Preview: Regular Season 2019 (Week 6) – Seahawks @ Browns

Der Hype um die Cleveland Browns, er ist etwas abgeflacht in den vergangenen Wochen. Von der krachenden Niederlage der Dawgs bei den San Francisco 49ers aber sollten sich die Seattle Seahawks am Sonntag nicht blenden lassen. Als Team bekannt, das sich dem gegenwärtigen Niveau des Gegners anpasst, dürfen die Spieler von Head Coach Pete Carroll nicht den Fehler machen, die angezählten Browns als zahme Welpen abzutun.

Gerade deren in seiner Karriere oft angezweifelte Quarterback Baker Mayfield war immer dann am besten, wenn er sich unterschätzt fühlte. Wenn die Seahawks ihn ernst nehmen, die Skill-Spieler Odell Beckham Jr. und Nick Chubb sowie den Pass Rush um Miles Garrett unter Kontrolle halten können und den zweiten frühen Kickoff der Saison gut wegstecken, ist der beste Auswärts-Saisonstart (3-0) seit 1980 drin.

Zwei weitere allgemeine Stats, bevor es zum Injury Report und in die Matchup-Vorschau geht: Die Seahawks sind in der Franchise-Geschichte erst zweimal mit 5-1 gestartet – 2003 und 2013. Von den vergangenen 50 Auswärtsspielen gewann Seattle 30, verlor 19 und spielte einmal unentschieden bei den Arizona Cardinals.

Das Spiel:

  • Kickoff ist am Sonntagabend um 19 Uhr deutscher Zeit.
  • Austragungsort ist das FirstEnergy Stadium in Cleveland, Ohio (73.200 Plätze).
  • Übertragen wird die Partie über den NFL GamePass (hier 7 Tage kostenlos testen), bei DAZN und im bei ran im Livestream.
  • Schnellcheck: Cleveland Browns

Injury Report:

Guard Ethan Pocic (Rücken) wurde mittlerweile auf die Injured-Reserve-Liste gesetzt. Für ihn rückt Guard Jordan Roos aus der Practice Squad neu ins Team. Die O-Line am Sonntag aber wohl noch geschwächter ins Spiel gehen, denn am Einsatz von Left Tackle Duane Brown (Bizeps) und Right Guard D.J. Fluker (Oberschenkel) darf gezweifelt werden. Beide verletzten sich im Thursday-Night-Football-Spiel. Sie werden wohl von Tackle George Fant (in der Tight-End-Rolle wird für ihn vielleicht Tight End Jacob Hollister übernehmen, der wie Roos aus der Practice Squad kommt) und Guard Jamarco Jones ersetzt. Fraglich ist gegen die Browns nur Runningback Rashaad Penny (Oberschenkel), doch sein Auftauchen auf der Liste sollte nur formal sein.

Die Matchups:

Seahawks-QB Russell Wilson vs. Browns-Passverteidigung: Der Denker und Lenker der Seahawks spielte in den ersten fünf Spielen seiner achten Saison wie ein MVP: Passer Rating von 102 oder höher in jeder Partie, 73 Prozent Completions, zwölf geworfene Touchdowns, 1.400 Passing-Yards und null (!) Interceptions, sensationeller Playmaker. Sollte Wilsons Serie anhalten, könnte er in Week 6 seinen eigenen Record von 203 Pässen ohne Interception brechen (aktuell 174).
In Cleveland bekommt es Wilson unter anderem mit zwei Cornerbacks zu tun, die zuletzt verletzt fehlten. Die Starter Greedy Williams und Denzel Ward dürften ein Upgrade für die Secondary sein und wären sicher gerne die Spieler, die mit Wilsons erstem Pick der Saison in Verbindung gebracht würden. Dazu aber müssen sie fit sein (Einsatz fraglich) und dann auch noch Wide Receiver Tyler Lockett (und Deep Threat DK Metcalf) in den Griff bekommen. Der Nummer-eins-Passempfänger der Seahawks führt sein Team mit 30 Catches über fünf Spiele hinweg an und sorgte gegen die Los Angeles Rams mit einem Ballerina-Catch in der Ecke der Endzone für das Highlight der Runde. Nach etwa einem Drittel der Regular Season hat Lockett schon die Hälfte seiner Receptions aus der vergangenen Saison (57) gesammelt.
Besonders in der Redzone erwiesen sich die Seahawks bislang als extrem effizient, was sicher auch den von Offensive Coordinator Brian Schottenheimer angesagten Spielzügen kurz vor der gegnerischen Endzone zu verdanken ist. Bei 13 von 17 Besuchen in der Redzone (76,5 Prozent) schaffte Seattle einen Touchdown, das ist Liga-Bestwert, innerhalb der gegnerischen zehn Yards waren sogar acht von neun Anläufen erfolgreich. Bei dieser Quote gibt’s für Ward und Williams nicht viel zu picken – und für Seahawks-Kicker Jason Myers übrigens auch nicht viel zu kicken (nur fünf Kicks bislang).

