GSH-Mitglied Daniel Appel hat sich auf dieser Seite intensiv mit der Geschichte der Seattle Seahawks auseinandergesetzt. In der folgenden Timeline liefert er einen chronikalischen Überblick, der im Jahr 1972 beginnt und bis in die Gegenwart reicht.

1972-1976: Gründung

Das Jahr 1976 beinhaltet die Gründung unseres Lieblings-Teams aus Seattle. Die Vorbereitungen dafür begannen aber bereits vier Jahre zuvor, also im Jahre 1972. Durch Geschäftsleute und Lokalpolitiker aus Seattle wurde die Idee eines NFL-Teams geboren, welche am 05. Dezember 1974 mit der Unterzeichnung durch die NFL und den Verantwortlichen des zu dieser Zeit noch namenlosen Teams besiegelt wurde. Dies änderte sich 1975, als John Thompson (ehemaliges Vorstandsmitglied der University of Washington) zum ersten General Manager ernannt wurde. Kurz danach bekam das Team den heute immer noch gültigen Namen „Seattle Seahawks“, welcher durch einen öffentlichen Wettbewerb entstand.

Der Spielbetrieb wurde dann nochmal knapp zwei Jahre später (1976) aufgenommen, wodurch sich das Gründungsdatum (amerikanisch: Established in 1976) erklären lässt.

Randnotiz: Eigentümer der Franchise war zu der Zeit die Familie der Warenhauskette „Nordstorm“.

1976: Erste Saison der Seahawks

Mit einem Record von 2-12 starteten die Seahawks in ihre erste NFL-Saison im Jahre 1976. Das erste Ligaspiel gegen die damals noch St. Louis Cardinals (heute Arizona Cardinals) ging im heimischen Kingdome mit  24:30 verloren. Der erste Sieg des neu gegründeten Teams wurde am 17. Oktober mit 13:10 gegen Tampa Bay eingefahren. Der erste Heimsieg (und damit leider schon die einzigen beiden in dieser Saison) konnte am 7. November mit einem 31:13 gegen Atlanta bejubelt werden.

Damals schon Mitglied des Teams waren Quarterback Jim Zorn und der spätere Hall of Fame-Wide Receiver Steve Largent (deren Geschichte kann man sich besonders gut in der Dokumentation „A Footballs Life: Steve Largent“ verdeutlichen).

Die Euphorie der Fans war damals wie heute eine der Eigenschaften der Seahawks, was durch folgende Aussage des damaligen QB Jim Zorn verdeutlicht wird: „Wir haben zwar nur zwei Spiele gewonnen in unserem ersten Jahr. Aber man hätte meinen können, wir wären in die Playoffs gekommen. So enthusiastisch waren nicht nur wir, sondern auch unsere Fans.“

1977-1979: Anfangseuphorie

Im Jahre 1977 waren die Seahawks Ausrichter des Pro-Bowls (All-Star Game der NFL) und zum ersten Mal war dieser komplett ausverkauft. Sportlich gesehen war eine Steigerung zur Vorsaison zu erkennen und somit wurde die Saison mit einem 5-9-Record beendet. Dies war gleichzeitig auch das erste Jahr in der Division der AFC West (in dieser blieben die Seahawks bis 2001).

In der Saison 1978 konnten die Seahawks bereits in Ihrem dritten Jahr einen positiven Record vermerken. Mit 9-7 ging diese also in die Geschichtsbücher der noch jungen Franchise ein.

Weitere Highlights waren die Breakout Season (und gleichzeitig seine letzte) von Fullback David Sims. Dieser führte die Liga mit insgesamt 15 Touchdowns an. Umso tragischer: Nach zwei Kollisionen sowohl mit Mitspielern im Training als auch im zweiten Spiel der 1979er-Saison gegen Miami konnte Sims auf Grund einer Verengung des Rückenmarkkanals nie wieder ein Football-Spiel bestreiten.

Ein weiteres Highlight war die erste seiner insgesamt sieben Pro Bowl-Ernennungen von Seahawks-Legende Steve Largent (gleichzeitig auch der erste Seahawks-Spieler, dem diese Ehre zuteilwurde).  Mit 71 gefangenen Pässen für insgesamt 1.168 Yards und acht Touchdowns auch völlig gerechtfertigt.

QB Jim Zorn wurde zum MVP der AFC gewählt (3.283 Yards, 15 TDs) und Headcoach Jim Partera zum Coach oft the Year des Jahres 1978.

Die Saison 1979 wurde ebenfalls mit 9-7 gestaltet und die Leistungsträger waren nach wie vor nicht zu stoppen. Steve Largent wurde zum MVP gewählt, RB Sherman Smith führte wie in den 3 Jahren zuvor die Seahawks in Rushing Yards an und Kicker Efren Herrera erreichte als erster Seahawks Spieler 100 Punkte.

Ein guter Start also, der in den nächsten Jahren bestimmt mit der ersten Playoff-Teilnahme gekrönt werden würde. Bei den Träumen blieb es aber erstmal, denn es folgten…

1980-1982: Jahre der Ernüchterung

Mit 4-12, 6-10 und 4-5 (1982 wurde die Saison durch den Spielerstreik für 57 Tage und somit acht Spiele unterbrochen) folgten nämlich drei Jahre zum Vergessen für die Mannschaft der Seahawks. Tribut zollen mussten auch Head Coach Jim Patera (der während des Streiks durch Mike McCormack ersetzt wurde) und General Manager John Thompson. Es sollte nicht der letzte nennenswerte Trainerwechsel in Seattle bleiben.

