Preview: Regular Season 2019 (Week 14) – Seahawks @ Rams

Zurück auf dem Gipfel der NFC West! Nach einem weiteren engen und nervenaufreibenden Sieg gegen die Minnesota Vikings stehen die Seattle Seahawks jetzt bei einer Saisonbilanz von zehn Siegen und zwei Niederlagen. Damit gehören sie vier Spieltage vor dem Ende der Regular Season nicht nur zu den fünf besten Teams der NFL und einem von vier Tabellenführern in den Divisions der NFC. Sie sind auch eines der beiden topgesetzten Teams der Conference. Am Ende der Regular Season wäre damit ein Playoffspiel vor heimischer Kulisse im CenturyLink Field – nach einer Bye Week.

Für das Team von Head Coach Pete Carroll liegt der Fokus zunächst auf der eigenen Leistung. Verlieren ist auch nach dem Monday-Night-Football-Erfolg weiterhin schlicht verboten. Die San Francisco 49ers, die nur wegen der Heimniederlage gegen Seattle auf den 5. Platz der NFC abgerutscht sind, warten auf einen Ausrutscher der Hawks. Aber: Die Niners haben in Woche 14 ein schweres Auswärtsspiel bei den New Orleans Saints im Kalender stehen und könnten den Anschluss im Rennen um den Heimvorteil und die Pause in der Wild-Card Round verlieren.

Die Mission “Vorsprung ausbauen” wird für die Seahawks aber auf dem Naturrasen des Los Angeles Memorial Coliseum alles andere als einfach. Auswärts ist Seattle zwar in der Saison 2019 noch ungeschlagen, doch Los Angeles ist nicht erst seit dem Einzug der innovativen Spielphilosophie von Head Coach Sean McVay, sondern schon über Jahre so etwas wie das Kryptonit von Russell Wilson. Drei der vergangenen vier direkten Duelle haben der Quarterback und seine Teamkollegen verloren, egal ob auswärts oder daheim. Insgesamt sieben von zehn Begegnungen seit dem Super-Bowl-Titel hat Seattle verloren. Eine tiefe Bilanz-Wunde, in die die Rams im Kampf um ihre eigene Playoffchancen am Sonntag gerne noch ein wenig mehr Salz streuen würden.

Die Seahawks hingegen würden sich wohl nur allzu gern für die schmerzhafte 17:42-Niederlage im Dezember 2017 revanchieren, die damals Playoff-Träume platzen ließ. Am frühen Sonntagmorgen droht dieses Schicksal nun den Rams.

Das Spiel:

  • Kickoff ist in der Nacht von Sonntag auf Montag um 2.20 Uhr deutscher Zeit.
  • Austragungsort ist das Los Angeles Memorial Coliseum in Los Angeles, Kalifornien (77.500 Plätze).
  • Übertragen wird die Partie per NFL GamePass (hier 7 Tage kostenlos testen) und bei DAZN.
  • Schnellcheck: Los Angeles Rams

Injury Report:

Auf Seiten der Seahawks verkleinerte sich die Verletztenliste, je näher das Wochenende rückte. Tight End Luke Willson, Linebacker Mychal Kendricks (beide Oberschenkel) und Tackle Duane Brown (Bizeps/Knie) trainierten unter der Woche nicht oder kaum. Bis auf Brown, bei dem der Einsatz nicht in Gefahr ist, planen die Seahawks wohl eher nicht mit den oben Genannten. Im Fall Kendricks dürfte so Rookie-Linebacker Cody Barton zu seinem ersten Einsatz von Beginn an kommen. Jedoch wird Seattle wohl auch vermehrt in der Nickel-Formation, also mit drei Cornerbacks, auflaufen (besonders sinnvoll gegen die Rams mit drei starken Passempfängern).

Tight End Jacob Hollister (Quadrizeps) sowie die beiden Defensive Ends Ziggy Ansah (Nacken) und Jadeveon Clowney (Hüfte) nahmen mindestens teilweise an den Einheiten teil. Hollister wird spielen, Ansah und Clowney sind fürs Wochenende fraglich. Laut Pete Carroll sieht es bei beiden gut aus, endgültige Bestätigung wird aber erst das Aufwärmen rund zwei Stunden vor Kickoff bringen.

Die Saison von Cornerback und Special Teamer Neiko Thorpe ist derweil beendet. Er wurde bereits an der Leiste operiert und geht auf die Injured-Reserve-Liste.

Die Rams mussten im Training ihrerseits auf Tight End Gerald Everett (Knie) und Tackle Andrew Whitworth (persönliche Gründe) verzichten. Ersterer wird sicher ausfallen. O-Liner Rob Havenstein (Knie) stand Head Coach Sean McVay hingegen eingeschränkt zur Verfügung. An seinem Einsatz darf gezweifelt werden.

