Die Needs der Seattle Seahawks im NFL Draft 2019

In knapp drei Wochen steigt in Nashville, Tennessee das wichtigste Event für die NFL-Teams in der Offseason. Der NFL Draft 2019, bei dem jedes Team aus den vielversprechendsten Talenten des Landes auswählen darf. Dieser Anlass bietet die effektivste Gelegenheit, gute und  mit Blick auf die Salary Cap vergleichsweise preiswerte junge Spieler über vier bzw. fünf Jahre zu verpflichten. Über den Draft wird der Grundstein für den Erfolg oder auch Misserfolg eines NFL-Teams gelegt – und genau das macht ihn so wichtig. Schwachstellen im Kader oder auch zukünftige Löcher im Kader können über die Talentauswahl geschlossen werden.

Auch bei den Seattle Seahawks gibt es wie bei jedem Team in der NFL Baustellen, die über den Draft angegangen werden können. Daher folgt nun ein Überblick über die größten Needs des Teams. Bedarf macht es logischerweise wahrscheinlicher, dass General Manager John Schneider und Head Coach Pete Carroll für diese Need-Positionen Draft-Kapital aufwenden.

Status Quo:

Stand jetzt haben die Seahawks nur vier Picks im NFL Draft 2019 – so wenige wie kein anderes Team in diesem Jahr.

  • 1. Runde, 21. Pick
  • 3. Runde, 84. Pick
  • 4. Runde, 124. Pick
  • 5. Runde, 159. Pick

Durch die Trades für Left Tackle Duane Brown (Zweitrundenpick), Quarterback Brett Hundley (Sechstrundenpick) sowie Safety Shalom Luani (Siebtrundenpick) haben die Seahawks bereits drei ihrer Picks verkauft. Wenn man die Drafts von Pete Carroll und John Schneider in den vergangenen Jahren verfolgt hat, kann man mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es einen oder gleich mehrere Downtrades mit anderen Teams geben wird, um an mehr Picks zu kommen. Schneider deutete dies bereits an.

Wünschenswert wäre ein Trade in die vordere bis mittlere zweite Runde, denn die Stärke dieser Draft-Klasse liegt vor allem an Tag zwei, an dem Teams wohl den besten Gegenwert für ihre jeweiligen Picks bekommen kann. Das bedeutet, dass Spieler, die an 21. Stelle noch vorhanden sind, sich voraussichtlich nicht in besonderem Maße von denen an 32. bis 64. Stelle unterscheiden, sodass ein Trade nach unten durchaus Sinn machen würde.

In diesem Artikel von Field Gulls werden mehrere realistische Downtrade-Szenarien beschrieben. Es ist davon auszugehen, dass Seattle mindestens sechs Spieler auswählen wird und deshalb nicht um Tauschhandel herum kommt.

Prognose: Kein Pick an Tag eins des Drafts, dafür aber vier Picks an Tag zwei sowie drei Picks an Tag drei.

Die Draft Needs:

Es gibt zahlreiche Spieler, die eine Option für den ersten Pick der Seahawks wären. Einzelne zu nennen würde jedoch Stand jetzt wenig Sinn machen, da man nicht genau weiß, wann genau die Seahawks picken werden. Daher beschäftigt sich dieser Artikel nur mit den Positionsgruppen, die die Seahawks mit ihren Picks ins Auge fassen könnten und nennt höchstens beispielhaft einzelne Spieler, die für Seattle in Frage kommen könnten. Am Ende dieses Artikels werden drei Blogs genannt, die sehr empfehlenswert sind und sich mit College Football sowie den Nachwuchsspielern beschäftigen.

Safety: Auf dem ersten Blick ist diese Position vielleicht kein extremer Need, aber bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass Seattle vielleicht schon einen recht frühen Pick für diese Position verwenden könnte. Der Abgang von Free Safety Earl Thomas in dieser Offseason spielt dabei gar keine allzu große Rolle, zumal Seattle bereits in der abgelaufenen Saison zumeist ohne den Top-Safety auskommen musste. Die beiden Safeties aus dem NFL Draft 2017, Tedric Thompson und Delano Hill, konnten beide noch nicht wirklich überzeugen, wenngleich Hill durch die Spiele, die er in der Regular Season 2018 bestritt, noch etwas mehr Mut macht. Verlassen sollte man sich aber keineswegs darauf, dass einer der beiden 2019 endlich den Durchbruch schafft. Darüber hinaus hat der unangefochtene Starter Bradley McDougald nur noch bis 2020 einen Vertrag, wird danach 30 Jahre alt sein und wohl auch keine langfristige Lösung mehr sein.
Dass Seattle hier auch Handlungsbedarf sieht, kann man eventuell auch aus den Spielerbesuchen vor dem Draft schlussfolgern. Von den acht Prospects, die den Seahawks einen Besuch abstatteten oder noch abstatten, befanden sich drei Safetys. Darunter unter anderem Juan Thornhill (Virginia) und Darnell Savage (Maryland), die für Seattle beide sehr interessant an Tag zwei oder drei des Drafts sein könnten. Auch der talentierte Taylor Rapp (Washington) könnte aufgrund seiner schwachen Zeit im 40-Yard Dash ein Steal sein, falls er dadurch im Draft etwas fällt.

