch damals fügte Seattle den Vikings massiven Schaden durch das Laufspiel zu – 214 Yards.

Fant spielte 2018 mit 39 Snaps rund 59 Prozent der Offensiv-Snaps, am frühen Dienstagmorgen waren es 42 Snaps, was 56 Prozent der Snaps entspricht. Dieses Mal reichte es für Fant im Unterschied zur vergangenen Saison aber nicht zu einer Reception mit anschließendem Tackle des “Turf-Monsters”.

Zunächst ein Blick auf die Formation der Seahawks zu Beginn des Spiels: Quarterback Russell Wilson ist “Under Center”, als Fullback für den verletzten Nick Bellore agiert Tyrone Swoopes (#46), der eigentlich auf der Tight-End-Position zuhause ist. Im Backfield steht Runningback Chris Carson (#32). Ganz links mit der Nummer 74 ist George Fant erkennbar, der sich neben Tight End Jacob Hollister (#48) aufgestellt hat.

Fant geht nach dem Snap in Motion, steht nun auf der rechten Seite von Tackle Germain Ifedi. Der Ball geht dann aber nicht per Lauf zur starken rechten Seite, sondern wird – das ist Teil der Irreführung – nach links auf Carson gepitcht, der wenig Raumgewinn erzielt.

Auch wenn der eben beschriebene Spielzug nicht erfolgreich war, hatte er in Bezug auf den darauf folgenden einen Wert für das Team: Es wurde aus einer ähnlich aussehenden Formation heraus ein Spielzug weg von der starken Seite gespielt. Die Defense weiß nun, dass ein Lauf der Seahawks nicht automatisch über die starke Seite gehen wird – das ist eine Herausforderung. Und tatsächlich geht der Lauf diesmal über die vermeintlich starke Seite mit Fant auf der rechten Seite der Formation. Fant hat im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, kann aber entscheidende Blocks für den Raumgewinn von Penny setzen.

Und damit ist das Taktieren zwischen Offensive und Defensive noch lange nicht auf die Spitze getrieben. Wie in diesem Video zu sehen, sind Hollister und Fant auf der linken Seite der Angriffslinie aufgestellt. Vor dem Snap wechseln beide auf die rechte Seite und die Gefahr, dass die Seahawks mit Carson aus dem Backfield nun über die starke Seite laufen, bedroht die Vikings-Defense. Aus dieser Formation heraus startet Seattle nach dem Snap einen Play-Action-Spielzug: Hollister läuft aus seiner Position eine Route, Fant ist in die Pass Protection eingebunden und Carson – zunächst bereit, einen eventuellen Blitz der Defense aufzunehmen – läuft sich als kurze Checkdown-Option frei. Der Pass von Wilson verfehlt zwar sein Ziel, Wide Receiver DK Metcalf, doch Fant hat hier eine ausgezeichnete Rolle als Pass-Blocker gespielt.

Bei dieser kritischen Situation nah an der eigenen Endzone setzten die Seahawks Fant nun ähnlich wie Swoopes bei anderen Snaps zunächst als verkappten Fullback im Backfield ein. Der Spieler geht dann aber in Motion und bringt damit die Vikings-Defense in Bewegung. Fant setzt auch in diesem Spielzug seinen Block perfekt, Carson läuft für einen guten Raumgewinn aber durch die Mitte des Feldes.

Zum Abschluss noch ein etwas leichter verständlicher Spielzug. Fant ist neben Ifedi aufgestellt, beide blocken exzellent eine Lücke frei, durch die Carson unberührt ins offene Feld vorstoßen kann und dort noch viele Yards einsammelt.

Der vermehrte Einsatz George Fants war von großem Erfolg gekrönt und – mal weg von den Zahlen und Statistiken – er war auch ein Mittel, um die Vikings-Defensive immer wieder zu beschäftigen. Durch etliche Bewegungen vor dem Snap mussten sich Minnesotas Verteidiger kurzfristig umstellen, wie vor allem im letzten Video zu sehen ist. Auch dieser mentale Stress, sich immer wieder auf neue Situationen einstellen zu müssen oder aber kurzfristig Änderungen in der Defense zu kommunizieren, ist ein Faktor, der Fant zu einer beliebten Waffe macht, um die Seahawks-Offensive sowohl im Pass- als auch im Laufspiel zum Ziel zu führen.

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