Die Matchups:

Seahawks-Secondary vs. Rams-WRs: Das dreiköpfige Passempfänger-Monster auf den Seiten der Rams hört auf die Nachnamen Kupp, Woods und Cooks. Alleine die drei Wide Receiver haben in der Spielzeit 2019 insgesamt Pässe für 2.238 Yards und sieben Touchdowns gefangen. In der Breite versucht Quarterback Jared Goff zunächst in jedem Spiel die Bälle gleichmäßig bei seinen drei Lieblingsanspielstationen anzubringen. Immer klappt dies aber nicht, was dann dazu führen kann, dass einer aus dem Trio eben heraussticht – so wie Robert Woods, der in Woche 13 gegen die Arizona Cardinals sage und schreibe 172 Passing-Yards sammelte. Das Resultat: Mit 7,5 Yards pro Pass und 275,4 Yards pro Spiel stehen die Rams hier in den Top-Fünf der NFL. Dem gegenüber steht in Week 14 eine Seahawks-Secondary, die die 12s in den vergangenen Wochen zumindest ein bisschen von den guten alten “Legion of Boom”-Zeiten haben träumen lassen. Mit elf Interceptions und 16 aufgenommenen Fumbles ist Seattles Verteidigung aktuell Spitze in Sachen Ballgewinne in der gesamten NFC.
Der Schalter, der die Mannen von Defensive Coordinator Ken Norton Jr. wieder zu einer Elite-Truppe werden ließ, hat einen Namen: Quandre Diggs. Seitdem der Free Safety nach seinem Trade gegen die Niners erstmals fit auf dem Feld stand, scheinen die Rädchen im Getriebe der die Secondary richtig sauber ineinanderzugreifen. Während Strong Safety Bradley McDougald jetzt einen zuverlässigen Rettungsfallschirm gegen gegnerische Wide Receiver hinter sich weiß, kann er sich mehr auf die Laufverteidigung konzentrieren. Die beiden jungen Cornerbacks, Shaquill Griffin und Tre Flowers, können sich ihrerseits in der Deckung auf den erfahrenen, ehemaligen Team-Kapitän der Detroit Lions verlassen. Genau das ist in Spielen gegen Teams wie die Rams bitter nötig, weil die Verteidigung der Seahawks ligaweit nur auf Rang 24 rangiert.

Seahawks-RBs Chris Carson und Rashaad Penny vs. Rams-Front-Seven: Achtung! Die Seahawks haben jetzt auch einen offiziellen Glückspfenning. Nur das der Penny in Seattle nicht aus Kupfer ist, sondern auf den Vornamen Rashaad hört. In den vergangenen zwei Wochen rief der Erstrundenpick aus 2018 endlich sein ganzes Potenzial ab. Gegen Philadelphia erlief der Runningback 129 Yards und einen Touchdown – so viel wie kein Tailback der Hawks in den vergangenen drei Jahren. Im Flutlichtduell mit Minnesota waren es “nur” 107 kombinierte Yards (zwei Touchdowns), weil Chris Carson ebenfalls heiß lief. Insgesamt erlief das Duo gegen eine der besten Laufverteidigungen der Liga 176 Yards. Nach den Eagles und den 49ers war es das dritte Mal in Serie, dass das Laufspiel von Offensive Coordinator Brian Schottenheimer eine Top-Laufverteidigung dominierte. Neu ist allerdings: Mit Penny und Carson lauert bei den Hawks jetzt offenbar ein echter One-Two Punch hinter der O-Line.
Und genau die hat bei den Rams vor allem ein Spieler im Fokus: Aaron Donald. Der Defensive Player of the Year 2018 ist generell eine Urgewalt, doch gegen den Rivalen aus dem Pacific Northwest scheint er immer noch einen Tick motivierter. Der Beweis: Vor der Saison 2019 stufte Pro Football Focus (PFF) den Defensive End in Spielen gegen Seattle dank 28 Quarterback-Hits und Sacks mit einer Note von 94,8/100 ein. Gegen kein Team stand Donald besser da. Dazu ist die Front Seven der Rams durch Spieler wie Clay Matthews, Dante Fowler Jr. und Michael Brockers mit viel Qualität gespickt. Mit 104,2 zugelassenen Rushing-Yards pro Spiel liegt LA in der NFL auf dem 12. Platz. Entsprechend knackig ist die Aufgabe für Seattles Runningback-Duo am Sonntagabend.

