Recap: Regular Season 2021 (Week 6) – Seahawks @ Steelers

Die zweite Overtime dieser Saison bringt die vierte Niederlage – und schon wieder ist es eine vermeidbare. Ein von beiden Seiten durchwachsenes Spiel (beide Offenses erzielten negative EPA-Werte) entschied sich letztlich durch eine starke Einzelleistung von DE TJ Watt. Nun ist das passiert, was alle nach der Wilson-Verletzung erwartet haben und die Seahawks stehen bei 2-4. Der schlechteste Saisonstart seit 2015. Die Playoffs? In unrealistischer Ferne, schaut man auf die nächsten zwei Spiele ohne Unterstützung von Russell Wilson. Zudem: In der gesamten NFC haben nur noch die Giants (1-5) und die Lions (0-6) einen schlechteren Record als die Seahawks.

Vor allem die Offense enttäuschte in der ersten Hälfte, der Ball konnte kaum bewegt werden und es hagelte ein Punt-Festival. Die Defense der Seahawks hielt den Laden diesmal halbwegs gut zusammen. Gerade im ersten Quarter sowie in der zweiten Halbzeit sahen Coverage und Tackling oft gut aus. Und es reichte trotzdem nicht aus.

Der Spielverlauf:

  • 1. Quarter: Das Spiel startet mit 3’n’outs auf beiden Seiten, danach bewegen erst die Steelers (kurz) und dann die Seahawks (ein bisschen länger) den Ball, müssen aber doch beide punten. Auch der nächste Drive der Steelers endet im Punt und es geht Punktlos in den ersten Seitenwechsel.
  • 2. Quarter: Das zweite Quarter startet – wie soll es anders sein – mit einem Seahawks-Punt. Bisher zeigen beide Offenses wenig Zähne und die Defenses beißen zu. Über TE Ebron und WR Johnson kommt QB Roethlisberger dann allerdings doch einmal in die Red Zone und connected erfolgreich zu RB Harris: Touchdown, 7:0 Steelers. Die Seahawks dürfen schnell wieder punten und die Steelers legen ihren zweiten langen Drive auf: Diesmal findet TE Ebron zu Fuß die Endzone. In der verbleibenden Spielzeit von etwa einer Minute vor der Halbzeit schaffen beide Teams noch ein 3’n’out und müssen jeweils punten – es geht mit 14:0 in die Kabine. Eine Halbzeit zum Vergessen.
  • 3. Quarter: Die Ansage in der Halbzeit muss gefruchtet haben, denn die Seahawks-Offense bringt nun ein toll designtes Rungame über RB Collins auf den Platz und findet über diesen auch erstmals die Endzone: Anschluss, nur noch 7:14 aus Seahawks-Sicht. Es folgt ein langer Drive der Steelers-Offense, der mit einem Field Goal endet. Mit dem eigenen Touchdown und entsprechendem Selbstvertrauen im Rücken legt QB Smith einen super Drive hin, der von TE Everett bis an die gegnerische zwei gebracht wird. Dort veredelt TE Dissly mit seinem ersten Touchdown der Saison. Nur noch 14-17!
  • 4. Quarter: Nach einem Punt der Steelers legen die Seahawks wiederum einen guten durchmischten Drive an den Tag, vor allem RB Homer fällt hier auf. Letztlich wird Smith gesackt und K Myers schießt das Field Goal zum Ausgleich: 17:17. BigBen fällt danach mit einem ganz wilden Fumble auf, den DE Hyder für die Seahawks aufsammeln kann. Big Play! Leider wird der Drive durch ein Holding und einen abgewehrten Ball schnell zu Nichte gemacht und P Dickson muss wieder ran. Im folgenden Drive wirft BigBen einen Ball genau auf S Adams, der diesen jedoch nicht fangen kann. Statt Interception können sich die Steelers allerdings befreien und schaffen das 20:17-Field Goal. Nur noch 1:30 und zwei Timeouts auf der Uhr. Doch Geno bewegt den Ball ganz souverän und letztlich kann Myers mit zwei Sekunden auf der Uhr zum Field Goal antreten und verwandelt es ganz sicher.
  • Overtime: Die Seahawks erhalten zuerst den Ball, müssen allerdings schon nach wenigen Versuchen beim vierten Versuch punten. Wieder hält danach die Defense stark und schickt die Steelers direkt vom Feld – das entscheidende Play macht dabei Rookie-CB Brown. Leider verliert Geno im ersten Play nach dem Punt den Ball beim Fumble und K Boswell verwandelt das anschließende Field Goal zum 23-20 Sieg der Steelers.

