Recap: Regular Season 2020 (Week 11) – Cardinals @ Seahawks

Recap Week 11, 2020 Arizona Cardinals

Unter der Woche muss es eine mächtige Ansage vom Trainerteam gegeben haben: Im Vergleich zur Niederlage gegen die Los Angeles Rams kamen die Seattle Seahawks nämlich wie ausgewechselt aus der Kabine und legten eine furiose erste Hälfte hin. Nur ein bisschen Pech bei den Schiedsrichterentscheidungen verhinderte eine noch höhere Führung. Durch eine über das gesamte Spiel recht souveräne Vorstellung gewannen die Seahawks letztlich verdient mit 28:21 gegen die Arizona Cardinals.

Auch wenn es am Ende knapp wurde (was nicht nötig gewesen wäre) und es wieder nur ein One-Score-Sieg war (was ebenfalls nicht nötig gewesen wäre), so hatte sich der Sieg doch schon länger angedeutet. Festgezurrt wurde er letztendlich durch ein Safety mit anschließendem Ballbesitz und einen Sack bei 4th & 10.

Der Spielverlauf:

  • 1. Quarter: Die Seahawks bekommen zuerst den Ball und bringen einen langen Drive aufs Parkett, RW3 verteilt die Bälle stark und vollendet zuletzt mit einem schönen Wurf auf DK Metcalf. Touchdown Seahawks, 7:0. Der Defense gelingt danach ein Auftakt nach Maß: 3&out, die Cardinals müssen punten. Im zweiten Drive bekommt auch die Offense nichts aufs Parkett und so gibt es auch die ersten Einsatzminuten für Michael Dickson als Punter. Die Defense scheint Spaß am Spiel zu haben und schickt die Cardinals ein zweites Mal mit Three & Out nach Haus. Im folgenden Drive stehen wir schon wieder kurz vor der Endzone, doch der lange Ball zu Metcalf wird von den Refs zurückgepfiffen – so bleibt doch nur der Punt.
  • 2. Quarter: Nun steigen auch die Cardinals ins Spiel ein, Murray rennt das Feld hinunter und findet seine Receiver – dann wird der Ball von Drake kurz vor der Endzone gefumbled und von D.J. Reed aufgenommen, die Refs overturnen aber und es ist doch ein Touchdown. Die Cardinals gleichen aus. Der Offense-Motor der Seahawks läuft weiter wie geschmiert, Wilson bewegt sich und den Ball gut über das Feld, auch das Laufspiel der Seahawks ist zurück und letztlich landet der Ball in den Armen von Tyler Lockett, der die Primaballerina hinlegt und auf 13:7 stellt (Jason Myers verkickt den Extrapunkt). Danach punten beide Teams und die Seahawks bekommen noch einen letzten Drive in der ersten Hälfte, der in einem Field Goal durch Myers endet. Mit 16:7 geht es in die Kabine.
  • 3. Quarter: Zu Beginn der zweiten Halbzeit laden die Seahawks die Cardinals mehrfach ein, den Drive durch Strafen zu verlängern. Murray findet Dan Arnold in der Endzone und stellt auf 16:14. Auch die Cardinals erlauben sich aber Disziplinlosigkeiten (Dank geht raus an Kirkpatrick!) und Carlos Hyde läuft den Ball ganz smooth in die Endzone. In beiden Drives geht viel Zeit von der Uhr und die Cardinals sind zum Ende des Quarters immer noch in Ballbesitz.
  • 4. Quarter: Der laufende Drive landet danach schnell in der Endzone bei Chase Edmonds und die Cardinals verkürzen wieder auf 23:21. Die Seahawks müssen nach einer Strafe und einem langen 3rd-Down punten und geben den Ball an die Cardinals. Kyler Murray wirft den Ball unter Druck auf den Boden und kreiert ein Intentional Grounding. Im anschließenden Spielzug Nahe der Endzone forciert LJ Collier den Safety und die Seahawks kommen wieder in Ballbesitz. Den anstehenden Drive verwandelt Myers per Field Goal zur 28:21-Führung. Die Cardinals bekommen den Ball mit etwas über zwei Minuten Zeit und schaffen es schnell weit das Feld herunter – letztendlich kommt es dann aber doch zum vierten Versuch an der Seahawks-30 und der Pass Rush schlägt zu: Carlos Dunlap liefert den Sack, der das Spiel endgültig für die Seahawks beendet. So ein wichtiger Sieg!