1983: Die Ära Chuck Knox beginnt in Seattle

Interimscoach Mike McCormack wird zum Präsident und General Manager der Seattle Seahawks ernannt. Neuer Head Coach wird der ehemalige Los Angeles Rams und Buffalo Bills Trainer Chuck Knox. Im Draft wird RB Curt Warner gepickt, welcher das Vertrauen mit 1.449 Yards, 13 TD’s und der Ernennung zum AFC Offensive Player of the Year optimal zurück bezahlt. Neben (mal wieder) Steve Largent also ein weiterer Grund für die erste Playoff-Teilnahme unseres Lieblingsteams aus dem Pacific Northwest. Ein weiterer Grund war wohl auch der Wechsel vom schwächelnden QB Jim Zorn zu Dave Krieg.

In der Wild-Card Runde wurden die Denver Broncos um QB Jon Elway (heutiger General Manager in Denver) mit 31-7 besiegt (Blowout gegen die Broncos, war da nicht irgendetwas im Jahre 2013?!…bleibt dran! ;-)) In der nächsten Runde warteten dann die Miami Dolphins, welche mit 27-20 geschlagen wurden. Dadurch durften die Seahawks das erste Mal in Ihrer jungen Karriere in einem AFC Championship Game antreten und mussten sich prompt mit 14-30 gegen den späteren Super Bowl Sieger L.A. Raiders geschlagen geben. Auf Grund der vorigen 3 Spielzeiten konnte dieses Spiel aber trotz Niederlage wie ein Sieg gewertet werden und sollte nur der Anfang einer prägenden Ära unter HC Chuck Knox werden.

1985 und 1986: No Playoffs

Nach zwei Playoff Teilnahmen in den vorigen Saisons wurden in den beiden genannten Jahren die Playoffs verpasst. 1985 mit einem 8-8- (obwohl RB Curt Warner wieder genesen war) und 1986 sogar mit einem 10-6-Record (obwohl die letzten fünf Spiele gewonnen wurden) reichte es nicht zum ersten Mal, um eine Super Bowl-Teilnahme zu erwirken.

1987: Spielerstreik? Playoff-Teilnahme!

Diese zwei Schlagworte bestimmten die Spielzeit der Seahawks in 1987. Nachdem die NFL wieder für 24 Tage ruhen musste, wurden in dieser Saison mit Strong Safety Kenny Easley, Defensive End Jacob Green, Linebacker Fredd Young und den bereits erwähnten Curt Warner und Steve Largent insgesamt fünf Seahawks in den Pro Bowl gewählt. Die Saison wurde mit 9-6 beendet und in den Playoffs musste gleich in der Wild Card-Runde eine 20:23-Niederlage nach Verlängerung verdaut werden. Steve Largent wurde in dieser Saison zum All-Time Leading Receiver in der NFL-Geschichte (751 Catches).

1989: A legend retires…

Die Saison wurde zum ersten Mal unter HC Chuck Knox mit einem negativen Record beendet (7-9). Aber noch schmerzlicher war, dass es die letzte Saison von Hall of Fame-Wide Receiver Steve Largent war. Dieser musste zusätzlich in sechs Spielen aufgrund einer Ellbogen-Verletzung pausieren, was ihm seine niedrigsten Receptions (28) und Passing Yards (403) seiner Karriere einbrachte. Dies soll aber nicht seine überdurchschnittlich geniale Karriere schmälern. Er stellte natürlich noch einen Rekord auf (die meisten Receiving Touchdowns) und wurde als erster Spieler in die Ring of Honor der Seattle Seahawks aufgenommen. Eine Karriere, die trotz Largents Größe (1,80m) seinesgleichen sucht: 819 gefangene Pässe für insgesamt 13.089 Yards und 101 TDs. Well done Steve!

1990 und 1991: Generationenwechsel

Nach Steve Largent mussten die Seahawks im Jahre 1990 weitere Leistungsträger wie SS Kenny Easley (Karriereende wegen Verletzung) und RB Curt Warner (Wechsel zu den L.A. Raiders) ziehen lassen. Trotzdem wurde die Saison mit wieder einmal 9-7 positiv gestaltet.

1991 folge dann der Abgang von QB Dave Krieg und HC Chuck Knox (welcher im April noch einen neuen Zwei-Jahres Vertrag unterschrieben hatte und im Dezember entlassen wurde).

1992-1998: Viele Wechsel, durchschnittlicher Erfolg

Tom Flores (davor als Präsident und GM der Seahawks tätig) wird 1992 neuer Head Coach und muss sich gleich im ersten Jahr mit dem schlechtesten Record in der Geschichte herum schlagen: 2-14 heißt es am Ende. Trotzdem gab es auch etwas Positives zu vermelden: Defensive Tackle Cortez Kennedy wurde zum Defensive Player of the Year gewählt, nachdem er Karriere Bestleistungen in Tackles (92), Sacks (14) und Tackles for losses (nach wie vor Team-Rekord: 28). Dementsprechend wurde er das erste Mal in den Pro Bowl gewählt, mit den meisten Stimmen für einen Defensive Player. Es sollte die erste von insgesamt acht (8!) Pro Bowl Teilnahmen für Kennedy werden.

1993 wird QB Rick Mirer aus Notre Dame gedraftet. Gleich in seiner ersten Saison führt er die Seahawks zu einer 6-10 Saison. Trotzdem wird es am Ende ein weiteres Playoff-loses Jahr in Seattle.

Neues Jahr, wieder 6-10. Head Coach Tom Flores muss seinen Trainer-Posten nach gerade einmal 3 Jahren wieder räumen, nachdem er es gerade einmal zu 14 Siegen bei 34 Niederlagen geschafft hatte. RB Chris Warren schafft es, die meisten Rushing Yards während einer Saison in der Franchise History zu knacken (1.545 Yards), ansonsten lief leider nicht viel zusammen im Jahre 1994.

