Recap: Regular Season 2017 (Week 3) – Seahawks @ Titans

Eine weitere Auswärtsniederlage im September, nichts ungewöhnliches. Mit 27:33 unterlagen die Seattle Seahawks den Tennessee Titans. Quarterback Russell Wilson steht nun bei zwei Siegen und acht Niederlagen im ersten NFL-Monat. Am Ende war es trotz nur sechs Punkten Differenz eine verdiente Niederlage.

Positiv:

No-Huddle Offense: Wie schon in den vergangenen Wochen zeigte sich, dass die Seahawks die besten Offensiv-Leistungen erzielen, wenn sie sich in der No-Huddle Offense auf dem Feld bewegen. Das war auch gegen die Titans so. Gleichbedeutend hatte Russell Wilson gerade in der ersten Hälfte Probleme, wenn eine langsamere Offense gespielt wurde. Erst nach und nach wurde der Quarterback (wie auch sein Kontrahent Marcus Mariota) immer besser und konnte sowohl nach Anzahl der Pässe als auch nach Yards einen neuen Karrierebestwert aufstellen: 373 Yards in 49 Versuchen. Dazu blieb Wilson erstmals in seiner Karriere in den ersten drei Partien einer Saison ohne Interception.

WR Doug Baldwin: Einen ganz wichtigen Anteil daran, dass Wilson besser ins Spiel kam, hatte Doug Baldwin. Wieder mal war der Receiver wenig überraschend das Lieblingsziel von Wilson. Von den 49 Pässen gingen insgesamt 15 auf Baldwin, davon wurden zehn Pässe für 105 Yards und einen Touchdown gefangen. Und das, obwohl Baldwin fast das komplette vierte Viertel wegen einer Verletzung nicht mitspielen konnte. Aber: Baldwins hohe Anspielquote ist auch ein Anzeichen dafür, dass die restlichen Receiver selten gut anspielbar waren.

Neutral:

Offensive Line: In den vergangenen Wochen war die Offensive Line immer wieder eine Enttäuschung, doch diesmal ließen sich die ersten Verbesserungen erkennen. Gerade im Pass Blocking half die Line Russell Wilson, sodass er auch Zeit für seine Würfe hatte. Im Run Blocking dagegen waren wieder Schwächen zu erkennen. Das Resultat: Von 48 Plays in der Offense waren nur 15 Laufspielzüge (22 Carries, 69 Yards, davon sieben Carries Wilson). So sieht keine Offense aus, die auf ein dominantes Laufspiel setzt. Und so hilft keine Offense ihrer eigenen Defense, denn sie nimmt keine Zeit von der Uhr, was besonders bei heißen Temperaturen wie in Tennessee elementar ist. Chris Carson und C.J. Prosise hatten es demnach schwer, für Entlastung zu sorgen. Thomas Rawls kam übrigens gerade mal bei einem Snap zum Einsatz, Eddie Lacy war zwar nach einer Pause in Week 2 wieder Kader, kam jedoch nicht zum Einsatz.

Jimmy Graham: Ähnlich wie Wilson fand auch Jimmy Graham wieder einmal nur mühsam ins Spiel rein, wurde aber auch erneut nicht ideal eingesetzt. Je länger das Spiel dauerte, desto besser wurde der Tight End eingebunden. Vier seiner sieben Catches kamen aber auch erst, als Baldwin verletzt am Spielfeldrand stand. Am Ende wurde Graham vermehrt außerhalb der Hashmarks eingesetzt, davon profitierte er merklich.

C.J. Prosise: So schwer es Prosise im Running Game hatte, im Passing Game stellte er sich gut an und nutzte immer wieder die Mismatches aus. Wenn er auf einen Linebacker traf, nutzte er seine Geschwindigkeit. Am Ende kam er auf 65 Yards bei drei Catches.

Negativ:

Laufverteidigung: Im vergangenen Jahr noch eine große Stärke Seattles: Nach Footballoutsiders.com lag das Team auf Rang drei bei der Verteidigung gegen den Run. Doch gegen die Titans war es schon das zweite Spiel in Serie, in dem die Seahawks es einem Runningback erlaubten, über 100 Yards zu rushen. Der Touchdown von DeMarco Murray über 75 Yards war gar der längste zugelassene unter Pete Carroll in Seattle. Klar, wie schon gegen die 49ers hatte die Defense es mit einer starken O-Line zu tun, die für den Lauf gut blockt. Und besonders in der zweiten Ebene haben die Titans mit blockstarken Receivern ihre Stärke. Eine Möglichkeit, um die Lage zu bessern, wäre die Stärkung der inneren D-Line. Dort sollten zwei Run Stopper statt einem aufgeboten werden. Auf Defensive End wäre in der Folge mehr Rotation nötig, auch häufiger mit Sheldon Richardson.

Defensive: Bei dem langen Touchdown-Lauf von Murray, aber auch beim Touchdown von Wide Receiver Rishard Matthews schaffre Seattle es nicht, vernünftiges Tackling anzuwenden. Alleine Kam Chancellor hatte drei mal die Möglichkeit, den Touchdown von Matthews zu verhindern – ohne Erfolg. Beim Touchdown-Pass auf Jonnu Smith nach Play Action lag ein Missverständnis vor. Der Tight End der Titans gelangte ungedeckt in die Endzone. Besonders das Spiel an der Line of Scrimmage war schwach. Die beiden Tackles der Titans schafften es im gesamten Spiel ohne ein QB Pressure zu bleiben. Und Seattle blieb am Ende ohne Sack.

Disziplin: Seattle sammelte elf Flaggen für insgesamt 98 Yards, besonders ärgerlich war hierbei die Flagge gegen Richard Sherman nach der zurückgenommenen Interception von Kam Chancellor. Durch weitere Diskussionen geriet der Cornerback an den Rande eines Rauswurfs. Dazu schenkte die Defense den Titans alleine sechs First Downs durch Strafen. Auch dass das Team immer noch viel zu häufig auf Hard Counts hereinfällt, ist sehr ärgerlich. Insgesamt viermal lief die Defensive Line ins Offside, einmal wurde es abgelehnt weil die Titans im selben Play einen Touchdown erzielten.

Fazit:

Lag’s an der Offense? Lag’s an der Defense? Schwer zu sagen, aber beide Mannschaftsteile zeigten sich am Sonntag wahrlich nicht von ihrer besten Seite. Das Problem: Schafft die Offense es nicht, ins Spiel zu kommen, ermöglicht sie der Defense keine Ruhepausen. Schafft die Defense es später aber auch nicht mehr, den Gegner zu stoppen, kann die Offense noch so effektiv sein, den Rückstand holt sie nicht mehr auf. Wenn die Seahawks noch vor der Bye Week (Woche 6) einen positiven Record haben wollen, brauchen sie zwei Siege. Die aber bekommen sie nur, wenn sie in beiden Mannschaftsteilen über das gesamte Spiel hinweg mindestens Normalniveau erreichen.

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