Season Preview 2019 – Seattle Seahawks

Bevor es dann wirklich, wirklich losgeht, gibt’s zum Abschluss der Preseason das Vorschau-Komplettpaket. Die Seattle Seahawks starten am Sonntag gegen die Cincinnati Bengals in die neue Runde. Zeit also, einen kleinen Blick zurück und einen großen voraus zu werfen. Jannis Wiese übernimmt das für die Redaktion und fragt: Wie haben wir 2018 in Erinnerung und was dürfen wir 2019 (und hoffentlich Anfang 2020) von unserem Lieblingsteam aus dem Pacific Northwest erwarten?

Rückblick:

Vergangenes Jahr war ich noch sehr pessimistisch was die Neuausrichtung der Seahawks betraf. Gerade die Verpflichtung von Offensive Coordinator Brian Schottenheimer und den damit verbundenen Ansatz, das Laufspiel über alles zu stellen, habe ich sehr kritisch gesehen und hatte mit einem Record von 6-10 eine deutlich schlechtere Bilanz gesehen, als die am Ende unterm Strich stehenden 10-6 und der damit verbundene Einzug in die Wild Card-Round der Playoffs.

Dass man in Seattle trotz Neuausrichtung Playoffs spielen konnte, lag vor allem an Quarterback Russell Wilson, denn die Seahawks waren das einzige Team, das mehr Laufspielzüge ansagte als Passspielzüge. Trotzdem schaffte es die Offensive nach der Effizienz-Metrik DVOA unter die Top Ten (Platz 9 mit einem Offensiv-DVOA von 8,8 Prozent) der Liga.

Die Befürchtungen, dass Seattle nur läuft, um zu laufen, obwohl das Team mit dem Pass sehr viel effektiver ist, bestätigte sich dann aber erst wirklich in den Playoffs gegen die Dallas Cowboys. Hier liefen die Seahawks 21 mal für insgesamt nur 59 Yards und schafften es, in der ersten Halbzeit ganze zwei (!) Pässe zu spielen. Viel zu spät entschieden sich die Trainer dazu, Wilson passen zu lassen. Zwar kam er am Ende auf 18 angebrachte Würfe und 233 Yards bei 27 Versuchen, doch retten konnte er den Spielausgang damit auch nicht mehr – die Saison war zu Ende.

Die alles überschattende Frage ist daher für die Saison 2019: Halten die Seahawks weiter stur am Ansatz fest, das Laufspiel über alles zu stellen oder reagieren sie frühzeitig mit Anpassungen hin zu mehr Passspiel, falls der Lauf mal nicht funktioniert.

Offseason, Free Agency & Draft:

Nachdem Seattle im vergangenen Jahr ein großes Stühlerücken bei den Coaches vorgenommen hatte, blieb es 2019 weitestgehend ruhig. Personelle Wechsel betrafen hauptsächlich die Athletik-Abteilung. Umso deutlicher sind jedoch die Veränderungen auf den offensiven und vor allem defensiven Positionen.

Hier ist mit Earl Thomas das letzte Gründungsmitglied der legendären Legion of Boom gegangen, was sich schon länger angedeutet hatte. Zuerst streikte er bis zur Regular Season, um einen neuen Vertrag zu bekommen. Als er den jedoch nicht bekam, kehrte er trotzdem zum Team zurück und verletzte sich dann in Week 4 gegen die Arizona Cardinals so schwer, dass er für den Rest der Saison ausfiel und sich noch zu einer unschönen Geste in Richtung von Pete Carroll hinreißen lies. Doch auch weitere Abgänger wie Pass Rusher Frank Clark oder Nickel-Cornerback Justin Coleman werden der Defense ein komplett neues Gesicht verleihen.