1995: There is a new Head Coach! Dennis Erickson übernimmt in Seattle und die Seahawks schaffen es nach 3 Seasons einen nicht negativen Rekord am Ende zu erreichen (8-8). Doch das erwähnenswertere Highlight in diesem Jahr war die Aufnahme von WR Steve Largent in die „Pro Football Hall of Fame“, als erster Seahawks Spieler überhaupt. Im selben Jahr wurde seine Rückennummer #80 „retired“. Dies bedeutet, dass nie wieder ein Spieler in der Geschichte der Seattle Seahawks diese Nummer tragen wird. Eine große Ehre für eine wahre Legende in der bisherigen Geschichte unseres Teams!

1996: Paul Allen takes over! Im zweiten Jahr von HC Dennis Erickson wurde der einzige negative Rekord (7-9) erzielt. Sportlich gesehen kann man hier auf nicht viel zurückgreifen. Doch andere wichtige Themen nahmen in diesem Jahr ihren Lauf: Paul Allen (heute immer noch Besitzer der Seahawks) übernimmt das Team, nachdem sein Vorgänger Ken Behring versucht hatte das Team nach Los Angeles umzusiedeln. In diesem Jahr verlor die Stadt beide dort ansässigen Teams (Raiders und Rams). Der Versuch von Behring scheiterte aber und Paul Allen (Mitgründer der Firma Microsoft und bereits Inhaber des NBA-Teams Portland Trail Blazers) kaufte das Team mit dem Vorwand, dass die Seahawks auch weiterhin ein Teil der Stadt Seattle bleiben sollten. Eine weitere Forderung von Allen war der Bau eines neuen Stadions, dazu aber später mehr.

Das Jahr 1997 beinhaltete wieder einmal einige personelle Veränderungen innerhalb des Teams. Linebacker Chad Brown (der in seinen ersten drei Seasons jedes Jahr am Pro Bowl teilnahm) wurde unter Vertrag genommen, genauso wie kurze Zeit später QB Warren Moon (der in seiner ersten Saison Team-Rekorde in angebrachten Pässen (313) und Passing Yards (3.678) aufstellte und dazuhin noch zum Pro Bowl-MVP ernannt wurde). Im Draft wurden Cornerback Shawn Springs und Left Tackle Walter Jones geholt, beide Mitglieder des 35-Jahre-Teams der Seahawks (die besten Spieler von 1976-2011). Bob Whitsitt wird zum neuen Präsidenten und General Manager ernannt.

Wieder 8-8 hieß der finale Record im Jahre 1998. HC Dennis Erickson wurde nach seiner vierten Saison entlassen. Ein Kapitel voller Veränderungen geht zu Ende.

1999-2007: Die Mike Holmgren-Ära

Gleich in seinem ersten Amtsjahr führt der neue Head Coach und gleichzeitig General Manager Mike Holmgren (kam von den Green Bay Packers) die Seahawks zum ersten Mal seit 1988 wieder in die Playoffs. Nach einem 8-2-Start folgte jedoch ein 1-5-Finish und somit wurde die Saison mit 9-7 beendet, was jedoch für die Playoffs reichte. QB Jon Kitna spielte seine erste komplette Saison in Seattle. In der AFC Wild Card-Runde musste man sich mal wieder den Miami Dolphins mit 17:20 geschlagen geben, bei denen QB Dan Marino sein vorletztes Karriere Spiel gegen die Seahawks machte.

Die Jahrtausendwende brachte einige bekannte Namen nach Seattle: RB Shaun Alexander wurde in der ersten Runde gedraftet und ein gewisser John Schneider wird am 28. April zum „Director of Player Personnel“ ernannt (auch zu diesem Namen wird noch der ein oder andere Satz in diesem Bericht geschrieben werden). Ihre Heimspiele tragen die Seahawks nicht wie bisher im Kingdome, sondern im Stadion der in Washington ansässigen College-Mannschaft der Washington Huskies aus. Das bisherige Stadion wurde nämlich in diesem Jahr dem Erdboden gleich gemacht, um Platz für das neue Stadion zu machen. Sportlich wird die Saison mit 6-10 beendet, was aber nicht so wichtig ist wie die oben genannten Veränderungen im Hintergrund des Teams.

Das Jahr 2001 stand ganz im Zeichen der schrecklichen Terroranschläge in New York am 11 September, nur zwei Tage nach der Saisoneröffnung der Seahawks. An diesem Tage verloren über 3.000 Menschen ihr Leben, nachdem Terroristen Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers und das Pentagon jagten.

Trotz allem wurde auch in diesem Jahr Football gespielt und dies alles andere als schlecht! Aber alles der Reihe nach. Wie heißt es doch so schön: „Nichts ist so beständig wie die Unbeständigkeit“. Dieser Satz könnte für die Seahawks erfunden worden sein. Cortez Kennedy wird entlassen und durch John Randle ersetzt und ein neuer QB wird in einem Trade mit Green Bay nach Seattle geholt. Dieser Playmaker ist kein geringerer als Matt Hasselbeck, der 2001 sein Debüt für die Seahawks gab. Die Saison wird mit 10-7 zwar gut gestaltet, es reicht aber wieder einmal nicht für eine Playoff Teilnahme. Es sollte auch die letzte Saison mit dem alten Logo und im Stadion der Washington Huskies sein, denn…

2002 ist sozusagen ein Neuanfang in der Geschichte der Seattle Seahawks. Ausgestattet mit einem neuen Logo und neuen Uniformen wird zur neuen Spielzeit auch das neue Stadion eröffnet, in welchem die Seahawks bis heute ihre Heimspiele austragen. Außerdem wird das Team von der AFC West in die NFC West umgesiedelt, in welcher sie bis heute gemeinsam mit den St. Louis Rams, Arizona Cardinals und San Francisco 49ers um die Playoffs kämpfen.

