12 Beobachtungen aus dem zweiten Preseason-Spiel der Seahawks

Preseason Week 2 2021

Das Ergebnis (3:30) ist irrelevant, viele Szenen sind nur bedingt aussagekräftig – und dennoch liefert auch die Preseason einige spannende Erkenntnisse über den Fortschritt der Vorbereitung. Deshalb folgen hier nun ein paar Beobachtungen und Szenen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) vom zweiten Spiel der Seattle Seahawks in der Saison 2021, dem ersten im heimischen Lumen Field. In der Nacht von Samstag auf Sonntag begrüßten sie dort die Denver Broncos.

Die Beobachtungen:

  1. Von den Stammspielern war in der Offense auch in Spiel zwei der Preseason kaum etwas zu sehen. Wilson, Metcalf und Co. durften von der Seitenlinie mit ansehen, wie Alex McGough (9/13, 91 YDS, 2 INT) die Seahawks-Offense in Hälfte eins über das Feld stotterte. So endeten die ersten drei Drives des Ersatz-Spielmachers in zwei Turnovern. Aus seiner Chance, im Rennen um den Backup-Spot Boden auf den verletzten Geno Smith gut zu machen, konnte er nichts machen. Im Gegenteil: Er zeigte eine schlechte Pocket-Präsenz, war immer wieder zu zögerlich, kassierte dabei Sacks, weil er den Ball zu lange hielt und übersah offene Receiver.
  2. Rookie-Tackle Stone Forsythe bekam weitere wertvolle Reps und konnte sich dabei auch gegen Starter der Broncos messen. Insgesamt ein solider Auftritt des jungen Pass Blockers auf der linken Seite, der sich jedoch noch mit dem NFL-Spieltempo weiter akklimatisieren muss.
  3. In der Defensive durften bis auf Linebacker Bobby Wagner und die beiden Starting Safeties im ersten Viertel die Starter ran. Erwähnenswert ist, dass Cornerback Akhello Witherspoon auf der linken Seite wie schon letzte Woche und im Training Camp startete. Von Wide Receiver Jerry Jeudy wurde er zwar einmal ziemlich verladen, zum jetzigen Zeitpunkt wäre es jedoch eine mittlere Überraschung, wenn Witherspoon in Woche 1 der Regular Season nicht auch starten würde.
  4. Sein Gegenüber war rechtsaußen Tre Flowers, der während der verletzungsbdingten Abstinenz von D.J. Reed von Beginn an spielte. Auch im Training Camp ist er außen Ersatz von Reed und scheint in der Depth Chart der dritte Outside Cornerback zu sein. Rookie Tre Brown kam im übrigen später für Witherspoon zum Einsatz, hatte keine nennenswerten Aktionen und scheint zumindest momentan noch Outside Corner Nummer vier zu sein.
  5. Punt-Returns übernahm Receiver Freddie Swain. Der auffälligste Seahawk war jedoch mit Abstand Running Back DeeJay Dallas, der bei mehreren Kickoff-Returns sehr positiv auf sich aufmerksam machen konnte. Dazu kam noch ein von ihm geblockter Punt in der zweiten Hälfte. Auch der ein oder andere Laufversuch und Passfang sah vielversprechend aus. Mit seiner guten Performance in der Vorwoche und den Leistungen in den Special Teams wird der junge Running Back sehr wahrscheinlich wieder den Sprung in den finalen Kader schaffen.
  6. Die Defensive Line der Seahawks sah, wenngleich Interpretationen aus Preseason-Auftritten natürlich mit Vorsicht zu genießen sind, gegen die Starter der Broncos im ersten Viertel solide aus. Immer wieder konnte der Quarterback der Broncos unter Druck gesetzt werden. DE Rasheem Green war dabei der auffälligste und konnte überdies noch einen Fumble forcieren.
  7. Eine Extra-Erwähnung bekommt anbei auch noch Defensive Tackle Al Woods, der zuverlässig wie in 2019er-Zeiten in die Gaps schoss. Dass die Laufverteidigung der Seahawks in diesem Spiel so gut war, ist vor allem ihm und seiner Präsenz in der Mitte gegen die Starter der Broncos Offensive Line zu verdanken.
  8. Linebacker Jordyn Brooks hatte ohne Bobby Wagner in der Mitte der Defensive zwar sogar etwas mehr zu tun als gewöhnlich, sah dabei jedoch sehr gelassen und sicher aus. Gerade was Tackles im offenem Feld angeht war auf den 2019er-Erstrundenpick Verlass. In Coverage zeigte er wieder gute Ansätze, kassierte jedoch gegen einen Backup-Tight-End der Broncos trotz hautenger Manndeckung ein Big Play. Nichtsdestotrotz war Brooks eine insgesamt positive Erscheinung.
  9. Mal wieder ein perfektes Beispiel dafür, dass es egal ist, wer Ersatzquarterback der Seahawks ist. Sean Mannion und Alex McGough bekamen jeweils eine komplette Halbzeit, um sich zu zeigen, bekleckerten sich jedoch beide nicht mit Ruhm. Ohne Wilson auf Quarterback würde dieses Team (wie so viele in der NFL) um hohe Picks mitspielen.
  10. Bei all den Schwierigkeiten, die die Seahawks-Offense hatte, konnten die Zuschauer im Stadion zumindest immer mal wieder die sexy Punts von Michael Dickson bewundern, der unter anderem einen seiner Hochschüsse 61 Net Yards übers Spielfeld jagte.
  11. Wide Receiver und Frühaufsteher Dee Eskridge war zwar in Uniform und Pads, kam aber nicht rein. Nichtsdestotrotz positiv zu erwähnen, dass er einem ersten Einsatz auf dem Feld immer näher kommt.
  12. Die Offensivprobleme der Seahawks in diesem Spiel sind mehr oder minder Nebensache, jedoch hatte man als Zuschauer schon das Gefühl, dass Scheme-technisch in der Offense noch viel verschleiert bzw. nicht gezeigt wurde. Die Two-Minute Offensive, von der aus dem Training Camp beispielsweise immer wieder zu hören war, sah man nicht wirklich. Insgesamt viel Vanilla und wenig Eis für alle Zuschauer dieser Seahawks-Offense im zweiten Preseason-Spiel.

