Recap: Regular Season 2015 (Week 7) – Seahawks @ 49ers

„It’s not how you start, it’s how you finish.“ Es kommt nicht darauf an, wie man etwas beginnt, sondern darauf, wie man etwas beendet. In doppelter Hinsicht traf dieses Zitat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf die Seattle Seahawks zu. Das Team aus dem Pacific Northwest besiegte im NFC West-Duell die San Francisco 49ers mit 20:3 und leitete mit einer über weite Strecken ordentlichen Vorstellung hoffentlich die ersehnte Wende ein.

Das Sprichwort kann so interpretiert werden: Der verkorkste Saisonstart kann vergessen gemacht werden, wenn die Seahawks jetzt eine Serie starten und ohne weiteren Ausrutscher die Regular Season beginnen. Es kann aber auch so interpretiert werden: Ein Spiel ist nicht vor dem 4. Quarter zu Ende, auch wenn die Führung Seattle in Sicherheit wiegt.

Wie man das Zitat auch interpretieren mag, die Seahawks haben es sich zu Herzen genommen und in Santa Clara von der ersten Sekunde an eine positiv-aggressive Körpersprache an den Tag gelegt. Das wirkt sich auch auf die diesmal deutlich „grünere“ Analyse aus.

Offense:

Es war ähnlich wie in den vergangenen zwei Spielen. Die Seahawks machen drei Quarter lang einen guten Job und brechen dann im 4. Quarter wieder ein – ein Mysterium. Wären auf der anderen Seite nicht die San Francisco 49ers gestanden, hätte das wieder böse enden können. Insgesamt war bei Seattle aber endlich wieder die Spielweise der vergangenen Jahre zu erkennen – viel Laufspiel, ab und zu lange Pässe.

  • In der Vorschau wurde spaßeshalber die Bitte an Spielmacher Russell Wilson (18/24, 212 Yards, 1 TD, 2 INT) und Runningback Marshawn Lynch gerichtet, mehr Turnover zu produzieren, weil die Seahawks ihre Spiele in dieser Saison anscheinend nur gewinnen, wenn sie den Turnover Battle verlieren, also eine negative Bilanz haben. Aus Spaß wurde ernst: Wilson warf zwei total unnötige und selbst verschuldete Picks, wie man sie von ihm eigentlich nicht kennt, die Seahawks standen am Ende mit einer Turnover-Bilanz von 0:2 und gewannen das Spiel. Kurios, aber wenn’s funktioniert…

  • Rookie Tyler Lockett ist der erste Liganeuling seit Randall Cobb von den Green Bay Packers, der in seiner ersten Saison einen Kick Return Touchdown, einen Punt Return Touchdown und einen Touchdown aus dem Spiel heraus erzielte – und das schon nach sieben Spielen. Lockett ist definitiv ein heißer Kandidat für „Offensive Rookie of the Year“. Seine Rolle im Passspiel wächst von Partie zu Partie.
  • Langsam sind Russell Wilson und sein neuer Tight End Jimmy Graham auf der selben Seite, was die Abstimmung angeht. Vielleicht spiegeln das die Statistiken nicht unbedingt wieder, aber Graham wirkt von Woche zu Woche besser integriert, auch wenn er diesmal nur zwei seiner fünf Targets für 31 Yards fing. Die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft.
  • Marshawn Lynch ging es wohl mal wieder ziemlich dreckig zu Beginn des Spiels, er musste sich in eine Tonne am Spielfeldrand übergeben, weil sein Magen wieder einmal Probleme machte. Dass dies ihn aber auf dem Feld nicht sonderlich beeinflusst, zeigte er mit 122 Yards und einem Touchdown bei 27 Carries. Sein Backup Thomas Rawls durfte auch ran und kam am Ende auf sechs Carries mit effektiven 5,3 Yards pro Versuch.

  • Großes Manko waren auch diesmal wieder die Third-Down Conversions. Nur fünf von 12 Third Downs wurden in neue First Downs verwandelt und führten häufig zu kurzlebigen Drives der Offense. Immerhin war die Quote mit 42% noch besser als gegen die Panthers.
  • Die O-Line – sie zeigte beim Run Blocking wie schon häufiger in dieser Saison gute Ansätze, die Pass Protection hingegen ist weiterhin das große Manko. Russell Wilson wurde fünfmal gesacked. Diesmal fing wieder Drew Nowak als Center an, aber gesichert hat er die Position mit seiner Performance nicht. Right Tackle Gary Gilliam wurde im 3. Quarter zeitweise durch Alvin Bailey ersetzt, was sich sofort bemerkbar machte. Bailey wurde von seinen Gegenspielern nur herumgeschubst, das sah nicht gut aus.

  • Am Ende des Spiels war wieder viel Stückwerk zu sehen. Die Seahawks brachten offensiv nicht mehr viel zustande und mussten punten. Erfreulich ist aber, dass die Offense zumindest in Field Goal-Distanz kam, nachdem zuvor die 49ers die ersten Punkte erzielt hatten. Das war wichtig für den Kopf und zeigt, dass sich das Team gegen die Schwächephase wehren will.

Defense:

Die San Francisco 49ers waren schwach – neun Punts und nur acht First Downs. Dennoch erledigte auch die Seahawks-Defense ihre Aufgaben, um von der Schwäche des Gegners zu profitieren.