HC Mike Holmgren legt unter dem Druck der Öffentlichkeit sein Amt als General Manager nieder und konzentriert sich nur noch auf seine Aufgaben als Trainer. Matt Hasselbeck spielt aufgrund von Verletzungen von QB Trent Dilfer als neuer Starter eine gute Saison und stellt sich als sinnvolle Entscheidung im oben genannten Trade mit Green Bay heraus. Die erste Saison im neuen Stadion wird mit 7-9 leider negativ beendet, Besserung ist aber in Sicht!

Denn die Saison 2003 wird die erste in der Geschichte des heutigen CentuyLink Field, in der die Playoffs erreicht werden. Außerdem ist dies der Start einer fünfjährigen Serie mit Playoff-Teilnahmen inklusive dem bis dahin größten Erfolg in der Geschichte der Seahawks.

Die Regular Season wird mit zehn Siegen und sechs Niederlagen beendet und die Seahawks ziehen nach einer langen Durststrecke wieder in die Playoffs ein! Dort muss man sich den Green Bay Packers mit 27-33 nach Overtime geschlagen geben. Der entscheidende Touchdown ist eine in die Endzone getragene Interception von Green Bay Cornerback Al Harris. Kurios ist auch die Szene beim Coin Toss vor der Verlängerung: Seahawks QB Matt Hasselbeck dachte, das Stadionmikrofon des Schiedsrichters sei ausgeschalten und lässt sich zu folgendem Satz hinreißen: „We want the ball and we’re going to score (Wir wollen den Ball und wir werden punkten!). Was dann folgte kann ein Stück weiter oben nochmal gelesen werden (für alle die zu faul sind: Interception Hasselbeck, Pick-6 von Al Harris und eine 27:33-Niederlage).

Dieses Jahr ist zudem der Beginn einer heute noch gültigen Tradition vor jedem Heimspiel, das hissen der “12th Man Flag” im CenturyLink Field. Persönlichkeiten aus Seattle, ehemalige Spieler und Trainer der Seahawks aber auch aller anderen Teams aus Seattle (Mariners (Baseball), Sounders (Fußball) und Supersonics (ehemals Basketball)) werden vor jedem Spiel ausgewählt und dürfen unter dem tosenden Applaus der Zuschauer eine blaue Fahne mit der weißen Nummer 12 darauf hissen. Gänsehautfeeling garantiert!

2008-2009: Abschied von Mike Holmgren und eine kurze Runde Trainerkarussell

2008 dann also die letzte Saison von HC Mike Holmgren. RB Shaun Alexander wird bereits vor der Saison entlassen und viele Verletzungen sind ein Grund, wieso diese Spielzeit mit 4-12 beendet wird. Ein leider nicht gerechtfertigter Abschied für diesen herausragenden Trainer aber auch dies soll nicht über die außergewöhnlichen Leistungen in insgesamt 10 Seasons hinweg täuschen.

Jim Mora wird zur neuen Saison 2009 als neuer Trainer vorgestellt und ein gewisser Max Unger verstärkt die O-Line der Seahawks. Trotzdem werden gerade einmal 5 Siege eingefahren und bei nach 11 Niederlagen in seiner ersten Saison wird Mora nach diesem kurzen Gastspiel auch gleich wieder gefeuert. Der Weg ist frei für eine neue Ära…

2010-2012: Der Beginn einer Erfolgsgeschichte

Head Coach Pete Carroll (kam vom College Football-Champion USC Trojans) und General Manager John Schneider übernehmen 2010 das Team und beginnen die ersten heute immer noch bekannten Gesichter nach Seattle zu holen. Left Tackle Russel Okung und Free Safety Earl Thomas werden an 6. und 14. Stelle gedraftet und RB Marshawn Lynch wechselt aus Buffalo zu den Seahawks. Das sollte sich auszahlen! Zum ersten Mal in der Geschichte der NFL erreichte ein Team mit einem negativen Rekord als Division Leader die Playoffs. 7-9 hieß es und aufgrund der noch schwächeren Rams, Cardinals und 49ers zog man also in die Playoffs ein. Dort wurden die amtierenden Super Bowl Sieger der New Orleans Saints überraschend mit 41-36 geschlagen und ein gewisser „Beastquake“ erschütterte das Stadion. Marshawn Lynch ließ die komplette Defense hinter sich und trug die Seahawks mit diesem 67-Yard Touchdown zum Sieg und in die nächste-Playoff Runde. Chicago Bears hieß der nächste Gegner und leider musste man sich diesem mit 24:35 beugen. Trotzdem ein gutes erstes Jahr in der Ära Carroll/Schneider.

Dieses Duo brachte weitere wichtige Spieler im Jahr 2011 nach Seattle. Namen wie Doug Baldwin, Kam Chancellor, Steven Hauschka, Richard Sherman, Tarvaris Jackson, Sidney Rice, Brandon Mebane und K.J. Wright tauchten zum ersten Mal im Roster der Seahawks auf. Diese und das restliche Team fuhren 7 Siege ein und mussten sich 9-mal geschlagen geben, was leider nicht für die Playoffs reichen sollte. Aus heutiger Sicht betrachtet war dies aber der Anfang eines starken Teams unter Pete Carroll, das sich noch deutlich steigern sollte.

