See A Hawk 2022: Coby Bryant

Cincinnati Bearcats Cornerback Coby Bryant was picked by the Seattle Seahawks in the 2022 NFL Draft

NEW ORLEANS, LOUISIANA – OCTOBER 30: Coby Bryant #7 of the Cincinnati Bearcats in action against the Tulane Green Wave during the second half at Yulman Stadium on October 30, 2021 in New Orleans, Louisiana. (Photo by Jonathan Bachman/Getty Images)

An Tag 3 des NFL Drafts 2022 versöhnten John Schneider und Co. diejenigen Seahawks-Fans ein bisschen, die mit dem Pick von Ken Walker an Position 41 in der zweiten Runde nicht ganz warm geworden waren. Einen wesentlichen Teil trug der erste Pick an Tag 3 dazu bei: An Position 109 wählte das Front Office aus Seattle Cornerback Coby Bryant aus.

Mit dem Bryant-Pick sammelten die Seahawks, wenn man nach dem Consensus Big Board geht, an Position 90 ordentlich Value ein. Und das auf der Premium-Position des Cornerbacks. Bryant ist wohl der endgültige Beweis, dass die Seahawks nicht mehr an starren Leitlinien für Passverteidiger festhalten. Seine Arme sind mit 30 5/8 Inches von der 32 Inch-Marke ein gutes Stück weit weg. Darüber hinaus kann dieser Pick auch unter dem Motto „Tape over Testing“ verbucht werden. Er ist nicht der beste Athlet, aber ein wahrer Ballhawk: Neun mal fing er in seiner Karriere den Ball des Gegners ab. Gegenüber von Top-Prospect Ahmad „Sauce“ Gardner wurde er bei den Cincinnati Bearcats am College nicht selten getestet. Nichtsdestotrotz meisterte er seine Rolle als Field-Side-Corner in der Bearcats-Defense, 2021 häufig in Off-Coverage, ziemlich gut. Seine Stärken liegen auch auf dem nächsten Level höchstwahrscheinlich stärker in der Zonenverteidigung, als in enger Man-Coverage.

Bryant ist schon ein ziemlich „fertiger“ Spieler, der einen sehr hohen Floor, aufgrund seiner athletischen Limitierungen (RAS-Score: 5,61) wahrscheinlich jedoch nicht die Upside eines Top-10 Cornerbacks hat. Perspektivisch könnte Bryant mindestens den ersten Backup-Spot in der kommenden Saison holen. Gut möglich ist jedoch auch, dass er sich bereits einen der Starting-Spots ergattert.

In der Rubrik „See A Hawk“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen Spieler der Seattle Seahawks – oftmals Draft-Neuzugänge – etwas genauer vor.

CB Coby Bryant

Kurzinfos:

    • College: Cincinnati (2017-2021)
    • Alter: 23 (29. März 1999)
    • Größe: 185 cm
    • Gewicht: 88 kg
    • Armlänge: 77 cm
    • Handgröße: 24 cm
    • Draft: 4. Runde, Pick #109

College-Statistiken (2021):

  • Spiele: 53
  • Tackles: 170
  • Interceptions: 9

Werdegang von Coby Bryant

Coby Bryant wuchs in Cleveland, Ohio, auf. Er wurde der nach dem berühmten Basketballer Kobe Bryant benannt und spielte zunächst auf der Glenville Highschool. Eigenen Aussagen zufolge verehrte er als Jugendlicher die famose „Legion of Boom“ der Seattle Seahawks. Im Recruting-Cycle im Vorfeld seiner College-Karriere lief Bryant weitgehend unter dem Radar (Cornerback Nr. 170 des Landes) und hatte infolgedessen nur wenige Division-1-Offers. Das Group of Five Team Cincinnati rekrutierte ihn jedoch. Der Bearcat konnte also in seinem Heimatstaat auch seine College-Karriere bestreiten.

Bryant gelang bereits in seiner Sophomore-Season der Durchbruch. Dort wurde er zum Starter. Mit Cincinnati legte er eine der produktivsten College-Karrieren der letzten Jahre hin. In all seinen vier Jahren als etablierter Starter gelangen ihm mindestens sieben abgewehrte Pässe sowie eine Interception. Trotz seiner erfolgreichen Saison 2020, mit einem Karriere-Bestwert an Interceptions (4), kehrte er für eine weitere Saison ans College zurück und verhalf den Bearcats mit ihrer hochkarätig besetzten Defense zum ersten Playoff-Einzug in der Programm-Geschichte.

Obwohl Bryant zumeist im Schatten seines Gegenübers Ahmad „Sauce“ Gardner stand, konnte er den Jim Thorpe Award (Auszeichnung für den besten Defensive Back im College Football) auch dank elf abgewehrten Pässen (Career High) gewinnen.

