12 Fragen an… Jermaine Kearse

12 Fragen an Jermaine Kearse

Seattle-Seahawks-Receiver Jermaine Kearse hat einige Spitznamen: Mr. Clutch beispielsweise. Chop Chop. Oder Pedestrian, zu deutsch Fußgänger. Nach dem Interview mit den German Sea Hawkers könnte ein weiterer hinzukommen: Marshawn II. So knapp, wie der heimatverbundene Passempfänger auf unsere Fragen antwortete, könnte man meinen, er habe sein Medientraining von Beast Mode höchstpersönlich erhalten. Dennoch freuen wir uns sehr, dass Kearse mit uns trotz hektischem Training-Camp-Alltag und vollem Terminkalender über seine deutschen Wurzeln, Fußball und sein Rolle als Hometown Kid gesprochen hat.

Jermaine Kearse sendet nach seinem Game Winner 2013 per Superman-Pose Grüße an Cam Newton und die Carolina Panthers. (Bild: imago/ZUMA Press)

Jermaine Kearse sendet nach seinem Game Winner 2013 per Superman-Pose Grüße an Cam Newton und die Carolina Panthers. (Foto: imago)

Jermaine, beginnen wir mit einer kleinen Deutsch-Stunde. Fans und Teamkollegen nennen Dich Mr. Clutch, weil Du in den entscheidenden Momenten Deine beste Leistungen ablieferst. Weißt Du, was „clutch“ auf deutsch heißt?
Oh je, tut mir leid, da muss ich passen.

Kein Problem, das war sowieso eine Fangfrage. In Deutschland haben wir keine Übersetzung für „clutch“ in diesem Zusammenhang und benutzen deshalb den englischen Begriff. Wir haben Dich das gefragt, weil wir gehört haben, dass Deine Mutter aus Würzburg kommt, Du bist als Halbdeutscher. Beherrschst Du die Sprache ein wenig?
Leider überhaupt nicht. Dafür muss man aber meiner Mutter die Schuld geben. Bei uns in der Familie wurde nicht deutsch gesprochen.

Ein Teil Deiner Verwandten lebt in Deutschland. Wann warst Du letztmals dort?
Ich war schon lange nicht mehr in Deutschland, aber als ich jünger war, habe ich ein paar Jahre dort gelebt. Meine beiden Brüder wurden sogar dort geboren, ich dagegen kam in Lakewood, Washington zur Welt.

Ein weiterer bekannter Sportler mit Verbindung zu Würzburg ist German Wunderkind Dirk Nowitzki. In der High School hast auch Du Basketball gespielt. Hast Du Dirkules mal getroffen?
Dazu kam es bislang leider nicht. Ich habe ihn mal in einem Club gesehen, also nur ganz knapp verpasst. Lasst Ihr das zählen?

Aktuell ist die Rede von einem möglichen weiteren German Wunderkind – in der NFL. Wide Receiver Moritz Böhringer ist der erste Europäer, der direkt gedrafted wurde, ohne College Football gespielt zu haben. Glaubst Du, er kann bei den Minnesota Vikings bestehen?
Offensichtlich fanden die Vikings genug Gefallen an ihm, dass sie ihn im NFL Draft ausgewählt haben. Von daher denke ich, dass er schon eine Chance hat.

Böhringer begann erst vor fünf Jahren mit American Football und muss jetzt mit Geschwindigkeit, Physis und Komplexität in der NFL kämpfen. Auch Deine Geschichte ist eine besondere. Du spieltest am College für die Washington Huskies, wurdest nicht gedrafted, bekamst Deine Chance aber bei den Seahawks. Was war für Dich als Undrafted Free Agent die größte Herausforderung?
Wenn man es als UDFA in die NFL schafft, bekommt man für gewöhnlich nicht so viele Chancen. Ich bezeichne die Herausforderung daher gerne als: Das meiste aus jeder Gelegenheit machen, wenn man keine Gelegenheiten hat.

