© IMAGO/Archie Carpenter


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Der NFL-Draft 2026 ist vorbei und jetzt können die 32 NFL-Teams mit frischem Blut in die Saisonvorbereitung starten. Knapp 15 Stunden dauerte die Auswahl der besten College-Talente in Pittsburgh. Und so haben 257 Spieler jetzt eine sportliche Heimat zwischen Miami und Seattle oder zwischen Buffalo und Los Angeles gefunden. Doch wie haben sich die Franchises genau geschlagen? Was haben sich die Front Offices in der NFC West geschlagen? Und wie sind die Seattle Seahawks jetzt aufgestellt?
Alle diese Fragen, versuchen wir hier kurz und knapp zu beantworten. Los geht es natürlich mit der Zusammenfassung des Drafts der Seahawks, damit ihr ab Montag auf dem neuesten Stand seid, um beim ersten Kaffee mit den Kollegen direkt mitreden zu können. Doch dabei bleibt es nicht, denn wir schauen dieses Jahr auch auf den Rest der Liga und speziell auf die Rivalen des amtierenden Super Bowl-Champions vom Puget Sound.
In der folgenden Zusammenfassung legen wir natürlich Wert auf Vollständigkeit der Ereignisse des NFL-Drafts 2026. Dass wir dabei aber nicht jedes Detail berücksichtigen und aufschreiben können, sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt.
Vor der ersten Runde des NFL-Drafts 2026 beschäftigte die 12s die große Frage, ob General Manager John Schneider den 32. Pick für mehrere Picks an Tag 2 traden könnte. Am Ende fand er jedoch keinen „Tanzpartner“. In der Nacht zu Freitag hieß es schließlich für Seattle: „The Pick is in!”
Dabei waren noch viele interessante Spieler auf dem Board, die die Bedürfnisse der Seahawks gedeckt hätten. Neben einigen Pass-Rushern waren das speziell die Cornerbacks Avieon Terrell und Colton Hood sowie Defensive Tackle Kayden McDonald. In einem schwach besetzten Draft wich Schneider schließlich leicht von seiner „Best Player available“-Strategie ab, indem er die offensichtlich größte Lücke im Roster des Titelträgers füllte. Im Vorfeld des Drafts hatten viele Experten Notre-Dame-Running-Back Jadarian Price als Ersatz für den zu den Chiefs abgewanderten Super-Bowl-MVP Ken Walker III zu den Seahawks gemockt. Und so kam es dann auch:
A moment he’ll remember forever.#GoIrish☘️ | @Jadarian15 | #NFLDraft pic.twitter.com/wGow9ngKzN
— Notre Dame Football (@NDFootball) April 24, 2026
Price war am College für die Fighting Irish zwar nur RB-Nr. 2 hinter Jeremiyah Love (mehr zu ihm später), zeigte jedoch konstant Effizienz und Explosivität im Laufspiel. Mit starken 6,2 Yards pro Lauf in der Saison 2025 und herausragenden Leistungen in den Special Teams, inklusive mehrerer Kick-Return-Touchdowns über 100 Yards, bewies der 22-Jährige auch seine Big-Play-Fähigkeit. Sein aufrechter Laufstil, schnelle Tempowechsel und gutes Blockverständnis helfen ihm dabei, Lücken effektiv zu nutzen. Und wegen seiner Nr. 2-Rolle kommt Jadarian Price jetzt auch ausgeruht in die NFL. Hier können sich die Seahawks auf einen Spieler freuen, der absolutes Starter-Potenzial mitbringt, sich aber in der Ballkontrolle und im Passspiel noch verbessern muss, um auf höchstem Niveau zu bestehen.
In den beiden Draft-Runden an Tag 2 hatte Seattle die Picks 64 sowie 96, und weil Schneider nur ein Team fand, das ihm einen passenden Gegenwert für einen Trade anbot, blieben die Seahawks hier an 64. und sanken auf 99.
Mit dem letzten Pick der 2. Runde entschied sich das Front Office für Safety Bud Clark von der Texas Christian University (TCU). Ein Spieler, der von seinem aufgekratzten Wesen her sehr an Star-CB Devon Witherspoon erinnert, und die Lücke in der Secondary füllen dürfte, die Coby Bryant mit seiner Unterschrift bei den Chicago Bears im Seahawks-Kader hinterließ. Clark gilt mit seinem Spielstil als hervorragender Laufverteidiger, was Seattles Cheftrainer Mike Macdonald von seinen Spielern verlangt, und als absoluter Ballhawk (15 Interceptions in fünf Saisons mit den Horned Frogs).
