Recap: Regular Season 2018 (Week 14) – Vikings @ Seahawks

American Football ist ein Teamsport. Dass nicht immer der Quarterback allein für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich ist, machte der wichtige Sieg gegen die Minnesota Vikings deutlich. Trotz der schwächsten Performance von Russell Wilson in dieser Saison bezwangen die Seattle Seahawks ihre Gäste aus dem hohen Norden mit 21:7. Grundlage hierfür wiederum war eine beeindruckende Leistung der Defensive angeführt von Bobby Wagner. Die Seahawks stehen nun bei 8-5 und haben eine Wild Card nach dem vierten Sieg in Serie so gut wie sicher.

Positiv:

Defensive: Die Defensive der Seahawks lieferte ihre mit Abstand beste Saisonleistung ab. Es gab keinen Mannschaftsteil in der Verteidigung, der negativ auffiel. “What can’t Bobby Wagner do?”, twitterte Todd Gurley, Runningback der Los Angeles Rams, während des Spiels (“Was kann Bobby Wagner eigentlich nicht?”) und fasste damit die wieder einmal hervorragende Performance des Linebackers zusammen. Würde Aaron Donald nicht existieren, Bobby Wagner hätte wohl die besten Chancen auf den Titel als Defensive Player of the Year in dieser Saison. Aber vielleicht wird Donald ja noch MVP und lässt Wagner den DPOY-Titel.
Neun Tackles konnte Wagner verbuchen und führte das Team damit an. Spiel für Spiel hält er die Defensive zusammen und krönte mit einem geblockten Field Goal à la Kam Chancellor seine Leistung. Auch der Pass Rush war endlich wieder zu sehen. Kirk Cousins konnte häufig unter Druck gesetzt werden, weshalb sich das vertikale Passspiel der Vikings nie wirklich entfalten konnte. Defensive End Frank Clark verbuchte seinen elften Sack in dieser Spielzeit und stellte damit einen vorläufigen Karrierebestwert auf. Auch Rookie Jacob Martin machte mit einem Strip-Sack (Cliff Avril lässt grüßen) kurz vor Schluss, den Justin Coleman für sechs Punkte in die Endzone zurück trug, das Meiste aus seiner limitierten Einsatzzeit. Eine starke Secondary, die nur 138 Yards durch die Luft zuließ, rundete die Gesamtleistung ab. Den einzigen Touchdown gab Seattle in der “Garbage-Time” beim stand von 21:0 ab, was den Shutout verhinderte. Der bisher viel kritisierte Cornerback Shaquill Griffin ließ kaum etwas zu und zeigte endlich wieder sein Potenzial, was sich vor allem bei zwei verhinderten Pässen äußerte. Sein Pendant Tre Flowers hätte um ein Haar seine erste Interception verbucht und Safety Bradley McDougald verhinderte sechs Punkte als er bei einem vierten Versuch der Vikings kurz vor der Endzone einen Pass abwehrte. Eine rundum gelungene Vorstellung der Unit von Defensive Coordinator Ken Norton.

Laufspiel: Dass das Laufspiel so gut funktionierte, lag vor allem auch an der überzeugenden Performance des Runningback-Trios aus Penny, Davis und Carson. Letzterer erlief in 22 Versuchen 90 Yards und sorgte mit seinem vierten Touchdown am Boden in dieser Saison für die Vorentscheidung kurz vor Spielende. Auch Erstrundenpick Rashaad Penny konnte nicht von der Defensive der Vikings gestoppt werden. 44 Yards aus acht Läufen steuerte er bei. Mike Davis war mit 22 Yards aus nur drei Läufen sogar noch effektiver. Erfreulich war auch, dass Seattle trotz des Ausfalls von Guard D.J. Fluker das Laufspiel aufziehen konnte. Right Guard Jordan Simmons machte seine Sache gut, was wiederum zeigt, dass die O-Line auch in der Tiefe gut besetzt ist – und gut gecoacht wird.

T/TE George Fant: Vielleicht sollte hier eher Offensive Coordinator Brian Schottenheimer und Head Coach Pete Carroll gedankt werden, denn sie erhörten die Gebete der Fans und Experten bei Twitter, die einen Pass zu Fant forderten. Da war er nun – und die sozialen Medien – zumindest die Seahawks-nahen – explodierten. Wegen des gefangenen Passes und vielleicht auch, weil der behäbige Passempfänger anschließend vom Turf-Monster gefressen wurde. Zu gut.

Neutral:

Zweifelhaftes Zeitmanagement: Teilweise unnötige Timeouts in der ersten Hälfte verbunden mit schlechtem Zeitmanagement trugen letztendlich auch mit zur desolaten Interception von Russell Wilson bei, was diese jedoch keinesfalls entschuldigt. Als Seattle etwa eine Minute vor Ende der ersten Hälfte kurz vor der gegnerischen Endzone stand, ließen die Coaches die Uhr weitgehend herunterlaufen, was die Offensive eindimensional machte und sie zum Passen zwang. Das hätte bei klügerem Zeitmanagement nicht sein müssen.

Negativ:

QB Russell Wilson: 72 Yards aus Pässen und ein Passer Rating von 37,9 sind die schlechtesten Werte in Wilsons Karriere in den jeweiligen Kategorien. Und genau so spielte der Quarterback auch. das war das schwächste Spiel von Wilson seit Jahren. Durch die Luft ging fast gar nichts. Obwohl die Offensive Line der Seahawks ihm meist genügend Zeit gab, fand er keine offenen Receiver, was auch ein Zeichen für die hervorragende Leistung der Vikings-Secondary ist. Sein Timing war meist schlecht und außerdem kam es ab und an zu Missverständnissen mit seinen Receivern, während der tiefe Pass, eine der Stärken Wilsons, ungewöhnlich ungenau war. Zu Gute halten kann man ihm seinen wichtigen 40-Yard-Lauf gegen Ende des letzten Viertels und die Two-Point-Conversion auf Lockett. Ansonsten war das Leistung eine zum Vergessen, die ihren Tiefpunkt in Wilsons dämlichster Interceptions aller Zeiten fand, als er nach einem Ausrutscher unter Druck versuchte, den Ball blind wegzuwerfen. Umso schöner, dass das Team Wilson aufgefangen hat.

Fazit:

Die in diesem Spiel erwartete Defensivschlacht ist eingetreten. Dass die Defensivreihen aber derart dominieren würden, hätte wohl auch niemand erwartet. Dieser Sieg war aufgrund der gesamten Mannschaftsleistung möglich und verdient und sorgt dafür, dass die Playoff-Teilnahme über die Wild Card den Seahawks kaum mehr zu nehmen ist. Derweil ist Head Coach Pete Carroll mit diesem Erfolg zum Trainer mit den meisten Siegen (87) in der Franchise-Geschichte aufgestiegen, während Russell Wilson bereits nach Week 14 den Rekord für die meisten Siege eines Quarterbacks in seinen ersten sieben Saisons hält. Die Seahawks überraschen in dieser Spielzeit in vielen Hinsichten. Fans können gespannt sein, welche Überraschungen dieses Team für sie noch bereit hält.

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