Kurz erklärt: NFL-Tiebreaker oder: Warum stehen die Seahawks auf Platz 1?

Es war DIE Nachricht des späten Sonntagabends: Die San Francisco 49ers verlieren ihr Heimspiel (!) gegen die Atlanta Falcons (!) und stehen damit – genau wie die Seattle Seahawks – bei elf Siegen und drei Niederlagen. Nun ergibt sich in der National Football Conference (NFC) ein spannendes Bild: Sowohl die Seahawks als auch die 49ers in der NFC West, zusätzlich aber auch die Green Bay Packers in der NFC North und die New Orleans Saints in der NFC South, haben einen Record von 11-3. Ein guter Moment, um kurz zu erklären, wie die Tiebreaker (Entscheidungsprozess in einer Pattsituation) in der NFL funktionieren.

Die Division – NFC West:

Grundsätzlich geht der Blick immer zuerst auf die Division. Da sich hier zwei Teams mit demselben Sieg-Niederlagen-Verhältnis gegenüberstehen, zieht als erstes der direkte Vergleich zwischen beiden Teams. Noch haben die Seahawks hier die Nase vorn, denn das Hinspiel in San Francisco haben sie gewonnen. Zum Rückspiel kommt es erst in Woche 17, dort könnte sich also entscheiden, welchen Platz das Team aus dem Pacific Northwest am Ende belegt.

Gewinnen die Seahawks ihr kommendes Spiel gegen die Arizona Cardinals, ist der erste Schritt getan. Verlieren die 49ers zeitgleich ihr Spiel gegen die Rams, sieht es sogar noch ein Stückchen besser aus. Die Seahawks könnten sich dann unter bestimmten Voraussetzungen sogar eine Niederlage gegen die 49ers leisten und würden trotzdem noch an erster Stelle stehen. Jedoch würde sich das erst in Week 17 endgültig entscheiden, womit eine vorzeitige Abschlusstabelle nach Week 16 ausgeschlossen ist.

Käme es so wie beschrieben, wäre der direkte Vergleich unentschieden (1-1, die Punktedifferenz spielt dabei keine Rolle) und der nächste Tiebreaker würde ziehen: Spiele in der eigenen Division. Auch hier stünden dann beide Teams bei 4-2. Nächster Tiebreaker wären gleiche Spiele (“Common Games”). Insgesamt zwölf gleiche Spiele haben die beiden Teams aus dem Westen und auch hier wäre ein Gleichstand zu verzeichnen: 9-3 (beide haben gegen die Ravens verloren, Seattle zusätzlich gegen die Saints, San Francisco gegen die Falcons – dazu kämen dann noch Seattles potenzielle Niederlage gegen San Francisco und deren Niederlage gegen die Rams). Der vierte Tiebreaker bezieht sich auf das Standing innerhalb der Conference – und auch hier stünden beide Teams bei 9-3, sodass nun schon der fünfte Tiebreaker zum Zuge kommen würde.

“Strength of Victory” beschreibt, wie schwer es war, Siege in dieser Saison zu erringen. Hierbei werden die Siege der Teams addiert, gegen die gewonnen wurde. Um die Rechnung einfacher zu halten, betrachtet die NFL bei dieser Rechnung allerdings nur die Teams, gegen die die Seahawks gewonnen haben und San Francisco nicht bzw. umgekehrt. Seattle kommt so auf 22 Siege (ATL 5, MIN 10, PHI 7), die 49ers auf 25 Siege (NO 11, GB 11, WAS 3) – dieser Tiebreaker würde momentan also verloren gehen. Um diesen auszugleichen, müssten also die oben genannten Gegner der Seahawks insgesamt drei Partien mehr gewinnen, als die genannten Gegner der 49ers. Es ist also sinnvoll, nebenher immer auch noch die Daumen für die Atlanta Falcons, Minnesota Vikings und Philadelphia Eagles zu drücken.

Wäre selbst dieser Tiebreaker nach Woche 17 ausgeglichen, käme der “Strength of Schedule”-Tiebreaker zum Einsatz, also die Frage, wie schwer der Spielplan war. Hier werden der Einfachheit halber erneut nur die unterschiedlichen Spiele der den beiden Teams betrachtet: Die Seahawks kommen auf 17 Siege (MIN 10, PHI 7), die 49ers auf 14 Siege (GB 11, WAS 3) – diesen Tiebreaker würde also Seattle gewinnen. Doch auch hier ist es natürlich noch möglich, dass sich Verschiebungen ergeben und der Tiebreaker wieder ausgeglichen wird. Der finale Tiebreaker wäre dann in jedem Fall der siebte: das Verhältnis von erzielten und kassierten Punkten. Hier würden die 49ers Seattle in jedem Fall deklassieren, da werden wohl auch zwei Spieltage nichts mehr dran ändern.

Klar ist: Gewinnen die Seahawks das Spiel gegen die 49ers, gewinnen sie in jedem Fall die Division. Das sollte also die Marschroute sein.

Die Conference – NFC:

Solange die Seahawks an der Spitze der NFC West stehen, sind sie auch in der Verlosung um die ersten beiden Plätze in der NFC dabei. Diese Plätze sind deshalb so wichtig, weil dort nicht nur die Bye Week während der Wild-Card Round winkt, sondern auch der Heimvorteil bis (als zweitplatziertes Team fast) zum Super Bowl. Seit 2005 sind die Seahawks in Playoff-Heimspielen ungeschlagen bei einer Bilanz von 10-0. Das sagt wohl alles über die Wichtigkeit aus, die 12s im Rücken zu haben. (Gruß an Deion Sanders.)

Momentan stehen die Seahawks bekanntlich in der Division vor den 49ers, diese sind daher aktuell raus aus der Verlosung der ersten drei Plätze. Es bleiben dann nur die Packers und die Saints übrig. Hier gelten etwas andere Regeln als in der Division. Zuerst zählt der direkte Vergleich – allerdings nur, wenn eines der drei Teams beide anderen geschlagen hat. Das ist in diesem Szenario nicht der Fall. Die Saints haben zwar gegen Seattle gewonnen, nicht aber gegen die Packers. Der nächste Tiebreaker bezieht sich wieder auf Siege in der Conference. Hier stehen die Packers und Seahawks bei 8-2, die Saints aber nur bei 8-3. Damit fällt schon die erste Entscheidung: Die Saints landen auf Platz 3.

Danach werden die Tiebreaker für zwei Clubs wieder von vorne auf Green Bay und Seattle angewendet. Einen direkten Vergleich gibt es nicht, daher erfolgt direkt der Sprung zum nächsten Tiebreaker, der allerdings ebenfalls nicht entscheidend ist (Conference, beide Teams stehen aktuell bei 8-2). In diesem Fall zieht dann der dritte Tiebreaker, die “Common Games”. Vier gibt es an der Zahl – und der Vergleich geht deutlich an die Seahawks:

SF (SEA: W, GB: L)
PHI (SEA: W, GB: L)
MIN (SEA: W, GB: W)
CAR (SEA: W, GB: W)

Und was heißt das jetzt für die verbleibenden zwei Regular-Season-Spiele?

Es ist auf dem Papier ganz einfach: Gewinnen die Seattle Seahawks beide, ist ihnen Platz 1 in der NFC West und Platz 1 oder 2 in der NFC nicht zu nehmen.

Menü