Der deutsche Linebacker Aaron Donkor wird ein Seahawk

Aaron Donkor

Lange hat die Seahawks-Fangemeinde hierzulande auf einen Moment wie diesen gewartet, nun ist es soweit. Der deutsche Linebacker Aaron Donkor geht im Rahmen des NFL International Player Pathway Program (IPP) der NFL in der Saison 2021 nach Seattle. Damit ist er der erste Deutsche seit Christian Mohr (2004-2005) und Samuel Gutekunst (2008), der im Pacific Northwest als Profi Football spielt.

Dass Aaron Donkor, 26, nicht nur in die erweiterte Auswahl des NFL-Förderprogramms kommen, sondern auch ein Team finden würde, hatte sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet. Sein Auftritt beim International Combine beeindruckte die Scouts – offenbar auch die der Seahawks. Mit der Reise Donkors nach Seattle schließt sich ein Kreis, denn wie es der Zufall will, ist sein Fitnesscoach und Mentor kein Geringerer als Ex-Seahawk Christian Mohr. In dessen Aachener Gym bereitete sich Donkor zuletzt akribisch auf die Tryouts vor.

Donkors Weg in die NFL begann beim Basketball. Als Aufbauspieler führte der 1,85 Meter große Sportler das Jugendteam des ASC 1846 Göttingen an. Über die Jugend- und Nachwuchs-Basketball-Bundesliga fand er den Weg in den Zweitliga-Kader der BG Göttingen. 2014 wurde er mit dem Team Meister in der ProA. Anschließend wechselte er erst zu den White Wings Hanau und dann zu Citybasket Recklinghausen (jeweils 2. Bundesliga ProB), ehe er 2016 bei einem Probetraining der Düsseldorf Panther antrat. Dort merkte er, dass seine athletischen Fähigkeiten besser zum Football passen. Donkor ergatterte einen Kaderplatz als Defensive End in der German Football League. Dort sammelte er in seiner ersten und einzigen Saison 14 Sacks.

2017 erhielt er mit Unterstützung von Björn Werners Spieler-Agentur Gridiron Imports ein Stipendium am New Mexico Military Institute (2018: 4 Spiele, 11,5 Sacks, 27 Tackles), um übers Junior College den Wechsel auf die höchste Amateur-Ebene im Football zu schaffen. Der Plan ging auf – nach zwei Spielzeiten wechselte Donkor an die Arkansas State University aus der Sun Belt Conference, wo er 2019 für die Red Wolves auflief. Dann kam Corona.

Die NFL lud Donkor im Dezember 2020 als einen von elf Kandidaten aus neun Ländern zum Förderprogramm ein. Dort schulten die Trainer ihn zum Linebacker um. Das IPP gibt Nicht-Amerikanern die Möglichkeit, sich für die US-Profiliga zu empfehlen und sich dem Spitzenniveau anzunähern – wenn sie denn von einem Team aufgenommen werden. Für Aaron Donkor ist dieser Traum nun in Erfüllung gegangen.

Noch vor wenigen Tagen sprach er mit seinem Förderer Christian Mohr in dessen Podcast über den Ruf der NFL und die Möglichkeit, für eins der 32 Teams spielen zu dürfen. Ab Minute 10:30 geht es dabei auch um Seattle und die Seahawks.

Wie einst sein Mentor geht Donkor nun in den Pacific Northwest – das passt. Was noch passt? Die Seahawks benötigen nach dem Abgang K.J. Wrights in der Free Agency (auch wenn die Rückkehr noch denkbar ist) weitere Tiefe auf der Linebacker-Position. Und: Rookie Donkor kann von Größen wie Bobby Wagner – einst ebenfalls als zu kleiner Spieler abgewertet – lernen und sich so an die Liga heran arbeiten.

Seattle wäre nicht verkehrt. Da würde ich mich freuen. Seattle ist schön.

Donkor hält sich zur Zeit in Arkansas auf. In den kommenden Tagen wird er wohl nach Seattle reisen, sofern dort Teamaktivitäten stattfinden. Zuletzt hatten sich die Spieler vieler Teams gegen die freiwilligen Trainingseinheiten auf dem Teamgelände ausgesprochen. Sie wollen sich aus Gründen des Infektionsschutzes lieber in Kleingruppen und privat organisiert fit halten.

Was bringt der 26-Jährige mit zu den Seahawks? Im Athletik-Bereich liegen seine Werte nahe an denen der NFL-Profis. Sportlich ist er ein Allrounder, der seine Fähigkeiten gerne als Blitzer einsetzen will. Vom Basketball bringt er hervorragende Technik bei Seitwärtsbewegungen mit, wie sie ein Linebacker braucht. Die nötige Schnelligkeit hat er, seit er als Kind mit dem Fußball angefangen hat. Apropos Fußball: Aaron Donkors Bruder Anton kickt beim SV Waldhof Mannheim in der 3. Liga.

Im Rahmen des International Pathway Program wird jedes Jahr eine NFL-Division per Zufallsprinzip ausgewählt, die bis zu vier Legionäre zugeteilt bekommt. Diese Spieler zählen nach Ende der Preseason nicht zu den klassischen Practice-Squad-Mitgliedern, sondern erhalten einen separaten Platz für die gesamte Runde. Über diesen können sie zwar nicht für Spiele aktiviert werden, aber dennoch wertvolle Erfahrung sammeln. Sollte Donkor im Training Camp jedoch so überzeugen, dass er im aktiven Kader oder in der regulären Practice Squad landet (wie 2019 Jakob Johnson), wäre er spielberechtigt.

Das IPP verhalf in den vergangenen Jahren Spielern wie Fullback Jakob Johnson (New England Patriots, Deutschland), Offensive Tackle Jordan Mailata (Philadelphia Eagles, Australien) und Defensive End Efe Obada (Carolina Panthers, Großbritannien) zum Sprung in den NFL-Spielbetrieb. Aaron Donkor könnte der nächste Legionär werden, dem dies gelingt. Eine Chance hat er.

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