Recap: Regular Season 2018 (Week 15) – Seahawks @ 49ers

Die San Francisco 49ers wollten es mehr als die Seattle Seahawks. Über vier Viertel und die Overtime hinweg machte das Heimteam den gierigeren Eindruck, obwohl es die Gäste waren, die in diesem Spiel vorzeitig die Playoffs klar machen konnten – und genau das beim 23:26 in Santa Clara knapp verpassten. Grund dafür waren unter anderem die rekordverdächtigen 148 Yards in Strafen, die gegen das Team aus dem Pacific Northwest ausgesprochen wurden. Größtenteils zurecht. Die Zusammenfassung eines Rückschlag, der aber keine allzu großen Auswirkungen auf die Postseason-Pläne der Seahawks haben dürfte.

Positiv:

WR Doug Baldwin: Die Passoffensive der Seahawks ohne Doug Baldwin: 140 Yards, null Touchdowns durch die Luft. Bedenkt man, dass der Wide Receiver lange fraglich und die ganze Saison über bereits angeschlagen ist, war das ein enormer Kraftakt. Aber einer, ohne den Seattle in der Offensive deutlich schlechter ausgesehen hätte. Baldwins 77 Yards und zwei Touchdowns aus vier Fängen hielten die Seahawks lange im Spiel.

P Michael Dickson: Unter der Woche wurde der Australier in die All-Rookie-Mannschaft der NFL gewählt. Nett! In der ersten Halbzeit gegen San Francisco streichelte er dann zwei Bälle an die Eins der Niners (Credit auch ans Coverage-Team, das ansonsten nicht ganz so gut aussah). Die Performance von Dickson in seiner Premierensaison schreit trotz zweier später Touchbacks nach mehr als All-Rookie – nämlich einer Wahl in die All-Pro-Auswahl der Liga.

RB Chris Carson: Nach Rashaad Penny, der von vornherein nicht spielen konnte, musste auch Mike Davis im Spiel zeitweise verletzt aussetzen. Carson schulterte das Laufspiel dann alleine, lief durch seine Gegner hindurch, sprang wieder über sie hinweg (trotz Verbot seiner Mutter) und sammelte einmal mehr über 100 Yards (119). Aber das Play, das für Carsons Saison steht, war das zu Beginn des vierten Viertels: Die Seahawks spielten an der 1 des Gegners den vierten Versuch aus und Carson schien mit Raumverlust gestoppt zu sein. Doch der unmenschliche Antrieb des Läufers schob ihn plötzlich wieder vorwärts und gerade so in die Endzone hinein.

Pass Rush kurz vor Schluss: Frank Clark und Shalom Luani holten Nick Mullens beide ordentlich von den Beinen und sorgten dafür, dass die 49ers nach drei Plays beim Stand von 23:23 mit etwas mehr als vier Minuten auf der Uhr den Ball direkt wieder abgeben mussten. Als die Seahawks nix draus machten, war Jarran Reed zur Stelle und brachte Mullens zweimal zu Boden. Zumindest spät im Spiel tat die D-Line genug, um Seattle eine Siegchance zu geben.

Neutral:

WR David Moore: Nach zehn Vierteln ohne Catch war David Moore endlich wieder am Ball (1 Catch, 9 Yards). Mehr aber leider auch nicht.

QB Russell Wilson: Nichts ungewöhnliches, nur die Rückkehr zu Normalform nach dem schwächsten Spiel seiner Karriere gegen die Minnesota Vikings in der Vorwoche. Der Quarterback brachte 23 von 31 Pässen für 237 Yards und zwei Touchdowns an den Mann, schaffte es jedoch am Ende nicht, sein Team auf die Siegerstraße zu führen – oder besser: Es auf der Siegerstraße zu halten. Denn an Wilson lag’s nicht, dass Seattle in Santa Clara die Playoffs nicht eintütete.

Negativ:

Secondary: Strong Safety Bradley McDougald verließ im zweiten Viertel das Spielfeld und kehrte nicht zurück. Anschließend wirkte die Secondary der Seahawks noch mehr wie ein wilder Hühnerhaufen als bereits zuvor und schon in Week 13. Die anfänglichen Probleme mit dem weichen Rasen konnten spätestens nach dem Schuhtausch nicht mehr als Ausrede dafür dienen, dass die Seahawks ihren Gegenspielern, seien es die Tight Ends George Kittle und Garrett Celek oder Wide Receiver Dante Pettis, gerade in der Mitteldistanz viel zu viel Raum ließen.
Kleiner Lichtblick war am Sonntagabend Safety Delano Hill, der für McDougald ins Spiel kam und zweimal wunderbar gegen Tight End Kittle verteidigte, einmal jedoch höchst fragwürdig (Shaquill Griffin singt zu seiner Aktion gegen Dante Pettis ein ähnliches Lied) von den Schiedsrichtern bestraft wurde.

K Sebastian Janikowski: Niemand wird es dem Kicker übel nehmen, dass er beim Return-Touchdown der 49ers – teils, weil er es nicht besser kann, und teils, weil er vermutlich nicht besonders scharf auf ein Tackling ist, recht unglücklich an Richie James vorbei stolperte. Aber wenn er beim PAT weiterhin die selbe Mentalität an den Tag legt wie beim Tackling, dann ist es kein Wunder, dass die Kicks außerhalb der Stangen landen. Am Sonntag vergurkte Janikowski den dritten PAT gegen San Francisco in dieser Saison. Schlechter Rasen gilt auch hier nicht als Ausrede.

Strafen: Dreimal 15 Yards in einem Drive muss ein neuer Rekord sein (ist es vermutlich aber nicht). Zunächst Bobby Wagner mit einem Griff ins Gesichtsgitter, dann auch Neiko Thorpe mit unnötiger Härte, ehe sich Justin Coleman mit dem doppelt so großen Trent Taylor anlegte. Diese 45 Yards brachten San Francisco voran. Immerhin kassierten die 49ers wenig später auch selbst noch einmal 15 Yards und mussten am Ende auf Field Goal gehen.
Mit einer Auflistung der insgesamt 14 Strafen für 148 Yards (darunter Drives zerstörende Holdings und ernüchternde Pass Interference-Flaggen) müssen wir garnicht erst anfangen, dafür ist im Internet nicht genug Platz vorhanden – und nicht ausreichend positiver Content, um diese negativen Zeilen auszugleichen.

Fazit:

Die Seattle Seahawks (nun 8-6) hatten die Chance, den Playoff-Einzug zu 100 Prozent klar zu machen – und nutzten sie nicht. Noch nie zuvor hat die Franchise so viele Yards an Strafen gegen sich kassiert. Der vorherige Rekord lag bei 145 und stammt aus dem Jahr 1979. So lässt sich selbst gegen die San Francisco 49ers (nun 4-10) kein Spiel gewinnen. Wenn die Defensive dann den unerfahrenen Nick Mullens noch wie einen Veteranen aussehen lässt (der wohlgemerkt auch dank guter Taktik seines Head Coaches Kyle Shanahan kaum Schwierigkeiten hatte, offene Mitspieler zu finden) und die Offensive in den entscheidenden Momenten scheinbar aufgibt (Checkdown bei 3 & 15 in der Overtime), ist die Niederlage verdient.

Immerhin: In Sunday Night Football in der Nacht vor Heiligabend geht’s jetzt richtig um etwas. Das Duell zwischen Kansas City Chiefs und Seattle Seahawks im CenturyLink Field ist ein Vorgeschmack auf Playoff-Football, auf den wir uns immer noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent freuen können.

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