Recap: Regular Season 2015 (Week 16) – Rams @ Seahawks

„This is a day you just want to forget. We just didn’t get it done at all.“ – Heute ist ein Tag zum Vergessen. Wir haben heute nichts auf die Reihe bekommen. Das waren die Worte, mit denen Head Coach Pete Carroll die Pressekonferenz nach der Niederlage seines Teams gegen die St. Louis Rams eröffnete. Im Grunde gibt es dem nicht viel hinzuzufügen. Von Beginn an drückten die Rams dem Spiel ihren Stempel auf und haarstäubende Fehler der Seahawks führten letztlich endlich zu einer verdienten sechsten Saisonniederlage. Im folgendem Recap werfen wir einen genaueren Blick auf die Leistung der Offense, Defense und Special Teams und blicken dann noch kurz in die Zukunft.

Offense:

Nach sechs Spielen, in denen die Offense eine hervorragende Leistung auf das Feld gebracht hatte, lief es diesmal nicht rund. Die Probleme der Offensive begannen bereits vorne an der Line of Scrimage. Nachdem die O-Line in den vergangenen Spielen sehr gute Leistungen an den Tag gelegt hatte und Spielmacher Russell Wilson genug Zeit in der Pocket gab, wurde sie am Sonntag mehr als deutlich von Aaron Donald und der D-Line der Rams dominiert. Die Performance erinnerte sehr an die ersten Spiele in dieser Season, auch den Season Opener gegen die Rams, als die O-Line gravierende Schwächen zeigte.

Auch das Running Game litt sehr unter dieser schwachen Vorstellung. Zum ersten Mal in dieser Season gelang es der Offense nicht, 100 oder mehr Rushing Yards zu erzielen. Am Ende erzielten die Seahawks ganze 60 Yards auf dem Boden, von denen Russell Wilson 39 für sich verbuchte. Die 23. Rushing Defense der NFL dominierte eines der besten  Laufspiel-Mannschaften der NFL. Den Runningbacks Christine Michael und Bryce Brown kann dabei kein großen Vorwurf gemacht werden, denn zu häufig verloren Britt, Gilliam und Co. ihre individuellen Matchups, sodass für das Laufspiel kein Platz zur Entfaltung war. Die O-Line verlor nicht nur viele Matchups, sondern kassierte zudem mehre Penalties, die die jeweiligen Drives zum Erliegen brachten und für eine schlechte Feldposition sorgten.

Fumbles von Will Tukuafu und Russell Wilson, eine Interception von Wilson sowie zwei schlechte Snaps von Center Patrick Lewis trugen dazu bei, dass es ein sehr gebrauchter Tag wurde. Insbesondere der Ballverlust von Tukuafu im zweiten Drive war schmerzhaft, da dieser das gesamte Momentum zu Gunsten der Rams verschob.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine schlechte O-Line, viele individuelle Fehler sowie viele Strafen die Hauptgründe für die schlechte Performance der Offense waren. 313 Total Yards sind ein Saison-Tiefstwert für eine Offense, die in den vergangenen Wochen oft 30 Punkte und mehr aufs Scoreboard gebracht hat.

Etwas Positives gibt aber dennoch über die Offense zu sagen: Receiver Doug Baldwin stellte mit seinem 14. Touchdown einen neuen Franchise-Rekord auf und ist der erste Seahawks-Receiver mit mehr als 1.000 Receiving Yards in einer Spielzeit seit Bobby Engram (2007).

Defense:

Wer das Spiel nicht gesehen hat, am nächsten Morgen zuerst auf die Team-Statistiken und anschließend auf das Ergebnis blickte, wird sich wahrscheinlich verwundert die Augen gerieben haben. Wenn eine Defense nur 207 Total Yards zulässt, gewinnt ihr Team in der Regel das Spiel. Diesmal war das leider nicht der Fall. Im Grunde machte unsere Defense einen soliden Job und ließ nur einen langen Drive der Rams zu, der am Ende zum entscheidenden Touchdown führte. Dass die Rams am Ende dennoch 16 Punkte gegen unsere Defense erzielten, lag vor allem daran, dass sie zweimal den Ball in der Hälfte der Seahawks bekamen und diese Chancen direkt in Punkte ummünzen konnten.

Sicherlich steht die Offense zurecht im Fokus der Niederlage und bekommt die meiste Kritik ab. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass die Defense zwar einen soliden Job ablieferte, aber nicht ihre beste Leistung zeigte. Als gutes Beispiel dient die Leistung der D-Line. Sie ließ nicht nur über 100 Rushing Yards der Rams zu (Todd Gurley war schwer zu stoppen), sondern konnte auch keinen Druck auf Rams-Quarterback Case Keenum erzeugen. Michael Bennett, der angeschlagen ins Spiel ging, und seine Kollegen erzielten nicht nur keinen Sack sondern auch keinen einzigen Quarterback Hit.

