Recap: Preseason 2016 (Week 1) – Seahawks @ Chiefs

Auf die Freude, dass es endlich wieder NFL-Football zu sehen gibt, folgt meistens im ersten Spiel der Preseason die Ernüchterung, dass es eben doch nur ein Testspiel mit geringer Bedeutung und Aussagekraft ist. Doch der 17:16-Sieg per Hail Mary und Two-Point Conversion der Seattle Seahawks über die Kansas City Chiefs am Samstagabend im Arrowhead Stadium lieferte dann doch noch ein paar spektakuläre Bilder und diverse Erkenntnisse.

Wir wollen an dieser Stelle vor allem einen Teil der Fragen beantworten, die wir uns in der Vorschau gestellt haben und damit einen ersten Eindruck liefern, was uns in der anstehenden Regular Season erwarten könnte:

  • Konnten die Rookies in ihrem ersten Test einen guten Eindruck hinterlassen?
    Wie immer – es gab positive und negative Eindrücke. QB Trevone Boykin, WR Tanner McEvoy, S Tyvis Powell, G Rees Odhiambo und G Germain Ifedi hinterließen beispielsweise einen recht ordentlichen Eindruck. Weniger gut lief es bei WR Montario Hunter und RB Troymaine Pope, die beide als Returner unglücklich aussahen. Fakt ist, dass alle nur wenig Spielzeit bekommen, in dieser sollte der Eindruck sitzen. Das gelingt logischerweise nicht immer, weshalb Beobachtungen aus einem einzelnen Spiel noch lange nicht endgültig sein können.
  • Wie sah die Startformation in der O-Line aus?
    Zu Beginn liefen folgende fünf Spieler auf: LT Bradley Powell, LG Mark Glowinski, C Justin Britt, RG Germain Ifedi, RT Garry Gilliam.
  • Zeigte sich die neu formierte O-Line schon stabil genug, um den Quarterback zu schützen und das Laufspiel in Gang zu bringen?
    Die Starter konnten überzeugen. Russell Wilson war zu Beginn nicht gezwungen, sich auf die Flucht zu begeben und konnte mit zwei kurzen Pässen beweisen, dass die Chemie mit Doug Baldwin unverändert gut ist. Und auch die Laufwege für Christine Michael waren gut freigeblockt. Das ist der erste Eindruck von den vermeintlichen Stammspielern. Es ist nur ein erster – vorsichtiger Optimismus ist geboten.
    Als die zweite Unit aufs Spielfeld kam, wurde es abenteuerlich. Die verschiedenen Kombinationen später im Spiel waren alle nicht wirklich effizient. Am negativsten fielen Rookie-Tackle George Fant und Veteran-Neuzugang Jahri Evans auf. Während das bei einem jungen Spieler, der sich noch stark entwickeln muss, kein Problem ist, sorgt es bei Evans schon mehr für Stirnrunzeln. Der erfahrene Guard wurde gleich oft wie der Rookie in der Pass Protection geschlagen und verlor im Run Blocking den Faden. Vielleicht lässt es sich damit erklären, dass Evans aktuell noch am Lernen des neuen Systems ist. Fest steht aber, so gut die Starter am Samstagabend aussahen, so schwach war das, was die Backups lieferten. Sie benötigen noch viel Spielzeit.
  • Kann RB Christine Michael den guten Eindruck vom Ende der vergangenen Saison bestätigen und Last vom von einer Verletzung zurückkehrenden Thomas Rawls nehmen?
    Michael machte ein starkes Spiel. Er hatte vor allem im 1. Quarter viel Arbeit und erlief in sieben Carries 44 Yards, das macht 6,3 Yards pro Laufversuch. Dabei zeigte er Athletik, Spritzigkeit und Beweglichkeit, als er durch kleine Lücken lief und gleichzeitig beschleunigte. Vor allem Michaels neu erlangte Geduld als Runner zeigte, dass er in den vergangenen Monaten weiter gereift ist. Er wartete auf Lücken und traf dann die richtigen. Es scheint, als wolle der Runningback es nicht alleine Thomas Rawls überlassen, die Seahawks im Laufspiel übers Feld zu führen.
