12 Fragen, die vor Week 4 der Preseason 2019 gestellt werden müssen

In Week 4 dürfen die Seattle Seahawks zum Abschluss der Preseason nochmals zu Hause im CenturyLink Field ran, bevor es ernst wird. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 4 Uhr deutscher Zeit sind die Oakland Raiders zu Gast. Im ersten Aufeinandertreffen seit London 2018 kommen dann wohl nur noch Reservisten, Rookies und Spieler, die um ihren Platz im Team kämpfen, zum Einsatz. Die Etablierteren pausieren in der Regel, weil sie sowieso schon fest zum Aufgebot gehören. Nach dem Spiel bleiben Head Coach Pete Carroll und General Manager John Schneider nur noch wenige Stunden, um den Kader von 90 auf 53 Mann zu reduzieren.

Welche Fragen stellen wir uns vor Week 4 der Preseason 2019?

  • Kann ein Backup-Quarterback sich im letzten Testspiel noch einen entscheidenden Vorsprung verschaffen?
    Der Zweikampf zwischen Paxton Lynch und Geno Smith ist heiß gelaufen und wird wohl erst kurz vor Ende der Preseason entschieden. Beide zeigten unter Wettkampfbedingungen, dass sie durchaus in der Lage sind, das Team in die Endzone zu führen, deutlich absetzen konnte sich aber bislang keiner. Deshalb bekommen beide in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nochmals viel Spielzeit.
  • Wer schnappt sich den Nickel-Starter-Spot im Kader?
    Nachdem Kalan Reed unter der Woche auf die Injured-Reserve-Liste gesetzt wurde, sind nur noch drei Kandidaten übrig – Jamar Taylor, Akeem King und Ugo Amadi. Taylor und Amadi scheinen aktuell die besseren Aussichten zu haben, wobei Head Coach Pete Carroll bereits andeutete, in bestimmten Formationen möglicherweise auch mit zwei Nickelbacks spielen zu wollen. Amadi ist unabhängig davon, ob er die Rolle gewinnt, sicher im Kader, weil er auch als Returner und auf Safety eingesetzt werden kann.
  • Kann Defensive Back DeShawn Shead seine Rolle in der Secondary untermauern, sodass er uncutbar ist?
    Die Situation ist schwierig. Der 30 Jahre alte, erfahrenere, teurere und verletzungsanfälligere Shead oder der 23 Jahre junge, aufstrebende, günstigere Lano Hill – für wen sollen sich die Trainer entscheiden, wenn es um einen der letzten Safety-Plätze im 53-Mann-Aufgebot geht? Möglicherweise sind Sheads Chancen auf Cornerback größer, da dort die Kadertiefe geringer ist.
  • Rettet sich Linebacker Shaquem Griffin mit einem soliden Auftritt vor der Entlassung?
    Der Bruder von Cornerback Shaquill fehlte zuletzt länger wegen einer Knochenprellung, war aber in den Special Teams in der Preseason bislang eine Bank. Vielleicht sichert ihm genau das den Kaderplatz, was wiederum den Weg in die Practice Squad für Ben Burr-Kirven bedeuten würde. Der Local Hero hinterließ in den Special Teams keinen guten Eindruck.
  • Welcher Backup-D-Liner bewirbt sich nochmals mit guter Leistung um einen Platz in der Rotation?
    Branden Jackson war zuletzt arg im Aufwärtstrend. In Week 3 der Preseason verbuchte er als einziger Seahawk einen Sack. Nach drei Jahren, in denen Jackson den Cut jeweils nicht überstand, dürfte er sich mit einer ähnlich starken Performance wie gegen die Minnesota Vikings vor knapp einer Woche einen Kaderplatz sichern. Viel Spielraum für personelle Wechsel gibt es in der Verteidigungslinie nach dem Ausfall von Nazair Jones (Injured Reserve) nicht mehr.
  • Macht Safety Marquise Blair mit einem erneut starken Auftritt seinen Platz in der Startformation neben Bradley McDougald klar?
    Blair verpasste Week 3 wegen einer Rückenverletzung, stieg aber am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining ein und wird nochmals ein paar Snaps in der Secondary bekommen, die ihm den Startplatz neben Veteran McDougald sichern könnten. Tedric Thompson und Lano Hill melden aber ebenfalls Anspruch an.
  • Sehen wir die Runningbacks J.D. McKissic, C.J. Prosise und Travis Homer nochmals, bevor eventuell einer von ihnen entlassen werden muss?
    Von McKissic war in dieser Preseason kaum etwas zu sehen oder zu hören, außer dass er als Returner im Gespräch war. Gerade deswegen hatte er bei vielen Experten quasi einen Freilos für den Kaderplatz, um Tyler Lockett zu entlasten. Mit dem Aufblühen von Ugo Amadi hat sich der Wind jedoch ein wenig gedreht, sodass auch McKissic vor dem Cut nicht mehr sicher sein dürfte. Prosise steht bei den Trainern sehr hoch im Kurs und wird in den Kader rutschen, sollte er sich nicht noch verletzen. Für Homer könnte es deshalb eng werden, außer die Seahawks ziehen einen fangstarken Läufer einem Fullback vor.
  • Kann sich Pass Rusher Barkevious Mingo mit einer guten Performance vor dem für Seattle finanziell attraktiven Roster Cut retten?
    4,1 Millionen US-Dollar könnten die Seahawks einsparen, wenn sie Mingo entlassen. Trotz Rollenwechsels zurück in seine Paradedisziplin Pass Rush war von Mingo in der Preseason nicht genug zu sehen, was einen Verbleib im Kader rechtfertigen würde. Ein Spiel bleibt dem Veteran, um diesen Eindruck zu ändern.
  • Darf Guard Ethan Pocic nochmals aufs Spielfeld, bevor er in Week 1 der Regular Season wohl den noch verletzten Mike Iupati ersetzen muss?
    Am Dienstag ließ Pete Carroll verlauten, dass Mike Iupati noch nicht ganz fit sei, was darauf schließen lässt, dass er in der Regular Season erstmal noch aussetzen muss. Als Ersatz steht Pocic parat, der eine gute Preseason gespielt hat und das Vertrauen der Trainer genießt. Ob er in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nochmals zum Einsatz kommt oder wie die restlichen Starter geschont wird, ist deshalb unklar.
  • Wer schnappt sich den vermeintlich letzten verbleibenden Kaderplatz für Wide Receiver?
    Geht man davon aus, dass Tyler Lockett, Jaron Brown, David Moore (sollte trotz Haarriss im Oberarm nicht allzu lange ausfallen), DK Metcalf (könnte bis zum Saisonstart fit sein) und John Ursua sicher im Team sind, kommen für den sechsen (und eventuell siebten) Platz dahinter primär Jazz Ferguson, Gary Jennings und Keenan Reynolds in Frage. Die drei Receiver werden sich gegen die Raiders wohl heiße Fernduelle liefern. Dass Jennings und Ursua laut Pete Carroll noch Probleme mit dem Playbook haben (im Gegensatz zu Naturtalent Metcalf), dürfte bei der finalen Auswahl keine entscheidende Rolle spielen.
  • Sehen wir Edge Rusher Ezekiel Ansah für ein paar Snaps oder wird er bis zum Beginn der Regular Season geschont?
    Gegenüber Journalisten erlaubte sich Pete Carroll am Dienstag den Scherz, zu behaupten, Ansah werde gegen die Raiders natürlich das dritte Quarter durchspielen. Auf die kritisch dreinblickenden Reportern reagierte er dann aber ganz schnell und gab zu, dass das ein Scherz gewesen sei. Ziggy Ansah ist fit, sowohl die Schulter als auch die Leiste sind komplett ausgeheilt. Riskieren werden die Trainer im letzten Testspiel aber trotzdem nichts.
  • Bringt Läufer Rashaad Penny endlich ein paar längere Runs auf den Kunstrasen, um den Erwartungsdruck etwas zu dämpfen?
    Der Erstrundenpick 2018 muss mit den Erwartungen von Trainern, Fans und Experten klar kommen, die von ihm einen Leistungssprung nach einer durchwachsenen Debüt-Saison sehen wollen. In der Preseason überzeugte der Läufer bislang nicht. Ein paar gute Snaps gegen die Raiders würden Penny die Möglichkeit geben, die Vorbereitung mit einem guten Gefühl abzuschließen.