Die Hauptdarsteller:

Die Receiver: Da sah die Cardinals-Secondary um den mehrfachen Pro Bowler Patrick Peterson oft ganz alt aus (Redaktionsmitglied Henri W.: “DK owned Pat P heute”). DK Metcalf machte ein gutes Spiel, lief tolle Routen und hatte letztlich Pech, dass es nur drei Bälle für 46 Yards und einen Touchdown wurden. Wermutstropfen: Er war teilweise selbst schuld dran, denn er fing einen präzisen Fastball von Wilson in der Endzone nur mit dem Gesicht und droppte einen weiteren genauen Pass. Auch Lockett reihte sich ein und lieferte einen tollen Tip-Toe-Touchdown ab – dazu gab es 67 Yards aus neun Catches. Hier alle Stats im Überblick.

Das Laufspiel: Für Chris Carson reichte es knapp nicht, dafür konnte aber Carlos Hyde nach der Verletzung erstmals wieder spielen – und er lieferte mit seinen Runningback-Kollegen mächtig ab… 166 Rushing-Yards standen letztendlich in 31 Plays für die Seahawks zu Buche, 79 Yards allein durch Hyde (5,8 pro Lauf). Ein souveräner Auftritt des gesamten Backfields. Und sicherlich eines der Puzzle-Stück, was wir in den letzten Wochen schmerzlich vermisst haben.

QB Russell Wilson: Da war es also – das Bounce-Back Game. Eine überzeugende Darbietung unseres Spielmachers, der sich nur minimale Fehler erlaubte und das Spiel insgesamt gut steuerte. In den letzten Wochen waren viele unerklärliche Entscheidungen in seinem Spiel dabei, heute war das wieder der “alte” und “weise” Russell Wilson. Das sind gute Nachrichten auch für die anstehenden NFC-East-Wochen. Auch heute konnte er wieder einen Peyton-Manning-Rekord brechen: Der 93. Sieg als Starter ist in neun Saisons bisher noch niemandem gelungen.

Die Nebendarsteller:

Ehrenvolle Erwähnung: DE Carlos Dunlap für ein erneut starkes Spiel mit zwei Sacks. Bisher ein wirklich sehr gelungener Trade durch das Front Office. Die Seahawks-Defense für einen insgesamt soliden Auftritt – vor allem wenn man es mit den vergangenen Wochen vergleicht. Gerade in der ersten Hälfte war das wohl der beste Auftritt diese Saison. Ein Sonderlob geht an DJ Reed, der in vielen Szenen positiv auffiel. K Jason Myers für den nun nicht mehr nur eingestellten, sondern überbotenen Rekord von Stephen Hauschka. 22 verwandelte Field Goals in Folge – das ist mal eine Ansage.

Stets bemüht: G/C Damien Lewis war ein ums andere Mal mit seiner neuen Rolle als Center überfordert – aber was soll man ihm schon groß vorwerfen? Es waren schließlich seine allerersten Snaps als Center in der gesamten Karriere (auch College und High School). CB Tre Flowers der teilweise mit guter Coverage überzeugte, letztlich aber auch viele Yards zuließ. Gegen DeAndre Hopkins hatte er aber wohl auch die schwerste Aufgabe des Abends.