Namhafte Abgänge:

  • FS Earl Thomas, als Free Agent nach Baltimore gewechselt, 4 Jahre, $55 Mio., $32 Mio. garantiert
  • CB Justin Coleman, als Free Agent nach Detroit gewechselt, 4 Jahre, $36 Mio., $16 Mio. garantiert
  • DE Frank Clark, nach Kansas City getraded worden
  • RB Mike Davis, als Free Agent nach Chicago gewechselt, 2 Jahre, $6 Mio., $3 Mio. garantiert
  • OG J.R. Sweezy, als Free Agent nach Arizona gewechselt, 2 Jahre, $9 Mio., $3 Mio. garantiert
  • WR Doug Baldwin, Karriereende

Namhafte Zugänge:

  • DE Ezekiel Ansah, als Free Agent aus Detroit gekommen, 1 Jahr, $9 Mio., $6 Mio. garantiert (zählt nicht gegen die Compensatory-Pick-Formel)
  • K Jason Myers, als Free Agent aus New York (Jets) gekommen, 4 Jahre, $15,45 Mio., $5,5 Mio. garantiert
  • OG Mike Iupati, als Free Agent aus Arizona gekommen, 1 Jahr, $2,56 Mio., $2,25 Mio. garantiert
  • TE Jacob Hollister, per Trade aus New England gekommen
  • DE Jadeveon Clowney, per Trade aus Houston gekommen

Mit dem Abgang von Earl Thomas konnte man rechnen und das Team hatte auch schon den Großteil der vergangenen Regular Season, um sich nach internen oder externen Alternativen umzugucken – trotzdem ist dieser Abgang nicht zu unterschätzen. Wenn Earl Thomas spielte, griffen die gegnerischen Quarterback nur in 6,7 Prozent aller Plays die tiefe Mitte an und konnten hier 38,3 Prozent der Plays anbringen. Spielte ET3 nicht, dann waren 9,8 Prozent aller Plays eine Attacke auf die tiefe Mitte und es kamen 47 Prozent aller Plays an.

Bei Frank Clark wurde zuerst der Franchise Tag angewendet, doch als sich abzeichnete dass man sich nicht einigen würde, wurde der Sack-Leader der Seahawks (13 Sacks und 67 Total Pressures) zusammen mit einem Drittrunden Pick aus 2019 gegen den First Round Pick der Chiefs in 2019 plus dem Drittrunden Pick aus 2019 und einen Zweitrundenpick aus 2020 zu den Kansas City Chiefs getradet.

In der Free Agency verlor man dann mit Justin Coleman noch einen der wichtigsten Spieler aus der Nickelback Defense und so klafft hier die Lücke von 672 Defensiv Snaps auf, die ersetzt werden müssen. Da man sich nicht um einen weiteren Cornerback als Free Agent bemüht hat, will man diese Position entweder mit einem bestehenden Seahawks Spieler oder einen der gedrafteten Rookies neu besetzen.

In der Offense wird der schmerzlichste Abgang das Karriereende von Doug Baldwin sein, den man weder als wichtigsten Pass-Empfänger noch als Leader im Locker Room 1 zu 1 ersetzen kann. Auf dem Spielfeld wird diese Rolle am ehesten an Tyler Lockett gehen, der in der vergangenen Saison schon zum Go-to-Guy von Russell Wilson wurde. Im Locker Room wird dies von den Veteranen um Bobby Wagner, KJ Wright oder Russell Wilson aufgefangen werden müssen. Und hoffentlich sehen wir Baldwin, genau wie im vergangenen Jahr Kam Chancellor, häufig noch hinter den Kulissen.

Der Abgang von JR Sweezy wird versucht mit Mike Iupati direkt aufzufangen, genau wie Sweezy hat Iupati seine Stärken eher im Run Blocking als in der Pass Protection und hier sollte man keine wirkliche Schwächung erkennen, jedoch ist das Verbesserungspotential auch eher eingeschränkt.

Mit Ziggy Ansah holte man spät noch einen weiteren Pass Rusher nach Seattle, dass dies erst so spät erfolgte, liegt zum einen an der Verletzungshistorie von Ansah, aber auch daran dass dann schon die Frist endete, die für die Compensatory Picks gilt. In der abgelaufenen Saison spielte Ansah zwar nur in 146 Snaps, davon waren 110 Pass Rush Snaps und dabei konnte er vier Sacks, drei Hits und 13 Hurries erzielen, was zu einer starken Pass Rush Productivity von 11,9 führte.