Die NFL will internationaler werden. Odell Beckham jr. besuchte vor Kurzem München als Botschafter. Deutschland ist im Gespräch für ein NFL International Series-Spiel. Die New England Patriots bieten deutschsprachige Artikel auf ihrer Website an. Die NFL in Deutschland – wäre das vor Deinem familiären Hintergrund ein Traumszenario für Dich?
Schwierige Frage. Ja und nein, sage ich. Das Reisen wäre in diesem Fall mit Sicherheit sehr kräftezehrend für uns Spieler von der Westküste. In der Hinsicht, dass man mal außerhalb der Vereinigten Staaten unterwegs sein könnte, wäre es aber schon eine coole Sache.

Der wichtigste Catch seiner Karriere – im NFC Championship Game der Saison 2014 gegen die Green Bay Packers sorgte Jermaine Kearse in der Overtime für die Entscheidung.

Der wichtigste Catch seiner Karriere – im NFC Championship Game der Saison 2014 gegen die Green Bay Packers sorgte Jermaine Kearse in der Overtime für die Entscheidung. (Foto: imago)

Der deutsche Angreifer Mario Götze war mit anderen Worten unser Mr. Clutch bei der Fußball-WM 2014. Du hast Dir einen Namen gemacht, indem Du in den vergangenen Jahren ein paar unglaubliche Bälle aus der Luft gepflückt hast, die Deinem Team zu tollen Erfolgen verhalfen. Was ist das Geheimnis dahinter, im wichtigsten Moment in Bestform zu sein?
Eigentlich gibt es da kein Geheimnis. Man muss einfach bereitstehen, wenn man gebraucht wird.

Während der EM 2016 hast Du als „Die Mannschaft“-Fan auf Twitter mit Deinem Teamkollegen Luke Willson (Italien-Anhänger) über den Ausgang des Spiels Deutschland gegen Italien diskutiert. Verfolgst Du deutschen Sport? Und hast Du Lieblingsteams?
Ich verfolge das tägliche Geschehen im Fußball ein bisschen – besonders den FC Bayern. Ich bin ein großer Fan der Münchner.

In Deutschland haben wir kein Franchise-System, sondern einen etwas traditionelleren Ansatz – Teams als Vereinsmannschaften. Fans wünschen sich, dass die Spieler ihre gesamte Karriere bei einem Verein verbringen. Du hast bei den Seahawks in der Offseason einen neuen Vertrag unterschrieben. Somit hast Du bislang Deine gesamte sportliche Laufbahn im Pacific Northwest verbracht. Was bedeutet es Dir, ein Hometown Kid zu sein?
Ich finde, es ist schon ziemlich cool, immer vor Familie und Freunden auflaufen zu können. Man muss nicht so weit reisen, um die Verwandtschaft zu sehen, die Verwandten müssen nicht so weit reisen, um meine Spiele zu besuchen. Und ich muss mich nicht in eine neue Kultur einleben oder mit anderen Wetterbedingungen zurechtkommen.

Die Chance, dass die Seahawks als West Coast-Team nach Deutschland oder in eine andere europäische Großstadt kommen, ist ziemlich klein. Willst Du dennoch eines Tages nach Deutschland zurückkehren?
Ich würde gerne nach Europa kommen, um dann natürlich auch durch Deutschland zu reisen. Meine Großeltern leben übrigens noch dort. Es wäre cool, sie zu besuchen.

Abschließend hast Du noch die Qual der Wahl…
Mercedes oder Tesla
Currywurst oder Hot Dog
– Fußball oder American Football
Jogi oder Klinsi
– Ostsee oder Puget Sound
– Brandenburger Tor oder Space Needle
Weißbier oder Indian Pale Ale
– Dallmayr oder Starbucks

Jermaine, wir danken Dir für das Gespräch!

Mehr über die deutschen Wurzeln von Jermaine Kearse gibt’s hier.

Über die Rubrik

“12 Fragen an…” ist eine Rubrik, in der regelmäßig Interviews unserer Redaktion mit Persönlichkeiten veröffentlicht werden, die in einer Beziehung zur deutschsprachigen Fangemeinde und den Seattle Seahawks stehen. In den Gesprächen geht es um Zusammenhänge zwischen den Interviewpartnern und unserem Lieblingsteam, Erlebnisse und Erfahrungen im American Football und persönliche Geschichten. Alle bisher erschienenen Interviews aus der Serie gibt’s hier zum Nachlesen.

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