Denn dieses wurde 2012 weiter verstärkt: Ein gewisser Russell Wilson wurde als Backup-Quarterback gedraftet, konnte sich aber (nachdem Tarvaris Jackson nach Buffalo getradet wurde) durch gute Leistungen in der Vorbereitung gegen Matt Flynn durchsetzen und den Job als Starter ergattern. Das Vertrauen zahlte Wilson in seinem ersten Jahr mehr als zurück und führte die Seahawks mit einem 11-5 Record direkt in die Playoffs. In der ersten Runde wurde Washington mit 24-14 besiegt und so hießen die nächsten Gegner Atlanta Falcons. Das Spiel wurde zwar knapp verloren (28-30), Wilson stellte aber mit 385 Yards einen neuen Rekord auf. Nur der Anfang von vielen weiteren Rekorden dieses genialen Spielers.

Ebenfalls 2012 wurden unter anderem gedraftet: Bruce Irvin, Bobby Wagner, Robert Turbin, Jeremy Lane und J.R. Sweezy. Namen wie Jermaine Kearse und Golden Tate tauchten ebenfalls zum ersten Mal auf der Spielerliste auf.

2014: Super Bowl 2.0 – ein Yard entfernt vom Re-Pete

Zum insgesamt dritten Mal in der Geschichte und davon zum zweiten Mal unter Pete Carroll standen die Seahawks am Ende der Saison 2014/15 im großen Finale. Aber alles nacheinander.

Nach einem durchwachsenen 3-3-Start konnte Seattle neun der letzten zehn Spiele gewinnen und sicherte sich somit Platz eins in der NFC West und gleichzeitig der kompletten NFC. Dadurch hatte man wie schon 2013 ein First-Round Bye und Heimrecht in den gesamten Playoffs. Dies sollte im NFC Championship Game zum großen Vorteil werden, welches wohl als eines der genialsten Spiele in Seahawks-Geschichte eingehen wird. In der ersten Runde traf man auf die Carolina Panthers um QB Cam Newton. In einem spannenden Spiel (das durch einen Touchdown nach Interception kurz vor der eigenen Endzone von Kam Chancellor beendet wurde) setzte man sich mit 31:17 durch und zog ins NFC Title Game ein. Als Gegner kamen die Green Bay Packers um QB Aaron Rodgers ins CenturyLink Field nach Seattle. Dieses Spiel sollte nichts für schwache Nerven und Leute mit Herzproblemen werden (obwohl die wohl jeder andere danach auch hatte!). Mit insgesamt vier Interceptions (davon drei in der 1. Halbzeit) war es wohl gleichzeitig auch die schwächste von QB Russell Wilson in seiner noch jungen Karriere. Dementsprechend war der Halbzeitstand mit 0:16 das Resultat. Doch was dann passierte, wird wohl auch so schnell niemand vergessen. Bei noch 4:50 Minuten im 3. Viertel zu spielen sah es ganz danach aus, dass die Seahawks ihre ersten Punkte an diesem Abend produzieren würden. Nicht mehr als Ergebniskosmetik wahrscheinlich. Steven Hauschka machte sich bereit um ein 38 Yard-Field Goal zu schießen und somit auf 3:16 zu verkürzen. Doch Pete Carroll und sein Offensive Coordinator Darrell Bevell hatten eine andere Idee und so wurde aus einem sicher geglaubten Field Goal-Versuch ein Fake-Spielzug, der mit einem Touchdown-Pass von Holder/Punter Jon Ryan zu Rookie Tackle Garry Gilliam endete. Jeder rieb sich die Augen und erst die Wiederholung machte deutlich was da gerade passiert war. Neuer Spielstand also 7:16. Doch bei diesem Highlight sollte es nicht bleiben! Die Packers schossen ein Field Goal und somit stand es 7:19 aus Sicht der Seahawks. Doch dann kam die wohl unfassbarste Schlussphase in der Geschichte der Seahawks (und ja, eine weitere turbulente im Super Bowl, aber dazu später mehr). Bei noch 5:09 Minuten im 4. Viertel wirft Wilson seine vierte Interception des Spiels und alles sah danach aus, dass die Packers in den Super Bowl einziehen werden. Doch der Spruch: „It’s not about how you start a Game, it’s how you finish it!“ war wohl nie passender wie an diesem Tag in Seattle. Russel Wilson zeigt sein wahres Gesicht und läuft einen Touchdown von der 1-Yard Linie. 14:19, noch 2:09 Minuten zu spielen! Selbstverständlich werden nun alle Möglichkeiten versucht das Spiel zu drehen und Steven Hauschka setzt an zum Onside Kick. Packers-Spieler Bostick rutscht das Ei durch die Hände, Chris Matthews macht es besser und fängt den Kick. Ballbesitz Seattle an der Mittellinie. Wilson erläuft ein First Down und noch wichtiger: Stoppt die Uhr noch gerade so vor dem Two-Minute Warning indem er ins Aus läuft. Die Seahawks machen weiter Druck: Marshawn Lynch erzielt einen 24 Yard-Touchdown und nach einer schier unglaublichen Two-Point Conversion von Wilson zu Tight End Luke Willson steht es auf einmal 22:19. Übrige Spielzeit: 1:25! Ein angezähltes Green Bay rettete sich mit einem 48 Yard-Field Goal kurz vor Schluss in die Verlängerung. 22:22, Overtime. Ein packendes Spiel in den bereits 60 gespielten Minuten sollte also noch einen Zuschlag erhalten. Seattle gewinnt den Coin Toss und erhält den ersten Ballbesitz der Verlängerung (diesmal wäre der bereits erwähnte Spruch von Matt Hasselbeck im Playoff-Spiel gegen die Packers besser angebracht gewesen!). Mit einem Touchdown im ersten Drive wäre das Spiel gewonnen und Green Bay erhält keinen Ballbesitz mehr. Nach drei Minuten und 19 Sekunden dann die Erlösung: Wilson zu Jermaine Kearse, zu dem Spieler, in dessen Richtung zuvor vier Bälle gingen, die zu Interceptions wurden. 35 Yard-TD, 28:22-Sieg, NFC Champions, zweite Super Bowl-Teilnahme nacheinander.

