Recap: Preseason 2016 (Week 2) – Vikings @ Seahawks

Das zweite Preseason-Duell der neuen Saison und damit auch das erste Heimspiel, ist absolviert. Erneut hatte Quarterback Trevone Boykin die Chance, der Matchwinner für die Seattle Seahawks zu werden. Leider hatten die Minnesota Vikings aber andere Pläne und gewannen das Spiel mit 11:18. Wie sich unsere Jungs präsentiert haben, erfahrt Ihr in unserem Recap.

Auch in diesem Recap möchten wir auf die Fragen eingehen, die wir in unserer Vorschau gestellt haben.

Kann die erste Garde der O-Line an den vielversprechenden Auftritt in Kansas City anknüpfen? 

Nachdem unsere frischformierte O-Line gegen die Chiefs keinen Sack zugelassen hat und eine solide Leistung an den Tag legte, erinnerte die Leistung gegen die Minnesota Vikings sehr an die erste Hälfte der vergangenen Season, in der Quarterback Russell Wilson 31 Mal gesackt wurde. Die Vikings Defensive Line rund um DE Emerson Griffin setzten unserer O-Line vom ersten Snap an stark unter Druck und erzielte vier Sacks gegen unsere Starter. Wie Headcoach Pete Carroll nach dem Spiel sagte, lag die Schuld bei zwei der vier Sacks nicht an der O-Line sondern an der Spielweise von Russell Wilson, der den Ball in den jeweiligen Plays zu lang hielt und nicht schnell genug abgab.

Aber es gab auch die Plays, an denen es deutlich wurde, dass die O-Line noch nicht eingespielt ist und vermeidbare Fehler macht. An einem Play wollen wir euch das einmal verdeutlichen:

MinvsSea1Auf dem Bild ist ein Spielzug aus dem 2. Viertel zusehen – 3rd & 7 mit 1:36 zu spielen. Die Offense steht mit einer 11er Formation (1 Running Back  & Tight End) auf dem Feld. Tight End Nick Vannett ist neben dem Left Tackle positioniert. Wilson befindet sich in der Shotgun mit RB Zac Brooks zu seiner Rechten.

Die Vikings haben ihre Nickel-Defense auf dem Feld und deuten einen Doppel-Blitz mit ihren beiden Linebackern auf den A-Gap (der jeweilige Bereich zwischen Center und Guard) an. Zusätzlich befindet sich ein Safety an der Line of Scrimmage und deutet ebenfalls einen Blitz an. Aus dieser Aufstellung wird deutlich, dass die Cornerbacks Man-Coverage (Manndeckung) mit einem tiefen Safety spielen, der nicht auf dem Bild zu erkennen ist.

MInvsSea2

Nach dem Snap fällt ein Linebacker (#57 – A. Cole), der vorher ein Blitz angedeutet hat, zurück in Zone-Coverage (Raumverteidigung) bzw. hat seinen Blick auf den RB Zac Brooks. Nick Vannett wird von einem DE (#94 – J. Trattou) gecovert. Somit hat die Offensive-Line fünf gegnerische Defender zu blocken. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, läuft Zac Brooks keine Route sondern bleibt als zusätzlicher Blocker in der Formation. Somit hat die Offense sieben Spieler für die Protection zur Verfügung. Leider wurde der Blitz nicht korrekt von Justin Britt oder Russell Wilson erkannt und die Pass-Protection nicht angepasst. Die Vikings schicken über die rechte Seite vier Pass-Rusher. Da das Blocking-Schema nicht korrekt angepasst wurde, gibt es zu wenige Blocker auf dieser Seite. Das Resultat ist auf dem nächsten Bild zu erkennen.

MinvsSea3

Sowohl Gilliam (RT), Ifedi (RG) als auch Britt (C) blocken einen einzigen Pass-Rusher. Mark Glowinski (RG) hat sogar niemanden zum Blocken, da Sowell (LT) sich im direkten 1:1 befindet. Dagegen hat Rookie Zac Brooks, der sein 1. Spiel nach Verletzungsproblemen bestritt, alle Hände voll zu tun. Er steht gleich drei Pass-Rushern gegenüber, die er natürlich nicht kontrollieren kann.

Mit dem richtigen Protection-Call (O-Line Slide nach rechts), hätte der Sack verhindert werden können. Ein Fehler, der durch mehr Spielpraxis korrigiert werden kann.

Schafft es die D-Line, mehr Druck auszuüben und damit die Grundlage für mehr Turnovers zu legen?

Leider war der Pass-Rush unserer Defense wieder nicht sehr erfolgreich. Zum Teil hatten sowohl Vikings Quarterback Shaun Hill, der für den eigentlichen Starter Teddy Bridgewater auflief, sowie der zweite Backup Joel Stave, viel Zeit in der Pocket um ihre Pässe anzubringen. Dabei hatte beide vor allem mit kurzen Pässen Erfolg, die von den Receivern innerhalb von 3 bis 5 Yards nach der Line of Scrimmage gefangen wurden. Ein Mittel, welches häufig gegen die Seahawks Defense eingesetzt wird, da die Räume hinter der Line of Scrimmage (Underneath) eine der Schwachstellen unserer Defense sind.

Der fehlende Druck auf den gegnerischen QB kann diese Pässe meist auch nicht verhindern, macht das Leben des QB aber wesentlich schwerer. Nachdem die Run-Defense gegen die Vikings deutlich besser funktionierte als in der Woche zuvor, besteht im Pass-Rush noch erhebliches Optimierungspotential.