Zwar lange nach der Free Agency holte man sich noch einen weiteren Pass Rusher und mit Jadeveon Clowney sogar einen der besten Edge Defender. Dafür zahlte man mit einem Drittrundenpick, Jacob Martin und Barkevious Mingo und musste sogar nur acht Millionen seines Gehalts übernehmen, dafür versicherte man Clowney im Gegenzug ihn nach der kommenden Saison keinen erneuten Franchise Tag zu verpassen.

Als wichtige Vertragsverlängerungen konnte man Russell Wilson mit einem Rekordvertrag ausstatten, der den Play Caller der Seahawks für vier weitere Jahre und 140 Millionen US-Dollar insgesamt an die Seahawks bindet. Das Gegenstück dazu auf der defensiven Seite konnte in Person von Bobby Wagner auch gehalten werden. Nachdem in der Free Agency verrückte Preise für Linebacker bezahlt wurden, musste Seattle auch Wagner fürstlich belohnen und verlängerte ihn für drei Jahre und 54 Millionen US-Dollar.

NFL Draft 2019:

  • 1. Runde, 29. Pick: L.J. Collier, DE, TCU
  • 2. Runde, 47. Pick: Marquise Blair, Safety, Utah
  • 2. Runde, 64. Pick: DK Metcalf, WR, Ole Miss
  • 3. Runde, 88. Pick: Cody Barton, LB, Utah
  • 4. Runde, 120. Pick: Gary Jennings, WR, West Virginia
  • 4. Runde, 124. Pick: Phil Haynes, Guard, Wake Forrest
  • 4. Runde, 132. Pick: Ugo Amadi, DB , Oregon
  • 5. Runde, 142. Pick: Ben Burr-Kirven, LB, Washington
  • 6. Runde, 204. Pick: Travis Homer, RB, Miami
  • 6. Runde, 209. Pick: Demarcus Christmas, DT, Florida State
  • 7. Runde, 236. Pick: John Ursua, WR, Hawaii

Zwei Konstanten gibt es in den ersten Runden der Seattle Seahawks, dies sind Downtrades um mehr Munition in den späteren Runden zu haben und dann pickt man Spieler, die wohl niemand außerhalb des Front Office der Seahawks so hoch auf dem Zettel hat. Den eigenen Erstrunden Pick tradete man zu den Packers um dafür einen First Round Pick sowie zwei Viertrundenpicks zu bekommen. Mit dem Draftpick der Chiefs, holte man dann Defensiv End L.J. Collier aus TCU. Für viele Draft Experten war das ein sehr überraschender Pick, doch Pete Carroll hat schon so viel aus eher unbekannten Draft Namen gemacht, dass man ihm hier genügend Kredit geben sollte um aus Collier auch etwas zu machen. Den anderen First Round Pick, den man von den Packers erhalten hat, verteilte man durch einen Trade mit den Giants in einen Zweit-, einen Viert- und einen Fünftrundenpick.

In der zweiten Runde holte man mit Marquise Blair einen Safety, der von den Hits sehr stark an Kam Chancellor erinnert – das sind natürlich sehr große Fußstapfen und man wird sehen wie er diese Erwartungen erfüllen kann. Dazu ist dieses harte Tackling unter den aktuellen Regeln auch immer wieder eine Gefahr für Flaggen und so muss Blair zeigen, dass er hart aber auch sauber tackeln kann. Mit dem letzten Pick der zweiten Runde holte man DK Metcalf, einen sehr großen Wide Receiver, der aber auch sehr schnell ist, wie er bei der Combine zeigte. Dass Metcalf so weit im Draft gefallen ist, liegt zum einen daran, dass er auf dem College nur begrenzt variable Routen gelaufen ist und man hier die Fragezeichen hat, wie gut sein Route Running sein kann. Zum anderen hat er auch medizinische Fragezeichen. Zuletzt hat er sich einer kleinen Operation am Bein unterzogen, sollte aber bis zum Beginn der Regular Season wieder fit sein.

