Statistik der Woche: Chris Carson verliert den Kontakt

Dass der laufintensive Ansatz von Offensive Coordinator Brian Schottenheimer in der vergangenen Saison so gut funktionierte für die Seattle Seahawks, lag natürlich an Quarterback Russell Wilson – und an Runningback Chris Carson. Dieser schaffte es trotz des für die Defensive oft vorhersehbaren Laufspielzugs, konstant Yard für Yard zu sammeln. Carsons große Stärke war es 2018, Tackles zu brechen und für weitere Yards zu kämpfen. Mit insgesamt 23 gebrochenen Tackles lag er in der vergangenen Spielzeit auf Rang drei der Liga.

Auf die Anzahl seiner Läufe angewandt, brach Carson alle 10,7 Laufversuche ein Tackling (Platz 12 unter 49 qualifizierten Runningbacks) und erlief nach dem ersten Kontakt noch 2,4 Yards. 2019 funktionierte dies noch überhaupt nicht. Der Läufer kommt auf 1,1 Yards nach dem ersten Kontakt und bricht bisher nur alle 22,5 Laufversuche ein Tackling (Platz 22 unter 37 qualifizierten Runningbacks).

Im Schnitt läuft Chris Carson über die ersten drei Spieltage hinweg 3,5 Yards pro Lauf und damit insgesamt 1,2 Yards weniger als in der vergangenen Saison – und das obwohl er in dieser Saison im Schnitt erst nach 2,4 Yards den ersten Kontakt mit einem Gegenspieler hat und damit 0,1 Yards später als in der letzten Saison. Auch die Häufigkeit von Carsons Läufen für ein First Down hat sich reduziert. 2018 überquerte er bei jedem vierten Lauf die imaginäre gelbe Linie (61 First Downs bei 247 Läufen). 2019 gelang ihm das bislang nur bei 17,7 Prozent seiner Läufe (8 First Downs bei 45 Läufen).

Natürlich aber darf nicht vernachlässigt werden, dass in dieser Saison erst drei Spiele gespielt sind und sich dadurch Ausreißer nach oben oder nach unten noch viel stärker auswirken. Außerdem strauchelt die O-Line der Seahawks mit dem Run-Blocking bislang noch gewaltig.

Ein Punkt, an dem Chris Carson aber unabhängig davon ansetzen muss: Ballsicherheit. In der vergangenen Saison verlor er in 245 Läufen genau dreimal den Ball. In der aktuellen Runde sind diese drei Ballverluste bereits nach 45 Läufen auf seinem Konto – und einer davon wurde gegen die Saints sogar zum Touchdown zurückgetragen. Head Coach Pete Carroll beschrieb alle drei Fumbles als außerordentlich gute Aktionen des jeweils involvierten Verteidigers, doch am Ende gab Carson dreimal Gegenspielern die Möglichkeit, den Ball aus seinem Arm zu schlagen. Kommende Gegner werden das registriert haben.

Am Ende ist es die Summe der aufgezählten Faktoren, die dem Laufspiel und der Offensive der Seahawks erheblich schadet. Carsons EPA-Wert (erwartete Punkteausbeute resultierend aus Carsons Ballberührung) wurde von Woche zu Woche schlechter.

Am Sonntag kam für Carson alles zusammen. Neben einer gut für den Lauf blockenden O-Line und der letztjährigen Ballsicherheit scheint ihm aktuell auch ein wenig das Gespür für die richtige Lücke zu fehlen, wie der folgende Tweet zeigen soll:

In den kommenden Spielen wird sich zeigen, ob es die Trainer durch geschicktes Play Calling Entlastung schaffen für Chris Carson oder ob der Runningback aus eigener Kraft aus diesem Loch herausläuft. Bleibt er jedoch weiterhin unsicher am Ball, trifft falsche Entscheidungen und wirkt generell so glücklos wie bisher, ist sein Status als Nummer-eins-Runningback der Seahawks ernsthaft in Gefahr. Ein Siebtrundenpick kann so schnell und unbemerkt aus der Liga verschwinden, wie er aufgetaucht ist.

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