Seahawks-Pass-Rush vs. Rams-O-Line: Eines der Prunkstücke der Rams auf dem Weg in den Super Bowl 53 war die O-Line. Nicht nur, dass die dicken Jungs exzellent für Runningback Todd Gurley blockten, sie erkauften Quarterback Jared Goff im Passpiel auch jede Menge Zeit. Am Ende sorgte das fast für rekordverdächtige Offensivstatistiken. Kaum ein Jahr später scheint der Zauber aber weitestgehend verflogen. So zeigt sich 2019 der Verlust von Guard Roger Saffold, der in der Offseason als Free Agent zu den Tennesse Titans ging, und das Alter der verbliebenen Spieler. Während sie 2018 für das ligaweit drittbeste Laufspiel (2231 Yards) blockte, landet die Positionsgruppe aktuell nur auf Rang 25.
Das heißt für Goff, dass er im Passpiel mehr auf sich alleine gestellt ist. Und obwohl der Quarterback bisher lediglich 33 Mal (Russell Wilson 51 Mal) gesacked wurde, sorgte der Druck der gegnerischen Pass Rusher für überdurchschnittlich viele Quarterback-Hits (73) und zwölf Interceptions. Damit liefert Los Angeles Zahlen, die Seahawks-Defensive-End Jadeveon Clowney ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürften. Wie die gesamte Defense zeigte auch der Pass Rush der Seahawks in den vergangenen drei Wochen die Qualität, die Head Coach Pete Carroll und General Manager John Schneider sich von ihren Spielern erhoffen. So war Clowney gegen die 49ers eine Macht, während Ziggy Ansah gegen die Eagles 1,5 Sacks sammelte und Rasheem Green in Philly und gegen die Vikings für zwei Fumbles sorgte. Dazu zeigte auch Shaquem Griffin in den vergangenen Wochen, dass er mit seiner Geschwindigkeit die gegnerischen Tackles vor knifflige Aufgaben stellen kann. Auf ähnliche Resultate hofft das Pass-Rush-Quartett inklusive D-Line-Kollegen deshalb wohl auch gegen die Rams.

X-Faktor Primetime-Seahawks: Zu sagen, dass die Seahawks Lampenfieber haben ist alles, aber nicht übertrieben. Denn wenn die Flutlichter in den Stadien der NFL angehen und Millionen Fans in den USA und rund um den Erdball zuschauen, dann ist das Team aus dem Pacific Northwest – fast – unantastbar. Seit Pete Carroll das Team im Jahr 2010 übernommen hat, steht Seattle bei einer unglaublichen Primetime-Bilanz von 28 Siegen bei nur fünf Niederlagen und einem Unentschieden. (Carroll kann in Week 14 übrigens den 100. Sieg seiner Karriere als Seahawks-Cheftrainer feiern, Russell Wilson kann mit Rekordhalter Tom Brady gleichziehen, der in seinen ersten acht NFL-Spielzeiten 86 Siege holte.)
Beim Blick auf die Spiele zur besten Sendezeit im Monat Dezember ist Seattle mit Quarterback Russell Wilson am Ruder seit neun Jahren sogar wirklich unschlagbar. Die Bilanz: 8-0! In der aktuellen Saison standen für die Hawks bisher drei Spiele unter Flutlicht auf dem Programm. Das jüngste gegen die Vikings (37:30) gewannen sie ebenso wie den Overtime-Thriller in San Francisco (27:24) und das Heimspiel gegen die Rams (30:29) in Week 5. Ein gutes Zeichen?

Fazit:

Sicher ist nur eins: Verlieren die Seattle Seahawks nicht gegen die Los Angeles Rams, ist die Playoff-Teilnahme sicher! Denn bei einem Sieg oder einem Unentschieden wären Russell Wilson, Bobby Wagner und Co. nicht mehr von einem der ersten sechs Plätze in der NFC zu verdrängen. Und welcher Zeitpunkt wäre da besser, den Erzrivalen aus der Stadt der Engel quasi selbstsicher aus der Postseason zu kicken, als der, an dem der Zauber von Sean McVay erstmal verfolgen zu sein scheint. Ausgerechnet beim Super Bowl-Finalisten aus dem letzten Jahr wird gerade im Laufspiel (94,2 Yards pro Spiel, 25. Rang in der NFL) und bei Spielmacher Jared Goff noch der Lombardi-Blues gespielt. Während sich in Seattle das junge Team hingegen erst jetzt richtig gefunden zu haben scheint. Mit der drittbesten Offensive der gesamten Liga und einer stabilisierten Defense hat man sich zu einem echten Anwärter auf einen Trip nach Miami gemausert. Und das soll auch vor Woche 15 so bleiben.

Prognose: Entspannt können die Seahawks einfach nicht und so wird es auch gegen die Rams wieder chronisch spannend. Am Ende reicht es für Seattle aber zu einem knappen 24:21-Sieg.

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