Preview: Regular Season 2018 (Week 16) – Chiefs @ Seahawks

Noch vor wenigen Wochen malten sich so manche Fans der Seattle Seahawks ein entspanntes Spiel gegen die Kansas City Chiefs aus. Im Optimalfall hätten die Gegner aus Missouri sich bereits das First-Round Bye gesichert, damit keinen Grund in Bestbesetzung zu spielen und auch die Seahawks ihr Playoff-Ticket bereits klar gemacht. Weil es dazu aber auf beiden Seiten nicht kam, kommt es in der Nacht von Sonntag auf Montag zu einem hochattraktiven Spiel. Vielleicht wird im CenturyLink Field schon ein Hauch von Playoff-Football zu verspüren sein, denn für beide Mannschaften steht etwas auf dem Spiel. Die Chiefs (11-3) von Head Coach Andy Reid laufen nach ihrer äußerst knappen Niederlage gegen die Los Angeles Chargers Gefahr, mit einer weiteren in die Wild-Card-Plätze abzurutschen, während die Seahawks zeigen können, dass sie auch einen Topfavoriten auf den Super Bowl bezwingen und damit die Playoffs nach der Niederlage der Washington Redskins Samstagnacht klar machen können.

Die beste Offensive der NFL um MVP-Anwärter Patrick Mahomes, der eine herausragende Saison spielt, kommt nach Seattle und wird eine vielleicht noch schwierigere Aufgabe für die Defensive der Seahawks darstellen, als noch die Offensive der Rams. Da ist es nur gut, dass die Seahawks in Russell Wilson auch einen Top-Quarterback haben, der auf eine der schwächsten Defensivreihen der NFL trifft und in der Prime Time meist eine starke Performance zeigte.

Das Spiel:

  • Kickoff ist in der Nacht von Sonntag auf Montag (Heiligabend) um 2.20 Uhr deutscher Zeit.
  • Austragungsort ist das CenturyLink Field in Seattle, Washington (67.000 Plätze).
  • Übertragen wird die Partie auf DAZN mit deutschen Kommentatoren sowie über den NFL GamePass.
  • Schnellcheck: Kansas City Chiefs

Injury Report:

Die Matchups:

Seahawks-Secondary vs. Chiefs-Offensivfeuerwerk: In fast allen Kategorien führt die Offensive der Chiefs die Liga an. Auch in der wichtigsten: 35,6 Punkte erzielt sie im Schnitt pro Spiel. Dank einer starken Offensive Line, einem kreativen offensiven Scheme rund um einen jungen Quarterback und überragenden Spielern auf den Skill-Positionen macht diese Unit Woche für Woche gegnerischen Defensivreihen das Leben schwer. Patrick Mahomes ist eine ernster Anwärter auf den MVP-Award, was seine beeindruckenden Zahlen untermauern. 45 Touchdowns stehen elf Interceptions gegenüber. Darüber hinaus komplettiert der Sophomore knapp 70 Prozess seiner Pässe für 4.543 Yards. Dass er bereits in seiner zweiten Saison solch beeindruckende Zahlen vorweist, hätte wohl kaum jemand erwartet. Gerade gegen die unsichere Secondary der Seahawks kann das jedem Fan nur Bauchschmerzen bereiten und es ist zu hoffen, dass sich Pete Caroll und Defensive Coordinator Ken Norton etwas einfallen lassen, um das Offensivfeuerwerk aus Kansas City zu löschen.
Nachdem Seattle sich im vergangenen Spiel fast nur darauf konzentrieren musste, George Kittle aus dem Spiel zu nehmen, sind es diesmal gleich mehrere Playmaker, die es zu verteidigen gilt. Zunächst wird auf die Safetys und Linebacker die schwierige Aufgabe zukommen, Travis Kelce, den besten Tight End in dieser Saison, zu covern. Zehn Touchdowns und über 1.200 Receiving-Yards unterstreichen seine herausragende Rolle in Andy Reids Offensive. Dazu hat sich Wide Receiver Tyreek Hill in seinem dritten Jahr zu einem Top-Receiver entwickelt. 1.304 Yards und elf Touchdowns hat er vorzuweisen. Er scheint ein perfektes Matchup als kleiner und sehr wendiger Receiver gegen die großen Cornerbacks der Seahawks zu sein. Man mag sich kaum vorstellen, wenn der noch junge Tre Flowers ihn eins zu eins verteidigen muss. Hill ist immer für ein Big Play gut (16,7 Yards pro Catch) – und auch als Returner gefährlich.
Die Abstinenz von Runningback Kareem Hunt, der vor wenigen Wochen entlassen wurde, macht sich im Übrigen kaum bemerkbar, da die beiden Backups Spencer Ware (angeschlagen) und Damien Williams ihn problemlos ersetzen konnten und die Chiefs sowieso eine passlastige Offensive haben.
Hoffnung macht, dass Mahomes in den wichtigsten Spielen in dieser Saison seine Mannschaft nicht zum Sieg führen konnte und aufgrund seiner aggresiven Spielweise immer mal wieder für einen haarsträubenden Fehler gut ist.