  • Cornerback Cary Williams ist ganz klar die Schwachstelle der Secondary. Das war vielleicht zu beginn der Saison noch nicht so deutlich, ist es aber spätestens jetzt. Er kam in mehreren Situationen zu spät. Zeitweise wurde er durch DeShawn Shead vertreten, der in der Preseason als Cornerback ordentlich spielte.
  • Sein Kollege auf der anderen Seite Richard Sherman blieb ohne Interception gegen Niners-Quarterback Colin Kaepernick – das ist schon fast ungewöhnlich, entspricht in dieser Saison aber bislang der Realität. Der ehemals „Best Corner in the Game“ erhebt seine Stimme zur Zeit nicht mehr, weil er auf dem Spielfeld nicht die Leistung abliefert, die Trash Talk legitimiert. Sherman verfolgte im Spiel 49ers-Receiver Torrey Smith und eliminierte diesen komplett aus dem Angriffsspiel von San Francisco (42 Snaps, 1 Target, 0 Catches). Da aber alle Receiver schwach waren und Kaepernick ebenfalls enttäuschte, wäre alles andere eine riesige Enttäuschung gewesen. Seattle Times-Kolumnist Matt Calkins sagte es Mitte der Woche mit den Worten, die Richard Sherman einst an Darrelle Revis richtete: „Get your picks up!“
  • Endlich mal wieder lobende Worte an D-Liner Michael Bennett. Der Pass Rusher verdiente sich die Anerkennung mit 3,5 Sacks und einer dominanten Leistung an der Line of Scrimmage. Viel wichtiger aber noch: Er präsentierte sich als Leader, der sein Team vor dem Spiel motivierte und eine gute Partie prophezeite. Weniger fordern, mehr leisten. So darf es öfters sein.

  • Für eine Offside-Strafe sorgte diesmal nicht Bennett, sondern DT Brandon Mebane. Aber wie hieß es schon damals, wenn man in der Schule im Sportunterricht den Turnbeutel vergessen hatte: Einmal ist keinmal, aber zweimal ist einmal zu viel.
  • Rookie Frank Clark zeigte endlich ansatzweise, was er leisten kann und erinnerte damit an seine guten Auftritte aus der Preseason. Er spielte so viel wie noch nie, nämlich 48% der Snaps der Seahawks-Defense. Seine Einsätze werden wichtig sein, wenn Michael Bennett und Cliff Avril Pausen brauchen. Beide sind auch 2015 wieder auf dem Weg zu insgesamt 800 Snaps. In der Super Bowl-Saison waren es nur etwa 600 jeweils, was die Effektivität der beiden Pass Rusher erhöhte. Clarks Einsatz sorgte dafür, dass Bennett und Avril auch spät im Spiel noch frisch und effektiv waren – so wie 2013/14.

Special Teams:

Earl Thomas und Richard Sherman spielten in den Special Teams – das war Chefsache. Tyler Lockett hatte kein Glück bei seinen Return-Versuchen und musste ein paar Hits einstecken. Und wieder muss ein Spieler besonders hervorgehoben werden, weil er einfach unglaublich beständig ist.

  • „Was auch immer Steven Hauschka durch den Kopf gehen mag, wenn er zum Kick anläuft. Es scheint zu funktionieren.“ So formulierte es CBS-Experte Phil Simms in der TV-Übertragung des Spiels. Hauschka hat bislang 100% seiner 16 Field Goals verwandelt, gegen die Niners zwei Kicks aus 49 und 46 Yards.
  • Beständig ist auch Ricardo Lockette, denn er hat es faustdick hinter den Ohren. Seine Mitspieler schlugen schon die Hände über dem Kopf zusammen, als Lockette bei einem Fair Catch seines Gegenspieler diesen noch unübersehbar anrempelte und alle mit einer Strafe rechneten. Zum Glück blieb die aus. Und Lockette setzt seine Gratwanderung fort. Risiko und Strafen hin oder her – ein wenig Biss hat ja eigentlich noch nie geschadet.

Sonstiges:

Die Verteilung zwischen Running Game und Passing Game nahm gegen San Francisco endlich wieder bekannte Gestalt an: 41 Laufspielzüge und 24 Passspielzüge. Das ist das Erfolgsrezept der Seattle Seahawks.

Verletzungen:

Left Tackle Russell Okung verletzte sich am Knöchel, wird aber voraussichtlich nicht ausfallen. Runningback Thomas Rawls zog sich eine Verletzung an der Wade zu. Ob er in zehn Tagen spielen kann, steht noch nicht fest.

Fazit und Ausblick:

Der Sieg gegen die San Francisco 49ers war ein Schritt in die richtige Richtung. Aber kleiner wird der Druck dadurch nicht, denn das waren nur die Niners und das war nur einer von vielen Siegen, die jetzt folgen müssen. Die Seahawks brauchen eine starke Serie, um noch in die Playoffs zu kommen.

Die Konstanz in der Spielweise fehlte leider immer noch. Das Team schaffte es nicht, über die gesamte Partie hinweg stark zu spielen und so war man sich als Betrachter nie ganz siegessicher. Auch wenn die 49ers einen richtig schwachen Tag erwischten.

Die Seahawks haben jetzt zehn Tage, um sich auf das Auswärtsspiel bei den Dallas Cowboys vorzubereiten. Diese sind auch nötig, um die Wunden zu lecken. Fragezeichen stehen bis dahin hinter dem Starting Center (Nowak oder Lewis oder doch Rückkehrer Lemuel Jeanpierre) und Rückkehrer Paul Richardson. Nickelback Marcus Burley wird in Arlington wieder mit von der Partie sein.

Menü