12 Fragen an… Enrico Valentini

12 Fragen an Enrico Valentini

Enrico Valentini (27) ist italienischer Abstimmung, wurde in der fränkischen Großstadt Nürnberg geboren und schnürt seine Schuhe nicht für das ovale, sondern das runde Leder. Trotzdem ist er ein großer American-Football-Fan und begeisterter Anhänger der Seattle Seahawks. Valentini lernte das Kicken in der Jugend des 1.FC Nürnberg, bevor er 2010 zum VfR Aalen wechselte und mit dem Team von der Ostalb den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte. Seit 2014 spielt er für den badischen Traditionsclub aus Karlsruhe, mit dem er in der vergangenen Spielzeit buchstäblich in letzter Sekunde den Traum vom Aufstieg in Liga 1 vor seinen Augen platzen sah. Im Interview spricht Enrico Valentini über die Parallelen der beiden Sportarten, den Glauben im Sport und was ihn an den Seahawks begeistert.

Enrico, folgende Situation: Super Bowl XLIX, kurz vor Spielende. Die Seattle Seahawks stehen einen Yard vor der Goal Line. Du bist der Play Caller. Lauf oder Pass?
Ich denke, ich hätte es zunächst mit einem Run versucht. Ich kann jedoch Pete Carroll verstehen, weil sich die Patriots mit Sicherheit dasselbe gedacht haben.

Eine ähnliche Situation hast Du mit dem Karlsruher SC wenige Monate später erlebt. Ihr standet in der Relegation kurz davor, in die Bundesliga aufzusteigen. Bis zur Nachspielzeit im Rückspiel wart Ihr auch so gut wie aufgestiegen, doch dann fiel der Ausgleich. Am Ende unterlagt Ihr nach großem Kampf in der Verlängerung und die Enttäuschung war riesengroß. Ähnlich ging es den Seahawks nach der Interception in Super Bowl XLIX. Was geht in einem Sportler dann vor?
Das ist eine ganz schwierige Situation. Man ist sehr emotional, weil man all das, was man sich ein ganzes Jahr über aufgebaut hat, binnen weniger Minuten aus den Händen gleiten sieht. Das tut schon sehr weh und man braucht dann eine Weile, um das zu verdauen.

View this post on Instagram

#gohawks!!!!

A post shared by Enrico Valentini (@valentineiro11) on

In Seattle entstand daraus wie schon so oft zuvor eine Trotzreaktion. Zunächst lief es nicht gut in der abgelaufenen Spielzeit, aber dann klappte es doch noch mit dem Einzug in die Playoffs. Was lernt man als Sportler aus solch einer Enttäuschung?
Wenn die Chemie in der Mannschaft stimmt, überwindet man so etwas relativ einfach. Vor allem wenn man so viel Qualität wie die Seahawks im Kader hat.

Du bist Fan der Seattle Seahawks und hast in der vergangenen Saison eifrig über Dein Lieblingsteam getwittert. Warum gerade die Seahawks? Was begeistert Dich an dem Team aus Seattle?
Mich hat einfach von vornherein alles an den Seahawks gepackt. Die Mannschaft, die Einzelspieler, aber vor allem die Fans. Das ist schon Wahnsinn, was dort abgeht. Ich habe mich direkt mit Ihnen verbunden gefühlt und ab dann gab es kein Zurück mehr.

Es gibt Fotos von Dir und Deinen Mitspielern, wie Ihr sonntagabends American Football im deutschen Free-TV schaut. Sind unter Deinen Football-affinen Mitspielern beim KSC noch weitere Seahawks-Fans?
Ich muss sagen, ich habe sogar den NFL GamePass. Ich will nichts verpassen. Der Red Zone-Kanal ist schon etwas Tolles. In unserer Mannschaft ist Bjarne Thoelke auch Seahawks-Fan.

Stichwort Fans – bei den Seahawks spielen die, der 12. Mann, eine große Rolle. Wenn Du die Stimmung beim KSC im Stadion mit der im CenturyLink Field in Seattle vergleichen müsstest – wer würde diesen Vergleich dann gewinnen?
Da muss ich ganz klar CenturyLink Field sagen. Die Stimmung gegen den HSV im Wildpark darf aber auf keinen Fall vergessen werden, das war schon sehr laut. Aber etwa 75.000 Fans bei Gegners Offense, da wird es weltweit schon schwer ranzukommen.