Mit Cody Barton holte man noch einen weiteren defensiven Spieler aus Utah, der auch im Training Camp direkt auffiel und als Alternative für die Linebacker-Tiefe und eventuell sogar direkt als Starter gelten kann. Auch abhängig davon was mit Mychal Kendricks in seinem Gerichtsverfahren passiert.

Insgesamt war der Draft mit zwei D-Linern, zwei Linebackern und zwei Defensiv Backs sehr auf die Defensive ausgerichtet und es wird sich zeigen, wie sehr diese in die Defense von Seattle eingebaut werden kann.

Offense:

Die erste Saison mit Brian Schottenheimer ist rum und vom Ergebnis kann man sogar von einem Erfolg sprechen. In Zusammenarbeit mit der Offensive Line, die unter Mike Solari einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, konnte man wieder ein Laufspiel erzielen. Das hat die Verantwortlichen so erfreut, dass man in der ersten Halbzeit in First Downs zu 60 Prozent einen Run gecallt hat, damit entwickelt man sich entgegen der Entwicklung der Liga, denn hier wird zu 49 Prozent in diesen Situationen gelaufen. Und das obwohl man mit einer Success Rate von 47 Prozent noch einen Prozentpunkt hinter dem Liga Durchschnitt liegt.

Selbst wenn das erste Down kein Erfolg war, lief man bei einem 2nd & Long immer noch zu 59 Prozent. Erst wenn man beim 3rd Down noch mindestens vier Yards für ein neues First Down holen musste, stellte man auf einen Pass um. Dies führte aber natürlich auch zu einer höheren Gefahr an Sacks und Punts, denn hier konnte sich die Defense auf einen Pass besser einstellen. Zwar wollte man sowohl aus den Fehlern des Wildcard Games gegen die Cowboys lernen und auch Russell Wilson mehr Freiheiten im Playbook geben, doch ob man dadurch von dem Run First Ansatz weg geht, ist weiterhin sehr fraglich.

Quarterbacks:

Durch die Vertragsverlängerung von Wilson steht der Quarterback bis 2023 unter Vertrag und aus Salary-Cap-Gründen ist es bis 2022 sicher, dass er als Quarterback im Kader stehen wird. Damit hat man auf der wichtigsten Position im American Football Planungssicherheit. Die Saison 2018 war trotz der deutlich weniger Würfe, in 2017 waren es noch 553 Passversuche und in 2018 waren es 427, eine ganz herausragende Saison von Russell Wilson und vor allem ein Grund, weshalb die Seahawks es sich erlauben konnten, so viel zu laufen und trotzdem immer noch in der Reichweite eines Sieges zu sein. Von den 16 Spielen der Seahawks, wurden elf innerhalb eines Scores entschieden.

Seine 35 Touchdowns sind sein Karrierebestwert und sein Touchdown-Anteil von 8,2 Prozent absoluter Karriere Bestwert. Dazu warf er auch nur sieben Interceptions und liegt mit einer Interception-Anteil von 1,6 Prozent noch 0,3 Prozentpunkte unterhalb seines Karrierewertes. Mit seinen 9,0 AY/A (adjusted Yards per Attempt) liegt er in der 2018er Saison nur hinter Patrick Mahomes und Drew Brees.

Doch es war auch nicht alles gut, denn aufgrund der Lauflastigkeit, der Angewohnheit von Russell Wilson den Ball lange zu halten und immer noch einer vorhanden Schwäche der Offensive Line für Pass Protection zu sorgen, wurde Wilson in der abgelaufenen Saison 51 mal gesacked. Dies entspricht einem Sack-Anteil von 10,7 Prozent und nur Deshaun Watson hat eine höhere mit 10,9 Prozent. Um die Offensive Line aber in Schutz zu nehmen, nur 23 dieser Sacks gingen auf Kosten der Offensive Line. Dagegen gingen 12 Sacks auch direkt auf das Konto von Russell Wilson, da er den Ball zu lange gehalten hat und nicht seine Checkdowns genutzt hat.