Stärken und Schwächen von Coby Bryant

Bryant hat in Cincinnati in einer sehr variablen Defense gespielt und hat daher in seinen fünf College-Jahren in unterschiedlichen Coverage-Schemes Erfahrung gesammelt. Dadurch beherrscht er mehrere Coverage-Techniken, was ihm auch in seiner Weiterentwicklung als Rookie durch seine Variabilität nur weiterhelfen kann. Er ist ein sehr williger Hitter und ein für Cornerback-Prospect-Verhältnisse überdurchschnittlich guter Tackler.

Bryant ist ein unglaublich spielintelligenter Verteidiger und besitzt ein sehr hohes Spielverständnis. Am College konnte er durch seine hervorragende Antizipation Probleme im Zuge seiner durchschnittlichen Agilität (Quickness, Change of Direction) wieder wettmachen, wie hier im Tape zu sehen:

Bryant ist bei weitem kein unterdurchschnittlicher Athlet. Die Tatsache, dass er jedoch auf dem College-Level bereits nicht in der Top-Riege zu verorten war, was die Athletik angeht, machen die Räume für Fehler auf dem NFL-Level geringer. Auch deshalb ist seine Upside wohl nicht ganz in der Höhe eines Derek Stingley Jr. oder seines ehemaligen College-Teamkollegen „Sauce“ Gardner. Fraglich ist, ob Bryant Man-to-Man NFL-Receiver mit seinem limitierten Speed das Feld herunter decken kann. Gut möglich, dass er bei diesen Situationen in Zukunft immer wieder Safety-Hilfe braucht.

Größte Stärke von Coby Bryant

Seine Ballskills am Catchpoint sind möglicherweise die besten der Cornerback-Klasse! Hier kommen seine hervorragenden technischen Stärken besonders zur Geltung: Seine Positionierung und sein Timing bei Attacken auf den Ball machen ihn in diesem Teil des Cornerback-Plays nur sehr schwer schlagbar.

Größte Schwäche von Coby Bryant

Bryant kann am Release Point Probleme bekommen, wenn er seine Hände nicht direkt an den Gegner bekommt. Hier kann seine relativ kurze Armlänge zum Problem werden. Darüber hinaus bewegt er sich nur mit durchschnittlicher Agilität und zeigt hin und wieder inkonstante Tendenzen in der Coverage. Grund dafür ist seine Angewohnheit seine Hüfte zu früh zu drehen bzw. dass er bereits reagiert, bevor er die Route gelesen hat. Seine Aggressivität bestraft ihn hier manchmal und ihm könnte die nötige Schnelligkeit fehlen, um es mit NFL-Slot-Receivern aufzunehmen.

Da die gegnerische Offensiven seinen Mitspieler „Sauce“ Gardner 2021 weitgehend mieden, wurde Bryant doppelt so oft getestet wie sein Cornerback-Kollege. Er hat ein natürliches Gespür für das Spiegeln von Routen. Darüber hinaus spielt Bryant physisch und kann so gut den gegnerischen Spieler fixieren. Außerdem hat er eine schnelle Reaktionszeit, was seine Athletik wieder zum Teil wettmachen kann (mit 45 abgewehrten Pässen steht er in der Schulgeschichte auf Platz 2).

Fazit zu Coby Bryant

Coby Bryant ist ein Spieler mit extrem hohen Floor und limitierter Upside, der mit Top-Athletik höchstwahrscheinlich ein sicherer First-Rounder in diesem Draft gewesen wäre. Bei Cincinnati soll er einer der Teamleader gewesen sein. Insbesondere seine Agilität macht gegen kleine, flinke Receiver-Typen bei schnellen Richtungswechseln wie Slants oder Sluggos sorgen. Dann fehlt die Athletik, um wieder Raum gutzumachen, was in der NFL schnell bestraft werden könnte.

Nichtsdestotrotz hat Bryant durch seine Stärken in fast allen anderen Bereichen des Cornerback-Spiels die Fähigkeit, auch in der NFL ein guter Starting-Cornerback zu werden. Schafft er es bis zum Catchpoint mit dem Receiver mitzuhalten, ist er kaum zu schlagen. Darüber hinaus könnte der vorangehende Scouting-Report zu Bryant den Eindruck nahegelegt haben, dass dieser ein sehr schwacher NFL-Athlet sei. Dem ist definitiv nicht so. Auch in der Profiliga wäre Bryant zumindest ein durchschnittlicher Athlet. Seine weiteren Veranlagungen (speziell Spielintelligenz, Timing, Antizipation und Spiel am Catchpoint) bergen bei ihm das Potenzial, auch in der NFL auf höchstem Niveau zu agieren. Sie könnten sein geringes athletisches Upside vergessen machen lassen. Deshalb hat Coby das Potenzial, zu einem langfristigen Starter auf Outside-Cornerback bei den Seahawks zu werden.