Preseason-Vorschau 2017: Wide Receiver

(Bild: imago)

Noch befinden wir uns mitten im Sommerloch der NFL-Offseason – doch Besserung ist in Sicht. Ende Juli beginnt das Training Camp der Seattle Seahawks und dann dauert es nicht mehr lange, bis die Sonntage wieder einen Sinn haben. Während das erste Spiel der Regular Season 2017 immer näher rückt, ist es an der Zeit einen Blick auf den Kader der Seahawks zu werfen. In den kommenden Wochen werden wir nach und nach jede Position unter die Lupe nehmen, um herauszufinden, wie gut der Kader für die neue Saison aufgestellt ist. Heute beginnen wir mit der Wide Receiver-Position.

Doug Baldwin, den man zu den besten Receivern in der NFL zählen kann, ist der unangefochtene Nummer-eins-Receiver im Team. Zum zweiten Mal in seiner Karriere konnte er 2016 über 1000 Receiving Yards sammeln (1.128) und auch seine 94 Passfänge sind geteilter Franchise-Rekord. Dass er in der vergangenen Saison Anspielstation Nummer eins für Quarterback Russell Wilson war (126 Targets), liegt auch an seiner unglaublich hohen Fangquote (74,6%).

Hinter ihm ist der Konkurrenzkampf um die Nummer zwei unter den Receivern noch offen. Jermaine Kearse, der nach seinem neuen Vertrag in der vergangenen Offseason mit hohen Erwartungen in die Saison gestartet war, enttäuschte. 511 Yards bei einer Fangquote von nur rund 46 % sind viel zu wenig für eine nominelle Nummer zwei mit einem Vertrag in dieser Größenordnung, weshalb zu hoffen ist, dass Kearse in der kommenden Saison eine deutliche Leistungssteigerung hinlegt. Eine Steigerung ist auch notwendig, wenn er seinen Platz im Team halten möchte. Sein Cap Hit mit über $4 Millionen könnte ihn in Schwierigkeiten bringen, sofern er im Training Camp nicht überzeugen kann. Eine Cut würde über $2 Millionen an Cap Space freischaufeln, die für die ein oder andere Vertragsverlängerung verwendet werden könnten. Dennoch ist eine Entlassung zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich, da er stets eine der liebsten Anspielstationen von Russell Wilson war.

Tyler Lockett, der eine solide Saison spielte und erst von einer Verletzung gegen Ende der Saison gestoppt wurde, könnte in der nächsten Saison die Rolle von Kearse als Nummer zwei einnehmen. Bereits in der vergangenen Spielzeit war dies für kurze Zeit der Fall, ehe er sich verletzte. Aufgrund der Verletzung, die er sich im Spiel gegen die Arizona Cardinals an Heiligabend zuzog, steht hinter seinen Status derzeit noch ein kleines Fragezeichen. Laut Pete Carroll macht er aber gute Fortschritte in seiner Reha und könnte rechtzeitig zum Training Camp vollständig genesen sein. Es sollte aber niemanden überraschen, wenn er zu Beginn des Camps sowie in der Preseason nur sporadisch eingesetzt wird.

Auch Paul Richardson, ehemaliger Zweitrundenpick aus dem Jahr 2014, zeigte gegen Ende der vergangenen Runde nach vielen Verletzungen endlich, dass ein immenses Potenzial in ihm steckt. Mit unfassbaren Catches spielte er sich in den Playoffs in die Herzen der Fans. Auch er hat das Potenzial, Kearse in der Depth Chart zu überholen. In der kommenden Season spielt er zudem um einen neuen Vertrag, da sein Rookie-Deal 2017 ausläuft. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Spieler im letzten Vertragsjahr richtig aufdreht.

Dahinter ist das Rennen um die übrigen Plätze im 53er-Kader noch völlig offen. Die besten Karten haben hier Tanner McEvoy und Amara Darboh. McEvoy, der im vergangenen Jahr als Undrafted Free Agent nach Seattle kam, zeigte sein hohes Potenzial bei sporadischen Einsätzen. Von elf möglichen Bällen fing er neun, zwei davon für Touchdowns, und sammelte starke 15,6 Yards pro Catch. Auch in den Special Teams sorgte er für Big Plays und nutzte fast jede Gelegenheit die sich ihm bot, um zu unterstreichen, welches Potenzial in ihm steckt. Amara Darboh war der Drittrundenpick im diesjährigen Draft und wird aufgrund des hohen Picks und seines Talents gute Chancen haben, den Sprung in den endgültigen Kader zu schaffen. Es gibt Experten, die ihn für den komplettesten Receiver im Kader halten. Er lief schon im College Routes auf Profi-Niveau, hat fantastische körperliche Voraussetzungen und die richtige Einstellung.

Ein weiterer spannender Spieler ist Cyril Grayson, der als Leichtathletik-Star im College (LSU) nie Football spielte. Die Athletik des einstigen Sprinters birgt viel Potenzial und es wird spannend sein zu sehen, ob er sich durchsetzen kann.  Ähnliches gilt für Kenny Lawler, der 2016 im Draft ausgewählt wurde und die vergangene Saison in der Practice Squad verbrachte. Grayson, der diesjähriger Siebtrundenpick David Moore sowie Kasen Williams haben jedoch nur Außenseiterchancen auf einen Platz im Kader. Die weitgehend unbekannten Undrafted Free Agents Darreus Rogers und Rodney Smith haben wohl nur minimale Chancen auf den Sprung in den Kader der Seahawks. Für diese Spieler ist die Practice Squad ein realistisches Ziel, um sich in Ruhe weiterzuentwickeln.

In diesem Jahr sind die Seahawks auf der Wide Receiver-Position so tief besetzt wie noch nie in der Ära Pete Carroll. Da die Leistungsdichte extrem hoch ist, werden wohl sechs Receiver den Sprung in den 53er-Roster schaffen. Höchstwahrscheinlich können sich Baldwin, Kearse, Lockett und Richardson ihrer Plätze im endgültigen Kader sicher sein. Dahinter müssen sich die restlichen Receiver vor allem über die Special Teams einen Platz erkämpfen.

Fans müssen sich in diesem Jahr keine Sorgen um die Position machen. Mit Baldwin und Lockett verfügt die Unit über zwei Spieler, die jedes Backfield vor Probleme stellen können. Mit Amara Darboh kommt ein Receiver nach Seattle, der von Anlagen her Kearse sehr ähnlich ist – und vielleicht das größere Talent. Von Kearse wird eine Leistungssteigerung zur vergangenen Spielzeit erwartet. Der Konkurrenzkampf ist eröffnet.

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