Ein weiterer Spieler, der die Seahawks nach dem Super Bowl-Triumph in Santa Clara verließ, war Cornerback Riq Woolen. Da war es dann nur logisch, dass Seattle im Draft auch diese Position neu besetzen musste. Und der Rookie, der das nun wahrscheinlich tun wird, ist Julian Neal. Er ist der 2026er Drittrunden-Pick von Schneider und Co., der von seinem Körperbau her doch an Woolen erinnert. Groß gewachsen (1,89 m) und langen Armen (85 cm) hat Neal die Chance, ein physischer CB zu werden, der sowohl in Zonen- als auch in Manndeckung agieren kann.
Meant to be. 🫡 @J12_neal pic.twitter.com/iNQdRQEDFj
— Seattle Seahawks (@Seahawks) April 25, 2026
Für Fans ist kein Tag des NFL-Drafts so schwierig einzuschätzen wie der Samstag. An Tag 3 werden in den Runden 4 bis 7 Spieler ausgewählt, die oft nur absoluten Draft-Experten und Profi-Scouts bekannt sind. Dass sich die 12s jetzt darüber Gedanken machen müssen, liegt hauptsächlich daran, dass John Schneider wieder einmal den Trade-Hammer schwang und aus einem Day-3-Pick gleich vier machte. Davon allein drei in der siebten und damit letzten Runde. Hier fiel die Wahl auf CB Andre Fuller (für einige Experten ein 4th-Rounder), DT Deven Eastern und CB Michael Dansby.
Das Trio dürfte dabei um einen Platz im Practice Squad kämpfen, während die anderen Tag-3-Picks der Seahawks für größere Rollen in Seattle vorgesehen zu sein scheinen. In der 6. Runde wurde mit dem 199. Pick (an derselben Stelle, an der im Jahr 2000 ein gewisser Tom Brady ausgewählt wurde) Receiver Emmanuel Henderson Jr. ausgewählt. Er riss am College in Kansas zahlenmäßig keine Bäume aus, gilt aber unter Experten als der beste Special Teamer der Klasse von 2026.
Der Steal des letzten Tages könnte für die Seahawks aber Guard Beau Stephens sein, den sie für einen Trade eines 2027er 4th-Round-Picks ausgewählt haben. Er wurde in der 5. Runde von Seattle ausgewählt und gilt als ausgezeichneter Zonenblocker im Laufspiel, der Starting-RG Anthony Bradford Konkurrenz machen kann!
An unforgettable call. @BeauStephens70 pic.twitter.com/OTz0blz4Hi
— Seattle Seahawks (@Seahawks) April 25, 2026
Was machen Rams? Diese Frage dürften sich die Fans von Seattles Rivalen aus der Stadt der Engel stellen. Durch einen Trade mit den Atlanta Falcons im 2025er Draft, durfte LA an 13. Stelle in der 1. Runde picken. Doch statt eines Unterschiedsspielers auf Tight End, Receiver oder Edge, entschied sich Rams-GM Les Snead für Ty Simpson, Quarterback der Alabama Crimson Tide, und ließ damit die eigenen Anhänger fassungslos zurück:
This is an all timer 😭 pic.twitter.com/jJ6WTeDgbP
— ᴅᴏxx ⚡️ (@new_era72) April 24, 2026
Und auch sonst trafen die Rams, sagen wir mal, interessante Entscheidungen. In Runde 2 pickten sie an 61. Stelle Ohio State-Tight Ende Max Klare (als ob sie bis jetzt nicht genug TEs hätten) und in der 3. Runde an 93. Stelle Offensive Tackle Keagen Trost (Missouri), bevor es an Tag 3 mit WR CJ Daniels (Miami) und DT Tim Keenan III (Alabama) weiterging. Fünf Picks also, die die Rams gerade in der Spitze nicht wirklich besser machen.
Nicht weniger Stirnrunzeln und Entsetzen, lösten die Picks von 49ers-GM John Lynch bei den eigenen Fans aus. Denn nach dem Tradeback aus der 1. Runde an Pick Nr. 33 war die Hoffnung hier groß, mit dem ersten Pick an Tag 2 einen richtig guten Spieler zu holen, der aus der 1. Runde gefallen war. Zur Erinnerung: Mit dem 2. Pick an Tag 2 holten die Seahawks 2025 Nick Emanworri! Stattdessen entschieden sich die Niners hier für WR De’Zhaun Stribling (Ole Miss), der für diesen Pick als eindeutiger Reach galt, da zu diesem Zeitpunkt noch deutlich bessere Receiver auf dem Board waren.
