Recap: 2025 Playoffs (Divisional Round) – 49ers @ Seahawks

2025 Playoffs San Francisco 49ers Seattle Seahawks Week Divisonal Round

Endlich wieder Playoff-Football in Seattle! Nach dem letzten Playoff-Heimspiel der Seahawks 2020, was leider wegen Corona ohne Fans stattfinden musste, kommen wieder die San Francisco 49ers ins Lumen Field. Samstagabend, 17 Uhr Ortszeit, Flutlicht, volles Haus, super Stimmung – und es geht um alles. Was will man denn mehr als Football-Fan? Richtig: Ein Seahawks-Team, was genau so gut drauf ist, wie es sich in Realität gerade darstellt!

Nachdem die Seahawks in den letzten beiden Saisonspielen den Nummer 1-Seed in der NFC klar gemacht und sich damit dem Heimvorteil in den gesamten Playoffs sowie eine freie erste Runde erspielt hatten, stand nach der Wild Card Round fest, dass man es wie schon in Woche 18 mit den 49ers zu tun bekommen würde. Das Matchup der beiden Star-Head Coaches Mike Macdonald und Kyle Shanahan fand also seine nächste Runde. Doch die Headline des Spiels war von Anfang an eine andere: Wie würde sich Sam Darnold schlagen? Der Erstrundenpick, der noch nie ein Playoff-Spiel gewonnen hat? Am Donnerstag dann die zusätzliche Verwirrung: Sam Darnold ist angeschlagen, hat sich die Bauchmuskeln gezerrt und es ist fraglich, ob er überhaupt spielen kann. Es stellte sich schnell heraus: Das kann er. Und wie.

Das Spiel:

Der Start des Spiels im Lumen Field musste um 20 Minuten nach hinten verschoben werden, weil das Playoff-Duell zwischen den Buffalo Bills und den Broncos in Denver in die Verlängerung ging. Die Partie begann dann direkt mit einem Banger für die Seahawks, denn WR Rashid Shaheed trug den Kickoff einfach zum Touchdown in die Endzone! Auf der anderen Seite war es dagegen sofort Zeit für die „Dark Side“, denn der Seahawks-Defense gelang der Turnover-on-downs gegen die 49ers, bevor K Jason Myers die Führung mit einem Field Goal ausbaute. Lange durfte sich die 49ers-Offense um QB Brock Purdy nicht über den Ball freuen, denn LB Ernest Jones riss TE Jake Tonges den Ball aus den Händen, bevor S Julian Love den Fumble sicherte. Der folgende Drive der Seahawks-Offense ging bis in die Redzone, wo QB Sam Darnold sein Lieblingsziel WR Jaxon Smith-Njigba in der Endzone zum Touchdown fand.

Im ersten Drive des zweiten Viertels gelang dann auch den 49ers endlich Zählbares, und zwar ein Field Goal von K Eddie Pineiro. Offensiv fiel beiden Seiten im Anschluss nicht ein. Die 49ers bewegten den Ball zwar gut, aber es reichte nur für ein weiteres Field Goal durch Pineiro. Mit 4 Minuten und 30 Sekunden auf der Uhr bis zur Halbzeit bekamen die Seahawks wieder den Ball. Mit solidem Laufspiel bewegte die Kubiak-Offense den Ball effektiv bis in die Redzone, wo RB Ken Walker den Handoff bekam und den Ball aus wenigen Yards in die Endzone lief. Den 49ers gelang bis zur Halbzeit dann nichts mehr.

Obwohl die 49ers den Ball nach der Halbzeit bekamen, konnte Purdy nichts damit machen und wurde stattdessen bei 4th Down von DT Leonard Williams gesackt. Darnold und Co. kontrollierten den Ball ihrerseits extrem cool, machten sich auf den Weg in die Redzone und bauten den Vorsprung durch einen Myers-Kick auf drei Touchdowns aus.

Und im vierten Viertel hieß es von Anfang an nach dem Motto: Kyle, wer ist dein Vater? Mike Macdonald! Und so kam Mike Macs-Defense wieder aufs Feld, und zwar, um den Ball von Brock Purdy durch eine Interception von LB Ernest Jones abzufangen! Grund genug für Seattle, sich den Ball mit Darnold, WR Cooper Kupp und Walker zu schnappen, der den Turnover wenig später zum nächsten Touchdown in die Endzone lief. Schön war daran, dass die 49ers mit Purdy weiter unfassbar zahlos waren. So folgte der nächste Stopp bei 4th Down und wenig später der dritte Touchdown von Walker! Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel schon zu Ende, doch, weil die Uhr noch weiterlaufen musste, hatte Seattles-Defense weiter Bock und organisierte einen Strip-Sack durch DE DeMarcus Lawrence. Danach setzten beide Teams dann ihre Starter auf die Bank und brachten die Ersatzspieler.

Die Highlights:

Opening-Kickoff: Rashid Shaheed to the house!!!

Die Seahawks waren heiß wie Frittenfett und Sam Darnold’s Arm war fit, denn so fand er JSN zum Touchdown in der Endzone.

K9 for Six! Und so bauen die Seahawks kurz vor der Halbzeit den Vorsprung weiter aus.

Welcome to the Dark Side! Die Seahawks-Defense fängt in Person von Ernest Jones den Ball von Purdy ab.

Ken Walker ist am Start und macht K9-Sachen. In diesem Fall Touchdowns erlaufen.

Was ist besser als zwei Ken Walker-TDs? Genau! Drei.