Welcher Backup-QB stellt sich gegen die Vikings besser an? Kann Trevone Boykin seine Probleme im Huddle beheben und seinen Vorsprung ausbauen? Erwischt Jake Heaps einen besseren Tag als gegen die Chiefs?

Trevone Boykin hat seinen Vorsprung im Kampf um den Backup-Job ausgebaut. Auch wenn seine Interception kurz vor Schluss die Niederlage einläutete, zeigte er eine gute Leistung und konnte vor allem mit seiner Mobilität überzeugen. Für Jake Heaps, der nur drei Pässe warf, rückt ein Platz auf dem Seahawks-Roster in weite Ferne.

Welche Runningbacks machen diesmal auf sich aufmerksam? Zeigt sich Christine Michael weiterhin in guter Verfassung?

Ähnlich wie Boykin konnte auch Christine Michael die guten Ansätze bestätigen. Er zeigte, dass er neben einigen guten Läufen auch über Receiver-Fähigkeiten verfügt. Insbesondere für 3rd Down Situationen sollte ein RB auch Bälle fangen können.

Bester Running Back in der Partie war Undraftet Free Agent Troymaine Pope. Gegen die Backups der Vikings gelangen ihm mehrere gute Runs und letztendlich auch der einzige Seahawks-Touchdown am Donnerstag.

Können Receiver Tanner McEvoy und Safety Tyvis Powell den guten ersten Eindruck bestätigen oder spielen sich diesmal andere Rookies ins Rampenlicht?

Sowohl McEvoy als auch Powell hatten ein unscheinbares Spiel. Dafür konnten mit Antwan Goodley und Kenny Lawler zwei andere junge Wide Receiver auf sich aufmerksam machen und eine gute Leistung an den Tag legen. Vor allem Lawler erhielt viel Spielzeit mit der 1. Offense und könnte daher besonders von diesem guten Tag profitieren. Der Kampf um die hinteren WR Plätze bleibt weiter spannend.

Wie teilen DeShawn Shead, Jeremy Lane und Tharold Simon die Spielanteile als Cornerbacks unter sich auf? Wer nutzt seine Einsatzzeit am effektivsten?

Wie in Kansas City spielten Lane und Shead mit der 1. Defense und konnten das Vertrauen der Coaches wieder bestätigen. Im Großen und Ganzen zeigte die Secondary eine gute Leistung und ließ nur wenige Pässe für mehr als 15 Yard Raumgewinn zu. Tharold Simon spielte in der zweiten Hälfte zusammen mit Tye Smith als Cornerbacks. Beide machten ihre Sache ordentlich und fielen weder positiv noch negativ auf. Smith konnte noch am ehesten mit ein paar Plays auf sich aufmerksam machen. Im Kampf um den 2. und 3. Cornerback-Spot haben Shead und Lane derzeit die Nase deutlich vorn.

Wer füllt die SAM-Linebacker-Lücke, die der Abgang von Bruce Irvin hinterlassen hat?

Mike Morgan, der am Anfang der Woche nach Philadelphia flog um einen Medizincheck zu absolvieren, startete mit der 1. Defense und zeigte eine ordentliche Leistung. Nach derzeitigen Stand ist er der Favorit für den Starterposten. Das liegt auch daran, dass Eric Pinkins wieder ein paar kleine Fehler in seinem Spiel hatte.

Weitere Eindrücke

  • Die Verteidigung gegen den Lauf war deutlich besser als gegen die Chiefs. Vor allem DT Tony McDaniel, der erst vor wenigen Tagen erneut verpflichtet wurde, zeigte ein gutes Spiel und kann sich berechtigte Hoffnung auf einen Roster-Spot machen. Bei der Beurteilung der Run-Defense darf aber nicht außer acht gelassen werden, dass der Star-Running Back von Minnesota, Adrian Peterson, keine Spielzeit erhielt.
  • Die Vikings konnten vier von acht 3rd Downs in neue First Downs umwandeln. Ein zu hoher Wert für die Defense.
  • Mit 12 Penalties für 111 Yards hat das Team zu viele Strafen kassiert und sich das Leben selbst schwer gemacht. Wie bereits in der vergangenen Spielzeit gibt es noch immer Verbesserungsbedarf bei der Disziplin.
  • Lazarett: TE Nick Vannett zog sich eine Knöchelverletzung zu und wurde am Freitagmorgen mit Krücken im Lockerroom gesichtet. Pete Carroll sagte nach dem Spiel, dass die Verletzung nicht gravierend ist. Auch DT Jarran Reed zog sich eine Knöchelverletzung zu. Dabei soll es sich um die gleiche Verletzung handeln, die er bereits im Camp erlitten hat. Es ist davon auszugehen, dass sowohl Vannett als auch Reed in den nächsten Tagen nicht bzw. nur eingeschränkt an den Trainingseinheiten teilnehmen werden.
  • Folgende Spieler haben im 2. Preseason Game nicht gespielt:
    • DE Michael Bennett did not play for the second consecutive week.
    • SS Kam Chancellor (groin)
    • RB C.J. Prosise (hamstring)
    • WR Kevin Smith (hamstring)
    • RT J’Marcus Webb (knee).
  • Wie Carroll nach dem Spiel bestätigte, wird Thomas Rawls in der kommenden Woche voll ins Training integriert werden. Ob er bereits am nächsten Donnerstag im 3. Preseason Game zum Einsatz kommen wird, ist fraglich.
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