Statistik der Woche: Der Leistungssprung der Defense

Die Defense der Seattle Seahawks wurde zuletzt immer wieder heftig kritisiert – und das auch zurecht. Zu viele Yards und Punkte gegen sich, verpasste Tackles, zugelassene Yards nach dem Catch machten die Verteidigung zu einer der schlechtesten der NFL. Doch in den vergangenen beiden Wochen hat sich die Defense gesteigert und das idealerweise in Spielen, in denen die eigene Offensive nicht ihre besten Leistungen zeigte. Den Noten bei Pro Football Focus zufolge gehörten die Leistungen der Seahawks-Defensive in den vergangenen zwei Spielen zu den drei besten Auftritten der Saison, beim Pass Rush waren es sogar Seattles beste zwei Spiele der Runde.

Auch bei Football Outsiders befindet sich die Defense im Aufwärtstrend und liegt nach dem Philadelphia-Eagles-Spiel nun auf Rang 16 (in der Vorwoche noch Rang 21 nach dem San-Francisco-49ers-Spiel). Nach dem gewichteten DVOA-Wert (das bedeutet, dass die Spiele vom Anfang der Saison weniger Einfluss haben) liegen die Seahawks ebenfalls auf dem 16. Platz und damit im Mittelfeld der Liga.

Doch was genau hat sich in den letzten zwei Wochen geändert? Diese Frage haben wir der Community bei Twitter gestellt. Beste Antwort:

Einige etwas ernstere Antworten gingen aber auch in die Richtung, in die die folgende Erklärung geht:

Beim Blick auf das Personal fällt direkt der Zusammenhang mit dem von den Detroit Lions per Schnäppchen-Trade verpflichteten Defensive Back Quandre Diggs auf, denn dieser ist nach auskurierter Oberschenkelverletzung seit genau zwei Spielen für Seattle im Einsatz. Mit ihm auf dem Feld kann die Defensive wieder mehr im in Legion-of-Boom-Zeiten beliebten Cover-3-Schema aufzulaufen. (Trend: In dieser Saison spielen die Seahawks bislang 39 Prozent Cover 3, in den vergangenen zwei Spielen lagen sie bei 46 Prozent.) Dadurch, dass Diggs die tiefe Mitte so hervorragend abdeckt (Head Coach Pete Carroll zeigte seinen Spielern Videos von Diggs, wie er übers Feld patrouilliert und Gegenspieler mit viel Tempo präzise anläuft – das tat er zuletzt bei Earl Thomas) kann Safety Bradley McDougald wieder als Strong Safety auflaufen, was mehr seiner Stärke entspricht, auch wenn er auf Free Safety ein guter Spieler war. McDougald kann so in der Box gegebenenfalls die Lauf- und Kurzpassverteidigung unterstützen und ein wenig Druck von der Front Seven nehmen. (Als McDougald noch mit Tedric Thompson das Safety-Tandem bildete, musste er den alleine oft überforderten Thompson meist in der Tiefe unterstützen.)

Aber nicht nur die Secondary, sondern auch der Pass Rush hat zugelegt. Waren die Seahawks an der Line of Scrimmage lange Zeit eines der harmlosesten Teams wenn es darum ging, Druck auf den gegnerischen Quarterback auszuüben, sind sie in den vergangenen beiden Spielen regelrecht explodiert. 40 Mal übte der Pass Rush gegen Niners und Eagles Druck auf den gegnerischen Quarterback aus – daraus entstanden acht Sacks. Über die gesamte Saison hinweg liegt Seattle nun bei 165 Pressures und 23 Sacks.

Angeführt natürlich von Jadeveon Clowney, der alleine gegen die 49ers elf Mal den Quarterback unter Druck setzte und fast im Alleingang dafür sorgte, dass Jimmy Garoppolo seine Offensive nicht ins Laufen bringen konnte. Gegen die Eagles konnte man dann endlich auch sehen (in Clowneys Abwesenheit), wieso sich die Seahawks die Dienste von Ezekiel Ansah für ein Jahr gesichert haben. Er kam auf zwei Sacks und drei Quarterback-Hurries. Daneben spielte auch Rasheem Green wieder eine gute Partie und erzielte einen Sack, einen Quarterback-Hit und vier Hurries. Außerdem boxte er Carson Wentz – sitzend – den Ball aus der Hand und forcierte so einen Ballverlust der Eagles.

Auch wenn Ballverluste sehr volatil und nicht zu planen sind, sieht hier die Statistik auch gut aus für die Seahawks: drei Interceptions und fünf Fumbles an zwei Spieltagen.

Zwei weit verbreitete Thesen sollen hier abschließend noch behandelt werden:

 

  1. Deckung ist wichtiger als Pass Rush
    Dafür spricht im Seahawks-Beispiel, dass mit der verbesserte Secondary mit Quandre Diggs urplötzlich auch der Pass Rush besser wurde, die Pressure- und Sack-Zahlen anstiegen und selbst der Ausfall von Jadeveon Clowney kein Problem mehr war. Damit hängt auch die zweite These zusammen:
  2. Sacks sind Quarterback-Statistiken
    Sowohl Carson Wentz als auch Jimmy Garappolo mussten im Spiel gegen die Seahawks auf wichtige Anspielstationen verzichten, fanden kaum offene Receiver und wirkten auch deshalb oft verunsichert. Die Folge (neben ungenauen Würfen): Sie trafen falsche Entscheidungen, indem sie den Verteidigern in die Arme liefen oder den Ball zu lange festhielten. Das kommt dem Pass Rush natürlich entgegen. Und es gibt einen Eindruck, wie sehr Sacks auch Quarterbacks abhängig sind, die den Ball nicht rechtzeitig los werden oder ihrer O-Line durch überhastete Bewegungen das Leben schwer machen.

Sollte sich dieser Trend auch in den kommenden Spielen bestätigen, wäre das eine sehr hilfreiche Steigerung der Seahawks-Defense, damit Seattle die San Francisco 49ers als Spitzenreiter der NFC West noch ablösen kann.

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