Hatte Paxton Lynch sich im ersten Preseason-Spiel einen Vorsprung erspielt, konnte er diesen nicht bis zum Ende behalten und Geno Smith spielte sich in den letzten beiden Spielen als Backup in den endgültigen Kader.

Offensive Line:

Passend zu dem offensiven Ansatz hat die Offensive Line ihre Stärken im Run Blocking, wurde die Offensive Line in 2017 von Football Outsiders noch auf dem vorletzten Rang gelistet mit “Adjusted Line Yards” von 3,18 Yards, beendete man die 2018er Saison mit 4,50 Yards auf dem 12. Rang. Dies lag besonders an Neuzugang DJ Fluker und O-Line Coach Mike Solari. Fluker sorgte mit Justin Britt und dem Rückkehrer J.R. Sweezy gerade durch die Mitte immer wieder für Lücken für die Runningbacks. Auch der umstrittene Right Tackle Germain Ifedi hatte seine Stärken eher im Run Blocking. Zusammen mit George Fant der oft als sechster Oliner neben Ifedi aufgestellt wurde, sorgte man sogar dafür dass die Adjusted Line Yards bei Läufen nach rechts den fünftbesten Wert der Liga hatten.

So positiv es sich beim Laufspiel anhört, so negativ ist die Situation in der Pass Protection. Mit Ausnahme von Left Tackle Duane Brown, der nur eine Strafe in der kompletten Saison bekam und auch nur 2,5 Sacks zuließ, ist der Rest der Offensive Line in der Pass Protection immer noch eine Katastrophe. Ganz weit vorne steht hier Germain Ifedi, der neben elf Flaggen gegen sich auch noch sieben Sacks zuließ. Der nach Arizona abgewanderte Sweezy sammelte auch noch neun Flaggen und war für vier Sacks direkt verantwortlich. Hier kann man als Fan nur darauf hoffen, dass Mike Iupati sich besser verhalten kann. Doch bisher konnte dieser aufgrund von Verletzungen nicht in der Preseason spielen und so spielte sich hier Ethan Pocic in den Vordergrund und könnte hier als Alternative als Starter gelten. Mit Blick auf den Schedule und welche Verteidigungen da auf die Seahawks zukommen, muss sich die Offensive Line in diesem Jahr deutlich steigern, denn sonst erwartet Russell Wilson wieder eine 50-Sack-Saison (wenngleich die O-Line nur zu gewissen Teilen für Sacks verantwortlich gemacht werden kann).

Runningbacks:

Das Laufspiel wird in dieser Saison noch mehr auf den Schultern von Chris Carson liegen. Backup Mike Davis hat es nach Chicago gezogen und OC Schottenheimer hat Carson zur klaren Nummer eins gemacht und angekündigt, dass mit Läufen und Pässen auf den Runningback das Ziel für Chris Carson 50 Targets pro Spiel sein soll. In der vergangenen Saison war Chris Carson schon der Nummer-eins-Runningback und zahlte es mit 4,5 Yards per Carry und neun Touchdowns zurück.

Dahinter sollte nun Sophomore Rashaad Penny die klare Nummer zwei sein. Mit Travis Homer hat man einen klassischen Third-Down-Runningback, der hoffentlich gesünder bleiben kann als C.J. Prosise, den man für diese Rolle mal vorgesehen hatte. Doch auch Prosise hat es durch gute Leistungen in den letzten beiden Spielen noch in den Kader geschafft. Aufgrund der Aussage von Schottenheimer, dass man Runningbacks vermehrt im Passspiel einsetzen will und dies auch auf den verschiedensten Positionen, dürfte der Wert von Homer so hoch sein, dass man ihn mit in den 53-Mann-Kader nehmen wollte.