Ein vor Glück und Erleichterung weinender Russell Wilson, eine auf einem Fahrrad vollzogene Ehrenrunde von Michael Bennett und eine Stadt im Ausnahmezustand nach einem Spiel für die Geschichtsbücher.

Diese Geschichte sollte ein weniger erfreuliches Ende finden, als es am 1. Februar 2015 hieß: SUPER BOWL XLIX (49) in Glendale, Arizona.  Als Gegner warteten mit den AFC Champions die New England Patriots um Quarterback Tom Brady und den deutschen Right Tackle Sebastian Vollmer. Es war also angerichtet, um eine überragende Saison mit dem zweiten Super Bowl-Sieg in Serie zu krönen.

Rein ins Spiel, welches nach einem verhaltenen Start beider Mannschaften ein wenig vor sich hin plätscherte. Bis der Auftritt von Cornerback Jeremy Lane folgte, der leider auch sein letzter an diesem Abend sein würde. Nach einer gefangenen Interception wird Lane nach einem Tackle mit einem gebrochenen Handgelenk sofort ausgewechselt und verbringt den restlichen Abend nicht im Stadion sondern im Krankenhaus. Ein bitterer Moment, der ein wenig wie die berühmte Schockstarre schien. New England und Tom Brady bringen in der Folge nämlich ihren ersten Touchdown aufs Scoreboard und führen mit 7:0. Doch es folgte ein guter Drive der Seahawks, in welchem Russell Wilson und WR Chris Matthews Verantwortung übernahmen und der mit einem 3 Yard-TD Run von Marshawn Lynch das Spiel ausglich (7:7). In den letzten 30 Sekunden sollte noch einmal richtig Feuer in die Partie kommen, denn wer dachte beide Mannschaften würden sich mit 7:7 in die Halbzeit begeben der sollte eines besseren belehrt werden: Brady auf Tight End Rob Gronkowski bei noch 30 Sekunden Spielzeit, 7:14 aus Sicht der Seahawks. Doch wer dachte, dass die Seahawks sich damit zufrieden geben würden und sich mit einem „Quarterback Kneel“ und damit das Auslaufen der Zeit in die Halbzeit verabschieden würden sollte in den folgenden 29 Sekunden sein blaues Wunder erleben. Russell Wilson zeigt noch einmal eine Monster-Performance und legt einen nicht für möglich gehaltenen letzten Drive hin, der nach insgesamt 80 Yards mit einem gefangenen TD-Pass über 11 Yards von wieder Chris Matthews endete und somit bei 2 Sekunden in der ersten Halbzeit nicht wie erwartet 7:7 oder 7:14 auf der Anzeigetafel in Arizona erschien, sondern ein 14:14.

Den besseren Start in die 2. Hälfte erwischten die Seahawks und so stand es nach einem Hauschka-Field Goal und einer Interception von Bobby Wagner (die im darauffolgenden Drive mit einem 3 Yard-Touchdown von Doug Baldwin gekrönt wurde) 24:14 für Seattle. Mit diesem Stand ging es auch ins 4. Viertel. Das Momentum konnte aber nicht weiter genutzt werden und so musste man den nächsten TD-Pass von Brady auf Danny Amendola hinnehmen (24:21). Seattle konnte im nächsten Drive kein First-Down erzielen und somit kam New England relativ schnell wieder in Ballbesitz. Dieser wurde ärgerlicherweise mit Bradys drittem Touchdown (diesmal zu Julian Edelman) beendet und somit stand es zwei Minuten vor dem Spielende 24:28 aus Seahawks-Sicht. Doch wer der Meinung war, dass New England sich schon den Champions-Ring anstecken könne wurde zum wiederholten Male eines besseren belehrt! Seattle (und allen voran Russell Wilson) gab nicht auf und kämpfte sich kurz vor Ende des Spiels an die berüchtigte 1-Yard Line vor die Endzone der Patriots. Mitverantwortlich in dieser Phase war auch Jermaine Kearse mit einem unglaublichen Circus Catch. Schon am Boden liegend tippte er sich den Ball irgendwie von seinem Knie in die Hände und brachte seine Mannschaft so in gute Feldposition. Nun begann die wohl tragischste Schlussphase in der Geschichte des Super Bowl, verbunden mit einer Frage, die sich die ganze Welt in diesem Moment stellte: Warum bekam Marshawn Lynch den Ball nicht? Ob diese Frage berechtigt ist oder nicht, darüber dürfen wir nicht urteilen. Doch die Entscheidung polarisierte Fans, Spieler und Coaches stark.

Seattle verpasst leider den zweiten Super Bowl-Sieg in aufeinanderfolgenden Jahren denkbar knapp und muss sich bis heute für die Entscheidung in der Schlussphase verantworten. Ein kleines persönliches Statement möchte ich zu dieser abgeben: Wenn es funktioniert hätte, wäre die Reaktion genau andersrum gewesen und Pete Carroll und sein Coaching Staff wären als Helden in die Geschichte eingegangen. Ich fand es mutig und es zeigt den Stil der Trainer in dieser Situation ganz gut. Ein gewisses Maß an Risiko gehört in einer komplett durchdachten Sportart einfach dazu. Mut wird den Seattle Seahawks bestimmt noch den ein oder anderen Vorteil verschaffen. Da bin ich mir sicher. Klar hilft das alles nicht über die Realität hinweg und man muss sich mit der Entscheidung abfinden, aber ich würde dieser vergebenen Chance nicht nachweinen, sondern versuchen, es beim nächsten Mal einfach besser zu machen.