Abschließend fehlte der Defense auch das nötige Quäntchen Glück, als sie im 4. Viertel zweimal den freien Ball nach Fumbles nicht erobern konnte. Eine Balleroberung hätte einen Touchdown der Rams verhindert und eventuell sogar noch die Wende im Spiel eingeleitet.

Special Teams:

In Spielen gegen einen Trainer wie Jeff Fisher stehen die Special Teams immer in einem besonderen Fokus. Zu häufig konnte der Head Coach gegnerische Teams – insbesondere die Seahawks – schon mit Trick Plays überraschen. Am Sonntag waren die Seahawks auf entsprechende Situationen vorbereitet und sehr aufmerksam bei den Punts der Rams. Seattle spielte teilweise eine Mischung aus normaler Defense und Punt Return-Formation, was dazu führte, dass Tyler Lockett nur wenig Raum für Punt Returns bekam.

Fazit:

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine schlechte Performance der O-Line, individuelle Fehler, drei Turnovers in der Offense sowie zu viele Penalties zu einer verdienten Niederlage führten. Auf Seiten der Defense gelang des ebenfalls nicht, die Duelle an der Line of Scrimage für sich zu entscheiden und so das Laufspiel der Rams zu stoppen sowie Druck auf Case Keenum zu erzeugen. Erschwert wurde die Arbeit der Defense durch die guten Feldpositionen der Rams. Dennoch hatte Seattle im 4. Viertel die Möglichkeit, für die Wende im Spiel zu sorgen. Aus Seahawks-Sicht fehlte dann aber in den entscheidenen Situationen auch etwas das Glück.

Auch wenn die Niederlage schmerzt, sollte sie nicht überbewertet werden. Aus verschiedenen Gründen tut sich dieses Team gegen die St. Louis Rams immer besonders schwer und die Leistung der Spiele zuvor zeigte bereits auf, zu was  die Seattle Seahawks fähig sind. Möglicherweise kommt diese Niederlage auch zur richtigen Zeit, weil es zuvor fast schon zu gut lief.

Lazarett:

Während des Spiels erlitt TE Luke Willson eine Gehirnerschütterung und wird sich während der Woche weiteren Tests unterziehen müssen. Ob er kommenden Sonntag in Arizona spielen kann, werden die nächsten Tage zeigen. DE Cassius Marsh eine Knöchelverletzung erlitten.

Playoffs:

Nachdem die Minnesota Vikings gegen die New York Giants gewonnen haben, lichten sich die möglichen Playoff-Szenarien:

  • Im Falle einer Niederlage gegen Arizona werden die Seahawks in ihrem Wild Card-Spiel entweder in Minnesota oder Green Bay spielen müssen, je nachdem, wer von beiden das direkte Duell gewinnt am Sonntag gewinnt.
  • Bei einem Sieg gegen die Cardinals und einem Sieg der Packers gegen Minnesota geht die Reise nach Washington zu den Redskins.
  • Sollten die Vikings ihr Spiel gegen Green Bay gewinnen, ist es nicht relevant, ob wir in Arizona gewinnen oder verlieren. Dann tritt Seattle auf jeden Fall die Reise nach Minnesota an.

Szenario W17

Die NFL hat den Spielplan für Week 17 angepasst und Minnesota Vikings @ Green Bay Packers auf den Sunday Night Football-Slot geschoben. Zudem wird das Spiel der Carolina Panthers gegen die Tampa Bay Buccaneers um 22.25 Uhr beginnen.

Das hat direkte Auswirkungen auf das Seahawks-Spiel. Mit einem Sieg und einer zeitgleichen Niederlage von Carolina können die Cardinals noch den 1. Platz in der NFC erobern und sich somit das Heimrecht für die gesamten Playoffs sichern. Deshalb wird Arizona seine Starter gegen Seattle voraussichtlich nicht schonen.

Außerdem wissen die Seahawks nicht, ob ein Sieg im Spiel gegen die Cardinals ausreicht, um den 5th Seed zu sichern, da Vikings und Packers erst später beginnen.

Ob es am zweiten Januar-Wochenende nach Green Bay, Minnesota oder Washington geht, ist im Grunde nicht sonderlich relevant. Alle drei Teams haben wir Stärken und Schwächen. Sofern die Seahawks an die Leistungen der vergangenen Wochen anknüpfen kann, kann jedes der drei Teams auch auswärts geschlagen werden. Allerdings dürfen wir Fans auch nicht die Augen davor verschließen, dass die Saison bereits in zwei Wochen vorbei sein könnte.

Facts:

  • In 62 Spielen in Folge gingen die Seahawks mindestens einmal pro Partie in Führung. Diese Serie ging am Sonntag gegen die Rams zu Ende.
  • Die Rams gewannen zum ersten Mal seit dem 8. Januar 2005 in Seattle.
  • In dieser Spielzeit verloren die Seahawks drei Spiele im CenturyLink Field, das sind mehr Heimniederlagen als in den vergangenen drei Jahren zusammen. 2014 – eine Niederlage, 2013 – eine Niederlage, 2012 = unbesiegt.
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