Recap: Regular Season 2015 (Week 6) – Panthers @ Seahawks

Wir haben eine Weile gebraucht, um das in Worte zu fassen, was am späten Sonntagabend passiert ist und fühlten uns dabei ein wenig, als seien wir in einer Abwärtsspirale gelandet – in einer Mischung aus Déjà-vu und schlechtem Scherz. Die Seattle Seahawks haben bei der 23:27-Niederlage gegen die Carolina Panthers erneut eine Führung abgegeben, die Seahawks sind erneut völlig eingebrochen, die Seahawks fanden erneut keine Antwort darauf. Was das Ganze noch viel beunruhigender macht – Seattle hat jetzt erstmals vor heimischer Kulisse auf diese Weise verloren.

Weil wir uns in einer kurzen Woche befinden und die Seahawks bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wieder auflaufen (bei den San Francisco 49ers im Levi’s Stadium von Santa Clara), fassen wir uns kürzer als sonst und verweisen auf unsere Podcast-Ausgabe, die voraussichtlich am Donnerstagmorgen abrufbar sein wird.

Spätestens nach diesem Spiel sollte jedem Fan klar sein, dass dieses Jahr ein anderes Team auf dem Rasen des CenturyLink Field steht und dieses mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat. Dabei ist es viel zu einfach, nur der Defense oder nur der Offense den schwarzen Peter zuzuschieben – es sind so viele Faktoren, die derzeit Teil eines großen Problems sind.

Vor der Bewertung der Leistung vom Sonntagabend gilt es, einen Blick zurück auf die vorangegangenen fünf Spiele der Seahawks zu werfen. Dabei fällt eins deutlich auf: In vier der fünf Spielen hat Seattle über weite Strecken soliden Football gespielt. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Seahawks den ersten drei Quarters der bisherigen Saison 37 Punkte mehr erzielt als zugelassen haben.

Anders sieht es im 4. Quarter aus. Gegen St. Louis, Cincinnati, Green Bay und Carolina gab die Defense eine Führung im letzten Abschnitt aus der Hand. Aber nicht nur die Defense bricht komplett ein, sondern auch die Offense scheint wie gelähmt zu sein und kein einziges First Down mehr zustande zu bringen.

In St. Louis wurde der Drive in der Overtime von den Rams gestoppt, gegen die Packers hatte Seattle zweimal den Ball und verlor ihn durch einen Fumble und eine Interception, gegen Detroit leitete die Offense fast die Katastrophe ein, die nur dank einer Fehlentscheidung der Schiedsrichter verhindert wurde, gegen die Bengals holt das Team in den letzten sechs Drives ganze zwei First Downs und gegen die Panthers war es gestern nicht anders. In zwei Drives im 4. Viertel brachte Seattle magere 15 Yards zustande. Erst als die Führung weg war, kamen zum Ende noch ein paar Yards dazu.

Es ist in fast allen Spielen also ein klares Muster zu erkennen – das deutet auf ein ernsthaftes Problem hin. Was genau das Problem ist, kann wohl kein Außenstehender beurteilen. Wir sind zu weit weg vom Team und uns fehlt schlicht und einfach die Erfahrung, doch selbst Journalisten werden nur spekulieren können, was in Seattle nicht nach Plan läuft. Natürlich liegt der Schluss nahe, dass es etwas mit der Niederlage im Super Bowl 49 zu tun hat. Ein Blick in die Historie zeigt, dass viele Teams, die im Vorjahr den Super Bowl verloren haben, im darauffolgenden Jahr massive Probleme hatten. Doch nicht zu unterschätzen sind auch Aspekte wie der personelle Aderlass im Trainerstab (Dan Quinn, Ken Norton), ein Neuling als Defensive Coordinator (Kris Richard) das Fehlen von Kam Chancellor im Training Camp und die Forderungen von bereits gut bezahlten Stammspielern.

Offense:

Zwei Touchdowns und drei Field Goals waren nicht genug, um das Comeback der Panthers zu verhindern. Erneut stellten die Seahawks im 4. Quarter das Spielen ein und gingen unter.

