Recap: Regular Season 2017 (Week 15) – Rams @ Seahawks

Im wichtigsten Spiel des Jahres erlebten die Seattle Seahawks ein paar der bittersten Stunden in der Ära unter Head Coach Pete Carroll. Die 42:7-Niederlage war die deutlichste unter dem aktuellen Cheftrainer. Zu gut und abgezockt waren die Los Angeles Rams am Sonntagabend im CenturyLink Field. In allen Belangen fand Seattle in dem jüngeren, gesünderen und vielleicht inzwischen auch talentierteren Team seinen Meister. Die Chancen auf die Playoff-Teilnahme sind massiv gesunken. Eine Analyse.

Special Teams: Sieben von acht Drives, in denen Los Angeles punktete, begannen in der Hälfte der Seahawks. Darunter war auch ein Punt Return an die 1-Yard-Linie der Seahawks im ersten Viertel. Das ganze Spiel über dominierten die wie so oft starken Special Teams der Rams die der Seahawks. Returns von Tyler Lockett wurden stets im Keim erstickt, während Seattle durch gute Blockarbeit (und ein paar Blocks in den Rücken) der Rams immer wieder lange Returns zuließ. Die schlechte Feldposition war der Anfang vom Ende und der Schlüssel zur effizienten Punkteausbeute der Rams. Selten zuvor wurde so eindrücklich verdeutlicht, wie wichtig die Special Teams sind.

Offense: Nur 220 Yards brachten Russell Wilson und uns seine Kollegen zustande. Wilson stand ständig unter Druck und zeigte auch nicht immer die Beweglichkeit, die ihm schon so oft in dieser Saison die Spielzüge gerettet hat. Zwar warf der Spielmacher keine Interception (14/30, 142 YDS, 1 TD), verfehlte aber häufig seine Anspielstationen. Scheinbar einfache Pässe brachte er nicht an den Mann. Dieser Abend dürfte das Ende von Wilsons MVP-Kampagne gewesen sein.
Doch auch bei einem Russell Wilson in Bestform hätte es mit dieser Mannschaftsleistung wohl nicht zum Sieg gereicht am Sonntag. Er bekam kaum Hilfe von der Offensive Line, sieben Mal wurde er zu Boden gebracht. Ob Brown, Pocic oder Ifedi – in diesem Spiel tat sich kein Spieler der Offensive Line positiv hervor. Folglich ging auch im Laufspiel nicht viel. Mike Davis hatte kaum Raum, die Folge waren lange zweite oder dritte Versuche. Die Seahawks-Offensive wurde schon an der Line of Scrimmage von der Front Seven der Rams um den bärenstarken Aaron Donald (3SCK) lahmgelegt. Der machte mit Right Guard Ethan Pocic, was er wollte.

Defense: Die Defensive der Seahawks war oft mit zu guter Feldposition der Rams konfrontiert und war dann auch nicht in der Lage, den gefährlichsten Spieler des Gegners zu stoppen. Running Back Todd Gurley kam auf 180 Yards insgesamt sowie drei erlaufene Touchdowns und einen Receiving-Touchdown. So musste Quarterback Jared Goff nur Pässe für 120 Yards werfen, um mit seiner Mannschaft auf insgesamt 42 Punkte zu kommen. Während die Laufverteidigung mit dem merklich angeschlagenen Bobby Wagner und ohne den verletzten K.J. Wright eine Katastrophe war, übte die Defensive Line über die gesamte Dauer des Spiels wie schon gegen die Jacksonville Jaguars kaum Druck auf Goff aus. Darüber hinaus stimmte in manchen Situationen die Kommunikation nicht. Bei zwei Touchdowns sah sich ein Rams-Receiver keinem Gegenspieler gegenüber. Dazu kamen viele verpasste Tackles, die den Rest taten.

Fazit:

Die deutliche Niederlage hat den Seattle Seahawks mit all ihren Verletzten deutlich die Grenzen aufgezeigt. Gegen die deutlich frischeren Los Angeles Rams war ein Sieg den gesamten Abend über nicht in Reichweite. Der Auftritt vor heimischer Kulisse war ein kollektives Versagen der Mannschaft aus dem Pacific Northwest. Die Playoffs sind in weite Ferne gerückt, Seattle hat das Erreichen der Postseason nicht mehr in der eigenen Hand. Einmal mehr sollte sich jeder Fan ins Bewusstsein rufen: Erfolg in der NFL ist vergänglich und nicht selbstverständlich. Das, was Anhänger der Seahawks in den vergangenen Jahren erleben durften, ist ein Luxus, den es in der Liga nicht häufig gibt.

Nach solchen Spielen ist es Zeit, als Fan Charakter zu zeigen. Gerade jetzt ist die Unterstützung des Teams wichtig. Und übrigens: 8-6 ist kein Record, über den man sich aufregen muss oder den kompletten Neuanfang herbei schreien sollte. Dieses Team hat außerordentliche Charaktere wie Russell Wilson oder Bobby Wagner oder Earl Thomas – und auch wenn die sich nach schmerzhaften Niederlagen mal zanken und damit zeigen, dass sie einfach nicht gerne verlieren, so ist dadurch weder die Chemie der Mannschaft zerstört noch die erfolgreiche Zukunft im Eimer.

Es müssen schwierige Entscheidungen getroffen und Fragen gestellt werden in der Offseason, kein Zweifel. Personelle Entscheidungen und Entscheidungen bezüglich der Philosophie. Fragen zum Führungsstil und Fragen nach nach Alternativen. Doch solange die Playoffs rechnerisch noch möglich sind, hat diese Debatte keinen Sinn.

Folgende Szenarien könnten die Postseason für Seattle noch möglich machen:

  • Gewinn der NFC West: Ganz einfach: Verlieren die Rams (bei den Tennessee Titans und gegen die San Francisco 49ers) zweimal und gewinnen die Seahawks (bei den Dallas Cowboys und gegen die Arizona Cardinals) zweimal, haben beide Teams einen Record von 10-6. Seattle steht dann aufgrund der besseren Bilanz innerhalb der Division auf Platz eins und ist für die Playoffs qualifiziert.
  • Wild Card in der NFC: Die nötigen Kombinationen an Ereignissen sind kompliziert. Deshalb nur soviel: Atlanta und Detroit müssen Spiele verlieren, sonst ist die Postseason für Seattle nicht mehr drin. Eine detaillierte Auflistung der Szenarien folgt Mitte der Woche.