Die Highlights:

DeeJay Dallas war der Spieler des Spiels auf Seiten der Seahawks.

Wir präsentieren: Der neue Star-Linebacker der Seahawks Nick Bellore. Oder war der nicht Fullback?

In Ermangelung weiterer „Highlights“ ein Blick auf die 12s, die die Seahawks zum ersten Mal in dieser Preseason begrüßen durften.

Die Verletzten:

Linebacker Ben Burr-Kirven zog sich bei einem Kickoff ohne Gegnereinwirkung eine Knieverletzung zu. Auch Wide Receiver John Ursua, der bis zu seiner Verletzung einer der auffälligsten Seahawks-Passempfänger gewesen war, verletzte sich am Knie. Die Seahawks verkündeten bei beiden Spielern umgehend, dass sie für den Rest des Spieles nicht mehr zurückkommen, was generell eher ein schlechtes Zeichen ist, aber auch einfach eine Vorsichtsmaßnahme in einem unwichtigen Spiel sein könnte.

Auch Safety Ryan Neal musste während der ersten Halbzeit verletzungsbedingt in die Katakomben. Was für eine Verletzung er sich zuzog und wie seriös diese ist, war kurz nach Spielende jedoch noch nicht klar. Head Coach Pete Carroll sprach bei seiner Pressekonferenz kurze Zeit später von einer Zerrung der seitlichen Bauchmuskulatur.

Das Fazit:

Auch diese Woche sind vor allem nur Beobachtungen zu Roster-Kämpfen und Interpretationen bezüglich der Hierarchien in der Depth Chart aussagekräftig. Das deutliche Ergebnis ist wie immer in der Preseason zweitrangig. Leider kamen auch in diesem Spiel kaum Starter zum Einsatz. Traditionell bekommen diese im dritten Preseason-Spiel bei Pete Carroll ein paar Drives. Nächste Woche können die Fans im Lumen Field möglicherweise zum ersten Mal in dieser Saison Russell Wilson in Aktion sehen.

Ausblick: In Week 3 empfangen die Seahawks am 29. August um 4 Uhr deutscher Zeit die Los Angeles Chargers.

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