  • Welcher junge Receiver macht auf sich aufmerksam?
    Tanner McEvoy. Der Rookie hatte zwar nicht viele Snaps, doch im letzten Drive nutze er seine Chance. Zunächst fing er einen Pass über 32 Yards von Boykin, um dann mit fünf Sekunden auf der Uhr beim Hail Mary-Pass mit dem Ball in den Händen auf dem Boden zu landen.
    Die Seahawks haben an Größe zugelegt, das sticht heraus. McEvoy ist 1,98m groß, Kenny Lawler und Douglas McNeil haben 1,90m und 1,91m. In der Red Zone könnten die drei Receiver gemeinsam mit Tight Ends wie Jimmy Graham und und Nick Vannett die Lufthoheit erringen.
  • Ist die D-Line das Prunkstück der Seahawks?
    Die Tiefe im Aufgebot gefällt. Während die etablierten Starter es ruhig angehen ließen, sorgten die Backups für Trubel. Cassius Marsh und Frank Clark überzeugten schon in der Preseason 2015, konnten die Leistungen jedoch (auch wegen Verletzungen) nicht in die Regular Season übertragen. Am Samstagabend waren beide stark. Insgesamt sah die zweite Garde mit Marsh, Jarran Reed, Brandin Bryant und Ryan Robinson ordentlich aus.
  • Wer darf als Cornerback Nummer zwei neben Richard Sherman ran?
    Die Secondary lieferte wenige Erkenntnisse. Undrafted Rookie Free Agent Tyvis Powell zeigte, dass er in den 53er-Kader gehört, hinter Earl Thomas und Kam Chancellor ein verlässlicher Backup sein und in den Special Teams eine wichtige Rolle spielen kann. Außerdem sorgte er für die einzige Interception der Seahawks.
    Bei den Cornerbacks war das Bild oft ein bekanntes. Tharold Simon ist weit entfernt davon, Starter neben Richard Sherman zu werden. Dagegen sprechen beispielsweise immer wieder Strafen oder Fehleinschätzungen brandgefährlicher Situationen. Simon hatte eine Interception so gut wie sicher, ließ den Ball aber dann aus den Händen gleiten, was beinahe zu einem Chiefs-Touchdown geführt hätte. Hinzu kommt, dass der Verteidiger sich in seinem vierten und einem Vertragsjahr befindet und zwei von drei Saisons auf der Injured Reserve-Liste verbrachte. Es muss jetzt zeigen, dass er es kann.
    Starter als Cornerback war am Samstagabend zunächst Jeremy Lane und anschließend DeShawn Head (Lane auf Nickel). Lane fiel einmal auf, als er Chiefs-WR Jeremy Maclin bei einem Scrambling-Versuch von QB Alex Smith aus den Augen verlor.
  • Wer hat im QB-Duell um den Backup-Platz hinter Russell Wilson die Nase vorne – Trevone Boykin oder Jake Heaps?
    Trevone Boykin war effizienter und sorgte per Hail Mary-Pass für die späte Entscheidung. Jake Heaps dagegen erwischte mit nur 3/10 und 33 Yards einen schwachen Abend. Rookie Boykins zeigte, dass er auch zu Fuß gut unterwegs ist, wenn er unter Druck gerät. Er beendete das Spiel mit 21 Yards bei drei Carries und im Passspiel 16/26 für 188 Yards. Nach der ersten Preseason-Partie hat Boykin klar die Nase vorne, doch es folgen noch drei weitere.

Weiter geht’s in dieser Woche noch mit Training Camp und in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ab 3 Uhr mit dem Preseason-Heimspiel gegen die Minnesota Vikings. Auch dann informieren wir Euch wieder.

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