Wide Receiver: Hinter Tyler Lockett gibt es auf der Receiver-Position viele Fragezeichen in Seattle. Kann David Moore an seine guten Leistungen zur Mitte der Saison anknüpfen oder bleibt er im Leistungsloch, in das er gegen Ende der Saison fiel? Medienberichten zufolge könnte Russell Wilsons Lieblings-Anspielstation der vergangenen Jahre, Doug Baldwin, aufgrund seiner vielen Verletzungen sogar zurücktreten. Fest steht aktuell aber nur, dass es für ihn nach mehreren Operationen in der Offseason ein langer Weg zurück wird. Auf die restlichen Passempfänger im Kader sollte man sich im Falle von Baldwins Ausfall jedenfalls nicht verlassen. Seattle muss für die Zukunft planen, denn wenn John Schneider in diesem Jahr keinen Impact-Spieler auswählt, könnte das auf die Seahawks noch zurückfallen. Womöglich wird es gegen Ende der ersten Runde bis Mitte der zweiten einen Ansturm auf die tief besetzte WR-Positionsgruppe geben. Wenn Seattle hier die Chance hat, einen Spieler wie Parris Campbell (Ohio State), Terry McLaurin (Ohio State) oder Deebo Samuel (South Carolina) zu bekommen, sollten Carroll und Schneider gut darüber nachdenken, bereits dann einen Receiver auszuwählen.

Defensive End: Ein klarer Need. Zwar hat John Schneider jüngst die beiden Pass Rusher Cassius Marsh und Nate Orchard unter Vertrag genommen, jedoch sind beide keine dauerhaften Lösungen gegenüber von Frank Clark, sondern eher Spieler für die Tiefe der Position, sprich für die Rotation. Darüber hinaus ist Defensive End die wohl stärkste Position im Draft. John Schneider bezeichnete sie vor kurzem in einem Interview als die beste, die er je gescoutet habe.
Jedoch ist es aus Seahawks-Sicht unrealistisch, auf Top-Prospects wie Brian Burns, Nick Bosa oder Montez Sweat zu hoffen, da diese lange vom Board sein werden, wenn Seattle das erste Mal auswählt. Aber es gibt trotzdem einige gute Optionen an Tag zwei, die aufgrund der schiereren Masse an Qualität oder aus charakterlichen Gründen fallen (siehe Frank Clark 2015). Chase Winovich (Michigan) hatte einen starken NFL Scouting Combine, Charles Omenihu (Texas) könnte auch eine interessante Option sein und auch der hochtalentierte Pass Rusher Jachai Polite (Florida) könnten eine Option für Seattle sein. Letzterer galt aufgrund seines Talents vor wenigen Monaten noch als sicherer Erstrundenpick, ehe er sich mit schlechten Interviews beim Combine wohl aus der ersten Runde schoss.

Fazit:

Eins ist gewiss: John Schneider überraschte bisher fast immer am Draft Day durch Picks, mit denen kaum jemand gerechnet hätte. Dazu muss nur ein Blick auf den vergangenen Draft und die Auswahl von Runningback Rashaad Penny in der ersten Runde geworfen werden.

Natürlich gibt es auch noch andere Positionen mit Bedarf wie die Linebacker-Gruppe, die Seattle aber bereits in der Free Agency mit den Vertragsverlängerungen von K.J. Wright und Mychal Kendricks anging. Darüber hinaus ist diese Position im Draft-Aufgebot nicht so stark besetzt, sodass sie einen frühen Pick keinesfalls rechtfertigen würde. Auch ein Tight End oder Nickelback ist im Draft für Seattle durchaus denkbar.

Wer zu den oben genannten Spielern und vielen weiteren noch mehr erfahren möchte, sollte auf den folgenden Blogs/Websites vorbei schauen:

Diese sind eine absolute Leseempfehlung und gehören zu den besten in Deutschland in Sachen Collge Football beziehungsweise Draft. Darüber hinaus kann man bei deren Autoren auch auf Twitter zu einzelnen Prospects kurze, gute Analysen finden und sich in Sachen Draft und Draft-Prospects auf den neuesten Stand bringen.

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