Wide Receiver:

Die vergangene Saison von Tyler Lockett war an Effizienz kaum zu überbieten. Der DVOA-Wert von Lockett als Receiver lag bei 66,3 Prozent und war der höchste Wert, den Football Outsiders hier je vergeben hat für Spieler mit mindestens 50 Targets. Dies lag vor allem an den tiefen Play-Action-Pässen von Russell Wilson, die häufig Lockett als Ziel hatten. Insgesamt war der Erfolg bei tiefen Pässen (mehr als 16 Air Yards) grandios. Von den 94 Pässen mit diesem Kriterium kamen 16 für einen Touchdown an und nur einer endete in einer Interception. In dieser Rubrik landen die Seahawks bei einem DVOA von 225,2 Prozent, das nächstbeste Team liegt hier bei 165,4 Prozent. Gerade bei diesen tiefen Pässen dürfte DK Metcalf schon früh in der Saison eine Rolle spielen, denn das Ziel wird sein ihn in 1 gegen 1 Situationen zu schemen oder andere Defensiv Spieler zu binden. Neben Lockett und Metcalf wird es durch das Karriereende von Baldwin auch mehr auf Jaron Brown und David Moore ankommen. Auf David Moore wird man jedoch noch etwas warten müssen, dagegen sieht es derzeit bei Metcalf gut aus, dass er in Woche 1 spielen könnte. Mit Gary Jennings und John Ursua haben es auch noch zwei weitere Rookies in den Kader geschafft. Für Jazz Ferguson hat es nur fürs Practice Squad gereicht.

Tight Ends:

Bei den Tight Ends geht man mit zwei Spielern in die neue Runde – Will Dissly und Nick Vannett. Ed Dickson landet aufgrund des längeren verletzungsbedingten Ausfalls wie schon 2018 zunächst auf der Injured-Reserve-Liste, könnte aber im Laufe der Saison zurückkommen. Jacob Hollister hat es in die Practice Squad geschafft. Außerdem könnte Offensive Tackle George Fant auf Tight End eingesetzt werden – als Blocker, aber auch als Fänger.

Defense:

Auch nach dem Abgang von Earl Thomas wird man in Seattle vermutlich weiterhin viel Cover-3-Zonenverteidigung sehen. Das würde es ermöglichen, den schnellen Marquise Blair mehr in der Box spielen zu lassen und gegen starke Tight Ends in Coverage zu stellen und so auch besser auf den Run vorbereitet zu sein. Noch ist nicht sicher, ob Seattle die Nickelback-Defense (fünfter Defensive Back statt dritter Linebacker) wieder mehr als Base-Defense spielen wird aufgrund der Tiefe der Linebacker-Position. In der vergangenen Saison spielte man 49 Prozent aller Snaps in der Nickel-Formation und 14 Prozent aller Snaps in der Dime-Formation (sechs Defensiv Backs).

Defensive Line:

Schon in der vergangenen Saison fanden große Umbrüche in der Defensive Line statt, diese werden dieses Jahr nochmal größer. Mit Frank Clark wurde der Sack Leader nach Missouri getradet, damit werden die Fragezeichen auf der Edge-Position immer größer. Ob Ziggy Ansah pünktlich zum Auftakt fit wird, kann derzeit noch in Frage gestellt werden. Genauso fraglich ist es bei Rookie L.J. Collier, der im Moment auch noch durch eine Verletzung eingeschränkt wird.

Doch kurz vor dem Beginn der Saison hat Seattle den Vertagsstreit zwischen Houston und Jadeveon Clowney ausgenutzt und so auf dem Papier einen sehr starken Edge-Verteidiger geholt, der in der NFL aber bisher als Linebacker außen eingesetzt wurde. Man wird sehen, wie man seine Variabilität in Seattle nun einsetzen kann.