Die Bonusfrage beschäftigt sich heute mit der größten Diva seit Percy Harvin:

  • Kommt Wide Receiver Antonio Brown mit nach Seattle oder bleibt er zu Hause, um seine Füße zu pflegen und weiter nach einem neuen alten Helm (inklusive Sponsorenvertrag) zu suchen?

Wer spielt? Wer spielt nicht?

Die Starter sind in Week 4 der Preseason in der Regel ganz raus, da sie ihre Kaderplätze sicher haben dürften und geschont werden. Gleichzeitig sind die Spieler, die extrem viele Snaps sehen werden, als die größten Wackelkandidaten im Team zu erkennen. Sie müssen ihre letzte Chance nutzen.

Da Backup-Center Joey Hunt mit einer Verletzung am Sprunggelenk pausieren muss, werden wohl die Guards Marcus Martin und Ethan Pocic in der Mitte der O-Line spielen.

Wo kann ich die Partie verfolgen?

Alle Preseason-Spiele der Seattle Seahawks sind empfangbar per NFL GamePass (in der Preseason kostenlos). In den USA überträgt der regionale Sender Q13 FOX die Partien. Der Streaming-Dienst DAZN zeigt genau wie ProSieben MAXX und ran vereinzelt Testspiele live. Die Seahawks waren ohne NFL GamePass in Deutschland jedoch nur in Week 2 (gegen die Minnesota Vikings) live und kostenlos in TV und Stream zu sehen, während sie in Week 3 immerhin über den 24-Stunden-Kanal NFL Network auf DAZN liefen.

Hat die Begegnung Aussagekraft?

Für einige Spieler ist die Partie die letzte Chance, sich nachdrücklich um einen Platz im Kader zu bewerben. Das Endergebnis der Begegnung spielt dabei erneut keine Rolle, die einzelnen Plays an sich schon. Preseason-Spiele geben eher Auskunft zu einzelnen Spielern als zum großen Ganzen. Aber auch vermeintlich hervorragende Preseason-Einzelleistungen wie die von Kasen Williams 2017 oder Troymaine Pope ein Jahr vorher sind noch lange keine Garantie dafür, dass Spieler sich am Ende unter den glorreichen 53 wieder finden. Williams und Pope überstanden den Cut bei den Seahawks nicht, was viele Fans dem Trainerstab anfänglich übel nahmen. Doch beiden Spielern ist auch bei anderen Teams der Durchbruch bislang nicht gelungen. Was das heißt? Wir sehen nur einen Bruchteil dessen, was Coaches in der Vorbereitung über einen Footballer lernen und können daher keine vollständige Beurteilung abgeben.

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