Meh: S Quandre Diggs zerlegte zuerst Dan Arnold im Stile eines Kam Chancellors oder Earl Thomas’, leistete sich dann aber einen völlig unnötigen Blindside-Hit gegen Hopkins. Im schlechtesten Fall endet das in einer Ejection…

Die Highlights:

DK is back! Nach zwei für seine Verhältnisse ruhigen Spielen fing er schon im ersten Drive die Führung für die Seahawks:

Tolles Tackle von Quandre Diggs. In bester Legion of BOOOOOM-Art haut er da den Ball aus des Gegners Händen:

4th & 10 und die Defense liefert ab. Carlos Dunlap, immer noch recht frisch im Seahawks-Team, liefert den zweiten Sack des Spiels und tütet den Sieg so ein:

Die Randnotizen:

  • QB Kyler Murray konnte am Seitenrand immer wieder mit einer schmerzenden Schulter beobachtet werden. Der Spielmacher der Cardinals war offensichtlich nicht so befreit wie in den letzten Wochen – auch das trug zum Sieg der Seahawks bei.
  • In der zweiten Hälfte ließ die Seahawks-Defense wieder etwas mehr zu. Die Adjustments von Kliff Kingsbury waren zu spüren und die Cardinals kamen allgemein besser ins Spiel. Hoffen wir, dass dadurch der Forward Progress der Defense nicht sofort wieder gestoppt wird. Was gute Hoffnung macht: “Bend, don’t break” hat im letzten Drive funktioniert.

Die Verletzten:

Tight End Greg Olsen verletzte sich ohne Gegnereinwirkung im vierten Quarter am Fuß, musste ins blaue Zelt und konnte danach nicht wieder aufs Spielfeld zurückkehren. Laut Pete Carroll hat er sich wohl eine Faszienverletzung zugezogen (eine ähnliche hatte er bereits bei den Carolina Panthers). Auch Right Tackle Brandon Shell verletzte sich, ohne direkt am Ball zu sein – ein Cardinals-Spieler fiel unglücklich in sein unteres Bein und auch er konnte nicht zurückkehren. Die Schwere seiner Sprunggelenksverletzung ist noch unklar. Runningback Bo Scarbrough blieb in seinem ersten Spiel nach einem Laufspielzug am Boden und griff sich an den Oberschenkel. Zumindest wurde er danach aber noch stehend am Feldrand eingeblendet.

Das Zitat:

“Our first win at Lumen Field and we’re excited about it.” – QB Russell Wilson über die kurz vor Spielbeginn bekanntgegebene Namensänderung des ehemaligen CenturyLink Field. Wir müssen uns nun also einen neuen Stadionnamen merken. Die Siegesserie wurde heute eingeläutet.

Der Tweet:

Als ob er sich in seiner Mannschaft nicht schon genug anhören muss: Der ehemalige Seahawks-Guard J.R. Sweezy hielt L.J. Collier in der Endzone, wurde dafür geahndet und lieferte so per Safety den mit entscheidenden Spielzug der Partie. Und: Er wurde von seinem ehemaligen Mannschaftskollegen Bruce Irvin noch zusätzlich verspottet.

Das Fazit:

Ein gaaaaaanz wichtiger Sieg der Seattle Seahawks. Je nachdem wie die Los Angeles Rams am frühen Dienstagmorgen spielen, kann das Team von Pete Carroll so sogar an der Spitze der NFC West bleiben. Was aber noch wichtiger ist: Die Seahawks haben wieder einen ausgeglichenen Tiebreaker gegen die Arizona Cardinals und in der Division. Das kann noch sehr wichtig werden, wenn es um die Playoff-Plätze geht. Auch wichtig: Es bleibt dabei, mit Russell Wilson als Starter verlieren die Seahawks nicht mehr als zwei Spiele in Folge. Für die Konstanz ist das unglaublich wichtig. Wie schnell ein eigentlich guter Saisonstart durch eine Niederlagenserie zerstört werden kann, ist hinlänglich bekannt.

Ausblick: In Week 12 gastieren die Seahawks am 1. Dezember 2020 um 2.15 Uhr (Monday Night Football) bei den Philadelphia Eagles. So beginnt eine vierwöchige Phase mit durchweg schlagbaren Gegnern.

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