Als weiteren Kandidaten sollte man Rasheem Green auf dem Zettel haben, dazu hat sich Branden Jackson durch eine starke Week 3 und Week 4 in der Preseason für die Rotation empfohlen. Dadurch kann man sich Hoffnungen machen, dass Seattle Druck über die Defensive Ends erzeugen kann. Bei der inneren D-Line sieht es für den Anfang aber nicht gut aus, denn Jarran Reed, der als Defensive Tackle im vergangenen Jahr seinen Durchbruch feierte, wird die ersten sechs Spiele gesperrt fehlen. Gesetzt sein dürfte Poona Ford, der besonders als Lauf-Stopper einer der besten Verteidiger der Liga ist. Unterstützt wird er durch Al Woods, Quinton Jefferson und Bryan Mone. Die Defensive Line könnte demnach in dieser Saison eines der größeren Fragezeichen sein.

Linebacker:

Das Prunkstück der Seahawks-Defense sind die Linebacker. In Person von Bobby Wagner hat Seattle den vielseitigsten Linebacker der Liga im Team. In der vergangenen Saison verpasste er in der Regular Season von 139 Tackles genau ein Tackle, dazu schaffte er elf verteidigte Pässe in der Passverteidigung und noch einen Pick Six gegen die 49ers. Neben Wagner hat man in der Offseason auch noch mit K.J. Wright einen weiteren guten Off-Ball-Linebacker aus den eigenen Reihen gehalten. Zusätzlich hat man auch noch Mychal Kendricks gehalten, bei dem es aber noch in den Sternen steht, ob er weiter Football spielen kann – das wird sich erst durch seine Gerichtsverhandlung Ende September (abermals verschoben) entscheiden.

Für die Zukunft draftete man dann auch noch Cody Barton und Ben Burr-Kirven. Für eine Position, auf der man in der Regel nur zwei Linebacker spielt, ist das schon ein großes Überangebot und es wird sich zeigen, ob man wieder zu mehr Snaps mit der originalen Base Defense zurückgeht oder wie die Snaps untereinander aufgeteilt werden. Als Special Teamer hat man dann noch Shaquem Griffin gehalten der in der Defense aber eher keine Chancen haben wird.

Defensive Backs:

In der Secondary gibt es auch wieder viele Fragezeichen. Kehrt man ohne den Centerfielder Earl Thomas zurück zu mehr Cover 2 Zonen? Wer übernimmt die wichtige Aufgabe des Nickelbacks nachdem Justin Coleman die Seahawks verlassen hat und kann sich Shaquill Griffin nach seiner schwachen zweiten Saison fangen.

Derzeit ist es ziemlich sicher, dass die beiden Starting Cornerbacks Shaquill Griffin und Tre Flowers heißen. Tre Flowers hatte vergangene Saison eine unerwartet starke Saison nachdem er am College immer als Safety gespielt hat, wurde er bei den Seahawks auf der rechten Seite als Cornerback eingesetzt. So stark Flowers überrascht hat, umso schwächer war die Leistung von Shaquill Griffin in seiner ersten Saison als Nummer 1 CB und will er diesen Status beibehalten muss er sich gehörig steigern.

Als Safety sollte dazu Bradley McDougald gesetzt sein, fraglich ist aber noch ob als Strong Safety im Einsatz mit Tedric Thompson als Free Safety, wie es auch schon zuletzt in der Preseason war. Als andere Alternative könnte man auch McDougald als Free Safety einsetzen und Marquise Blair wird als Strong Safety vermehrt in die Box gezogen. In den ersten Spielen erwarte ich hier noch vermehrte Einsatzzeiten von Thompson. Durch die Cuts haben sich die Kandidaten für den Nickelback Spot ausgedünnt, derzeit erwarte ich einen Zweikampf zwischen Akeem King und Ugo Amadi. Doch auch der vor kurzem per Trade aus New York geholte Parry Nickerson hat noch Außenseiterchancen.