Seahawks-O-Line vs. Chiefs-Pass Rush: Was aufgrund der starke Offensive etwas untergeht ist, dass die Chiefs einen sehr gefährlichen Pass Rush haben. Defensive Tackle Chris Jones, der in seinem dritten Jahr ist, ist zwar nicht jedem NFL-Fan geläufig, spielt aber eine unheimlich starke Saison. Er gehört zu den Spielern, die zu Unrecht einer Pro Bowl-Teilnahme beraubt wurden, weil sie noch keine solch hohe Reputation wie vielleicht andere Spieler haben. So hatte auch ich fälschlicherweise in der Preview in der vergangenen Woche angegeben, dass DeForest Buckner von den San Francisco 49ers der Defensive Tackle mit den zweitmeisten Sacks sei. Tatsächlich ist aber Jones derjenige und kommt bereits auch vierzehn Sacks. Ein unglaublich starker Spieler, der nach einer von Verletzungen geprägten Saison 2017 nun endlich den Durchbruch geschafft hat. Es ist zu hoffen, dass Guard D.J. Fluker wieder rechtzeitig fit wird, denn nach der Leistung von Backup Ethan Pocic möchte man ein solches Matchup auf keinen Fall sehen.
Auf die beiden Tackles der Seahawks kommt auch eine schwierige Aufgabe zu, denn sie müssen die beiden Outside-Linebacker Dee Ford (11,5 Sacks) und Justin Houston (6,5 Sacks) zurückhalten.

Seahawks-QB Russell Wilson vs. Chiefs-Secondary: Der Schlüssel zum Sieg wird Quarterback Russell Wilson sein. Er muss mit der Offensive der Chiefs mithalten und mit seiner Unit wahrscheinlich mehr als 30 Punkte für einen Erfolg aufs Board bringen. Gerade gegen den Pass waren die Chiefs bisher anfällig und die Secondary, die in den ersten 14 Spielen ohne Eric Berry auskommen musste, hatte gegen gute Quarterbacks kaum etwas entgegenzusetzen. Blöd nur, dass Berry gegen die Los Angeles Chargers in der vergangenen Woche sein Saisondebüt feierte. Er wurde zwar nur in der ersten Halbzeit eingesetzt, hinterließ aber dennoch Eindruck. Mit ihm in der Secondary wurden die Chargers in Hälfte eins bei sieben Punkten gehalten, während ohne ihn in Hälfte zwei 22 Punkte zugelassen wurden. Berry wird wohl gegen die Seahawks schon mehr Einsatzzeit bekommen.

X-Faktor Rückkehrer: Gegen die starke Passoffensive der Chiefs braucht Seattle Safety Bradley McDougald, der sich in Week 15 bei den San Francisco 49ers am Knie verletzte. Darüber hinaus könnten Right Guard D.J. Fluker und Linebacker K.J. Wright von ihren Verletzungen zurückkommen. Der Einsatz dieser drei Spieler ist fraglich (Wrights Auflaufen ist am wahrscheinlichsten) – doch es wird sie brauchen, um die Partie zu gewinnen.

Fazit:

Vieles spricht gegen die Seattle Seahawks. Gegen solch starke Teams konnte das Team aus dem Pacific Northwest zuletzt zwar immer bis zum Schluss mithalten, aber nie – und das ist eben entscheidend – gewinnen. Doch mit den Fans im Rücken und einem hoffentlich hervorragend aufgelegten Russell Wilson ist ein Sieg trotzdem definitiv im Bereich des Möglichen. Dafür müssen alle drei Einheiten der Seahawks auf ihrem höchsten Niveau spielen. Die Special Teams dürfen sich keine Fehler erlauben, die Defensive muss den Kansas City Chiefs möglichst unter 35 Punkten halten und Brian Schottenheimers Offense muss abliefern.

Prognose: Die Seahawks gewinnen knapp mit 34:30.

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