2015: Das Jahr danach

Der Super Bowl 49, er steckte wohl noch in vielen Seahawks-Köpfen drin. Sowohl Spielern als auch Trainern merkte man die Unsicherheit teilweise zum Start in die 40. Saison der Seahawks noch an und so wurden prompt die ersten beiden Spiele gegen die Rams und Packers verloren. Der in der Offseason getätigte Trade mit den New Orleans Saints, in welchem Tight End Jimmy Graham und ein 4th-Round Pick gegen Center Max Unger und einen 1st-Round Pick getauscht wurden, zeigte noch nicht die gewünschte Wirkung und auch die Leistungsträger der vergangenen Jahre zeigten nicht ihre gewohnte Stärke. Bis zur spielfreien „Bye Week“ am 9. Spieltag konnte man den Record ein wenig aufbessern und stand somit bei 4-4. Besonders ärgerlich hierbei die beiden Niederlagen gegen Cincinnati und Carolina, bei denen man jeweils im 4. Viertel eine Führung verspielte. Doch die zweiwöchige Pause sollte Wirkung zeigen und die Köpfe wurden wohl gerade noch rechtzeitig wieder frei um sich der anstehenden Aufgaben bewusst zu werden. Nach einer knappen Niederlage gegen die Arizona Cardinals konnten nämlich die nächsten fünf Spiele souverän gewonnen werden. Vor allem die wichtigen Siege gegen die Pittsburgh Steelers und Minnesota Vikings zeigten das wahre Gesicht und die Qualität, die in dieser Mannschaft steckt. Doug Baldwin stellte den Team-Rekord mit insgesamt 14 Receiving-Touchdowns/Saison ein und auch Russell Wilson lief zu Hochform auf und knackte ebenfalls etliche Rekorde in dieser Phase. Nach einem 30-13 im Heimspiel gegen die Cleveland Browns am 15. Spieltag konnte somit die vierte Playoff-Teilnahme in Folge und die fünfte in sechs Jahren unter Pete Carroll bejubelt werden.

Nach einem überragenden 36-6 Sieg am letzten Spieltag gegen die NFC West Champions Arizona Cardinals beendete man die Saison 2015/2016 mit einem Record von 10-6. Russell Wilson schaffte es als erster Seahawks Quarterback über 4.000 Yards in einer Regular Season zu werfen (4.024) und steuerte zudem einen Franchise-Rekord mit 34 Touchdowns bei.

Somit startete man also in die Playoffs, in denen man zum ersten Mal nach zwei Jahren die Wild-Card Round bestreiten musste – gegen die Minnesota Vikings, gegen die man bereits in der Regular Season gewonnen hatte. In Minneapolis warteten eisig kalte Temperaturen. Beim Kickoff waren es -21 Grad Celsius, wodurch die Partie sowohl für die Fans als auch für die Spieler eine der eher „unangenehmeren“ Sorte wurde. Auch das Spiel an sich litt unter den Temperaturen und wurde ein komplett anderes als noch in Woche 13. Nach drei sehr durchwachsenen Vierteln und einem 0:9-Zwischenstand (drei Field Goals von Blair Walsh) kam in der 47. Spielminute endlich der sogenannte Game Changer, der jedoch zuerst ganz und gar nicht danach aussah. Nachdem Russell Wilson für einen Snap von Center Patrick Lewis noch nicht bereit war und der Ball an ihm vorbeiflog waren die Seahawks wortwörtlich am Boden und jeder dachte: „Das war es!“ Doch Wilson zeigte wieder mal seine magischen Fähigkeiten, ein Spiel oder eine aussichtslose Situation noch zum Positiven zu drehen, nahm den Ball auf, entwischte fünf Verteidigern und warf in allerletzter Sekunde einen Pass auf Tyler Lockett, der diesen zu einem neuen First Down und noch viel wichtiger, bis kurz vor die gegnerische Endzone trug. Erinnerungen an den unglaublichen Comeback-Sieg aus der letzten Saison gegen die Green Bay Packers wurden wach und diese Gedanken wurden sogar noch realistischer, als kurz darauf Doug Baldwin (wer sonst?!) für die ersten Punkte sorgte. 7:9 aus Sicht der Seahawks. Im folgenden Drive der Vikings erzwang Kam Chancellor einen Fumble von RB Adrian Peterson, den die Seahawks das ganze Spiel wieder gut im Griff hatten. Daraus entstand ein 46-Yard Field Goal von Steven Hauschka und somit die erste Führung im Spiel für unser Team: 10:9 und noch 8 Minuten zu spielen. Das Spiel war gedreht und es war wieder angerichtet für ein spannungsgeladenes Finale, das für die Seahawks eigentlich ein bitteres Ende parat hatte. Die Vikings schafften es 26 Sekunden vor Schluss bis kurz vor die Endzone der Seahawks (unter anderem wegen einer Pass Interference-Strafe gegen Chancellor) und entschieden sich für ein Field Goal aus 27 Yards Entfernung. Eigentlich eine gute und sichere Entfernung für jeden Kicker, doch dies sollte sich an diesem Tag ändern! Blair Walsh trat an, um das Spiel zu entscheiden. Doch es kam alles anders als gedacht – das Glück war auf Seiten der Seahawks. Walsh schoss links an den Stangen vorbei. Ob es Glück oder doch das verdiente Ende war, sei dahin gestellt. Fakt war aber, dass die Seahawks in die nächste Playoff-Runde einzogen.

