See A Hawk: DK Metcalf

DeKaylin Zecharius hatte den Schock noch nicht ganz verdaut, als John Schneider, der General Manager der Seattle Seahawks, den Telefonhörer an Head Coach Pete Carroll weitergab. “Warum habt ihr so lange gewartet”, schluchzte er am anderen Ende der Leitung in sein Smartphone. Carroll beschwichtigte: “Du wirst in dieser Saison Pässe von Russell Wilson fangen.” In der Tat – DK Metcalf, ein bei tiefen Pässen besonders gefährlicher Wide Receiver, wird 2019 Bälle vom Meister des tiefen Passes zugeworfen bekommen. Und er wird bei jedem Fang an die Kritiker denken, die ihn als zu unflexibel und verletzungsanfällig bezeichneten. Der Rookie im Porträt.

In der Rubrik “See A Hawk” (die fast “Meethawk” getauft worden wäre) stellen wir in unregelmäßigen Abständen Spieler der Seattle Seahawks etwas genauer vor.

WR DK Metcalf

Kurzinfos:

  • College: Ole Miss (2016-2018)
  • Alter: 21 (14. Dezember 1997)
  • Größe: 1,93 m
  • Gewicht: 104 kg
  • Armlänge: 88 cm
  • Handgröße: 25 cm
  • Draft: 2. Runde, Pick #64

College-Statistiken (2018):

  • Spiele: 7
  • Receptions: 26
  • Receiving-Yards: 569
  • Yards/Reception: 21,9
  • Receiving-Touchdowns: 5

Werdegang

DK Metcalf war im Vorfeld des NFL Draft 2019 wohl eines der Talente, die am meisten Hype generierten. Er posierte auf einem Foto mit College-Teamkollege A.J. Brown. Metcalf ist austrainiert, wie man nur austrainiert sein kann. Und schnell war er dadurch in den Schlagzeilen vor dem NFL Scouting Combine. Es machten irre Gerüchte die Runde, dass Metcalf nur einen Körperfettanteil von 1,6 Prozent hat.

Bei der Talentschau wurden die Schlagzeilen dann auch wieder sportlich: Metcalf lief im 40-Yard Dash mit 4.33 Sekunden die zweitbeste Zeit, nur Parris Campbell und Andy Isabella waren mit 4,31 Sekunden schneller. Außerdem überzeugte Metcalf beim Bankdrücken mit Bestleistung und war auch in allen anderen Disziplinen in der Spitzengruppe zu finden. Einzig beim Three-Cone Drill enttäuschte er.

Nach seiner guten Leistung beim 40 Yard Dash zeigte sich die weiche Seite von Metcalf: er rief im Anschluss an den Lauf seine Familie unter Tränen an, er war sichtlich mitgenommen und stolz auf seine Leistung.

Auch die Reaktion auf den Anruf von John Schneider und Pete Carroll mit der Nachricht, dass sie sich für ihn entschieden haben, verbreitete sich schnell. Das emotionale Telefonat zum Nachschauen:

Der Vater von DK Metcalf, Terrence Metcalf, war ein Offensive Lineman in der NFL. Seine Physis wurde ihm in gewisser Weise also in die Wiege gelegt. Und auch die Professionalität und Arbeitsmoral, die man ihm nachsagt, könnte daher rühren.

Zweifel an Metcalfs Leistungsfähigkeit kamen durch seine Verletzungshistorie auf: er musste seine erste Saison durch eine Fußverletzung, seine dritte Saison am College durch eine Nackenverletzung frühzeitig beenden. Daher lesen sich seine College-Stats auch eher bescheiden und die Frage kommt auf, ob er in der NFL ein produktiver Spieler werden kann. Auch, wenn seine letzte Saison am College sich rein statistisch gut liest, bis eben zu seiner Verletzung.

Auch seine begrenzte Routen-Auswahl handelte ihm schnell den Ruf als One-Trick Pony ein.

Diesen Makel wollte Metcalf aber nicht auf sich sitzen lassen und trainierte in der Off-Season mit WR-Guru Jerry Sullivan, der unter anderem Larry Fitzgerald und Anquan Boldin coachte, das Route-Running. Mit Erfolg: während des Rookie Minicamps, wenn man den Berichten und Videos glauben darf, legte Metcalf eine Top-Performance hin. Auch Pete Carroll, ein sowieso immer positiver Mensch, war selten so voll des Lobes über einen Rookie in den ersten Tagen. Und stellte fest, dass Metcalf anscheinend noch einzigartiger sei, als sie es sich schon gedacht haben.

Auch für den ein oder anderen Spaß ist er zu haben. Im Vorfeld des Treffens beim Combine mit Seattle überredete Andrew Hineline, ein Scout der Seahawks, Metcalf dazu, oberkörperfrei ins Meeting zu gehen, um eine emotionale Reaktion von Pete Carroll zu provozieren. Hineline wusste, wovon er sprach – Carroll flippte aus:

Videoanalyse

Metcalf ist ein physischer X-Receiver, den die Seahawks in dieser Form bisher nicht im Kader hatten und in der Zeit von Russell Wilson in dieser Form vielleicht sogar überhaupt nicht. Er wird oft mit Calvin Johnson oder Julio Jones verglichen.