Die Hauptdarsteller:

QB Geno Smith: Letzte Woche mit einem überzeugenden Kaltstart nach Wilson-Verletzung, diese Woche mit einem überzeugenden Debüt als Seahawks-Starter. Klar: Man merkt in jeder Situation, dass er nur der Backup von Wilson ist. Und Situationen, wie der spielentscheidende Fumble zeigen auch, warum Geno nur Backup ist und nicht Starter in einem anderen NFL-Team. Und trotzdem kann man nur den Hut ziehen vor einer solchen Leistung. Gut 2/3 seiner Bälle kamen für über 200 Yards an, er erzielte einen Touchdown und verteilte die Bälle gut über seine Ziele. Vor allem die Intermediate-Distanz kam dabei zum Tragen. Selbst NFL-Starter in anderen Teams liefern oft schlechtere Leistungen ab.

Die Rushing-Offense der Seahawks: …lieferte in der zweiten Halbzeit aber mal so richtig ab. Sowohl Collins, als auch Homer und Dallas bekommen schön designte Runs mit viel Platz und tollen frei geblockten Gaps in der Line. Aber auch die Execution sieht gut aus, Ball Security zu jeder Zeit gegeben, Yards after Contact werden erzielt und die Averages lassen einen die Augen reiben. Das hat nichts mehr von der Pomadigkeit des Run Games in den ersten Saisonspielen. Alex Collins schafft über 100 Yards Rushing in einem Spiel – das ist das erste Mal seit Dezember 2019 (Carson gegen die Panthers).

Die Seahawks-Defense: …machte ein gutes Spiel gegen einen schwachen Gegner. Die Steelers zeigten kaum etwas, was die Defense wirklich in Gefahr gebracht hätte. Die Rollenteilung zwischen den CBs Jones und Brown funktionierte sehr gut und auch DJ Reed hatte Chase Claypool sehr gut unter Kontrolle. Was nicht gefiel: Diontae Johnson sah viele Targets und auch viele Receptions, gerade über die bei den Seahawks immer noch anfällige Mitte. Auch der Pass Rush ist und bleibt eine Katastrophe. Nicht ein einziger Sack gegen die anfällige Steelers O-Line und den bewegungseingeschränkten BigBen. Das ist schlicht zu wenig. Im Preview-Podcast sprach unser Gast Marcus oft vom Panic-Mode-BigBen – diesen konnten wir im gesamten Spiel nur zweimal beobachten (Fumble und Beinahe-INT).

Die Nebendarsteller:

Ehrenvolle Erwähnung: RB Alex Collins dafür, dass er Chris Carson komplett vergessen macht. Ein wirklich grundsolider, sicherer Ersatz für den derzeit angeschlagenen Star-RB. Das macht Lust auf mehr! RB DeeJay Dallas für seine Rolle bei den Kickoff-Returns, dort erzielte er in drei Returns einen Durchschnitt von über 30 Yards. Bärenstark.