Somit durfte man also in der Divisional Round der Playoffs eine Woche später zu den Carolina Panthers reisen, die während der Regular Season eine fast perfekte Bilanz hingelegt hatten. Eine deutliche Leistungsteigerung im Vergleich zum Minnesota-Spiel war von den Seahawks gefordert. Doch diese Hoffnung war relativ schnell zunichte gemacht, führten die Panthers nach nicht mal vier Minuten bereits mit 14:0. RB Jonathan Stewart und eine in die Endzone getragene Interception von Luke Kuechly sorgten früh für klare Verhältnisse. Russell Wilson und die komplette Offensive kamen in der 1. Halbzeit nicht zum Zuge und nach einer weiteren Interception von Wilson und weiteren Punkten der Panthers stand es zur Halbzeit 0:31 aus Seattle-Sicht. Doch wer dachte, Seahawks würden sich kampflos geschlagen geben, sollte wieder einmal falsch liegen. Nach gerade einmal eineinhalb gespielten Minuten im 3. Viertel kamen endlich die ersten Punkte aufs Scoreboard. Wilson zu Jermaine Kearse für einen 13-Yard Touchdown, nur noch 7:31. Es sollte der Anfang eines weiteren unglaublichen Comeback-Versuchs werden, denn bei noch 7:41 Minuten Spielzeit im 3. Viertel folgten bereits die nächsten Punkte. Wilsonwarf seinen zweiten Touchdown. Abnehmer diesmal Rookie Tyler Lockett mit einem unglaublichem Flug-Catch und einem 33-Yard Touchdown. Neuer Spielstand: 14:31. Sollte sich das Packers-Szenario wiederholen? Die Defense trug ebenfalls ihren Part dazu bei und stoppte die Panthers immer wieder. Hauptakteur des Spiels sollte (wieder einmal) Russell Wilson werden. 6:05 Minuten vor Ende und bei Third & Goal war es wieder Zeit für einen typischen Wilson-Spielzug, der in der 1. Halbzeit wohl noch eine weitere Interception gewesen wäre. Haarscharf segelte der Ball über Panthers-CB Josh Norman in die Endzone, wo erneut Jermaine Kearse wartete – 21:31. Nach einem Field Goal von Steven Hauschka zum 24:31 war plötzlich alles möglich. Nötig für die Verlängerung waren aber ein erfolgreicher Onside Kick und ein Touchdown. Doch zum Leidwesen aller 12s wurde es diesmal nichts, das letzte Fünkchen Hoffnung erlosch.

Die Saison war für viele Experten nach einem durchwachsenen Start schon gelaufen, doch das Team gab niemals auf. Die Ära Carroll/Schneider/Allen/Wilson ist trotz des Ausscheidens in dieser Saison eine der erfolgreichsten in der Franchise-Geschichte.

2016: Kuriose Berg- und Talfahrt

Nach einer ruhigeren Off- und Preseason begann die neue Saison mit einem Heimspiel gegen die Miami Dolphins. Dieses konnte knapp mit 12-10 gewonnen werden, wodurch man seit nun acht Opening Home Games ungeschlagen ist. Bis zur Bye Week in Woche 5 konnte man den Record auf 3-1 ausbauen und die Grundlage für eine starke 2. Saisonhälfte legen.

In dieser warteten einige verrückte Spiele auf die Seahawks, unter anderem der enorm wichtigen Siege gegen das offensivstarke Atlanta oder die Super Bowl-Revanche gegen die New England Patriots. Erneut war die berühmte 1-Yard-Line der entscheidende Ort des Geschehens, diesmal jedoch mit positivem Ausgang für Seattle. Ein weiteres verrücktes Spiel war das 6:6-Unentschieden nach Verlängerung in Woche 7 gegen die Arizona Cardinals mit zwei Kickern, denen die Nerven flatterten. Am Ende gewannen die Seahawks die NFC West mit einem Record von 10-5-1, was den Titel in der Division und den 3. Platz in der NFC bedeutete, denkbar knapp am 2nd Seed und einem First-Round Bye vorbei.

So musste man also bereits in der Wild Card-Round gegen die Detroit Lions antreten. Die Aufgabe wurde standesgemäß bewältigt und das Spiel mit 26:6 gewonnen. WR Paul Richardson fing ein paar unglaubliche Bälle, RB Thomas Rawls stellte mit 161 Yards und einem erlaufenen Touchdown einen neuen Franchise-Rekord auf. So ging es in der Divisional Round eine Woche später zu den Atlanta Falcons. Die beste Offense um MVP-Kandidat Matt Ryan, Julio Jones und Devonta Freeman traf auf eine der besten Defenses der Liga. Nach der 7:0-Führung durch Jimmy Graham, zeigte Atlanta, warum es ligaspitze ist. Und es sollten die drei bereits erwähnten Spieler werden, die den Seahawks Kopfzerbrechen bereiteten. Ryan auf Jones, 7:7. Nach einem Hauschka-Field Goal, einem äußerst kuriosen Safety für die Falcons und einem TD durch Coleman stand es 10:19 für die Falcons zur Halbzeit. Nach der Halbzeitpause ging es ohne Gnade so weiter. Zwei TDs durch Freeman und Sanu und ein Field Goal machten die Niederlage eindeutig: 20:36. Der ehemalige Defensive Coordinator der Seahawks und jetzige Falcons-Head Coach Dan Quinn zog mit seinem Team ins NFC Championship Game und später in den Super Bowl ein.

Eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen fand also wie bereits im Vorjahr sein Ende in der Divisional Runde. Zum fünften Mal in Serie erreichte Seattle die Playoffs und gehörte sogar zu den acht besten Teams der NFL. Den Verlust von Marshawn Lynch und die Ausfälle von Thomas Rawls in Großteilen der Saison und am Ende von Earl Thomas waren nicht zu verkraften. Trotzdem kämpften die Seahawks sich bis ins Viertelfinale durch.