Fußball wächst in den USA, hat aber noch nicht den gleichen Stellenwert wie hier in Deutschland. Dennoch gibt es Kollegen wie Christian Tiffert, Andreas Ivanschitz oder Nelson Valdez, die das Abenteuer Major League Soccer gewagt haben und in Seattle Fußball spielen oder gespielt haben. Träumst Du davon, auch mal im CLink auflaufen zu dürfen?
Als US-Sportfan schaut man natürlich oft, was in den Staaten so passiert. Im CLink bei Heimspielen aufzulaufen, wäre natürlich riesengroß. Mal sehen, man weiß nie, was die Zeit so bringt. Ich hätte definitiv nichts dagegen.

Zurück zum American Football. Du bist Rechtsverteidiger beim KSC. Aber auf welcher Position würdest Du Dich im American Football sehen?
Ich denke, als Wide Receiver oder Cornerback wäre ich ganz gut aufgehoben.

In Karlsruhe sind die KIT Engineers eines der lokalen American Football-Team. Deren Trainingsgelände liegt sehr nahe bei Eurem. Hast Du da mal beim Training vorbeigeschaut und Dich mit dem Ei versucht?
Ich habe sie leider noch nicht spielen sehen. Aber ja, ich habe ein Ei nach Spanien ins Trainingslager mitgenommen. Da haben wir dann das eine oder andere Mal spielen können. Es stand sogar im Raum, ein kleines Spiel zu machen als Abschluss, das war uns dann aber doch zu gefährlich (lacht).

Wenn der Fußball sich eine Regel vom American Football abschauen könnte, welche sollte das Deiner Meinung nach sein? Und umgekehrt, was kann die Sportart Football diesbezüglich vom runden Leder lernen?
Mit Abstrichen der Videobeweis. Wenn der Spielfluss nicht zu lange gestört wird, denke ich, wäre das im Fußball sinnvoll. Im Football hingegen könnte alles ein bisschen schneller gehen. Aber die Werbeindustrie in Amerika ist natürlich sehr schwer zu überwinden.

Du bist ein sehr gläubiger Mensch. Bei den Seahawks postet Russell Wilson fast täglich einen Bibelvers in den sozialen Medien. Was gibt Dir (und vielleicht auch Russell Wilson) der Glaube als Sportler?
Für mich steht der Glaube an erster Stelle. Er gibt mir die Basis für alles, was in meinem Leben passiert. Das hilft dann im Sport natürlich sehr. Ich denke, das sieht Russell Wilson genauso. Man betrachtet den Sport nicht als absolute Grundlage. Es ist schließlich “nur” Sport.

Lass uns zum Abschluss noch über Trainer reden. Pete Carroll ist bekanntlich ein sehr lebendiger Coach, der immer für eine Überraschung gut ist. Einmal rannte er bei einer Teambesprechung eine Flip Chart um, ein anderes Mal hielt er die Siegesrede in der Kabine auf dem Umkleideschrank stehend. Würdest Du das Deinem Trainer Markus Kauczinski auch zutrauen?
Bis jetzt ist er noch nicht so aus sich heraus gekommen. Ich denke, er ist da ein Stück weit ruhiger als Pete Carroll. Aber wer weiß, was bei einem Aufstieg in die Bundesliga passiert wäre.

Enrico, wir danken Dir für das Gespräch!

 

Über die Rubrik

“12 Fragen an…” ist eine Rubrik, in der regelmäßig Interviews unserer Redaktion mit Persönlichkeiten veröffentlicht werden, die in einer Beziehung zur deutschsprachigen Fangemeinde und den Seattle Seahawks stehen. In den Gesprächen geht es um Zusammenhänge zwischen den Interviewpartnern und unserem Lieblingsteam, Erlebnisse und Erfahrungen im American Football und persönliche Geschichten. Alle bisher erschienenen Interviews aus der Serie gibt’s hier zum Nachlesen.

Menü