Special Teams:

Seit dem Abgang von Hauschka zu den Bills haben die Seahawks keine Konstanz auf der Kicker-Position. Dies versucht man nun mit Jason Myers zu korrigieren, eben jenem Myers, der in der vergangenen Saison noch das Duell gegen Sebastian Janikowski verloren hatte. Ihn hat man nun mit einem Vierjahresvertrag und durchschnittlich 3,9 Millionen US-Dollar pro Jahr langfristig an Seattle gebunden. In der vergangenen Saison war Myers vor allem bei den 40- bis 49-Yard-Kicks mit elf von zwölf verwandelten Kicks, sowie den Field Goals aus über 50 Yards mit sechs von sieben verwandelten Kicks sehr zuverlässig und es wird sich zeigen, ob er das auch in Seattle wiederholen kann und damit den Vertrag zumindest teilweise rechtfertigen kann. Auf der Punter-Position hatte man sich im vergangenen Draft schon mit Michael Dickson verstärkt und dieser hat anbgedeutet welches Potential er hat, auch wenn seine Punts manchmal noch die Punt-Coverage stark gefordert haben. In seiner ersten Saison lag Michael Dickson bei der Brutto-Puntweite auf Rang vier in der Liga. Als Long Snapper agiert Tyler Ott, der seit 2016 im Team ist. Aufgrund seiner größeren Rolle als Nummer 1 Wide Receiver werden wir Tyler Lockett vermutlich seltener als Returner sehen und diese Aufgaben werden häufiger David Moore und Ugo Amadi übernehmen.

Spieler im Fokus:

Safety Marquise Blair:Der Rookie Safety aus Utah hat sich im Camp schon als Nummer zwei Safety auf beiden Positionen hochgespielt und es wird schon drüber spekuliert, wann er seine ersten Starts in der NFL haben wird. Um hier nicht als wandelnde Flaggen Maschine zu fungieren, muss er aber auch aufpassen dass er nicht nur hart hittet sondern auch fair. Dies wäre auch eine Aufgabe von Kam Chancellor, der immer wieder auf dem Gelände von Seattle zu sehen ist und der es in seiner aktiven Karriere geschafft hat faire Tackles anzubringen. Blair ist aber aufgrund seiner Größe und seiner Geschwindigkeit ein interessanter Prospect auf den man zukünftig achten sollte.

Cornerback Shaquill Griffin: Wieder einmal steht Shaquill Griffin im Fokus, so gut sein Rookie-Jahr im Schatten von Richard Sherman war, umso schlechter war seine zweite Saison. Obwohl Tre Flowers auf der anderen Seite öfter attackiert wurde, hatte Flowers die bessere Saison und zeigte sich auch in dieser Preseason schon wieder in der besseren Form wohingegen Griffin gegen die starken Receiver der Vikings wieder Probleme offenbarte. Diesen Trend muss Griffin entgegenwirken, denn sonst kann auch seine Position als Starting-Cornerback wackeln.

Schedule:

In dieser Saison trifft man auf die AFC North, die gerade defensiv wieder überzeugen will. Dabei muss man dann nach Cleveland und zu den Steelers reisen. Zusätzlich trifft man noch auf die NFC South, bei denen man bei jedem Team mit einer starken Offense rechnen muss. Hier darf man gegen die Saints und Buccaneers zuhause ran. Zusätzlich kommt noch das mittlerweile jährliche Duell gegen die Minnesota Vikings und man hat auch noch das Auswärtsspiel gegen die Eagles. Also alles andere als ein leichter Spielplan.

Prognose:

Vergangene Saison war ich noch sehr kritisch, da ich nicht wusste, wie die Offense das Konzept von Carroll und Schottenheimer erfolgreich umsetzen kann. Dabei haben sie mich vom Ergebnis her überrascht mit einer 10-6-Saison, aufgrund des Spielplans und weil die Gegner nun auch Analysematerial von der abgelaufenen Saison haben, reduziere ich meine Prognose auf 9-7 und damit auch einen harten Kampf um einen der Plätze für die Wild-Card Round.

Prognose: 9-7

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