Eine seiner größten Stärken, seine komplette Physis, ist klar sichtbar und messbar, also an den Combine-Werten abzulesen. Die Kombination aus Größe und Schnelligkeit sind die Attribute, die Metcalf besonders machen.

Eben jene Kombination erlaubt es Metcalf, einen großen Catch-Radius zu haben. Damit gibt er sich selbst die Chance auch Bälle zu fangen, die nicht genau genug oder zu hoch geworfen waren.

Seine Größe sollte ihm auch bei umkämpften Catches helfen, was sich jedoch, wenn man die Spiele von ihm geschaut hat, nicht immer gezeigt hat. Er hatte vereinzelt sehr schwierige Catches in Bedrängnis, die er wunderbar gefangen hat, andererseits kann er hier noch deutlich konstanter werden und mehr Duelle für sich entscheiden.

In der Berichterstattung rund um den Draft wurde Metcalf auch immer wieder Unbeweglichkeit vorgeworfen. Diese Stimmen wurden laut aufgrund des schlechten 3 Cone Drills während der Combine und seines begrenzten Route-Trees auf dem College, in denen Metcalf oft nur vertikale Routen lief.

Bestätigen kann ich diese Kritik nur bedingt. Ja, sein Route-Tree war sehr begrenzt, aber auch bei Slants konnte sich Metcalf mit guten Bewegungen an der Line of Scrimmage vom Verteidiger lösen. Vor allem gegen enge Manndeckung konnte sich Metcalf gut durchsetzen und das lag auch an guter Fuß- und Beinarbeit. Ganz unbeweglich ist Metcalf also nicht.

Seine Beweglichkeit und Körperkontrolle konnte Metcalf auch in verschiedensten Szenen immer wieder zeigen. Bezeichnend dafür sein Touchdown im Spiel gegen Alabama: Ein etwas überworfener Ball kann er durch seine Größe und Armlänge noch an den Körper bringen und fangen, läuft dann mit Vorsprung Richtung Endzone. Ein Verteidiger kann ihn noch einholen, versucht ihn am Fuß zu erwischen, bringt ihn leicht ins Stolpern, doch Metcalf tänzelt an der Linie entlang, ohne ins Aus zu treten und trägt den Ball in die Endzone.

Hat sich Metcalf nach einem Catch in Bewegung gesetzt war es sehr schwierig, ihn zu tackeln und zu Boden zu bringen. Metcalfs Fähigkeit, Yards nach dem Catch zu erzielen, lies sich häufig beobachten.

Eine Schwäche, die sich offenbarte, waren leichtsinnige und einfache Drops von Metcalf. Teilweise fing er die schwierigen Bälle, lies aber im gleichen Spiel einfache Screen Pässe oder Pässe in Comeback-Routen, bei denen er den Ball sogar entgegenkommt, fallen. Einfache Konzentrationsfehler, die er unbedingt abstellen muss.

Fazit

Metcalf ist ein gefährlicher Deep Threat und damit wie gemacht für die vertikale Seahawks-Offensive – und er passt damit auch perfekt zu Wilson, der bei tiefen Bällen glänzt und aktuell einer der besten – wenn nicht der beste – Tief-Passer der Liga ist.

Die Kritik an Metcalfs limitierte Routen-Auswahl ist eher an die Coaches im College zu richten als an den Spieler selbst. Da liegt es an den zuständigen Coaches, allen voran Schottenheimer, Metcalf kreativer und vielseitiger in die Offense einzubauen.

An der Beweglichkeit und Route Running muss weitergearbeitet werden und dies tat Metcalf aus eigenen Stücken in der Off-Season und hat sich dort, laut Carroll, auch schon verbessert.

Metcalf muss in der NFL mehr umkämpfte Catches für sich gewinnen. Der Körper dazu ist da, nun muss er ihn auch einsetzen.

Und um sein Spiel noch abzurunden muss er seine leichtfertigen Drops abstellen. Eine reine Sache der Konzentration, von der ich erwarte, dass er diese abstellt.

Arbeitet Metcalf an seinen vereinzelten Schwächen und bringt seine Physis noch besser in sein Spiel ein gibt es für mich keine Grenze nach oben, dann kann Metcalf einer der absoluten Top-Receiver der Liga werden. Vorausgesetzt natürlich, dass er gesund bleibt, das Fragezeichen darf es nach seiner Historie durchaus geben.

Rein schematisch ist Metcalf ein perfekter Fit für die Offense, die die Seahawks spielen und Metcalf wird auch ein Week 1 Starter sein, nachdem Doug Baldwin seine Karriere beendet hat.

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