Stets bemüht: S Jamal Adams fing eine klare Interception nicht. Der Ball fiel ihm quasi perfekt auf die Nummer, er hätte nur zupacken müssen. Stattdessen spielte er Volleyball. Lobend zu erwähnen ist dafür seine Blitz-Rolle und seine Auftritte in der Box – die sind weiterhin stark. P Michael Dickson, der heute mal keinen absoluten Sahnetag erwischte. Diesmal kam nur einer seiner insgesamt acht Punts in den letzten 20 Yards an, das lag natürlich zum einen an Feld-Position und auch am teilweise dummen Verhalten der eigenen Special Teams, aber die Punts gerieten auch teilweise sehr kurz.

Meh: WR DK Metcalf fing den Ball im Two-Minute-Drill ganz kurz vor Ende auf der linken Seite des Feldes. Statt einfach out of bounds zu gehen und die Uhr anzuhalten, suchte er allerdings den Kontakt und blieb in bounds – und verlor dabei auch noch den Ball. Das sind Rookie-Fehler, die im dritten Jahr einfach nicht mehr passieren dürfen. WR Tyler Lockett hätte nach Ausfall von Russ das für die Offense seien müssen, was Wagner für die Defense ist: Emotionaler und aggressiver Leader, der mit Erfahrung und Leistung vorangeht. Stattdessen: Nur zwei Catches und kaum Input für das Spiel. Er stand sogar wieder als Returner auf dem Platz.

Die Highlights:

Wie wir uns vorstellen könnten, dass TEs in Zukunft in der Seahawks-Offense eingesetzt werden

TE Will Dissly mit seinem ersten Touchdown der Saison

Der Fumble, der das Spiel letztendlich zugunsten der Steelers entschied

Die Verletzten:

DE Darrell Taylor verletzte sich und musste sogar mit dem Kart vom Feld gebracht werden. Das sah auf dem Feld ziemlich schlimm aus. Die gute Nachricht: Die vorläufigen CT-Scans sahen gut aus und er konnte alle Extremitäten ohne Probleme bewegen. Außerdem konnte er ganz normal mit dem Team im Flugzeug zurück nach Seattle reisen.

LG Damien Lewis verletzte sich an der Schulter und wurde durch T Jamarco Jones ersetzt. Zudem verletzte sich CB Sidney Jones an der Brust, für ihn lief Rookie-CB Tre Brown auf. RB Alex Collins hatte zum Ende des Spiels Probleme mit der Hüfte und kam daher nicht mehr zum Einsatz.

Das Zitat:

„I’m the best in the nation.“ – S Jamal Adams über sich selbst in seiner Vorstellung von SNF on NBC. Dies sorgte natürlich für Erheiterung im Kritiker-Lager, gerade weil er im Spiel wieder einige Gelegenheiten ausließ, sich als smarter Safety auszuzeichnen.

Der Tweet:

Seahawks-Beatwriter Michael-Shawn Dugar über die Debatte, ob man das Sunday Night Football-Spiel nicht doch besser gegen das vor dem Spieltag deutlich spannender erscheinende LA Chargers @ Baltimore Ravens hätte flexen/tauschen sollen. Seahawks @ Steelers hatte mehr Highlights zu bieten, als im Vorfeld zu erwarten war und war letztlich auch bis zur letzten Sekunde spannend und abwechslungsreich.

Das Fazit:

Geno Smith und die Seahawks hatten die Chance, zu Helden zu werden. Sie hatten die Chance, ihre nicht vorhandene Chance zur Sunday Night-Primetime zu nutzen. Um ein Haar hätte es geklappt. Was hätte ich es dem Backup-QB gegönnt, den Sieg vom Platz zu tragen. Doch es hat nicht sollen sein. Als Lesetipp sei hier die schöne Spielzusammenfassung von Michael-Shawn Dugar auf The Athletic empfohlen.

In Seattle brechen nun haarige Wochen an. Zuerst sind die Saints zu Gast, danach steht die Auswärtsreise nach Jacksonville an. Nach der Bye-Week in Woche neun geht es Mitte November nach Green Bay.

Ausblick: In Week 7 empfangen die Seahawks am Dienstag um 02.15 Uhr die New Orleans Saints im heimischen Lumen Field.

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