Seahawks-Secondary vs. Browns-Passangriff: Am Mikrofon gibt sich Browns-Quarterback Baker Mayfield gewohnt selbstsicher, doch auf dem Spielfeld fehlt ihm aktuell das Selbstbewusstsein. Der Spielmacher führt in seinem zweiten Jahr die Liga an – wenn es um Interceptions geht (8). Unter Druck trifft er fatale Entscheidungen. Negativ-Highlight war Monday Night Football gegen die Niners Anfang der Woche, als Mayfield erstmals in seiner NFL-Karriere in einem Spiel keinen Touchdown-Pass warf. Für die Ballhawks um den nach seinem artistischen Pick gegen die Rams gefeierten Safety Tedric Thompson dürfte hier die ein oder andere Möglichkeit warten. Für den noch nicht bei 100 Prozent angelangten Pass Rush um die Defensive Ends Jadeveon Clowney und Ezekiel Ansah gilt das ebenfalls.
Dass Cleveland aktuell keinen Weg findet, seinen Star-Receiver Odell Beckham Jr. ins Passspiel einzubinden (nur vier Fänge für 47 Yards in den vergangenen zwei Partien), hilft dem jungen Browns-Quarterback gewiss nicht dabei, sich aus der Krise zu werfen. Immerhin ist Beckham-Kumpel Jarvis Landry mit 22 Receptions für 403 Yards halbwegs erfolgreich in die Saison gestartet.
Gegen San Francisco versuchten die Browns, OBJ mit kreativen Spielzügen besser einzubinden – darauf müssen die Seahawks gefasst sein. Clevelands Flucht vom Pass- ins Laufspiel um Nick Chubb (94 Carries, 485 Yards) muss Seattles Laufverteidigung derweil nicht fürchten. Zum einen sind Chubbs 5,2 Yards pro Lauf verzerrt durch einen 88-Yard-Lauf vor zwei Wochen gegen die Baltimore Ravens, zum anderen sind die Seahawks mit ihrer soliden Front Seven gegen den Lauf bestens aufgestellt, ließen bislang gegen keinen Runningback mehr als 69 Yards zu und kassierten in dieser Saison nur einen Lauf für mehr als 16 Yards.

Seahawks-O-Line vs. Browns-D-Line: Aller Voraussicht nach müssen die Seahawks in der O-Line (neben Left Tackle Duane Brown) auf Right Guard D.J. Fluker verzichten, der sich gegen die Rams am Oberschenkel verletzte. Sein Backup war am Donnerstag Tackle Jamarco Jones, der in seiner ersten echten Bewährungsprobe im zweiten Jahr gegen eine der besten D-Lines der NFL überraschend gut aussah. Er wird wohl Ethan-Pocic-Ersatz Jordan Roos vorgezogen, sollte Fluker nicht spielen können. Jones, Brown-Backup George Fant und Seattles gesamte O-Line müssen sich am Sonntag in der Pass Protection wohl primär mit Edge Rusher Myles Garrett beschäftigen, der 2019 bereits auf sieben Sacks kommt und damit in insgesamt 32 NFL-Spielen auf 27,5.
Geht’s um den Lauf, dürften Seattles Sorgen weichen, denn die Browns sind statistisch gesehen in der Laufverteidigung Liga-Bodensatz. 150,8 Yards pro Spiel laden den von Fumble-Problemen befreiten Seahawks-Runningback Chris Carson zum dritten 100-Yard-Spiel in Serie ein. Aber: Die schlechten Browns-Werte sind auch Resultat einer miserablen Vorstellung gegen San Francisco und demnach nur Momentaufnahme. Gegen die Rams im letzten Heimspiel kassierte Cleveland beispielsweise unter 100 Rushing-Yards. Eine Anpassung der Seahawks-Strategie basierend auf der Tagesform der Browns-Laufverteidigung ist erstrebenswert. Nicht wahr, Schotty?

X-Faktor Gegner nicht unterschätzen: Dieser Satz ist eine überstrapazierte Floskel, doch sie trifft hier eben zu. So vieles spricht am Sonntag für die Seahawks und gegen die Browns. Seattle mit Russell Wilson in der derzeitigen Verfassung zu schlagen, ist fast unmöglich. Aber für Cleveland wäre die Saison wohl vorbei, wenn das Team mit einem Record von 2-4 zu den New England Patriots reisen müssten – das und der Frust nach der heftigen 3:31-Niederlage bei den San Francisco 49ers in Week 5 macht sie gefährlich. Bedenkt man, dass die Seahawks sich in der Vergangenheit gerne dem Niveau ihrer Gegner anpassten und es dadurch oft unnötig spannend machten, ist eine enge Partie nicht mehr so unwahrscheinlich. Es könnte erstmals auf den bisher so wenig eingesetzten Kicker Myers ankommen.

Fazit:

Angeschossene Hunde treffen auf euphorisierte Fischadler. Es bleibt zu hoffen, dass der beschworene neue Spirit in der Kabine der Seattle Seahawks dafür sorgt, dass sich das Team von einem extrem wertvollen, aber eben auch auf einem verschossenen Field Goal des Gegners basierenden Sieg nicht blenden lässt. Grundsätzlich liegen die Vorteile nach Week 5 beim Team aus dem Pacific Northwest, doch sollten die Browns irgendwann den Rhythmus in ihrer Pass-Offensive finden, würde die Secondary der Seahawks als erste Positionsgruppe wackeln.

Prognose: Die Seahawks nehmen die weiterhin nicht eingespielten Browns wohl ernst, bleiben fokussiert und verlassen Ohio mit einem 27:21-Sieg im Gepäck.

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