Statistik der Saison: One-Man-Show

Russell Wilson bot in der abgelaufenen Saison wahrlich eine One-Man-Show dar. Der Quarterback der Seattle Seahawks machte meist viel aus den limitierten Möglichkeiten, die ihm mit einer ramponierten O-Line und ohne Laufspiel im Jahr 2017 blieben. Folgende Statistiken sollen zeigen, dass der Erfolg des Teams stark abhängig von Wilsons Leistungen kam und ging.

Von den 43 Touchdowns, die Seattle 2017 erzielt haben, wurde nur ein einziger von einem Runningback beigesteuert. Vier wurden von der Defense erzielt, einer von Tyler Lockett per Return. Übrig bleiben 37 Touchdowns – und die gehen alle auf die Kappe von Russell Wilson (34 per Pass, drei zu Fuß). Damit ist der Spielmacher für 86 Prozent aller Touchdowns der Seahawks verantwortlich. Dieser Wert zeigt eindrucksvoll, wie krass das Team aus dem Pacific Northwest in der vergangenen Saison von seinem Quarterback abhängig war. Dass er mit 34 Touchdown-Pässen der Spitzenreiter der NFL war, konnte nicht über die verpassten Playoffs hinwegtrösten.

Warum die Abhängigkeit von Wilson problematisch war, zeigt ein anderer Wert, der genauso für die abgelaufene Runde steht: In den ersten Halbzeiten aller 16 Spiele kam er im Schnitt auf ein Passer Rating von 78,2. In den zweiten Halbzeiten auf einen Wert von 109,9. Nie war die Diskrepanz zwischen diesen zwei Zahlen so extrem wie in der sechsten NFL-Saison des Quarterbacks. Damit hängen die vielen Fehlstarts des Teams zusammen und die vielen Comebacks spät in umkämpften Spielen. Diese Statistik ist einer der Hauptgründe, warum die MVP-Debatte irgendwann im Dezember ohne Wilson fortgeführt wurde.

So ist es kaum überraschend, dass Wilson mit Abstand der Spielmacher mit den meisten Touchdowns in den vierten Quarters der abgelaufenen Saison ist. 19 Mal punktete er im letzten Viertel der Partien. Dann kommt lange niemand. Und dann irgendwann Matt Ryan, Dak Prescott und Matthew Stafford mit jeweils neun Touchdowns.

586 Yards Raumgewinn erlief Russell Wilson 2017 – und war damit der beste Läufer der Seahawks. Nur Chris Carson, der früh in der Saison verletzt ausfiel, kam außer dem Quarterback noch auf über 200 Yards. Würde man Wilsons häufige Fluchtversuche und Ausflüge aus der Pocket ebenfalls in Yards messen, so wäre er im Ranking wohl irgendwo zwischen Kareem Hunt und Todd Gurley zu finden. Die Ineffizienz der O-Line in Sachen Blocken bei Passversuchen (Platz 26) ließ dem Spielmacher oft keine andere Wahl. 122 Mal wurde Wilson von seinen Vorderleuten (oder eben deren Gegenspielern) in Bedrängnis gebracht, so oft wie kein anderer Quarterback.

Da diese sogenannten Hurries oft in Incompletions oder Interceptions resultieren, ist es nur logisch, dass Wilson in seiner sechsten Saison prozentual so wenige Bälle an den Mitspieler brachte wie noch nie in seiner Profikarriere, nämlich nur 61,3 Prozent (nie war er zuvor unter 63 gefallen). Immerhin bewertete Pro Football Focus ihn als den besten Quarterback gegen den Blitz.

Am Ende reichte weder Wilsons Magie noch die immer mal wieder vorhandene Schützenhilfe der Konkurrenz, um Seattle in die Playoffs zu hieven. Erstmals in der Karriere des Seahawks-Spielmachers erreichte das Team keine zweistellige Anzahl an Siegen. Highlights vom Quarterback gab’s trotzdem auch 2017 haufenweise.

Weitere Rekorde von Russell Wilson:

  • meiste Touchdown-Pässe durch Rookies: 26 (gemeinsam mit Peyton Manning)
  • meiste Pass-Yards in einem Playoff-Spiel durch einen Rookies: 385
  • meiste Siege in der Regular Season durch einen Quarterback in seinen ersten zwei Spielzeiten: 24
  • meiste Siege in der Regular Season durch einen Quarterback in seinen ersten drei Spielzeiten: 36
  • meiste Siege in der Regular Season durch einen Quarterback in seinen ersten vier Spielzeiten: 46
  • meiste Siege in der Regular Season durch einen Quarterback in seinen ersten fünf Spielzeiten: 56 (gemeinsam mit Matt Ryan)
  • meiste Siege in der Regular Season durch einen Quarterback in seinen ersten sechs Spielzeiten: 64
  • erster Quarterback mit 300+ Yards durch die Luft und 100+ Yards am Boden in einem einzigen Spiel: 19. Oktober 2014 vs. St. Louis Rams
  • meiste aufeinanderfolgende Spiele mit 3+ Touchdown-Pässen und keiner Interception: 5 in der Saison 2015
  • zweithöchstes Passer Rating (mindestens 1.500 Würfe): 99,6
  • erster und einziger Quarterback in der NFL-Geschichte mit einem Passer Rating von 128,3 oder höher in fünf aufeinanderfolgenden Spielen
  • erster und einziger Quarterback in der NFL-Geschichte, der in einer einzigen Saison 4.000+ Yards durch die Luft, 30+ Touchdown-Pässe und 500+ Yards am Boden sammelte: in der Saison 2015
[bsf-info-box icon=”Defaults-info-circle” icon_size=”32″ title=”Statistik der Woche”]

In dieser Rubrik liefern wir Euch während der Saison einmal pro Woche – oder auch unregelmäßiger – eine Zahl, die das Spiel der Seattle Seahawks gut charakterisiert und analysieren, warum das der Fall ist. Sei es das Passer Rating von Russell Wilson, die Anzahl der zugelassenen Sacks der O-Line oder die Zahl der Tackles von Bobby Wagner – die Statistikverliebtheit im Ursprungsland des American Football bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich tiefgründiger mit der Materie zu befassen.

Ihr habt Daten/Werte/Stats, die unser Lieblingsteam Eurer Meinung nach gut beschreiben? Teilt es uns in den Kommentaren mit!

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