Und als Lynch dann noch in der 3. Runde zum einen den 25 Jahre alten Edge Romello Height (Texas Tech) sowie mit Kaelon Black (Indiana), den für Draft-Experten achtbesten RB der diesjährigen Klasse, auswählte, war es um die San Fran-Fans endgültig geschehen. So sagte Niners-Beatwriter Grant Cohn in einer ersten Einschätzung: „Das war der schlechteste Day 2 in der Draft-Geschichte der 49ers!“ Eine markante Aussage, wenn man in Betracht zieht, dass das Team 2026 seinen 80. Geburtstag feiert. Die weiteren Picks der Niners an Tag 3 waren: OT Carver Willis und CB Ephesians Prysock (beide Washington), LB Jaden Dugger (Lousiana) sowie OT Enrique Cruz Jr. (Kansas).
Die Cardinals sorgten mit Pick Nr. 3 direkt zum Start des 2026er Drafts für ein Feuerwerk. Denn anstatt ihren Pick zu traden, wie es viele Experten zuvor vermutet hatten, holten sich die Cardinals den Teamkollegen von Jadarian Price ins Roster: RB Jeremiah Love. Für viele gilt Love von den Anlagen her als der wahrscheinlich beste Spieler des diesjährigen Drafts. Doch was ist das wert, wenn er als Läufer in einer löchrigen O-Line direkt von gegnerischen Verteidigern gestoppt wird? Zur Beantwortung der Frage, müssen Cardinals-Fans nur nach Las Vegas schauen, wo Ashton Jeanty in der Saison 2025 als First Rounder und mit Abstand bester Running Back eine unterwältigende Rookie-Saison hatte.
Das Problem im Hinblick auf Laufgassen, ging Arizona dann aber direkt an Tag 2 an, als an 34. Stelle, mit Chase Bisontis (Texas A&M) ein ausgezeichneter Guard gepickt wurde. Fragwürdig war dann dagegen der 65. Pick, als Arizona QB Carson Beck (Miami) pickte. Unter den 2026er Quarterbacks galt auch das eher als Reach. Komplettiert wurde der Draft der Cardinals in Pittsburgh mit vier weiteren Picks: DT Kaleb Proctor (Southeast Louisiana), WR Reggie Virgil (Texas Tech), LB Karson Sharar (Iowa) und OT Jaden Williams (Ole Miss).
Die erste Draft-Runde bot 2026 neben den Überraschungs-Picks von Love und Simpson noch insgesamt acht Trades sowie den Reach der Miami Dolphins für OT Kaydn Proctor (Alabama) an 12. Stelle. Erwartbar war dagegen der Nr. 1-Pick, als die Las Vegas Raiders QB Fernando Mendoza (Indiana) holten. An 2 ging Edge David Bailey (Texas Tech) zu den Jets, an 4 WR Carnell Tate (Ohio State) zu den Titans und an 5 LB Arvelle Reese (Ohio State) zu den Giants.
Der Rest der Top 10 sah dann wie folgt aus: 6. CB Mansoor Delane zu den Chiefs, 7. LB Sonny Styles zu den Commanders, 8. WR Jordyn Tyson zu den Saints, 9. OT Spencer Fano zu den Browns und 10. OT Francis Mauigoa zu den Giants. Gefolgt von den Picks Nr. 11 bis 32:
Every pick of Round 1 of the 2026 NFL Draft 🔒
What grade do you give your team in Night 1? 👀 pic.twitter.com/8Ku3fbq6x7
— FOX Sports: NFL (@NFLonFOX) April 24, 2026
Das Highlight für die deutschen NFL-Fans und besonders die Anhänger der Houston Texans ist zu 100 Prozent Pick Nr. 59, als sich die Texaner tatsächlich für Tight End Marlin Klein (Michigan) entschieden! Dass der „kölsche Jung“ im Draft ausgewählt wurde, war auf jeden Fall klar. Dass er jedoch so früh gehen würde, war dagegen doch überraschend. Insgesamt gab es gerade am 2. Tag des 2026er Drafts einen echten Run auf TEs, von denen gefühlt ein Dutzend schnell vom Board gingen.
Wie sich Klein bei den Texans schlagen wird, dürfte für alle deutschen NFL-Fans spannend sein. Sie werden dem 23 Jahre jungen und 1,98 m großen Kölner die Daumen drücken, dass er ins Roster schafft. Als Zweitrunden-Pick dürfte das aber gar keine Frage sein:
DA ISSER DOCH! 🔥
Marlin Klein spielte bei den Michigan Wolverines und wurde in seiner letzten College-Saison 2025 zum Starter und Mannschaftskapitän. In 11 Spielen fing er 24 Pässe für 248 Receiving Yards und 1 Touchdown.
In Houston kann er sich wohl erstmal hinter Starter… pic.twitter.com/TQt8pYUcyi
— NFL Deutschland (@NFLDeutschland) April 25, 2026
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