Ideale Zeitpunkte für ein Spiel gegen die Los Angeles Rams, gab es in den letzten Jahren nur selten, zumindest sagte das die Bilanz von 3-7 in den letzten 10 Spielen aus. Ob Week 9 zu Hause da bessere Vorzeichen bot? Die enttäuschende und deutliche Niederlage der Seahawks gegen die Bills in der Vorwoche kam da auf jeden Fall nur wenig gelegen. Auf der anderen Seite hingegen war das Superstar-WR-Duo Puka Nacua und Cooper Kupp wieder rechtzeitig gesund und das Team nach dem Sieg gegen die Minnesota Vikings trotz eines schlechten Sasisonstarts topmotiviert. Dennoch bestand die Hoffnung, dass der Rückhalt des Lumen Fields gegen den Divisionsrivalen endlich wieder den gewünschten Effekt erzielen würde.

Während die Rams also wieder auf wichtige Leiststungsträger im Passspiel zurückgreifen konnten, fehlte bei den Seahawks weiterhin Nr.1 WR DK Metcalf. Dafür sollte die Rückkehr von CB Tre Brown die eigene gescholtene Passverteidigung wieder verstärken. Zusätzlich musste QB Geno Smith jedoch auf TE Noah Fant als Anspielstation verzichten, der ebenfalls verletzungsbedingt fehlte. À propos Fant, sein Namensvetter OT George Fant wurde vor dem Spiel von der Injured-Reserve-Liste aktiviert und stand nach seiner Verletzung in Woche 1 wieder auf dem Platz. Die Ergänzungen waren wichtig, um gegen die Rams mit einem möglichen Sieg nicht nur wichtige Punkte innerhalb der NFC-West zu sichern, sondern auch, um Motivation und Optimismus zurückzugewinnen. Ob das gelungen ist, lest ihr in der folgenden Recap:

Der Spielverlauf:

Die Hauptdarsteller:

WR Jaxson Smith-Njigba: Leider reichte seine Breakout-Performance nicht für einen Sieg. Auch wenn er an der ersten Interception Schud trug, fing er im Endeffekt sieben Bälle für 170 Yards und zwei Touchdowns. Er war einer der wenigen offensiven Lichtblicke, hielt die Hoffung der 12s lange am Leben, bot Geno eine sichere Anspielstation und machte mit einigen beeindruckenden Catches das Leben seines QBs leichter.

Seahawks Defense: Es hat zwar kein anderer Spieler verdient auf eine Stufe mit JSN gestellt zu werden, jedoch zeigte sich die Defensive von Seattle in diesem Spiel als starke und verlässliche Einheit. In der regulären Spielzeit konnte man Stafford & Co bei nur 219 Passing Yards, 1 TD, 54% Completion Percentage, sowie bei 68 Rushing Yards und 3,1 Yards average halten. Zudem erlaubte man nur ein Field Goal. Lediglich in der Overtime knickte man spät aber doch ein.

Die Nebendarsteller:

Ehrenvolle Erwähnung: LB Ernest Jones IV: Der Neuzugang lieferte einige gute und wichtige Tackles, insgesamt 9. Vor allem sein Tackle for Loss an der Goalline war entscheidend, um einen Rams Touchdown zu verhindern, dazu kommt eine Pass Deflection. WR Cody White: Starke Leistung eines Practice Squad Spielers. Zwei schwere Catches für 44 Yards. Noch beeindruckender war aber vermutlich sein geblockter Punt.

Stets bemüht: RB Kenneth Walker: Er ist eine Konstante und tut was er kann, aber hinter einer solch schwachen O-Line war auch für ihn nur wenig möglich. Mit 83 Rushing Yards bei einem durchschnittlichen Raumgewinn von 3,3 Yards, 3 Catches für 24 Yards und ohne TDs blieb er unter den hohen Erwartungen. Leider konnte er auch bei drei Läufen in Folge nicht das entscheidende First Down in der Overtime erzielen, wenngleich die O-Line daran die größere Schuld trägt. Seahawks Pass Rush:  Man kann nicht behaupten, dass Stafford nie unter der Druck stand. Dennoch reichte es im Endeffekt für keinen Sack gegen eine bis dato unterdurchschnittliche O-Line und lediglich für 7 QB Hits. CB Riq Woolen: Da war leider sowohl Gutes als auch Schlechtes dabei. Seine Interception war wichtig und sehr gut gespielt. Gleichzeitig war er aber auch der Cornerback auf den beiden Touchdowns geworfen wurde, gerade beim ersten ließ er sich von Robinson förmlich austanzen.

