Recap: Regular Season 2017 (Week 12) – Seahawks @ 49ers

Santa Clara ist und bleibt ein gutes Pflaster für die Seattle Seahawks. In Woche 12 holten sie bei den San Francisco 49ers den vierten Sieg im vierten Spiel im Levi’s Stadium. Nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit legte das Team von Head Coach Pete Carroll in der zweiten Hälfte deutlich zu und feierte am Ende einen ungefährdeten Erfolg in der Fremde. Wer welchen Anteil am siebten Saisonsieg der Seahawks hat, beantwortet jetzt die Analyse.

Positiv:

LB Bobby Wagner: Wieder einmal spielte der Linebacker auf dem Niveau eines Defensive Player of the Year. An Wagner führt bei der Wahl des besten Verteidigers aktuell kein Weg vorbei. Highlight diesmal: die Interception, die er sich regelrecht erkämpfte, indem er seinem Gegenspieler Trent Taylor den Ball einfach aus der Hand riss. Doch auch bei anderen Plays las er die Offense der Niners immer wieder stark und war so ein Garant dafür, dass die Defense insgesamt ein gutes Spiel machte. Besonders Wagners Vielseitigkeit ist hervorzuheben. Mittlerweile können die Kontrahenten nicht mehr ausschließen, dass er nicht auch im Pass Rush eingesetzt wird. So ist er ein wandelndes Mismatch für die gegnerische Offense – und das zeigte er gestern zum wiederholten Mal.

Defensive Line: Gegen eine angeschlagene Offensive Line der 49ers und einen Quarterback, der den Ball oft zu spät los wurde, hatte der Pass Rush eine starke Partie und war mit ein Grund dafür, dass die Seahawks-Defense nie die Kontrolle über die 49ers verlor. Und auch in der Vereitelung des Laufspiels war Seattle stets präsent. Die Line half den Linebackern dabei, die San Francisco bei 3,5 Yards pro Laufversuch zu halten. Besonders die vielen Bewegungen vor dem Snap im Backfield oder die Play Action verteidigten die Seahawks hervorragend. 14 Quarterback-Hits sammelte die Defense insgesamt gegen C.J. Beathard.

Tight Ends: Nachdem Luke Willson früh im Spiel mit einer Gehirnerschütterung vom Feld musste ist, bekam Nick Vannett größere Spielanteile – die nutzte er auch. So war es Vannett, der den ersten Touchdown der Seahawks in der Partie erzielte, gleichzeitig sein erster Touchdown überhaupt für die Seahawks. Auch der zweite geworfene Touchdown von Quarterback Russell Wilson landete bei einen Tight End. Und hier muss Lob verteilt werden. Durch eine Bewegung vor dem Snap isolierte Wilson seine Redzone-Waffe Jimmy Graham auf der rechten Seite im Eins-gegen-Eins mit einem Defensive Back. Graham nutzte seinen körperlichen Vorteil und stand nach einem Slant mit dem Ball in den Händen in der gegnerischen Endzone. Mit diesem Catch schaffte er Historisches. Graham ist jetzt der Tight End in Seattle mit den meisten Touchdowns (16), er löst Jerramy Stevens ab.

Neutral:

K Blair Walsh: Bei für Kicker schwierigem Wetter verfehlte Walsh die gelben Stangen bei seinem ersten Kick aus 48 Yards. Deshalb war es später auch die richtige Entscheidung, ihn aus 53 Yards gar nicht erst antreten zu lassen. Doch der oft geschundene Walsh bewies Moral und Nervenstärke, als er nach seinem Fehler drei PATs und ein Field Goal aus 34 Yards sicher verwandelte. Und das, obwohl sein erster erfolgreicher Versuch aus 29 Yards wegen eines Fehlstarts in der O-Line anuliert wurde. Die Verantwortlichen, so scheint es, planen weiter mit Walsh. Dieses Vertrauen trotz nicht weniger Patzer sollte ihm den Rücken stärken, sodass er irgendwann auch wieder aus 40 oder mehr Yards erfolgreich ist.

Laufspiel: Runningback Eddie Lacy profitierte von einer verbesserten Offensive Line und legte gerade in der ersten Halbzeit immer wieder ordentliche Läufe hin, bei denen er nach dem ersten Kontakt noch Yards rausholen konnte. Am Ende hatte Lacy mit 47 die meisten erlaufenen Yards aller Seahawks-Spieler, auch wenn er dafür 17 Carries brauchte. Effektiver war der flinke J.D. McKissic, der für seine 22 Rushing-Yards nur vier Versuche brauchte und nebenher noch als Receiver glänzte.

Schutz für Russell Wilson: Zum ersten Mal seit Dezember 2015 wurde der Quarterback der Seahawks in einem Spiel kein einziges Mal gesacked. Das lag zum einen an der verbesserten O-Line, aber auch wieder an Wilson selbst, der es immer wieder in höchster Not schaffte, dem Sack zu entgehen. Auch wenn einige Pässe danach nicht ankamen, so verhinderte der Spielmacher immerhin den Raumverlust. Die O-Line-Formation, sie scheint gefunden zu sein: LT Duane Brown, LG Luke Joeckel, C Justin Britt, RG Ethan Pocic and RT Germain Ifedi.

Negativ:

QB Russell Wilson: Oft genug war der Quarterback der Grund, warum Seattle Spiele gerade noch so für sich entschied. Gegen San Francisco war es keine Partie dieser Art, zu schwach war der Gegner über die volle Spiellänge. Direkt Wilsons erster Wurf wurde abgefangen, auch in den darauffolgenden Drives waren immer wieder schwache Würfe vorhanden, bei denen der Spielmacher das Glück hatte, nicht erneut intercepted zu werden. Wieder einmal zeigte sich, dass Nummer drei bei unangenehmen Wetter Probleme hat. In der zweiten Hälfte stabilisierte sich Wilson, doch gegen die kommenden, schweren Gegner wird nur eine stabile Halbzeit nicht ausreichen. Auf dem Boden bleibt der Quarterback weiterhin das Maß aller Dinge bei den Seahawks.

Fazit:

Die Begegnungen mit den San Francisco 49ers in dieser Saison waren unangenehm. Doch die Seahawks waren diesmal zumindest eine Halbzeit lang konsequent und wurden so ihrer Favoritenrolle zeitweise gerecht. Sie bleiben in der NFC West weiterhin ungeschlagen. Die Prognose von Kollege Henri Wolfarth war recht konservativ, er tippte auf ein 21:17 für Seattle. Angesichts der ersten Halbzeit eine realistische Einschätzung, doch dann drehten die Seahawks auf und siegten am Ende mit zwei Scores Vorsprung.

Nun folgen die schweren Spiele. Der Sieg gegen die Niners ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch für die Philadelphia Eagles bedarf es einer Leistungssteigerung des gesamten Teams. Die Chance auf die Playoffs lebt, doch Sunday Night Football könnte das schon wieder ändern.

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