Tank (Lawrence) mit dem Strip-Sack und (Nick) Demonwori mit der Fumble-Recovery.

Das Wichtigste:

  • Seahawks-RB Ken Walker III: Ein unfassbares Spiel von Ken Walker. 19 Carries für 116 Yards, also über 6 Yards pro Spielzug. Drei Touchdowns, ein echter Hattrick. Eine Run Success Rate von über 63%. Nur ein einziger Tackle for Loss. Und insgesamt neun explosive Läufe über fünf Yards. Die Offensive Line mit Verstärkung durch die Receiver und Tight Ends gab Walker genau das, was er brauchte: Offene Run Lanes, die er blind traf, stets genug Raum um den Ball sicher zu bewegen und das Selbstvertrauen, auch mal etwas auszuprobieren. Walker zahlte das Vertrauen heim und legte das wohl beste Spiel seiner Karriere auf. Ein toller Abend für den Running Back der Seahawks, der in der Regular Season nicht viele Läufe in der gefährlichen Zone bekam und so nur einen einzigen Touchdown erzielen konnte.
  • Seahawks-QB Sam Darnold: Was hatten wir alle Angst davor, wie sich die Bauchmuskelverletzung auf die Wurfleistung von Darnold auswirken würde… Stellt sich heraus: Gar nicht! Man konnte ihm in keiner einzigen Situation anmerken, dass er auch nur angeschlagen war. Servierte perfekte Pässe, unter anderem auf JSN in der Endzone, verteilte aber auch so den Ball gut. War auch tief ein paar mal unterwegs und vor allem in Play-Action wieder unschlagbar. Ein ganz runder, solider Auftritt, genau so hatten wir uns das vorgestellt. Wenn er diese Leistung wiederholen kann und weiter keine Fehler macht, ist dieses Jahr wirklich alles drin.
  • Die Seahawks-Defense: … und das liegt vor allem an der Defense. Schon wieder eine absolute Monsterleistung der gesamten Unit, die es schaffte, die 49ers über das komplette Spiel abzumelden. Direkt in den ersten beiden Drives gelang ein Strip Sack mit Return-Touchdown (der allerdings nicht zählte) sowie der erzwungene Fumble. Danach konnte man den Ball durch Turnover on Downs mehrfach mit kurzem Feld für die Offense zurückgewinnen, In der zweiten Hälfte ließ man keinen einzigen Punkt der 9ers zu. Trotz nur 10% Blitz Rate (Saison-Tiefstwert) konnte man in 47% der Plays Druck erzeugen (Saison-Höchstwert) – eine überragende Quote. Kyle Shanahan hat als Coach der 49ers in bald 150 Spielen nur vier mal weniger als sieben Punkte erzielt, zweimal davon im Januar 2026. The Dark Side rules the NFL. In weiteren Zahlen ausgedrückt: Zwei Interceptions, zwei Fumble Recoveries, fünf Sacks, kein Touchdown erlaubt.
  • 49ers-QB Brock Purdy war gegen die Seahawks einfach komplett auf der Flucht und musste im Backfield über 413 Yards vor Seattles Defense weglaufen!
  • RB Zach Charbonnet zog sich kurz vor der Halbzeit eine Knieverletzung zu und wurde in der Kabine untersucht. Es scheint nicht besonders schlimm zu sein, in der zweiten Halbzeit konnte man ihn wieder an der Sideline sehen, wie er gemütlich seine Runden auf dem Fitnessfahrrad drehte. Mike Macdonald sagte nach dem Spiel er sei optimistisch, endgültige Aufklärung werden aber wohl erst die Bilder vom MRT liefern.
  • LT Charles Cross musste im dritten Quarter raus mit einer Fußverletzung, auch er wurde in der Kabine untersucht. Bei ihm sagte Mike Macdonald, es sei eher eine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Man führte bereits komfortabel und wollte nicht riskieren, dass die Verletzung wieder aufbricht.
  • „That was probably the most complementary game we have played.“ Seahawks-HC Mike Macdonald über die Leistung, die sein Team an diesem Abend abgerufen hatte. Er sah das vermutlich kompletteste Spiel seiner Mannschaft in dieser Saison.

Das Fazit:

Das Verrückte ist: Es gehen einem die Superlative für dieses Team aus. Spätestens jetzt sollte der gesamten Liga klar sein, dass es gilt, die Seahawks zu schlagen. Spätestens mit diesem überzeugenden Auftritt sind die Seahawks vom Jäger zum Gejagten geworden. Der Weg zum Super Bowl in der NFC führt nicht nur physisch (das Spiel ist logischerweise im Lumen Field), sondern auch so durch Seattle. Die beste Defense der Liga schickt sich an, Geschichte zu schreiben. Und auch die Offense klickt. Laufspiel, Passspiel, Special Teams, heute gelang einfach alles. Dieser Sieg war nicht nur ein Sieg, dieser Sieg war ein Statement.

Egal ob es die Bears oder die Rams im NFC Championship Game werden: Die Karten für eine Super Bowl-Teilnahme sind hervorragend. Man ist das wohl kompletteste verbleibende Team, hat bisher keine Verletzungsprobleme und eine intakte Struktur. Man hört Cal Raleigh leise rufen: Might as well go win the whole f*ck**g thing!

Ausblick: Im NFC Championship Game empfangen die Seahawks am 25. Januar um 0.30 Uhr entweder die Los Angeles Rams oder die Chicago Bears – je nachdem welches Team das andere Divisional Round-Matchup gewinnt.