Meh: Disziplin der Seahawks: 12 Strafen gegen Seattle, die angenommen wurden, und das für 95 Yards. Darunter einige False Starts auf heimischen Rasen. 4 Strafen mehr als die Rams, die auch zu viele hatten. Turnover-Differenz 1:3. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Seahawks O-Line: Hier passt der Eindruck am Feld zu den Statistiken. Was man am Ende des Tages zugelassen hat? 7 Sacks, 8 TFL, 11 QB Hits. Keine nennenswerte Erfolge im Laufspiel und C Connor Williams könnte man mit einem erneuten zu hohen Snap eigentlich gesondert hervorheben. K Jason Myers: Fehler können passieren, aber der war teuer. Man weiß nie was gewesen wäre, wenn Seattle kurz vor Ende mit 21:20 geführt hätte. Die Rams hätten das Spiel anders angelegt und vielleicht hätten sie es schon in regulärer Zeit entschieden. „Hätte hätte Fahrradkette!“ Im Endeffekt hätte der verschossene Extrapunkt gereicht, um das Spiel in der regulären Zeit zu gewinnen. QB Geno Smith: Nicht alles war seine Schuld, aber leider doch der vermutlich spielentscheidende Pick-Six. 363 Yards und 3 Touchdowns wirken auf den ersten Blick stark, aber die drei Interceptions waren, obwohl nicht alle gleichermaßen auf seine Kappe gingen, am Ende des Tages leider immer wieder aufs Neue der metaphorische Genickbruch.

Die Highlights:

Der erste Touchdown des Spiels. Geno auf Lockett für 6 Punkte!

No Fly Zone! Riq Woolen fing den Ball ab nicht nur traumhaft ab, sondern leitete auch noch einen Touchdown Drive kurz vor Ende der 1. Halbzeit ein.

JSN weit offen für Touchdown Nummer 2.

Hier war der Optimismus noch groß. JSN mit seinem zweiten Touchdown kurz vor Spielende.

Die Randnotizen:

Die Verletzten:

OT George Fant musste bei seinem Comeback wegen einer Knieverletzung leider erneut vom Platz und kam auch nicht mehr aufs Spielfeld zurück.

S K’von Wallace zog sich eine Knöchelverletzung zu.

Das Zitat:

„I can play better and I can correct a lot of things. That’s the job of the quarterback to overcome and, ultimately, get wins.“ -QB Geno Smith auf die Frage „What’s contributed to the Seahawks falling to 4-5 after 3-0 start?“

Der Tweet:

Stimmen zum Run Game:

 

Das Fazit:

Genau genommen ist es beeindruckend wie lange Seattle trotz einer Turnoverdifferenz von 1:3 und etlichen Strafen mitgehalten hat. Im Endeffekt wäre sogar der Sieg zum Greifen nahe gewesen. Das alles ist nur der Seahawks Defense zu verdanken, die das Team so lange im Spiel hielt. Und das sollte 12s auch optimistisch stimmen. Auch hier war nicht alles fehlerfrei, aber es war eigentlich gut genug für einen Sieg. Es ist schwach immer nur einen Schuldigen zu suchen, aber im Falle der Seahawks drängt er sich einem schon förmlich auf. Die O-Line verdient nach demmSpiel gegen die Rams nicht einmal das Prädikat unterdurchschnittlich. Wie die Kollegen aus dem Podcast immer so schön sagen „Das ist absoluter Bodensatz!“.  Die Folge: Ken Walker konnte sein volles Potenzial nicht einmal ansatzweise ausschöpfen und Geno war mehr damit beschäftigt, den nächsten verpassten Block zu identifizieren als das defensive Backfield zu lesen. Ein Spiel auf diese Art zu gewinnen ist beinahe nicht möglich.

Die Seahawks fallen mit der Niederlage gegen die Rams auf Platz 4 in der NFC-West zurück, die dennoch weiterhin hart umkämpft und eng ist. Jetzt heißt es in der Bye Week hart arbeiten, angeschlagene Spieler wieder zurückzuholen und in der Offense einen Gameplan zu entwickeln, der die Schwächen so gut wie möglich kaschiert und die Stärken maximiert. Außerdem darf es einfach nicht mehr so viele Strafen geben. Wir haben einen jungen Coaching Staff, der auch noch lernen kann und wird und in diesem Spiel vor allem eine Defensive gesehen, die das Potenzial hat, ganz vorne mitzuspielen.

Ausblick: In Week 10 haben die Seahawks ihr freies Wochenende, weiter geht es für die Seahawks dann am 17.11. um 22.25 Uhr bei den San Francisco 49ers.