Statistik der Woche: Schotty lässt früh passen

Vor dem Spiel gegen die Tampa Bay Buccaneers betonte Head Coach Pete Carroll, dass die Seattle Seahawks gegen die beste Laufverteidigung der Liga spielen würden. Das war korrekt, sowohl basierend auf den Total Stats als auch auf den Advanced Stats. Damit standen für die Offensiv-Herangehensweise an die Partie genau zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Entweder Seattle passt mehr, um die schwache Buccaneers-Passverteidigung zu attackieren und der starken Laufverteidigung aus dem Weg zu gehen. Oder die Seahawks trotzen der Stärke des Gegners und ziehen weiter ihre eigene Spielidee durch.

Vor einem Jahr hätten sich die verantwortlichen Trainer wohl für letztere Option entschieden, denn eines der Mantras von Offensive Coordinator Brian Schottenheimer war 2018, auch noch nach dem Playoff-Aus gegen die Dallas Cowboys: “Wir wollen laufen, wir wollen physisch dominant sein.”

Am Sonntag gegen Tampa Bay war davon nicht (mehr) viel zu sehen. So oft, oft auch zurecht, Schottenheimer kritisiert wurde, direkt im ersten Drive zeigte die Offensive der Seahawks, dass sie in Seattle anpassungsfähig sind. Der erste Drive des Teams aus dem Pacific Northwest bestand aus sechs Spielzügen – fünf davon waren Pässe. Alle fünf Pässe sorgten für neue First Downs, wobei der letzte Pass zugleich für einen Touchdown von Tyler Lockett sorgte. Insgesamt passten die Seahawks in diesem Spiel bei 74 Prozent aller First-Downs-Snaps, in der kompletten Saison liegt Seattle mit 57 Prozent auf Rang 22 in der Liga. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als noch in der vergangenen Saison.

War es eine gute Entscheidung, häufig und besonders bei den frühen Downs zu werfen? Von den 43 Pässen Russell Wilsons resultierten 23 in einem neuen First Down. Das Spiel gegen die Buccaneers ausgelassen, wirft Wilson 31,25 Pässe pro Spiel. Daraus resultieren im Schnitt 12,1 First Downs. Rund elf weniger als am Sonntag. Seattle schaffte es also, die eigene Stärke (Passspiel) auf die gegnerische Schwäche (Passverteidigung) auszurichten.

Wie wertvoll waren diese Pässe auf die Wide Receiver und Tight Ends? In einer früheren Ausgabe der Statistik der Woche wurde der Begriff EPA (Expected Points Added) erklärt und verwendet. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Punkte-Vorhersage. Gegen die Buccaneers trug Wilson sehr viele Punkte durch Pässe auf seine drei Hauptziele Tyler Lockett, DK Metcalf und Jacob Hollister bei.

Deshalb gibt’s an dieser Stelle (wo das sonst nicht so der Fall war) nun auch mal ein großes Lob an Brian Schottenheimer, der einen hervorragenden Plan für die Partie erstellte und mit schönen Spielzug-Designs dafür sorgte, dass sein Quarterback Russell Wilson eine weitere MVP-Performance aufs Feld zaubern konnte.

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