  • In der Offense Line gab es zum Beginn des Spiels eine kleine Überraschung: Head Coach Pete Carroll hatte bereits vor dem Spiel gegen die Bengals angekündigt, dass Patrick Lewis durchaus Spielzeit als Center erhalten könnte. Am Sonntag war es dann soweit – Lewis, der bereits vergangenes Jahr vier Spiele als Starter machte, erhielt den Vorzug vor Drew Nowak und zeigte ein solides Spiel. 
Die O-Line als Ganze zeigte im Pass Blocking keine katastrophale Leistung, war aber noch lange nicht gut. Die Panthers schafften vier Sacks und setzten Quarterback Russell Wilson oft stark unter Druck. Derzeit ist die O-Line auf Kurs, 70 Sacks in dieser Saison zuzulassen. Vergangenes Jahr kassierten die Jaguars übrigens 71 Sacks und führten damit die Liga an. Neben der Gefahr, dass sich Wilson ernsthaft verletzen könnte, zerstört die Line auch viele Drives. Rechnet man alle Yards zusammen, die Seattle durch Sacks verloren hat, kommen man auf 146. Das macht 7% der insgesamt erzielten Yards aus. Zu viele, um auf diesem Niveau bestehen zu können.
  • Nach zwei verpassten Spielen war Runningback Marshawn Lynch wieder mit von der Partie. Gegen die gute Laufverteidigung der Panthers und vor allem mit schlechtem Run Blocking hatte er einen schweren Tag. Am Ende des hatte er in 17 Läufen 54 Yards und seinen ersten Touchdown in dieser Saison erzielt.
  • Großes Manko waren wieder die Third-Down Conversions. Nur vier von 14 Third Downs wurden in neue First Downs verwandelt und führten häufig zu kurzlebigen Drives der Offense. Insbesondere im 4. Quarter, in dem Seattle die Uhr kontrollieren wollte, schaffte das Team es nicht, den Ball zu halten und Zeit von der Uhr zu nehmen.
  • Positiv auf Seiten der Offense war die Leistung von Tight End Jimmy Graham. Im Gegensatz zu den ersten Spielen spielte Graham wesentlich mehr im Slot und auf den Außenbahnen. Diese Art von Spiel liegt ihm wesentlich mehr, was sich auch in seinen Stats bemerkbar machte. Mit acht Receptions für 140 Yards machte er der Statistik nach sein bestes Spiel seit September 2013. Die gewünschte Einbindung von Graham in die Seahawks-Offense funktionierte sehr gut.

Defense:

Es ist wie verhext. Wie schon bei den vergangenen drei Niederlagen gewannen die Seahawks auch diesmal das Turnover-Duell mit Interceptions der zwei Safeties Earl Thomas und Kam Chancellor. Vor einem Jahr hätte das noch klar den Sieg bedeutet, doch in dieser Saison hat Seattle genau die Spiele verloren, in denen das Team mehr Turnover forcierte.

  • Natürlich sticht der abgegebene Touchdown zur Führung der Panthers hervor – und ins Herz der Fans. Zurückzuführen ist der Touchdown auf ein Kommunikationsproblem innerhalb der Secondary. Richard Sherman ging von Cover 2-Defense aus, alle anderen spielten aber Cover 3. Ein Fehler, wie er in der Seahawks-Secondary so gut wie nie vorkommt, führte zum entscheidenen Touchdown für die Panthers. Mehr als bitter.

  • Aber auch vor dem Touchdown von TE Greg Olsen hatte die Defense Probleme, die Panthers zu stoppen. Da waren zum einen die altbekannten Probleme bei der Verteidigung fangstarker Tight Ends, zum anderen der unaufhaltsame RB Jonathan Stewart. Carolina erzielte vier Touchdowns und jeder dieser Drives begann an derem 20-Yard Line. Eine beachtliche Leistung.

Special Teams:

Die Special Teams hatten in diesem Spiel keinen großen Impact. Dennoch muss ein Spieler hervorgehoben werden: Kicker Steven Hauschka. Seine bisherige Leistung soll an dieser Stelle gewürdigt werden. Alle 14 Field Goal-Versuche verwandelte er. Selbst lange Fields Goals aus über 50 Yards Entfernung stellen aktuell kein Problem für ihn dar. Und ein wenig Glück wie beim ersten Kick darf dann gerne auch mal hinzukommen.

Sonstiges:

Unser Stadionbanner feierte seine Premiere im CenturyLink Field. Das sei an dieser Stelle gesagt. Mehrmals war die Fahne in den TV-Übertragungen zu erkennen. Hier eine kleine Collage aus Screenshots:

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Verletzungen:

Linebacker Bobby Wagner fehlte den Seahawks – ohne Zweifel. Doch ob er die Niederlage hätte abwenden können, ist mehr als fraglich, nachdem die Seahawks schon in den Vorwochen in dieses Muster verfallen waren, als Wagner auf dem Spielfeld stand. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag sollte er nach auskurierter Brustmuskel-Verletzung wieder dabei sein.

Fazit und Ausblick:

Die Seahawks haben Glück, denn die Arizona Cardinals haben in den vergangenen zwei Wochen ebenfalls verloren. Hätte Seattle seine Partien zu Ende gespielt, könnte das Team jetzt den gleichen Record wie Arizona haben. Hätte, wäre, wenn… Dass die Cardinals nicht zweimal gewonnen haben, ist das Glück der Seahawks. So bleibt alles mehr oder weniger offen in der NFC West.

Für die Seahawks gibt es in dieser Woche keinen freien Tag, denn es geht Schlag auf Schlag. Vielleicht ist das auch gut so, damit man diese Niederlage schnell aus dem Kopf bekommt. Bereits am Donnerstag (Ortszeit) steht das Auswärtsspiel (Thursday Night Football) bei den San Francisco 49ers und somit die nächste – vielleicht letzte  – Chance an, diese Saison herumzureißen.

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